Kızılot Tag 1: Final Destination

Endlich, das Ziel!

geschrieben von Яedeemer Sonnabend, 22. September 2012 um 22:29 UhrDarstellungsfehler möglich

paw·ned‹4›2 ist fertig. Es wird am 28. September erscheinen. Zeit für 9 Tage Urlaub. In Kızılot (ke-se-lott mit kurz gesprochen „E“s kommt der einheimischen Aussprache nahe) an der türkischen Südküste, meine erste Flugreise seit 15 Jahren. Gebucht im Internet über vTours.

Flughafenrundfahrt zu gewinnen

Los geht mein Urlaub in Hannover, wo um 6:05 der Airbus A321 nach Antalya starten soll. Ich war total nervös und habe letzte Nacht nur 2 Stunden und diese Nacht gar nicht geschlafen.

„Zum Glück muss ich den Flug nicht fliegen.“, denke ich mir. Der Pilot, den man vom Gangway sieht, sieht glücklicherweise auch ziemlich wach aus. Vielleicht ein Grund, warum seit 24 Jahren beim Condor Flugdienst nichts mehr abgestürzt ist. Oder weil die neuen Piloten-Wachhalte-Methoden gut funktionieren.

Mit 15 Minuten Verspätung macht sich das Flugzeug mit den 210 Passagieren auf zur Startbahn. Die Fahrt quer über den Flughafen dauert ganze 10 Minuten. Während ich Hafenrundfahrten bereits kenne – zuletzte hatte ich in Hamburg eine gemacht –, sind mir Flughafenrundfahrten neu. „Fahren wir jetzt etwa nach Antalya?“, frage ich mich.

Märchenstunde

Mein Kopfhörer ist im Koffer, daher kann ich dem Bordfilm nicht folgen, der mir die € 3,50 für den Kopfhörer nicht wert ist. Vielleicht hätte ich bezahlt, wenn Final Destination, Snakes on a Plane, Katastrophenflug 232 oder Plane Dead gelaufen wäre. Wobei, TV Spielfilm meinte ja zu letzterem schon, den gebe es garantiert nie im Bordkino. Hmpf.

Ich sitze direkt neben dem Notausgang, sodass rechts von mir in entgegengesetzter Richtung ein Sitz für einen Steward ist. Das Alternativprogramm ist die Märchenstunde eines Herren knappe 40, der sich dort nach Start des Fluges hingesetzt hat, nachdem dort zuvor ein Steward saß, der sich gegenüber den Fluggästen über seine Kollegin lustig machte, indem er sie als zu dünn (was sie nicht war) und daher als „Ideal-Stewardess“ bezeichnete. Kommen wir nun aber wieder zu dem anderen Mann.

Seine Tochter arbeite bei Condor. Daher könne er dann mal kostenlos wo mitfliegen, doch dies sei sein erster Flug überhaupt gewesen, der voll war. Dabei sei er schon überall auf der Welt gewesen, selbst drüben in Miami.

Der Mann textet die Fluggäste in der Reihe hinter mir fast den ganzen Flug über voll. Nur als es Frühstück gibt – bzw. für ihn ein Premium-Frühstück – gibt er Ruhe.

Im Allgemeinen bin ich schon froh, diesen Flug bekommen zu haben. Als ich zuerst buchen wollte, ging der Hinflug spät abends und der Rückflug früh morgens (jeweils mit SunExpress, einer Mischung aus Lufthansa und Turkish Airlines), was jeweils als Übernachtung zählen sollte. Da ich aber zögerte und etwas wartete, war ein paar Tage später nur noch die jetzt von mir gebuchte Kombination für geringfügig mehr Geld verfügbar, mit spätem Rückflug um 20:40.

Willkommen in Antalya

In Antalya geht es nach dem Landen direkt zur Passkontrolle, die ich zuerst nicht finde. Die Schalter sehen einfach für mein Befinden nicht danach aus. Für die Einreise genügend der deutsche Personalausweis, ein Visum braucht man als Deutscher nicht. Stattdessen gibt's kostenlos einen kleinen unscheinbaren Wisch.

Nach der Gepäckannahme – mein Koffer war natürlich unter den letzten – geht es für mich weiter zum Schalter des Reiseunternehmens. Ich hatte zwar den Transfer storniert, da ich einen Mietwegen gebucht hatte, aber das wurde mir nicht bestätigt, daher will ich das abklären. Die „Schalter“ sind 80 kleine Stände, die draußen vorm Flughafenausgang in einem überdachten Bereich stehen. Davor treffe ich zunächst mal den Mann von der SAY-Autovermietung, wo ich meinen Mietwagen über CarDelMar gemietet habe. Während er mich zum Auto führt, kommen wir am Schalter des Reiseveranstalters vorbei, wo ich nachfrage. Offenbar wurde der Transfer gestrichen, also geht's direkt weiter zum Mietwagen. Der steht im absoluten Halteverbot, aber als beim Unterschreiben des Mietvertrags ein Polizist vorbeikommt, reichen ein paar Worte des Vermietungsmenschen, um offenbar alles klarzustellen.

Als erstes geht's zum Tanken, da die Vermietung nach der Leer-Leer-Reglung erfolgt. In der Türkei wird man von Tankwarten betankt, was ohnehin schon eine Sprachbarriere darstellt. Dazu kommt dann noch, dass Lira (die Währung der Türkei) und Liter oder ähnlich klingen und schon hat man ein perfektes Chaos. Benzin kostet in der Türkei etwa so viel wie in Deutschland.

Autofahren in der Türkei


Nahe Serik stehen viele solcher Öfen an der Straße.

Autofahren in einem fremden Land, das ist zuerst einmal ungewohnt. Immerhin gibt es beim Auffahren auf die Fernstraße D400 ein Schild, auf dem nochmal die Verkehrsregeln zusammengefasst sind: 50 innerorts, 90 außerorts, 120 auf den Autobahnen.
Die Antworten auf alle anderen Fragen erschließen sich irgendwie von selbst. Hier aber ein paar wichtige Dinge:

Wie gut sind die Straßen ausgebaut?
Die Straßen an sich sind gut und sehr breit, zumindest all jene bis zu meinem Hotel (knapp 100 km). Die Frage, wie viele Spuren die haben, ist allerdings nicht so leicht zu beantworten, denn trotz guter Qualität des Straßenbelags ist von den Straßenmarkierungen auf dem gesamten Weg fast gar nichts mehr zu erkennen. Daher erscheidet sich die Anzahl der Spuren je nach Situation – und ändert sich auch mindestens genau so schnell. Wer da nicht hinterherkommt, der... sollte lieber in Deutschland Auto fahren.

Ist in der Türkei Rechtsverkehr?
So pauschal kann man auch das nicht sagen. Auf den eigentlichen Spuren ist Rechtsverkehr. Dann gibt es aber noch den unberechenbaren Standstreifen. Da fährt einfach jeder, wie er will. Geisterfahrer sind hier eher die Regel als die Ausnahme und auch Trecker sind der öfteren auf den Fernstraßen anzutreffen.

Wie steht es um die Sicherheit der anderen Fahrzeuge?
In der Türkei wird gerade der TÜV eingeführt, dort dann halt TÜV Türk. Das habe ich letztens auf VOX gesehen. Auf jeden Fall begegnen mir vor allem in Gebiet nahe Antalya Klapperkisten jenseits von Gut und Böse, die definitiv nicht durch den TÜV gekommen sind.

Kann ich nach Google Maps fahren?
Nein. Auf der Route, die mir vom Flughafen Antalya zum Hotel vorgeschlagen wurde, sind viele Umwege enthalten. Direkt nach dem Flughafen sollte ich zuerst mal eine Ehrenrunde über die Zufahrt zum Ic Airport Hotel drehen. Ebenfalls sollte ich an mehreren Ausfahrten abfahren, wo man direkt gegenüber wieder auf die Fernstraße fahren kann, und dies ebenfalls tun. Wenn man das Hotel sucht, befindet es sich am Strand. Das ergibt bei einem „Beach Hotel“ ja auch Sinn. Allerdings wird das Hotel zusätzlich noch einmal mitten im Ort angezeigt. Wenn man dies alles beachtet, spart man nicht nur Druckertinte sondern auch Benzin und kann eigentlich doch ganz gut fahren.

Was gibt es sonst noch für Besonderheiten?
Auch türkische Fahrzeuge haben an allen vier Ecken so gelbe Lampen. In Deutschland nennt man die Blinker. In der Türkei gibt es vermutlich keinen Namen dafür, denn warum sollte man Dingen einen Namen geben, wenn man die eh nicht benutzt?
Ebenfalls wenig bekannt und/oder beliebt sind die Wendeverbot-Schilder an den Stellen, an denen zwischen den beiden Fahrspuren eine kurze Verbindung besteht. Vielleicht ist das aber keine gute Idee, sie zu ignorieren?

Die Fahrt, die in Kızılot wegen einer verpassten Abzeigung erstmal noch ein paar Meter als Geisterfahrer über die Fernstraße und dann durch die unbefestigten Straßen des Ortes führt, endet dann am Ende doch wo sie sollte vorm Şafak Beach Hotel/Motel. Von vorn sieht das zugegebenermaßen wenig einladend aus (was mich zunächst ziemlich schockiert), die Zimmer sind aber schön und groß, und auch der Pool- und Essens-Bereich ist schön angelegt.

Ab zur Bank

Irgendwie dachte ich, dass sie mich beim Tanken abgezogen haben. TRY 2,20 (das Symbol für die Währung wurde erst vor kurzem eingeführt, sodass es wohl noch keine Schriften damit gibt, obwohl es schon in Unicode ist: ₺) habe ich für € 1 bekommen. Der tatsächliche Wechselkurs liegt aber am Ende doch nur 5% höher. Dennoch ist es mir lieber, in Lira zu zahlen und ich suche mir im Internet einen Visa-Geldautomaten raus.

Die AkBank soll's sein, zumindest soll sie sich in der nächstgrößeren Stadt Manavgat direkt an der D400 befinden. Dort sehe ich sie aber nicht. Weiter in der Innenstadt finde ich eine Finansbank (ja, die heißt echt so), wo ich TRY 100 abhebe. Zu den vier Sprachen des Geldautomaten gehört immerhin sogar Deutsch. Knapp die Hälfte des Geldes lasse ich unterwegs bei einer Tankstelle für Getränke. Die Tankstellen sind zwar von namhaften Ketten, die Umsetzung ihrer Shops aber nicht entlang der Corporate Identity wie in Deutschland, sondern wie's halt so kommt. Bei der ersten Tankstelle gab es beispielsweise kostenlos Softdrinks und Wasser, während bei dieser jetzt auf einer recht großen Fläche des Verkaufsraums verschiedene zum Teil recht große Getränkepacks auf dem Boden stehen.

Sonnenuntergang

Abendessen

Das Abendessensbüffet ist toll (zumindest jetzt am ersten Tag), aber es ist schade, dass es nur zwei warme Komponenten und eine warme Suppe gibt, während die restlichen etwa 15 kalt sind. Heute ist das Büffet recht nudellastig, mit Nudeln kann man aber in der Regel auch nichts falsch machen.

Die Lage dieses kleinen 16-Zimmer-Hotels ist ebenfalls sehr schön: Der Strand ist direkt vor der Tür und das Gebiet ist noch nicht wirklich touristisch erschlossen und entsprechend ländlich. Gelegentlich versuchen sich somit die vier Schafe der beiden Weiden des von meinem Zimmer zu sehenden Nachbarhotels, das dem hier recht ähnlich zu sein scheint, anzublöken. Nur das Nachbarhotel auf der anderen Seite dreht gelegentlich mal die Musik etwas lauter.

Şafak Beach Hotel (links) und das manchmal etwas lautere Nachbarhotel, bei Nacht vom Strand aus aufgenommen

Warum ich gerade davon gesprochen habe, dass es „noch nicht“ massentouristisch erschlossen sei? Dazu gibt's ein anderes Mal mehr. Ebenso wie ich sicherlich nicht das letzte Mal über das Chaos auf den Straßen gelästet habe und noch weitere Bilder des Hotels einfüge.


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