Kuba Tag 8: Trinidad – Mit Rhythmus im Blut

Heute besichtigen wir die Stadt Trinidad.

geschrieben von Яedeemer Sonntag, 31. Juli 2016 um 00:42 Uhr

Fieberthermometer sagt 36,9°C. Ich denke, es war die richtige Entscheidung, gestern nicht ins Krankenhaus zu fahren. Ich hätte gedacht, dass mich jemand weckt, um zu fragen, wie’s mir geht. Macht aber keiner. Daher wache ich auf natürliche Weise auf und es bleibt gerade noch Zeit, um zu duschen. Frühstück fällt auch aus, aber ich habe eh keinen Hunger.

Zerfallene Kirche von Trinidad
Zerfallene Kirche von Trinidad (vorgezogenes Bild vom Nachmittag)

Der Bus fährt uns zur zerfallenen Kirche. Davor liegt dieses Ding herrenlos herum:

Räucherungsgerät
Der Gerät wird nicht müde.
Der Gerät schläft nicht ein.
Der Gerät ist immer vorm Chef im Geschäft.
Der Gerät räuchert die Moskitos schweißfrei.
Babykatze
Flauschität 10/10 *awww*

Wir halten es zunächst für einen Motor oder so. Tatsächlich ist das ein Räucherungsgerät. Leute vom Gesundheitsministerium versuchen damit, Häuser vor Mücken zu schützen.

Trinidad hat eine ungewöhnliche Lage. Es liegt nicht am Meer sondern ein klein wenig im Landesinneren. Das liegt daran, dass man hier auf Gold von einem Fluss hoffte. Weil dem nicht so war, gingen viele Leute nach Mexiko.

Später kam die Stadt durch Zuckerwirtschaft zu Reichtum, man kümmerte sich aber nicht um die Wartung der Maschinen und verfolgte nicht den Bau einer Eisenbahnlinie nach Havanna. Dadurch ging es wieder bergab mit der Stadt, die sich jetzt durch den Tourismus erholt.

An uns trägt jemand einen Käfig vorbei. Darin befindet sich ein Singvogel. Die sind nicht zum Essen da, sondern weil sie so schön singen, erklärt die Reiseleiterin. „Kubanisches Radio“, sage ich.

Straße in Trinidad
Straße in Trinidad (vorgezogenes Bild vom Nachmittag)

Die Häuser in Trinidad sind farbenfroh bemalt. Der Legende nach geht dies auf einen Mexikaner zurück, der fand, dass die Einfarbigkeit der Häuser blende. Daher sollten alle Häuser bunt gestrichen werden. Plot-Twist: Er war der Besitzer der lokalen Farbfabrik.

Markt in Trinidad
Eine (von dreien?) als Markt für Touristen genutzte Straße
Casa de la trova
Fidel Castro versuchte, Musik zu verbieten. Musik sei Vergnügen, so wie es die Amerikaner taten, die hier den Dingen nachgingen, die in Amerika verboten waren. Allerdings ließ sich das kubanische Volk die Musik nicht verbieten und Castro richtete solche Gebäude ein.

In Trinidad wird der 15. Geburtstag groß aufgezogen, vor allem von Mädchen. Dann werden zwei Fotos gemacht, eins in einer Art Brautkleid, eins im Bikini. Die hängt man sich dann in Küche oder so. Heiratsalter ist wie bei uns. Und falls es nicht klappt: Scheidungen sind in Kuba sehr billig.

Wir wollen ein Museum besuchen. Das hat heute zu. Das als Ersatz vorgesehene wird umgebaut. Also gehen wir zum „Museum für den Kampf gegen die Banditen“. „Banditen“ meint die Kontrarevolutionäre, die nach Castros Machtübernahme im Jahre 1959 gegen ihn kämpften. 1965 erklärte Castro das Land für banditenfrei.

Das Museum wurde hier 1984 eingerichtet. Es basiert auf einem Franziskaner-Kloster. Der erste Franziskaner-Konvent war 1730. 1926 wurde der Turm gebaut, wegen dem wir eigentlich nur hier sind. 1928 wurde um den Turm herum gebaut und 1930 bis 1982 war das Gebäude eine Schule.

Wie gesagt, wir sind wegen des Turmes hier. Er ist der höchste Punkt der Stadt und der Ausblick fantastisch.

Blick vom Banditenmuseum aufs Meer
Man kann bis runter aufs Meer...
Blick vom Banditenmuseum ins Gebirge
...und bis hoch ins Escambray-Gebirge gucken. Das Escambray-Gebirge ist übrigens die regenreichste Region Kubas. Ausflüge dahin werden mit umgebauten russischen LKW unternommen. Nichts für Leute mit Bandscheiben- und Hüftprüblemen, meint die Reiseleiterin.

Das Museum ist verglichen mit dem Revolutionsmuseum eher unspektakulär und redundant. Es gibt allerdings ein Boot und einen Geländewagen zu sehen.

„Die Treppe“. Sie kostet abends wohl 1 Dollar Eintritt, wird mir erzählt. Auf den Zwischenebenen gibt es Cafés. Die Stühle sind hier nicht gut erkennbar (etwa bei der stehenden Frau im roten Top und dann noch einmal ganz oben).

Wir gehen über „die Treppe“ in einen Hinterhof mit viel Werbung für das lokale Bucanero-Bier. Hier treffen wir einen Musiker. Er erzählt uns viel über die Perkussion-Instrumente Kubas.

Perkussion-Instrumente
Auf Kuba gebräuchliche Perkussion-Instrumente

Wir trinken dabei was. Ich habe noch einen Dreiviertel-Dollar und sollte mal einen Geldautomaten finden.

Esel zu vermieten
„Apollo 13! Sei nicht so eine Esel stur!“

Neben dem Katholizismus gibt es in Kuba eine weitere verbreitete Religion. Sie kam mit den Naturreligionen der afrikanischen Sklaven auf die Insel. Damals hatten die Spanier innerhalb kurzer Zeit die Urbevölkerung Kubas nahezu ausgerottet. Ein Missionar namens Batholomäus schlug vor, die schlauen und lieben Ureinwohner Kubas zu schonen und afrikanische Sklaven zu nehmen – ein Vorschlag, den er nach der Umsetzung bereute.

Aus diesen Naturreligionen hat sich die Santería-Religion gebildet. Bei ihr werden Heilige wie Götter angebetet. Eine dieser Gottheiten ist die Jungfrau von Regla (hier: Yemayá). Als Tempel fungieren die Häuser der Priester, die sich der jeweiligen Gottheit versprochen haben. Eigentlich sind die Tempel nicht zugänglich, aber dieser hier ist eine Ausnahme.

Altar zur Ehren der Jungfrau von Regla
Altar zur Ehren der Jungfrau von Regla

Es gibt noch mehr Gottheiten. Jede ist mit einem Material (hier: Silber), ein oder zwei Farben (hier: blau und weiß) und einem Zuständigkeitsbereich (hier: Meer) verbunden. Die Jungfrau von Regla wird darüber hinaus mit dem Mond und Muscheln in Verbindung gebracht

Wer Mitglied der Religion werden möchte, muss Katholik sein und ein Jahr lang komplett weiß angezogen rumrennen. In der Zeit soll er nicht arbeiten. Nicht nur deshalb ist die Initation ziemlich teuer, auch wegen der ganzen Feierlichkeiten. In der Zeit finden diese Santeros genannten Leute dann langsam die Heiligen, die zu ihnen passen, und hängen sich Ketten in deren Farben um.

Die Reiseleiterin nimmt uns mit zum Geldautomaten. Es ist nicht so viel los und es klappt diesmal sofort bei mir. Andere mit Mastercard haben Probleme. Anschließend gehe ich zum Restaurant neben dem Tempel, in dem acht von uns Mittag essen. Eine Frau bekommt gerade ihre Pizza. Das will ich auch. Pizza ist jetzt aber ausverkauft. tuKola auch. Also Spagetti und Cola Light. Das ist Kuba.

Vogelkäfig
Im Restaurant ist man gut zu Vögeln.

Anschließend fährt uns der Bus zum Hotel. Wer wollte, konnte einen Ausflug zum Strand buchen. 10 Dollar pro Nase kostet der. Fast alle kommen mit. Der Busfahrer verdient sich dabei eine goldene Nase, denke ich mir. Ich will aber ohnehin lieber in der Stadt Soouvenirs kaufen, weil ich gestern ja keine Gelegenheit hatte.

Ich bringe meine Sachen ins Bungalow und gehe mit einem aus der Gruppe nochmal runter, der ich glaube als einziger auch nicht mit wollte. Wir haben uns verlaufen und wissen nicht, wohin. „Fragen wir doch einfach die hier“, sage ich und zeige auf unsere Reiseleiterin, die ich gerade zufällig auf dem Platz erblickt habe. Wir kaufen uns ein paar Musikinstrumente und ich finde zufällig einen Supermarkt. So super ist der nicht, man kann beispielsweise kein Wasser kaufen. 1,5-Liter-Softdrinks („Refrescos“) kosten wie meistens 1,50. Auf dem Markt gibt es auch diese typischen kubanischen Gitarren mit drei Doppelseiten. Allerdings ist die Qualität nicht sehr gut. Die Bundstege sind offenbar nicht logarithmisch angeiordnet und die Saiten aus Draht, der kaum elastisch ist. Daher bleibe ich bei meinen Perkussion-Instrumenten.

Heute Morgen habe ich gefragt, wie weit es bis zum Hotel ist, da ich auf der Busfahrt nicht aufgepasst habe. 25 bis 40 Minuten wurde mir gesagt. Zwischen dem letzten Foto aus der Stadt und dem ersten Foto aus dem Hotel liegen weniger als 5 Minuten. Vor unseren Bungalows gibt es nämlich Glattkopfleguane, die man hier Küstenhunde nennt, weil ihre Schwänze – insbesondere beim Laufen, wobei man sie wegen ihrer Flinkheit allerdings nicht fotografiert bekommt – wie der eines Mopses gerollt sind. Sie sind sehr scheu und schwer zu fotografieren.

Küstenhund
„Küstenhund“

Abends sind hier die großen kubanischen Rasenmäher unterwegs. Man sollte sie nicht streicheln. Diese Pferde sind Arbeitstiere und Streicheleien nicht gewöhnt. Deshalb beißen sie. Das Gras ist dann zwar immer schön kurz, aber auch alles voller Pferdeäpfel.

Jaime hat mir organisiert, dass ich mein ungenutztes Abendessen von gestern heute nachholen kann.

Das meiste Essen vom Büffet (mein erstes auf dieser Reise) ist mir gerade nach der Übelkeit etwas zu exotisch, daher belasse ich es bei einfachen Dingen. Die Pizzastückchen schmecken ganz gut, die Spagetti wurden dem „Geschmack“ zufolge jedoch im Hotelpool gekocht. Da das Leitungswasser in diesem Hotel nicht chloriert ist, kann ich mir den Geschmack der Spagetti anders nicht erklären. Was mich nur stutzig macht: So chlorhaltig ist normalerweise nicht mal der Hotelpool. Ich übertreibe nicht. Wahrscheinlich haben sie Leitungswasser aus der namibischen Hauptstadt Windhuk eingeflogen, das käme einigermaßen hin. Ich kann jetzt auf jeden Fall diejenigen verstehen, die sich wegen der Chlorhühnchen gegen TTIP engagieren.

Na ja. Die Pizza ist immerhin brauchbar. Und die tuKola schmeckt auch gut. Zum Nachtisch gibt es Kuchen und Eis, das stark nach Banane schmeckt. Zum Eis gibt noch Sirup – mit Bananengeschmack. Toll.

Wie beim Abendessen üblich, muss man sein Getränk selbst bezahlen. Da in diesem Land wie gesagt kein Mensch Englisch spricht, kriege ich den Preis auf Spanisch genannt. Eigentlich sollte mein Latein dafür reichen, aber 13,60 kann ja nicht sein. Ich habe aber eh nur 20-Dollar-Scheine im Portmonee. Als die Bedienung mit 6,50 zurückkommt, fehlen mir die Worte. Eine Cola kostet im Restaurant normal 1 Euro. Wie kommen die auf 13,50?

Ich bin so schockiert, dass ich weder nach einer Rechnung fragen kann (was auch immer das auf Spanisch heißt), noch fragen kann, was da los ist. Denn selbst wenn das mit der Anrechnung des ungenutzten Abendessens nicht geklappt hätte – für Spaghetti Chlorinara zahle ich keine 12,00 Dollar oder so. Aber in diesem Land spricht ja kein Mensch Englisch und niemand hätte irgendwas kapiert. Die Hotelkatzen am Nachbartisch können mich nur kurz beruhigen, aber was soll man machen? Meine nächste Reise sollte also in ein Land gehen, wo die Leute wenigstens ein paar Wörter Englisch können.

*Frankreich und Brasilien von meiner Liste streich*


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