Ägypten (Nilkreuzfahrt) II Morgen 7: Chnum-Tempel von Esna, Esna-Schleuse – Auf dem Weg nach unten
Erst geht’s zum Chnum-Tempel 9 Meter runter, dann in der Esna-Schleuse nochmal ca. 6 Meter. Und mit uns unterwegs: Bis zu 5 Boote als Trittbrettfahrer.
geschrieben von Janni
Dienstag, 6. Januar 2026 um 22:14 Uhr
Nachts hat unser Schiff in Esna angelegt. Ich bin davon aufgewacht, da ich mein Fenster offengelassen habe. Dies ist jedoch die einzige Anlegestelle links des Nils und zudem halten wir in der zweiten Reihe (hinter der M/S Emilio), sodass die Luft entsprechend schlecht wurde. Also kurz die Klima an und dann weiterschlafen. Die Klima hat leider nur an oder aus (es gibt zwar mehr Stufen, aber 1 ist wie 0, und 2 ist wie 3) und ohne Clima wird es nach etwa 4 Stunden sehr warm in der Kabine, obwohl es draußen nur um die 10 Grad ist.
Chnum-Tempel von Esna
Um 7 Uhr geht es los zum Chnum-Tempel. Das ist nur ein Katzensprung vom Anleger entfernt, nur etwas weiter als in Kom Ombo.
„Schiefer Turm von Esna“ – Das Minarett der al-Amari-Moschee ist um etwa 3,5° geneigt (zum Vergleich: Pisa knapp 4°)
Der Chnum-Tempel liegt etwa 9 Meter unter dem heutigen Straßenniveau im Nilschlamm. Er ist relativ kürzlich restauriert und geöffnet worden, wobei Arbeiten weiterhin anhalten. Große Teile der Innenstadt von Esna liegen über ihm und müssen dann wohl früher oder später weichen (inkl. der hinter dem Tempel liegenden Moschee).
Grabungsarbeiten beim Chnum-Tempel in Esna
Stolz ist man im Tempel über den Erhaltungszustand der Farben, auch außen.
Kapitel der rechten Säule des Chnum-Tempels von Esna
Auch in der ägyptischen Mythologie gab es eine Art Dreifaltigkeit, bestehend aus dem Vater, dem Sohn und ... der Mutter. Chnum ist jedoch der einzige kinderlose Schutzgott. Dementsprechend fehlt Esna ein Gott.
Der Tempel ist ein relativ neuer Tempel und stammt aus der Römerzeit. Die Bauzeit war mit 250 Jahren schon recht lang.
Nach einer Version (von dreien) der ägytpischen Schöpfungsgeschichte hat Chnum die Menschen getöpfert. Dies wird im Tempel so dargestelt:
Dieses Relief im Chnum-Tempel von Esna zeigt, wie ein neuer Mensch getöpfert wird
Ich hab’s doch immer gesagt: Der Storch bringt gar nicht die Kinder!
Einige der insgesamt 24 Säulen des Chnum-Tempels von Esna – der Erhaltungszustand der Farben ist sehr gut Decke des Chnum-Tempels von Esna
Wir bekommen ein bisschen Fotofreizeit. Um 8 Uhr aber wieder auf dem Schiff sein, ja?
Linke Seite des Chnum-Tempels von Esna: Cäsar (rechts) packt sich die Feinde beim Schopfe und dann gibt’s mit der Keule eins auf die Nuss
Die rechte Seite zeigt exakt dieselben Reliefs, nur spiegelverkehrt, aber die linke kann man von einer Empore mit dem Klo und einer Cafeteria fotografieren, wo sich aber niemand hin verirrt.
Die Führerin einer der Memnon-Gruppen, die gestern auch die Orient-Feier noch (einigermaßen) gerettet hat, hat es nicht eilig und macht noch einen Rundgang durch den nahen Suk.
Chnum-Tempel von Esna
Wir treffen auf eine deutsche Frau, die 11 Jahre in Hurghada lebte und jetzt seit 4 Monaten den Laden Senet (ein altägyptisches Würfelspiel) in Esna hat. Sie möchte den hiesigen Frauen das traditionelle Nähen beibringen. In Esna gibt es übrigens bereits ein von Frauen betriebenes Restaurant, Okra.
Suk von Esna
Das Schiff vor uns am Anleger, die M/S Emilio, hat sich zwischenzeitlich aus dem Staub gemacht. Am Ausgang stand, dass sie um 8 Uhr ablegt, es war beim Ablegen aber eher 8:15. Unsere H/S Nile Vision muss daher neu anlegen.
H/S Nile Vision
Esna-Schleuse
Diesmal passieren wir die Schleuse bei Tag. Bei der Passage nach Süden haben wir wohl angeeckt, was einige Passagiere aufgeweckt hat.
Bei meiner letzten Passage nach Norden war es ebenfalls Tag, aber heute sind das erste Schiff in der Schleuse. Hinter uns ist die AmaLilia.
Wir ecken dann bei der Ausfahrt an und der Kapitän muss zurücksetzen.
Aber wer ist eigentlich der Kapitän? Am zweiten Abend an Bord war die Vorstellung der Crew angekündigt. Da das Schiff zu dem Zeitpunkt fuhr, meinte ich „Hoffentlich kommt der Kapitän nicht“ – und er kam doch. Wer auch immer das gefahren ist. Jetzt „verlaufe“ ich mich „aus Versehen“ auf dem Sonnendeck (das Schild „Crew only“ ist bei geöffneter Pforte aber auch wirklich schlecht lesbar) und lande bei der Brücke. Dort werde ich sogar freundlich empfangen und darf ein Selfie mit dem Kapitän machen.
Der Kapitän der H/S Nile Vision sitzt im Schneidersitz auf der Brücke
Anders als bei meiner letzten Nilkreuzfahrt haben wir diesmal Trittbrettfahrer im Schlepptau. Auf dem Hinweg waren auch schon einzelne dabei. Jetzt haben wir sage und schreibe fünf Boote mit neun Schwarzfahrern, davon ein Boot and einem anderen.
Trittbrettfahrer-Boote am Nilkreuzfahrtschiff
Der Typ im vorderen Boot liegt übrigens drin und spielt am Handy.
Wir kommen vorbei an der JAZ Crown Empress (auch Iberotel Crown Empress) – oder was davon übrig ist. Dort war am 28. Oktober gegen 18:15 Ortszeit ein Feuer im Unterdeck ausgebrochen. Keiner der 220 Passagiere wurde verletzt, aber der drei Crewmitglieder mussten ins Krankenhaus. Der Beschreibung des Ortes des Geschehens im Internet zufolge dürfte das Wrack immer noch da liegen, wo der Kapitän dann aus der Not heraus anlegte.
Wrack der JAZ Crown Empress (auch Iberotel Crown Empress) nördlich von Esna
Etwas südlicher wäre praktischer gewesen, da sind nämlich zwei Nilkreuzfahrtschiffswerften. Zuerst eine für kleinere Dahabiyas:
Dahabiya-Nilkreuzfahrtschiffswerft zwischen Luxor und Esna
Die andere nur ein kleines Stück flussabwärts macht solche Schiffe zwar auch, vorwiegend aber die Standard-Nilkreuzfahrtschiffe – 70 lang, 14 breit, 14 hoch, 1,5 tief.
Komplettrenovierung eines Nilkreuzfahrschiffs in einer Werft zwischen Luxor und Esna
Als ich später wieder auf meinem Zimmer bin, sehe ich an der neuen Anlagestelle einige Kilometer südlich von Luxor die Princess Sarah anlegen, mein Schiff vom letzten Mal. Es gibt sie also immer noch. Es ist nicht wirklich was los da, ich vermute sie kommt von einer Tour und macht jetzt Pause. Allerdings haben wir auch schon in Kom Ombo festgestellt, dass viele Nilkreuzfahrtschiffe mit sehr geringer Auslastung unterwegs sind. Ist jetzt umwelttechnisch und wirtschaftlich nicht so geil. Wobei wir mit Umwelt am besten gar nicht erst anfangen.
Ägypten II Mittag 6: Qubbet el-Hawa (Tombs of the Nobles) Assuan – Die Kuppel des Windes
Wenn der Guide nach wenigen Tagen weiß, was du willst...
geschrieben von Janni
Dienstag, 6. Januar 2026 um 22:00 Uhr
Dieser Post entstand taggleich.
Ich werde um 11:05 wie vom Guide vorgeschlagen bei den Gräbern der hohen Beamten von Elephantine (Tombs of the Nobles) rausgelassen. Sie gehören seit 1979 zum UNESCO-Weltkulturerbe „Nubische Denkmäler von Abu Simbel bis Philae“ – ist aber weder nubisch noch zwischen Abu Simbel und Philae.
Eigentlich habe ich mich gefragt, warum ich schon wieder Die Lange Anna 2 dabei habe. Aber dann setzt sich auf den Zaun ein Spint (Bienenfresser) und die Frage ist geklärt.
Bronzescheitel-Smaragdspint auf dem Zaun von Qubbet el-Hawa in Assuan
Qubbet el-Hawa (Tombs of the Nobles)
Weniger bekannte Sehenswürdigkeiten in Ägypten haben keine eigenen Eintrittstickets. Man kriegt dann ein Ticket aus der Nähe:
el-Kab: Edfu-Tempel (Erwachsener)
Elephantine: Philae (Einheimischer/blau)
Unvollendeter Obelisk: Philae (Einheimischer/blau) und zusätzlich so ein typisches QR-Ticket
Simeonskloster: Philae (Student)
Qubbet el-Hawa: Philae (Erwachsener) und zusätzlich Philae (Einheimischer Student/grau)
Ich habe jetzt fünf Philae-Tickets (davon vier veschiedene), obwohl ich nicht einmal in Philae war. Für den Isis-Tempel gab’s übrigens gar kein Ticket.
Weg zu Qubbet el-Hawa
Ich bekomme eine Führung, für die ich später 200 LE gebe.
QH31 (Sarenput II., auch Sirenput II.)
Sarenput II. war ein Bürgermeister, der laut dem Schild am Eingang des Grabes von 1971 bis 1928 v.Chr. lebte. Er soll Zeitgenosse von König Amenemhet II. gewesen sein, was aber mit den Jahreszahlen nicht ganz hinkommt.
Und Zack, erstmal Stromausfall. Während es auch in KV17 während meines Aufenthalts zwei Stromausfälle für jeweils Sekundenbruchteile gab, dauert der hier einige Minuten.
Grab von Sarenput II. (QH31) in Qubbet el-Hawa in Assuan
Das abgesperrte rechts ist übrigens der Opfertisch.
Sarenput II. mit Sohn (links) in seinem Grab (QH31) in Qubbet el-Hawa in Assuan Sarenput II. (ganz links und ganz rechts) und seine Frau (rechts in gelb) in der Hauptkultnische seines Grabes (QH31) in Qubbet el-Hawa in Assuan
Irgendwie erinnert mich das Grab an Abu Simbel.
QH30b (Anch-nef-itef)
Das Gebiet heißt zwar Gräber der Noblen, aber auch einige nicht ganz so hohe Leute sind hier begraben. Mann erkennt das sofort an den niedrigeren Eingängen. Hier ist ein Beispiel:
Grab von Anch-nef-itef (QH30b) in Qubbet el-Hawa in Assuan
QH30 (Hekaib)
Das Grab QH30 ist wieder etwas größer, aber geschlossen. Man kann durch die Tür schauen:
Grab von Hekaib (QH30) in Qubbet el-Hawa in Assuan
QH25 (Mechu) und QH26 (Sabni)
Mechu ist der Vater von Sabni. Beides sind Bürgermeister. Mechu war zudem „Vorsteher der Fremdländer“ und führte Expeditionen nach Nubien durch. Auf einer davon starb er. Sein Sohn startete einen Suchtrupp und barg den Vater.
Wandbild von Sabni in seinem Grab (QH26) in Qubbet el-Hawa in Assuan
Beide Gräber gehören jeweils zu den größten und gehen nahtlos ineinander über. Aufgrund der Größe haben sie auch zahlreiche Säulen.
Blick vom Grab von Sabni (QH26) zum Grab von Mechu (QH25) in Qubbet el-Hawa in Assuan Hauptkultnische im Grab von Mechu (QH25) in Qubbet el-Hawa in Assuan Dieses Relief von Mechu (rechts) in seinem Grab (QH25) in Qubbet el-Hawa in Assuan zeigt, dass er nicht mehr richtig laufen konnte
Da die beiden Gräber jeweils eine eigene Treppe vom Nil herauf haben, geht man davon aus, dass Mechu und Sabni zu den reichsten hier beigesetzten Personen zählen.
In Qubbet el-Hawa in Assuan, links ist QH30, oben eine Ruine
Jetzt noch im Schnelldurchgang zwei Gräber, die ich besonders fand:
Im Grab von Chunes (QH34h) in Qubbet el-Hawa in Assuan wurde später von koptischen Mönchen eine koptische Kirche gebaut
Zum obigen Bild muss man sagen, dass man sehr viele verschiedene Informationen findet, was für Klöster es da gab und wieso. Die Ruine auf dem vorletzten Bild wird mal als römische Festung und mal als irgendein Kloster und mal als Kloster St. Georg bezeichnet, wobei letzteres auch auf das letzte Bild bezogen wird. Angeblich soll es auch noch ein weiteres Kloster St. Antonius geben. Es ist kompliziert.
Das Grab von Her-chuf (QH34n) in Qubbet el-Hawa in Assuan weist zwei lange Stollen/Schächte auf und ist vermutlich das älteste
Und warum heißt das jetzt hier Qubbet el-Hawa „Kuppel des Windes“? Das liegt daran, dass oben drauf das Mausoleum von Scheich Sidi Ali Bin el-Hawa steht, das wie eine Kuppel aussieht. Die Lebensdaten des Scheichs konnte ich spontan nicht finden.
Mausoleum von Scheich Sidi Ali Bin el-Hawa: Qubbet el-Hawa in Assuan Blick unters Dach des Mausoleums von Scheich Sidi Ali Bin el-Hawa Blick vom Mausoleums von Scheich Sidi Ali Bin el-Hawa nach Norden
Nun geht’s zurück zum Schiff auf die andere Seite des Nils. Wie abgemacht ist unser Boot von heute Morgen um 12:30 da. Ich auch.
Mittagessen ist heute erst um 14, weil zu der Zeit die Abu-Simbel-Gruppe zurückerwartet wird. Sie braucht aber etwas länger. Wir legen dann gegen 20 vor 15 ab. Flussabwärts schafft das Schiff immerhin 15 km/h.
Um 16 Uhr ist wieder Tea-Time auf dem Sonnendeck. Es gibt heute Pfannkuchen. Sie sind kalt, während die Schmalzkuchen in den Tagen davor frisch gebacken wurden.
Abendessen ist heute ägyptischer Art. Ich finde es aber nicht so gut.
Um 21 ist ägyptischer Abend. Man sollte als Ägypter verkleidet kommen – ich habe eine Ausrede: Handgepäck. Der Rest nicht, aber trotzdem ist keiner verkleidet.
Einer vom Schiff kündigt dann zwei „Spiele“ an:
Tanzen. Freiwillige: 0.
Bauchtanz: Freiwillige: 0.
Abend nach fünf Minuten vorbei.
Nicht ganz, es kommt dann noch die Führerin einer der Memnon-Gruppen als Modetorin. Es findet sich eine handvoll Paare, die tanzen und sich danach mit Klopapier mummifizieren wollen. Preis ist jeweils ein Cocktail.
Um 21:25 ist die Action vorbei. Es läuft noch bis 22 Musik, dann ist Ende. Wir laufen Edfu an, um unseren Reiseleiter Mohamed aufzusammeln, der hier eine Prüfung für Ägyptologie hatte, damit er irgendwann auch Reiseführer sein kann.
Ägypten (Nilkreuzfahrt) II Vormittag 6: Deir Anba Hadra (Simeonskloster) Assuan – Kleine Wüstenwanderung
Sonst haben die Kopten immer historisches Erbe zerstört, aber in diesem Fall wurde ihr Kloster von den Arabern zerstört. Wir schauen uns die Ruinen an.
geschrieben von Janni
Dienstag, 6. Januar 2026 um 21:32 Uhr
Dieser Post entstand taggleich.
9 Uhr Abfahrt mit dem Boot. 9 Uhr ist Luxus. Die meisten anderen sind heute schon um halb 5 los nach Abu Simbel. Ich nicht, denn ich war 2023 schon da. Die 110 Euro, die Phoenix dafür möchte, sind auch ganz schön heftig. Aus Gruppe Seth fährt auch niemand mit, denn ansonsten hätte man den Ausflug zum Simeonskloster nicht. Memnon hätte ohne Abu Simbel aber heute gar kein Programm.
Unterwegs sagt mir der Guide, der offenbar wegen gestern weiß, dass ich mir gerne viel ansehe, er könne mich auf dem Rückweg bei den Gräbern der Adligen (Qubbet el-Hawa „Kuppel des Windes“) rauslassen. Das passt gut, denn die fehlen mir noch.
Deir Anba Hadra (Simeonskloster)
Simeonskloster
Wir steigen direkt rechts neben dem Anwesen von Aga Khan III. aus, in dem nach einem Tod vor einem halben Jahr jetzt seine Frau Brigitte alleine wohnt. Von dort gibt es zwei Optionen: Kamel und zu Fuß. Ich gehe als einziger (außer dem Guide) zu Fuß. Die anderen fünf reiten. Der siebte Teilnehmer ist, wie bisher bei allen Ausflügen außer Kom Ombo, nicht dabei.
Wanderung zum Simeonskloster
Weit ist der Weg nicht – die Gehzeit beträgt lediglich 10 Minuten.
„Simeonskloster“ ist eigentlich falsch. Der offizielle Name lautet Deir Anba Hadra. Anba Hadra war Einsiedler und später Bischof des heutigen Assuan. Die Anlage wure 571 erbaut und der koptische Heilige Simon der Geber/Schuhmacher lebte erst Ende des 10. Jahrhunderts. Das Kloster wurde 1321 von den Arabern zerstört, aufgegeben und nicht wieder aufgebaut. Es befindet sich jedoch ein neues Kloster direkt daneben, das den gleichen Namen trägt, zu dem man aber sehr wenig im Internet findet.
Untere Ebene des Simeonsklosters (Deir Anba Hadra) in Assuan Dreischiffige Basilika des Simeonsklosters (Deir Anba Hadra) in Assuan
Die Ruine wird, da das Kloster aus ungebrannten Nilschlammziegeln errichtet wurde, bei Regen beschädigt. Die auf dem Bild an den Wänden sichtbaren „Schlammschäden“ an der Basilika stammen von einem starken Regen aus dem Jahr 2021. Es regnet in der Region etwa einmal alle 5 Jahre.
Wir gehen in einen Nebenraum der Basilika, der Grotte genannt wird und zahlreiche Heiligenbilder in sehr schlechtem Zustand enthält. Gemäß einem koptischen Ritus schreiben die Leute Wünsche auf Zettel, falten sie und stecken sie hier in die Ritzen der Wand.
Stark beschädigte Heiligenbilder im Simeonskloster (Deir Anba Hadra) in Assuan
Wir dürfen – wobei, „dürfen“ ist das falsche Wort – uns noch die Beichtkammer hinter dem Naos ansehen. Dann geht es auf die obere Ebene.
Zellengang des Simeonsklosters (Deir Anba Hadra) in Assuan
Die Zellen dienten durchziehenden Gästen als Nachtquartier. Entsprechend finden sich dort zahlreiche Graffitis. In der Nähe befindet sich auch die Küche. Anschließend gehen wir noch weiter im oberen Teil herum.
Oberer Teil des Simeonsklosters (Deir Anba Hadra) in Assuan
Nach nicht mal einer Stunde ziehen wir auch schon wieder vondannen.
Ägypten (Nilkreuzfahrt) II Abend 5: Hotel Basma Assuan – Ausnahme-Tea-Time
Ausnahmsweise im Basma-Hotel und außergewöhnlich gutes Ausblick auf Assuan
geschrieben von Janni
Montag, 5. Januar 2026 um 21:22 Uhr
Dieser Post entstand taggleich.
Nur „in Ausnahmefällen im Hotel Basma“ (Phoenix-Programm) findet unser High Tea bei Sonnenuntergang statt. (Gerüchten zufolge wurde es dauerhaft wegen des hohen Preises gestrichen.) Es dauert ein bisschen, bis ich die Gruppe findet, aber das Hotelpersonal ist mir behilflich. Eigentlich soll es in im Old Cataract stattfinden. Kurzer Preisvergleich auf Google: Die Nacht im Old Cataract kostet mindestens 1000 Euro, im Basma könnte ich auch heute noch für 75 Euro pennen, da das Hotel wie so oft fast leer ist (die Bewetungen sind aber auch nicht so der Knaller). Aber Unterkunft habe ich ja und so sind wir nur zum Tee hier. Bzw. ein anderes Heißgetränk (Kakao geht auch). Dazu gibt es Schnittchen, kleine Kuchen und diverse Früchte.
Ausblick vom Café Blue River das Basma-Hotels in Assuan
Ich bin traurig, dass man von unserem Tee-Platz, dem Hotelcafé Blue River den Sonnenuntergang nicht sehen wird. Das Hotelpersonal lässt uns aber nach ganz oben zum Poolbereich der exklusivsten Zimmer. Von dort aus passt es dann.
Sonnenuntergang bei Assuan, gesehen vom Basma-Hotel in Assuan
Erstmals sind heute auch ein paar lockere Wolken am Himmel. Das macht Bilder interessanter.
Da es der private Pool ist, meint unser Guide, wir müssen spätestens 10 Minuten nach Sonnenuntergang runter. Aber das Hotelpersonal hat nichts dagegen, dass ich bleibe. Die anderen fahren also ohne mich wieder zum Schiff und von da zum Gewürzmarkt.
Blaue Stunde in Assuan, gesehen vom Basma-Hotel
Janni kauft Kola
Jetzt kommt das Highlight des Tages. Ich möchte auf dem Weg vom Hotel zurück zum Schiff zuckerfreie Kola kaufen. Das ist nicht so einfach. Beim Mittagessen habe ich herausbekommen, dass auf Flaschen üblicherweise das Produktionsdatum aufgedruckt ist. Dadurch kann ich mich, anders als gestern bei einer ähnlichen Aktion in Kom Ombo, nicht mehr blamieren.
Ich gehe in einen Laden, wo ich von außen sehe, dass die Diet Pepsi haben.
Ich: Was kostet das?
Ladenbesitzer: 90 LE.
Ich: Zu viel. Was ist, wenn ich zwei kaufe?
Ladenbesitzer: 150 LE.
Ich: 100 LE für zwei.
Ladenbesitzer: Nein, jetzt mal ehrlich.
Ich: In Luxor habe ich 35 bezahlt für genau die Sorte in der Größe.
Ladebesitzer: Dann war’s abgelaufen.
Ich: Und hier?
Ladenbesitzer: Hier steht Produktionsdatum September 2025, dann 1 Jahr haltbar.
(Ich mache eine Flasche auf und probiere.)
Ich: 200 für vier?
(Ich mache die Flasche nochmal auf und probiere.)
Ladenbesitzer: 220.
(Ich lege 210 LE auf den Tisch.)
Ladenbesitzer: Da fehlen noch 10. Aber lass mich auch mal probieren.
(Der Ladenbesitzer sagt seinem Bediensteten, dass er eine Tasse holen soll. Ich suche eine ungeöffnete Flasche aus den zwei Tüten, in denen ich die vier Flaschen inzwischen bekommen habe, und mache ihm seine offenbar frisch gewaschene mittelgroße Glastasse ganz voll. Der Ladenbesitzer trinkt die Tasse aus.)
Ladenbesitzer: Schmeckt gut.
(Der Ladenbesitzer realisiert, dass er von mir nicht mehr als 210 LE kriegt und ich ziehe grinsend vondannen.)
Allein das war’s schon wieder wert, denke ich mir.
Später fehlt mir ein, dass ich ihm nach dem Einschenken hätte sagen sollen: „Und jetzt bitte 95 LE, so viel kostet das bei uns auf dem Schiff.“
Ägypten II Nachmittag 5: Assuan (Isis-Tempel, Unvollendeter Obelisk) – Bonusprogramm
Zwei Stunden Pause vom offiziellen Programm – Zeit fürs Janni-Programm (das einzige Bonusprogramm ohne Datensammelkrake!)
geschrieben von Janni
Montag, 5. Januar 2026 um 21:16 Uhr
Dieser Post entstand taggleich.
Isis-Tempel
In Assuan gibt es zwei Isis-Tempel. Der wesentlich bekanntere ist besser unter dem Namen Philae bekannt, wobei der Name falsch ist, da Philae untergegangen ist und der bereits abgesoffene Tempel auf die Insel Agilkia verlegt wurde.
Ich schaue mir den wenig bekannten in der Innenstadt an. Vom Schiff ist man in 20 Minuten da. Es handelt sich um einen eher kleinen Tempel. Ich glaube, ich bin der erste heute, da für mich auf- aber nicht wieder abgeschlossen wird. Ein Wächter begleitet mich.
Im Isis-Tempel in Assuan Relief im Isis-Tempel in Assuan
Es existiert ein wenig interessanter Hauptraum (auf dem ersten Bild zu sehen). Die Nebenräume links und rechts sind komplett undekoriert. Vom rechten existiert einen Durchbruch in den mittleren.
Einige Ruinen von Lehmziegelbauten gehören ebenfalls zur Anlage.
Isis-Tempel in Assuan
Gut, dann zum Einkaufen. Dabei komme ich erneut an einem Wiedehopf auf einer Verkehrsinsel vorbei, und einem Schild, auf dem „Unvollendeter Obelisk 1500 Meter“ steht. Ich schaue auf Google Maps: 750 Meter. Na gut, dann mitten durch sie Slums. Sogar noch etwas mehr als nötig, denn die Markierung in Google Maps ist falsch. Der Eingang ist an der Hauptstraße. Die Kinder im Slum wissen Bescheid.
Unvollendeter Obelisk
Der unvollendete Obelisk ist 41,75 Meter lang mit einer Querschnitt von 4,2×4,2. Macht über 1.000 Tonnen und damit den schwersten Obelisken. Wären die Arbeiten nicht abgebrochen worden, wahrscheinlich wegen der Risse. Die Entstehungzeit ist unbekannt.
Unvollendeter Obelisk von Assuan, von unten gesehen Unvollendeter Obelisk von Assuan, von oben gesehen
Damit habe ich übrigens jetzt das Memnon-Programm komplett, denn der Unvollendete Obelisk ist der einzige Programmpunkt (heute der erste), den wir damals nicht hatten. Dafür hatten wir in meiner ersten Nilkreuzfahrt Abu Simbel inkludiert, was hier 110 Euro pro Nase extra kostet. Zum Vergleich meine damalige Nilkreuzfahrt: 4 Tage, 3 Nächte, 490 Euro Einzelkabine Vollpension inkl. Ausflüge, inkl. Abu Simbel, exkl. Ballon (kostete damals mit 60 USD deutlich weniger als die Hälfte von den 130 EUro, die die Leute hier bezahlen), exkl. Eintritte.
Janni versucht, Cola zu kaufen
Ich laufe zum Carrefour. Das ist eine Supermarktkette. Er liegt nahe am Hotel, wo wir uns gleich treffen wollen. Auf dem Weg komme ich auch am Hotel vorbei. So sehe ich, dass auch hier der Eingang auf Google Maps an der falschen Straße liegt.
Es gibt dort nur eine einzige Art von Erfrischungsgetränk: Zitronenlimonade. Dafür aber auch eine Seite eines kompletten Gangs nur damit in etlichen Sorten: Sprite, 7-up, als Import auf Saudi-Arabien, ... Cola oder Orangenlimo haben sie nicht.
Sprite wurde – wie auch Fanta – in Deutschland erfunden und hieß ursprünglich Fanta Klare Zitrone.