Namibia Tag 3: Windhuk, Rehoboth, Mariental, Gochas – Die große Langeweile

450 Kilometer und kaum was zu sehen...

geschrieben von Яedeemer Freitag, 27. März 2015 um 16:06 UhrDarstellungsfehler möglich

Um 6:37 reißt mich ein lautes, schrilles Geräusch aus meinem Schlaf, der wegen eines Fehlers bei der Zeitumrechung sowieso viel zu kurz ausfällt (ich dachte, ich hätte eine Stunde mehr, als auf meinem Laptop steht, aber tatsächlich habe ich eine weniger). Feueralarm? Nein, kann nicht sein, denn wenn Alarm bei der Feuerwehr ist, wird ja bekanntlich ins Bett gegangen und nicht aus dem Bett geworfen. Also mal gucken, ob es das Telefon ist. Ist es. An der anderen Seite wird sofort wieder aufgelegt. Legen ist ein gutes Stichwort, ich lege mich nämlich wieder hin. Wecker ist eh um 7:15 gestellt.

Schlafen ist aber nicht, denn um 6:45 geht das erste Flugzeug vom direkt neben dem Hotel befindlichen Flughafen Eros. Argh!

Also Zeit zum Duschen und Frühstücken.

Hotelbewertung

SterneHotelnameZimmer
4Safari Court Hotel & Conference CenterDZA Twin, 1041
HotelScheint mehr für Konferenzen als Urlauber gedacht zu sein.5/10
LageWeit weg von der Innenstadt direkt neben dem Inlandsflughafen Eros, wo von 6:45 bis 19:15 starker Flugverkehr ist. Darf ich Minuspunkte vergeben, darf ich, darf ich?-5/10
ZimmerGroß, aber hellhörig. Tür muss mit Schlüssel geöffnet und geschlossen werden. Kostenloses WLAN (200 MiB am Tag). Deutsche Fernsehsender: ZDF, Sat.1.7/10
BadezimmerStändiges Tropfen.6/10
SauberkeitKeine Beanstandungen.8/10
ServiceOK.8/10
AbendessenNicht enthalten.N/A
FrühstückMittelmäßig viel Auswahl, aber eine Station, wo man sich Eier nach Wunsch braten lassen kann: Entweder als Rührei oder Spiegelei, dazu weitere Optionen wie Röstzwiebeln, Käse, Paprika.7/10
GesamtwertungWeiterempfehlung: nein5/10

Die große Langeweile

Ich komme wie immer exakt pünktlich am Bus an. „Noch mit der Freudin gewhatsappt?“, fragt mich der Driverguide. „Ja, aber vorher schon“, meine ich und steige nach Prüfung meines Koffers in den Bus.

Der Bus ist anders, als man das sonst kennt: Die Fahrerkabine ist nicht abgetrennt und die sitze beginnen viel weiter hinten als bei normalen Bussen. Es gibt keine Rückbank, denn da steht kostenloses Wasser (4×330 ml pro Tag und Nase).

Unsere Gruppe besteht aus 20 Personen. Der Driverguide Uwe ist Deutschnamibier. Er erzählt zuerst etwas über Windhuk. Das habe so 350.000 bis 400.000 Einwohner, so genau wisse man das aber mangels Einwohnermeldeämtern nicht. Dazu kommt eine stetige Landflucht. Wir fahren zuerst zu einem Supermarkt in Windhuk-Olympia. Ich kaufe mir die Allgemeine Zeitung. Dort steht zufällig auch was über Landflucht auf der Titelseite, da die Statistikbehörde gerade die Arbeitslosenstatistiken von September veröffentlicht hat. 47,4% der 2,25 Millionen Namibier (das Land ist extrem dünn besiedelt) leben in Städten. Die Arbeitslosenquote liegt bei 28,1%. Daher sieht man viele Tagelöhner. Ebenfalls auffällig sind Tischereien unter freiem Himmel. Die Produktion erfolgt erwartungsgemäß nicht nachhaltig.

Wir fahren nach Süden. Auch hier ist überall Farmland eingezäunt. Die Zäune sind meist recht hoch, weil Wild demjenigen gehört, auf dessen Land es steht. Haut das Wild ab, ist das halt doof.

Random-Facts: Es besteht eine Pflicht für Schuluniformen, die jedoch von Schule zu Schule unterschiedlich aussehen.

Alle Fahrzeuge über 3 Tonnen müssen auf dieser Straße über eine Wiegebrücke und Maut bezahlen. Es gibt keinen wirklich öffentlichen Personenverkehr, daher fahren private Leute mit Bussen und Anhängern. Manchmal werden auch Ladeflächen von großen Pickups verwendet, wie ich gestern gesehen habe. Dann befindet sich da ein Gerüst drauf, wo sich 20 oder 30 Leute festhalten. Und ich dachte, Deutschland wäre spät dran mit den Fernbussen...

Die allermeisten Flüsse in Namibia führen nur zeitweise Wasser. Nur der Oranje (Südgrenze), Kuvene (Nordgrenze), Okawango und Sambesi führen stets Wasser.

Wir machen Halt bei einer Tankstelle in Rehoboth. Dort leben viele Menschen, die in Windhuk arbeiten, aber zugunsten eines niedrigeren Mietpreises gut eine Stunde je Richtung pendeln. Auch leben hier viele „Mischlinge“ der verschiedenen Volksgruppen.


In Namibia regnet es fast nie. Die Betonung liegt auf „fast“.

Berge und Büsche werden immer kleiner, je weiter wir nach Süden fahren – aus der Baumsavanne wird eine Buschsavanne. Wir erreichen den südlichen Wendekreis, auch Wendekreis des Steinbocks genannt.


Wendekreis des Steinbocks


Ist kein Steinbock, lebt aber an dessen Wendekreis: Eidechse (keine Ahnung was für eine).

Ansonsten ist auf der Strecke halt wirklich nicht viel zu sehen, was auch daran liegt, dass einem einzigen großen Nutztier 6 bis 17 Hektar zur Verfügung stehen.


Wie Sie sehen, sehen Sie nichts.

Man sieht ab und zu mal mehr mal weniger viele Termitenhügel und an einigen Bäumen oder Strommasten hängen Nester des Siedelwebers.



Siedelweber-Nester. Die Eingänge sind unten, damit eine Schlange (oder ein Waran) erst von oben um das Nest herum muss.

Wir fahren durch Kalkrand, das mal ein belebter Ort war, als die Bauern ihr Vieh zum Verkauf zum dortigen Bahnhof treiben mussten. Jetzt aber holen LKWs es direkt ab.

Als nächstes halten wir an einer Tankstelle in Mariental. Das ist ein Zentrum der Landwirtschaft. Selbst die Häftlinge im dortigen Gefängnis müssen Landwirtschaft betreiben.


Tankstellen-Zebra von Mariental

Wir fahren nach Stampriet. Auf dem Weg stehen einige Oryxe am Zaun.


Oryx

Die Strecke von Stampriet nach Gochas, unserem heutigen Nachtquartier, ist nicht befestigt. Gelegentlich befinden sich Ziegenherden neben der Piste, teilweise aber auch darauf, sodass man sie erst weghupen muss.

Im Hotel angekommen ist Zeit zum Bloggen, bevor es zwei Stunden später mit einem Ausflug weiter geht.


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