Marokko Tag 5: Meknès, Fès – Das größte Labyrinth Afrikas

Butterfahrten für den Butterfahrtengott!

geschrieben von Яedeemer Montag, 23. September 2013 um 00:44 UhrDarstellungsfehler möglich

Hotelbewertung

SterneHotelnameZimmer
4Hotel Rif MeknèsES403
HotelRecht vornehmes Business-Hotel, glaube ich.6/10
LageBelebte Gegend, allerdings alles andere als nobel.8/10
ZimmerRiesig, mit genannten Problemen und etwas altbacken. Ständiges Surren. Barmusik vor Mitternacht deutlich hörbar. WLAN und (von mir nicht zum Laufen bekommenes) LAN auf dem Zimmer. Deutschsprachiges Fernsehen: ZDF.9/10
BadezimmerBad und Toilette getrennt. Toilettenzimmer ziemlich eng. Duschen-Typ: Badewanne.6/10
SauberkeitKeine schweren Mängel7/10
ServiceOrdentlich.8/10
Abendessen 1 Menü1. Tomatensuppe mit Nudeln und Kichererbsen: ganz nett7/10
2. Rührei, Tomaten, Karotten, Dressing: lecker, aber wenig8/10
3. Hackbällchen-Tajine mit Reis: interessant, könnte aber irgendwie würziger sein7/10
4. Creme Caramel: schmeckt nach nichts (das ist ein Vorteil gegenüber dem Hotel zuvor, wo sie nach Ammoniak schmeckte), nur die Soße schmeckt nach was (wobei ich noch Glück hatte, der Rest hatte bittere Soße)1/10
Abendessen 2 Menü1. Gemüsesuppe: Der Geschmack ist gut, aber irgendwie auch undefinierbar8/10
2. Bandnudeln Bolognese: nett, aber echter Parmesan schmeckt doch besser als normaler Käse8/10
3. Steak mit Kartoffeln und Karotten-Bohnen-Gemüse (Alternativgericht, normal wäre Fisch mit selben Beilagen): sehr nett9/10
4. Pâtisserie (Schokoküchlein): große Klasse10/10
FrühstückGanz OK.7/10
Abwertungenelektrische Sicherheit-0,5
GesamtwertungWeiterempfehlung: ja7/10

Fès

Heute geht es um 8:30 Uhr los nach Fès. Die Stadt wurde 789 von Idris I. gegründet und liegt verschwenderischerweise auf einer äußerst fruchtbaren Ebene. Es gilt als spirituelle, religiöse und kunsthandwerkliche Hauptstadt und ist typisch für alte marokkanische Hauptstädte.

Um 900 wurden erste „Universitäten“ gegründet und somit deutlich vor den ersten Unis in Europa.

Zwischen Meknès und Fès befinden sich viele Weinberge. Meknès ist die Weinregion Marokkos. Die Marokkaner trinken 40 Millionwen Liter Wein im Jahr, obwohl der Koran es ihnen verbietet.

Da die Marokkaner aber eben doch Alkohol trinken und die entsprechende Lizenz praktisch nur – mit Ausnahme des gestern und vorgestern erwähnten Ladens – an Hotels vergeben wird, befinden sich Discotheken fast immer in Hotels. Dort besaufen sich Marokkaner, obwohl die Lizenz nur für den Ausschank an Nicht-Muslime erteilt wird. Alkohol am Steuer wird nicht so eng gesehen, solange es keinen Unfall gibt.

Die islamistische Regierung von Marokko hat seit Amtsantritt vor anderthalb Jahren dreimal die Alkoholpreise erhöht.

Fès des 14. Jahrhundert

Zuerst besuchen wir eine Festung aus dem 14. Jahrhundert. Diese kann man nicht betreten, hat aber in ihrer Nähe einen Überblick über die Stadt Fès. Ein Bild der Stadt kommt noch gegen Ende des Artikels.

Anschließend besuchen wir den Palast von König Hassan, der ebenfalls aus dem 14. Jahrhundert ist. Der Palast ist wie alle Paläste geschlossen und daher kann man ihn nur von außen fotografieren und durch einen Spalt in der Tür gucken und auf einen Spalt in der Tür dahinter zielen. Dadurch sieht man allerdings auch nur einen Garten.


Dar El Makhzen

In der Nähe des Palasts befindet sich das ehemalige Judenviertel von Fès. Die Juden sind inzwischen alle weggezogen und Muslime haben in dem Viertel einen Suk (arabischer Markt, so wie der gestern mit den Fenster-Läden).


Suk im ehemaligen Judenviertel

Doch bevor wir jetzt zum großen Suk kommen, müssen wir als allererstes durch ... das Tor. Das blaue Tor um genau zu sein, wobei das auch erst seit 1913 blau ist. Die Araber nennen es übersetzt Soldatenvater, was den General der Streitkräfte bezeichnet.


Blaues Tor

Innerhalb des Gebietes des Suks laufen Warenlieferungen zumeist mit Eseln, gelegentlich mit Maultieren ab. „Balak!“ schreien die Leute dann, wenn sie vorbei möchten. Es gibt so unendlich viele Läden, dass ich mich wirklich Frage, wo die Leute in der Stadt denn nioch leben (während ich mich z.B. in London gefragt habe, wo die Leute einkaufen). Neben Läden befinden sich mehrere Universitäten aus dem 14. Jahrhundert, in denen Juristen und Beamte ausgebildet wurden. Um aufgenommen zu werden, musste man zwei Drittel des Korans auswendig können. Heute dient das Gebäude als Moschee.


Uni-Moschee

Danach besuchen wir eine Goldschmiede. Dort werden nur mit Hämmerchen und Meißelchen Muster in Teller gehauen sowie Figuren, Vasen und Teekannen herstellt, meist aus Bronze und Kamelknochen. Gekauft wird per Berberkredit: Eine Hälfte jetzt, die andere Hälfte sofort.


Goldschmied (wobei in dem Laden nichts wirklich aus Gold ist und es keine Ringe gibt; Die Bezeichnung passt nur immer noch am besten zu dem Beruf.)

Unser leicht an eine Butterfahrt erinnernder rund 8 Kilometer langer und 4 Stunden dauernder Rundgang bei 38°C durch den großen Suk bringt uns zuerst in einen Innehof, in dem Kleidung hergestellt wird, und dann zu einem Lederladen an der Terrasse der Gerber.


Schuh- und Taschenladen. Frauen sind an der Leine zu führen.

Die verkaufen da aber nicht nur Taschen und Schuhe, sondern haben auch zwei Terrassen mit Ausblick auf die Gerberterrasse (V).


Gerberterrasse. Die weißen Bottiche sind mit Kalk gefüllt, um die Haut weicher zu machen und den Gestank loszuwerden. Die anderen Bottiche dienen zum Gerben und Färben.

Da es, wie in der Bildunterschrift erwähnt, etwas stinkt, bekommen wir am Eingang Minze gereicht.

Danach gehen wir essen in einem Restaurant, das irgendwie an eine Moschee erinnert. Es ist dort deutlich teurer als bei anderen Restaurants; ich bezahle fast das dreifache (121 DH) von gestern (43 DH), aber diesmal war es auch keine Pizza sondern Gemüse-Tajine.


Restaurant Typequement Marocain

Außerdem befindet sich der erste von den bereits schon mal erwähnten öffentlichen Wasserhähnen in dieser Ecke.

Ebenfalls in der Nähe ist das Mausoleum von Kairaouine, das heute als Moschee mit 14 Toren und 16 Gebetsreihen dient.


Kairaouine-Moschee

Letzter Halt heute ist ein Atelier, das Stoffe herstellt und verarbeitet, noch ganz old-school mit dem Webstuhl. Hier wird auch Agavenseide herstellt.


Agavenseide-Atelier

Nach dem langen Fußmarschen erreichen wir dann den Bus und fahren zum Hotel. Wir machen noch einmal Halt und fotografieren die Altstadt von einem Hügel aus.


Fès
Damit ihr euch vorstellen könnt, wie groß der Suk ist und wie weit wir gelaufen sind: Endpunkt der Reise war das auffällige weiße Minarett genau in der Bildmitte. Der Anfang liegt knapp rechts außerhalb des Bildes.

Hotel


Das Hotel hat an einigen Stellen mit der Sauberkeit zu kämpfen. Dazu aber morgen mehr in der Hotelbewertung.

Auf dem Zimmer liegt ein Kärtchen, wo steht, dass das Zimmer kürzlich renoviert wurde (dafür ist der Fernseher aber ziemlich alt und ziemlich im Arsch) und Schäden ersetzt werden müssen. Außerdem steht dort, dass Gäste bitte nichts klauen mögen und Aschenbecher, Seifenschälchen, Bilder und Handtücher an der Rezeption kaufen können. So witzig das auch klingt, muss man ehrlicherweise sagen, dass erstere drei wirklich gut aussehen.

Vor dem Abendessen laufe ich noch etwas durch die Stadt und finde, wie schon gestern Mittag, zufällig die beiden Österreicher.

Das Abendessen ist ganz gut, bis es zum dritten Mal in vier Tagen Creme Caramel gibt, die ich nicht nur nicht mag, sondern auch inzwifschen nicht mehr sehen kann. Hat die marokkanische Küche nichts anderes zu bieten?

Danach gehen wir der Österreicherin Medizin kaufen. Mir wird unterwegs so übel, dass ich zum Hotel zurückgehen will, mich dabei aber total verlaufe.
Ich laufe also einfach so lange durch die Gegend, bis ich ein offenes WLAN finde – dankbarer Weise bietet die Mobilfunkfirma Meditel so etwas an – und mir eine Wegbeschreibung zum Hotel in Bing Maps angucken kann. Bei Ankunft stellt sich heraus, dass ich mich nicht nur verlaufen, sondern auch noch eine falsche Richtung im Kopf habe.

Ich kaufe mir dann noch etwas zu trinken.


Kommentare

Regine Eilers (Gast) fand am Sonntag dem 22. November 2015 um 15:25 Uhr:

Armer Kerl, heute wieder alles gut? So kann's gehen im Ausland.
Ich war in diesem Jahr im Sept. in Marokko. Rundreise durch die Königsstädte mir ausreichend Aufenthalt zum Auskundschaften, danach B adeurlaub in Agadir - ich fand alles traumhaft.
Die Suks in Fes sind natürlich gigantisch. Wir hatten 2 einheimische Führer dabei, sonst würden wir heute noch durch das Labyrinth laufen. Das o.g. Restaurant ist übrigens die ehemalige Villa einer reichen marok. Familie, sieht heute etwas eleganter aus, es gab Lamm-Tajine, einfach köstlich.

Marokko ist schon eine Reise wert, hoffentlich bleibt es noch lange von dem Terroristenwahn verschont!
lg R.P.

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