Nachrichten vor Ort Wegeseitenränder

Bericht von einer weiteren Exkursion des Nabu Kirchlinteln – und noch ein kurzer Exkurs zu Zwischenringen für Makrofotografie

geschrieben von Janni Sonnabend, 7. September 2019 um 23:22 Uhr

Gestern war wie angekündigt eine kostenlose Führung des Nabu Kirchlinteln. Thema der Führung waren Wegeseitenränder. Kann man interessant finden, muss man nicht. Ich bin auf jeden Fall hingefahren.

Specken

Wir treffen uns in Specken, einem kleinen Ortsteil von Kirchlinteln nahe dem Kernort. Das sind nur eine Handvoll Häuser. Als ich klein war, wurde das erste ‚e‘ auf den Straßenschildern regelmäßig abgekratzt und falschrum wieder aufgeklebt: Spacken. Wo waren wir stehen geblieben? Ach ja, Wegeseitenränder.

Sonnenblumenfeld
Sonnenblumen auf einem Blühstreifen

Blühstreifen, die an Ackenrändern angelegt werden, sind nicht mit Wegeseitenrändern zu verwechseln. Was sind also Wegeseitenränder? Wir haben da einfach mal einen Hund hingelegt, um das zu markieren:

Hund
Hund

Da es schon Spätsommer ist – das Treffen beginnt um 16:30 und damit anderthalb Stunden früher als die letzte Aktion im Verdener Moor – blühen nicht mehr so viele Planzen. Dieser Blogpost zeigt ausschließlich Blühpflanzen. Die Sonnenblumen oben stehen im Halbschatten und sind vermutlich deshalb größtenteils noch nicht ausgeblüht.

Schafgarbe
Auch die Schafgarbe ist schon recht verblüht.

Die Klientel ist sehr disjunkt, ich glaube außer mir war keiner auch im Moor dabei. Neben der Organisatorin Silke Bischof vom Nabu Kirchlinteln referiert vor allem die Biologin Heike Fulmer aus Verden.

Erstes Thema ist der Artenschwund. Ein sehr politisches Thema, bei dem ich nicht ausschließen möchte, dass es unnötig aufgebauscht wird. Bis 2007 mussten bis zu 15 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Flächen natürlich belassen werden. Solche Flächen bieten Tieren Durchgang, sind selbst Lebensraum und bieten nicht übernutzten Boden. Seither wurden die Regelungen aufgeweicht und immer mehr Raps für Bioethanol angebaut.

Übrigens: Die Steckrübe ist keine eigene Pflanzenart sondern eine Unterart von Raps.

Zurück zu den Wegeseitenrändern: Dort wachsen neben Wildarten auch Kulturformen. Das zeigt sich insbesondere am Breitwegerich und Weidegräsern, deren Kulturformen man unter anderem an ihrer Trittfestigkeit erkennt.

Wegeseitenränder werden schon lange auch aktiv vom Menschen genutzt, sie sind also nicht einfach naturbelassene Flächen oder zur Dekoration da. Früher wurden sie regelmäßig für Tiere bis zur Größe von Schafen gemäht und das Holz von Büschen alle 5 bis 6 Jahre verfeuert.

Rundblättrige Glockenblume
Rundblättrige Glockenblume

Das Mähen ist eine zentrale Frage bei Wegeseitenrändern, denn es bestimmt maßgeblich die Arten, die dort wachsen. Damit hängt auch die Frage zusammen, ob die Maht abgetragen oder liegengelassen wird. Wird oft gemäht und liegen gelassen, fängt die Maht als Mulch an zu kompostieren und kompostiert kleine Pflanzen gleich mit. Mäht man nicht, verbracht das Gebiet und irgendwann wachsen dort Bäume. Unter ihnen wachsen mangels Licht nur wenige Pflanzen. Die Lösung ist somit, Wegeseitenränder unterschiedlich oft zu mähen. So finden auch Tiere verschiedene Pflanzen vor.

Graue Gänsekresse
Graue Gänsekresse

Östlich von Kirchlinteln

Wir bilden Fahrgemeinschaften in den Osten des Kernortes Kirchlinteln.

In der Zwischenzeit tausche ich meinen Standardzoom (mit dem die Bilder bis hier entstanden sind, bis auf den Hund) gegen den Supertelezoom, um deren Bildwirkung bei Blütenfotos zu vergleichen.

Rosa Malven
Malven

Die Biologin findet dort einen Großen Wiesenknopf (Pflanze, die jetzt nicht mehr blüht) und erzählt vom Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläuling, einem Schmetterling, der sich an das Leben darauf angepasst hat: Er ernährt sich als Raupe von der Pflanze lässt sich irgendwann von einigen Rote-Ameisen-Arten in deren Bau tragen. Sie Raupe immitiert den Geruch des Baus und wird von den Ameisen wie ihre eigene Brut gepflegt, obwohl sie die echten Ameisenlarven fressen. Die Raupe überwintert im Ameisenbau, aber wenn im Frühling der Schmetterling schlüpft, muss er den Ameisenbau sofort verlassen, um nicht gefressen zu werden. Die Natur ist schon ganz schön seltsam.

Natternkopf mit sehr unterschiedliche Blütenstadien
Natternkopf, der hätte es am liebsten noch nährstoffärmer und wächst gerne auf Industriebrachen

Vom Landkreis kann man kostenlos Saatgut für Wegeseitenränder beantragen, was jetzt ausgiebig diskutiert wird. Wird das Saatgut von Pflanzen derselben Art an weiter entfernten Orten produziert, wachsen sie und die darauf angewiesenen Tierchen schlechter. Daher sollte das Saatgut von Pflanzen aus der Region kommen.

Wanzen auf Kornblumen
Wanzen auf Kornblumen
Kornblumen blühen eigentlich kaum noch zu dieser Jahreszeit, diese wurden wohl mal gemäht.

Am Ende verliert sich die Exkursion, der auch der Vorsitzende der Kreisjägerschaft beiwohnt, in einer Diskussion über die richtige Pflege von Wegeseitenrändern und unverschämte Preise, die Windradbetreiber Landwirten für Grundstücke bieten. Wir bekommen alle jeweils ein kleines Tütchen Samen von der Biologin, das wir aussäen sollen, wo der „Ökoingenieur Maulwurf“ am Werke war (Maulwurfshügel).

Ich erzähle der Biologin noch vom Baumspinat, einem essbaren einjährigen Neophyt, der seit der Erneuerung des Radweges zwischen Kirchlinteln und Weitzmühlen an dessen Rand wächst. An der Brücke über die Reith (Kirchlintler Dialekt für den Gibbach, der über den Gohbach in die Aller fließt) steht ein Exemplar, das seinem Namen alle Ehre macht, alle anderen sind wesentlich kleiner. Die kleineren Pflanzen zeigen dafür deutlich den für die Kulturform Magenta Spreen typischen pinken Staub. Der Pflanzenbestand dürfte einen vernünftigen Winter nicht überleben. Die Biologin kennt ihn nicht und will ihn sich sofort nach Ende der Tour um kurz nach 18 Uhr ansehen.

Wanze auf Schafgarbe im Abendlicht
Diese Wanze genießt die letzten Sonnenstrahlen des Tages auf einer Schafgarbe

Mein Internet ist kaputt. Die MTU liegt bei 1040 Bytes, normal wären für Ethernet 1500. Fragmentiert wird auch nicht. Sinnvolle Daten kommen daher nicht durch.

Ich probiere daher einige Zwischenringe an meiner Kamera aus. Zwischenringe führen ähnlich wie eine Nahlinse dazu, dass die einstellbare Entfernung zwischen Bildebene (Bildsensor) und Objekt sinkt. Allerdings ist nur bei meinem Standardzoom die entstehende Vignettierung gerade noch erträglich. Es ergeben sich folgende Werte:

Brennweite \ Zwischenringekeine 10 mm 16 mm beide (26 mm)
28 mm 19 cm – >∞17 cm – 24 cm16 cm – 20 cm≤15 cm – 19 cm
75 mm 39 cm – >∞33 cm – 72 cm29 cm – 53 cm27 cm – 42 cm
Messergebnisse des Fokusbereiches eines Tamron 28-75 mm F/2.8 Di III RXD mit zwei verschiedenen Zwischenringen
Zum Vergleich: Die Vorderseite des Objektivs ist etwa 15 cm von der Bildebene entfernt. Man kann bei minimalem Fokus, minimaler Brennweite und beiden Zwischenringen die Meersalzkristalle auf dem UV-Filter fokussieren, die sich während der Fahrt von Cabrera nach Mallorca dort abgesetzt haben.

Vielleicht wären einige Blumenfotos in diesem Post mit Zwischenring besser geworden...

Für das Tamron ist übrigens noch anzumerken, dass man Zwischenringe mit elektronischen Kontakten nutzen sollte (oft als Autofokus-Zwischenringe bezeichnet), da nicht mal der manuelle Fokus ohne Verbindung zur Kamera funktioniert.


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Mallorca II Tag 3 – Auf der Dracheninsel

Eidechsen und Vögel auf Sa Dragonera

geschrieben von Janni Dienstag, 3. September 2019 um 00:42 Uhr

Auch wenn ich gestern als erstes aufgestanden bin und am meisten rumgekommen bin, bin ich heute wieder als erste wach und beginne mit dem Bloggen, bevor die anderen aufstehen. Aber das Internet geht nicht. Kein Wunder: Die Sicherung ist raus.


Den anderen ist zu heiß, als dass sie heute unnötig viel mit dem Auto fahren wollen, sodass ich sie später abholen soll. Kann ich verstehen, als ich im Auto auf dem Weg nach Sant Elm ordentlich ins Schwitzen komme.

Von Sant Elm legt ein Boot (die Margarita) nach Sa Dragonera („Dracheninsel“) ab. Ob die Insel jetzt wegen ihrer Drachenform oder wegen der kleinen Drachen (Eidechsen) so heißt, ist nicht mehr nachzuvollziehen.

Im Radio läuft in den Nachrichten, dass der Luftraum über Frankreich unter einer technischen Störung leidet und auf Mallorca die Sicherheitsabfertigung streikt. Beste Voraussetzungen für unseren Flug heute um 19:20. Ursprünglich hatte ich geplant, mit dem Boot um 15:50 zurück zu fahren (die Fahrt dauert etwa 10 Minuten), aber da diese Abfahrt auf 16:15 verlegt wurde, entscheide ich mich für die Rückfahrt um 15:00 Uhr.

Dragonera-Eidechse
Dragonera-Eidechse (sieht heller aus als die meisten anderen)
Dragonera-Eidechse
Dragonera-Eidechse in der häufigsten braunen Färbung mit grün-blauem Schwanz

Neben den Eidechsen gibt es noch einige Vögel auf der Insel. Für das Janni-Foto-Paradies fehlen somit nur noch Hörnchen.

Grauschnäpper
Grauschnäpper
Blaumerle auf Sa Dragonera
Blaumerle auf Sa Dragonera
Blaumerle auf Sa Dragonera
Hier haben sich meine Bekannte aus Hamburg und ich uns schwer getan. In der engeren Auswahl sind Trauer-Steinschmätzer (kommt hier eigentlich nicht vor und ist nicht komplett einfarbig), junger Grauschnäpper (ist zu klein), ein Star (entweder Einfarb- oder Gemeiner Star) oder ganz eventuell auch eine Drossel (haben zu kurze Schäbel).
Hilfe ist immer gern gesehen.
/Update: Wir haben uns jetzt auf Einfarbstar festgelegt.
/Update 2: Jetzt doch Blaumerle.

Es ist zwar unglaublich heiß und ich habe nur anderthalb Stunden, trotzdem gehe ich zum Leuchtturm am Nordende und wieder zurück (Wege 1 und 2). Irgendein Baum versprüht wie schon s’Albufera seinen herrlich süßen Duft.

Typische Landschaft auf Sa Dragonera
Typische Landschaft
Far de Tramuntana
Leuchtturm (Far de Tramuntana)
Blick auf Sant Elm von Sa Dragonera aus
Blick auf Sant Elm von Sa Dragonera aus

Als ich kur vor 15 Uhr wieder am Anleger bin, kommt gerade eine SMS von Eurowings: Der Flug hat 40 Minuten Verspätung. Hätte ich mein Unterwassergehäuse mitgenommen, hätte ich jetzt noch versuchen können, die Fische zu fotografieren, die hier im Wasser sind, und mit dem Boot um 16:15 zurückzufahren. Es sind aber wieder die typischen Fische plus noch ein paar kleine und man kann sie auch vom Boot aus fotografieren.

Ringelbrassen vor Sa Dragonera
Fische im Wasser

Ich fahre also trotzdem wieder rüber nach Mallorca und dann mit dem Auto zu den anderen.

Bevor wir das Auto zurückgeben, müssen wir noch tanken. Von 75% sind noch 30% im Tank, ich tanke deshalb 25 Liter. Das ist erheblich zu viel, denn die Karre ist danach voll. Junge ist das Auto für einen 5-Sitzer sparsam.

Die Rückgabe verläuft problemlos, der Bus fährt auch gleich los zum Flughafen.

Auf den vier Anzeigetafeln im Flughafen sind fast alle Flüge verspätet.
Bei so vielen Verspätungen (gelber Text) kann man wohl eher von einem Bodenhafen reden.

Ich blogge im öffentlichen Bereich noch etwas weiter, während die anderen schon in den Sicherheitsbereich gehen. Die Sicherheitskontrolle ist die schnellste, die ich je hatte. Von wegen Streik.

Zunächst werden an der Anzeigetafel überhaupt keine Informationen zum Flug mehr angezeigt, sodass ich nicht weiß, wohin ich muss. Einige Minuten später erscheint kurz vor 19 Uhr dann doch das Gate.

Dort trifft einer von uns tatsächlich noch Bekannte aus einem Ortsteil von Kirchlinteln, die mit uns fliegen. Die Welt ist verdammt klein.

Winglet

Ich möchte an dieser Stelle noch kurz was dazu sagen, dass ich die meiste Zeit alleine unterwegs war: Was zu machen war gar nicht meine Idee, auch der Vorschlag mit Get Your Guide kam nicht von mir. Ich habe mich dann einfach auch informiert. Während die Bootstour am Samstagmorgen wenig Zustimmung fand, gab es für Cabrera viel und Sa Dragonera komplette Zustimmung, wobei es dann wegen der Hitze anders kam. Dass ich die Touren dann allein gemacht habe, liegt auch an dem extrem frustrierenden Besuch im April. Die anderen können das verstehen und finden es lustig, dass ich meine Planung von vier Tagen plus Katamaran plus s’Albufera in zwei Tagen untergekriegt habe.


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Mallorca II Tag 2 - Probier’s noch einmal

Was ich das letzte Mal in dreieinhalb Tagen nicht geschafft habe, muss dieses Mal halt in anderthalb Tage rein passen...

geschrieben von Janni Sonntag, 1. September 2019 um 18:20 Uhr

Mein letzter Mallorca-Urlaub hatte ja fast ausschließlich schlechtes Wetter. Alles, was ich mir vorgenommen hatte, hat nicht geklappt: Sturm, Regen. Von vier Tagen war ein Samstagnachmittag zu gebrauchen.

Der Rest will in der Nähe der Unterkunft chillen, daher habe ich die Karre für mich alleine.

Katamaran-Tour

Über Get Your Guide kann man sich über viele der Aktivitäten hier gut informieren. Nicht alle, aber viele. Ist natürlich größtenteils (wenn auch nicht nur) Massentourismus und damit muss man klar kommen. Heute ist die Anacaona III von Transportes Maritimes Brisa, auf der ich eine Tagestour für 58 Euro gebucht habe, mit 142 Passagieren sogar gar nicht mal so voll, sagt der Kapitän, als es kurz nach der planmäßigen Abfahrtszeit, die gegenüber der im Internet angegebenen Abfahrt um 15 Minuten später ist, von Port d’Alcúdia im Norden der Insel losgeht. Positiv an diesem Hafenstädtchen: Der riesige kostenlose Parkplatz, auch wenn da jetzt um kurz nach 9 schon einiges los ist.

Landzunge von Port d’Alcúdia
Landzunge von Port d’Alcúdia

Unser erster Halt ist vorm Strand Platja des Coll Baix. Einige kleinere Boote liegen. Unser Schiff ist noch neu und ist erst einen Monat und 26 Tage im Einsatz. Es ist ein Motorsegler und das größte Segelschiff (so mehr oder weniger) Mallorcas.

Platja des Colls Baix
Platja des Colls Baix

Den Strand kann man nur per Boot oder längerer Wanderung erreichen, daher ist es dort sehr ruhig. Offiziell halten wir hier 20 Minuten und man soll auch nur schwimmen und nicht schnorcheln, es dauert aber deutlich länger.

Weiter geht es über die Bucht von Pollença. Feuerquallen ziehen an uns vorbei, hoffentlich gibt es die nicht an unserem nächsten Halt.

Die Anacaona III liegt in der Cala en Gossalba
Die Anacaona III liegt in der Cala en Gossalba, in der man einen Felsen (von dem dieses Bild entstanden ist) hochklettern und von dort ins Meer springen kann

Vergleichen mit Australien ist hier alles wesentlich gechillter. Ich muss nicht unterschreiben, dass ich den Laden nicht verklage, man darf ohne Neoprenanzug und ohne Schwimmweste ins Wasser, es wird nicht vor und nach dem Schwimmen durchgezählt und eine Sicherheitseinweisung gibt es auch nicht. Ich weise an dieser Stelle nochmal auf die Sicherheitseinweisung des einen Schiffes in Australien hin.

Noch ein Unterschied zu den Touren, die ich in Australien gemacht habe: Das Mittagessen ist heute warm, da es auf dem Boot gegrillt wird. Es gibt Nudelsalat, Brötchen, Rindfleisch, Hähnchenfleisch und Würstchen. Alles sehr lecker.

Ringelbrassen
Ringelbrassen (eventuell auch einige Goldstriemen darunter)

Leider sind dies die einzigen Fische, die es hier gibt. Zum Glück fehlen aber neben anderen Fischarten auch die Feuerquallen.

Nach rund anderthalb Stunden in der Cala en Gossalba fahren wir zur Leuchtturminsel von Alcanada, wo wir noch eine halbe Stunde schwimmen können.

Far d’Alcanada
Far d’Alcanada

Insgesamt dauert die Tour etwas länger als geplant. Ich hatte mit 14:45 Uhr Rückkehr gerechnet (5 Stunden ab Abfahrt um 9:45), letztendlich wird es kurz vor halb 4. Ich laufe zum Auto, denn weil auch bei der Abendtour niemand mit will, kann ich direkt von hier dorthin fahren. Auf dem Weg liegt allerdings s’Albufera...


s’Albufera

Jemand ist auf der linken Seite so nah an mein Auto herangefahren, dass ich gerade so reinkomme. Eine übergewichtige Person wäre nicht reingekommen. Das Ausparken dauert auch etwas länger, ich verfahre mich noch ein bisschen und komme im 14 Minuten entfernten s’Albufera, wo ich immerhin sofort einen guten Parkplatz finde, gegen 15:56 an.

Ab 16 Uhr darf man da offiziell nicht mehr rein, weil man eine Besuchserlaubnis braucht. Und die gibt es nur beim Informationsbüro, das bis 16 Uhr aufhat. Das ist aber auch einen guten Kilometer vom Eingang entfernt. Gut, dass heute niemand am Tor aufpasst. Gegenüber meinem letzten Besuch ist es aber auch allgemein viel leerer.

Da ich um 18:15 in Colonia de Sant Jordi am anderen Ende der Insel sein muss, laufe ich die sechs Beobachtungshäuschen ab, die dem Eingang am nächsten sind.

Grünschenkel(?), im Hintergrund ein Stelzenläufer
Grünschenkel(?), im Hintergrund ein Stelzenläufer
Purpurhuhn
Purpurhuhn
Löffelente (Mitte)
Löffelente (Mitte)
Vermutlich junger Stelzenläufer
Vermutlich junger Stelzenläufer
Rotschenkel
Rotschenkel
Zwei Flussuferläufer (links) beobachten einen Stelzenläufer
Zwei Flussuferläufer (links) beobachten einen Stelzenläufer

So, jetzt aber ab nach Colonia de Sant Jordi. Parkplatz finden ist ein Problem, ich komme gegen 18:20 am Büro von Excursions a Cabrera.


Cabrera

Da aber auch hier legt das Boot erst eine Viertelstunde nach der offiziellen Zeit ab. Hatte ich erwartet, die Leute müssen ja auch vom Büro zum Anleger kommen.

Cabrera Ràpid
Ihre Stuhltechnologie ist unserer um Lichtjahre voraus.

Viele Leute würden, nach den bewohnten Balearen-Inseln gefragt, Mallorca, Ibiza und Menorca nennen. Vielleicht noch Formentera. Aber es gibt eine fünfte im Bunde: Cabrera („Ziegeninsel“). Das Boot heute heißt Cabrera Ràpid und fährt etwa 40 km/h.

Burg von Cabrera (Es Castel)
Über Cabrera wacht das Kastell. Unten: Schiffbrüchige. Oder so.
Gesamtansicht von Es Port
Es Port, die einzige zivile Siedlung auf Cabrera mit Herberge und Restaurant, komplett auf einem Bild

Außer Menschen leben hier einige Vögel und Eidechsen.

Balearen-Eidechse
Balearen-Eidechse

Wir haben etwa 38 Minuten Zeit hier. Ich gehe hoch zum Kastell. Von dort hat man einen schönen Blick über die Bucht.

Bucht von Cabrera
Bucht von Cabrera
In der Burg von Cabrera
Oben auf der Burg

Wir fahren auf dem Rückweg noch zur Blauen Grotte, eine Höhle, wo das Wasser unter der Sonneneintrahlung blau leuchtet.

Blaue Grotte
Blaue Grotte (das Bild ist etwas heller als es dort in echt ist)

Hier können wir ein wenig schwimmen, bevor es zurück nach Colonia de Sant Jordi geht.


Jetzt noch kurz zu Lidl für die anderen einkaufen und dann zurück zur Unterkunft.

Die anderen sitzen im Hafen in einem italienischen Restaurant. Aber auch nicht mehr lange, denn wir gehen bald zurück zum Apartment.


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Mallorca II Abend 1 – Malle ist nur zweimal im Jahr

Die U35-Selbsthilfegruppe der Firma unterwegs

geschrieben von Janni Sonntag, 1. September 2019 um 10:08 Uhr

Irgendwie haben wir bei unserem Treffen am 27. Juli beschlossen, unser übernächstes Treffen auf Mallorca abzuhalten. Und davon handelt dieser Post.

Als wir in Hannover am Flughafen ankommen, wird über Durchsage auf eine Verspätung von 35 Minuten durch verspätete Ankunft informiert. Die Dauer, für die Billigflieger wie Eurowings am Boden sind, sind sehr kurz. Da durch die Verspätung noch auf einen Startslot gewartet werden muss, wird man die Verspätung auch nicht so einfach los.

Sonne bricht durch die Wolken auf den Genfersee
Sonne bricht durch die Wolken auf den Genfersee
Die letzten Sonnenstrahlen des Tages
Die letzten Sonnenstrahlen des Tages

Als wir in Palma gelandet sind, ist der Shuttle der Autovermietung noch nicht da. Die anderen werden etwas hibbelig, bis nach 5 Minuten Wartezeit der Bus ankommt und uns zur Autovermietung bringt. Während ich noch überlege, ob es moralisch vertretbar ist, auf Mallorca mit einem Seat Ibiza zu fahren, stellt sich das Auto jedoch als Nissan Micra heraus. Der Wagen hat eine bei etwa 19.000 Kilometern Laufleistung schon einiges mitgemacht. Auf dem Übernahmepapier fehlt eine große Delle unter der Heckscheibe, die wir nachtragen lassen.

Durch alle Verzögerungen schaffen wir es nicht mehr zu einem regulären Supermarkt. Die machen nämlich um 22 Uhr zu. Stattdessen wir es ein Eck-Supermarkt im Touristengebiet, wo alles 3- bis 5-mal so viel kostet wie normal.

Während ich die Organisation von Flug und Mietwagen übernommen habe, haben sich die anderen um die Unterkunft bemüht. Ein Apartment in Portals Nous. Die Ortsangabe ist nicht so ganz einfach gestaltet und es dauert ein bisschen, bis wir die Vermieterin finden. Und das mit einigen Trägern Wasser.

Dann wird auch bald klar, warum das alles so schwammig ist: Die Wohnungen in der Apartmentanlage sollen wohl nicht vermietet werden. Wir sollen leise sein und keine Handtücher über die Brüstung des Balkons hängen.


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Nachrichten vor Ort Von Moos und Moor

Eine Führung durch das Verdener Moor

geschrieben von Janni Freitag, 23. August 2019 um 22:07 Uhr

Heute Abend war ich auf einer Veranstaltung des Nabu Verden. Die Ortsgruppe Kirchlinteln führt jährlich durch das Verdener Moor in Verdenermoor, Heins und Neddenaverbergen (alles Ortsteile von Kirchlinteln). Dieses Jahr leitet der Vorsitzende Gustav Schindler die kostenfreie Exkursion.

Wir treffen uns an der Bushaltestelle „Groß Heins Forsthaus“. Wir warten noch kurz, da die Verkehrssituation heute Abend sehr angespannt ist. Außer meiner im Juni auf der Nabu-Hansebird kennengelernten Bekannten aus Hamburg, die in Kirchlinteln Verwandte hat, und deren Frau und Bruder schaffen es aber auch in der knappen Viertelstunde Extra-Zeit keine Leute hierher, die nicht schon zum offiziellen Startzeitpunkt 18 Uhr da waren.

Von der Bushaltestelle geht es mit Fahrgemeinschaften einige hundert Meter den Goldbornweg entlang zum namensgebenden Weiler, wo die kleine Wanderung an einer kleinen Trafostation startet.

„Das Verdener Moor ist ein Naturschutzgebiet. Da vorne steht das Schild. Man soll auf den Wegen bleiben. Es gibt aber keine.“, sagt Herr Schindler zu Beginn der Tour. Es gibt aber eine Art Damm. Was es damit auf sich hat, dazu kommen wir später noch.

Blick vom Damm nach links ins Moor
Blick vom Damm nach links ins Moor

Wir gelangen zu einer großen Lichtung.

Lichtung im Verdener Moor
Lichtung

Auf der gegenüberliegenden Seite (auf dem obigen Bild hinter mir) fällt das Gelände an einer Kante einen guten Meter ab, da hier Torf abgetragen wurde. Es folgt eine Wiese und dahinter sind Schafe und Ziegen, die hier zur Pflege eingesetzt werden. Ziegen haben gegenüber den Schafen den Vorteil, dass sie auch Kiefern fressen. Diese gehören ebenso wie die ebenfalls allgegenwärtigen Birken eigentlich nicht hier her. Wir können/dürfen/sollen die jungen Bäumchen ausrupfen, weil sie dem Moor das Wasser entziehen. Richtig gelesen, Pflanzen ausrupfen in einem Naturschutzgebiet aus Naturschutzgründen.

Heidefläche im Verdener Moor
Heide

Außer den genannten Bäumen gehört auch die auf dem obigen Bild dominierende Besenheide nicht hier her. Eigentlich sollte hier die Glockenheide sein.

Besenheide (links) und Glockenheide (rechts)
Besenheide (links) und Glockenheide (rechts)

Weitere häufige und gutartige Moor-Gewächse, insbesondere auch im Wald, sind Schwarze Krähenbeere, Gewöhnliche Moosbeere und Bickbeere (regionaler Ausdruck für Heidelbeere). Alle können wir essen, Moosbeeren finden wir jedoch keine. Die Großfrüchtige Moosbeere (engl. „Cranberry“) ist hingegen eine andere Pflanze, die in Amerika angebaut wird.

Baumstämme stauen einen Entwässerungsgraben
Baumstämme stauen einen Entwässerungsgraben

Das Moor entstand, indem der Nabu in einer Nacht-und-Nebel-Aktion durchs senkrechte Einrammen von Baumstämmen in die Entwässerungskanäle das ehemalige Moor, das damals Privateigentum war, wieder flutete. Der Landkreis kaufte einige Flächen und erklärte das Moor 1989 zum Naturschutzgebiet.

Hauptentwässerungsgraben im Verdener Moor
Der (ehemalige) Hauptentwässerungsgraben (eigentlich sind es sogar zwei parallele) stand bis vor einigen Jahren mal bis zum Rand voll Wasser, ist jedoch wegen der beiden trockenen Jahre 2018 und 2019 ausgetrocknet.

Die genannten störenden Bäume sterben schnell ab, wenn sie etwa das halbe Jahr im Wasser stehen, was man an den abgestorbenen Baumstüpfen und Baumstämmen oben gut erkennt.

Gemeine Sichelschrecke auf einem jungen Baum
Gemeine Sichelschrecke, leider nicht ganz scharf

Torf entsteht durch das Torfmoos. Moos und Moor sind vermutlich verwandte Wörter, im südlichen deutschen Sprachraum wird „Moos“ sogar für beide Begriffe genutzt. Das Torfmoos ist in der Lage, das 20- bis 30-fache seines Gewichtes an Wasser aufzunehmen. Abgestorbene Teile bilden etwa 1 mm Torf pro Jahr. Bis 1965 gab es in Wiesmoor in Ostfriesland sogar ein Torfkraftwerk, das im genannten Jahr aufgrund des sehr wenig gewordenen Torfes geschlossen wurde. Irgendwie traurig. Nach dem Krieg hat man zur Nahrungsgewinnung Moorbrände gelegt und Buchweizen ins noch warme Moor gesät.

Gustav Schindler hält Torfmoos in der Hand
Herr Schindler kann das Moos ruhig ausreißen. Es wächst schnell wieder an. Anders als die Bäume, die wir ausgerissen haben.

Letztes Jahr hat die Führung jemand anders gemacht und dieses Jahr erkennt Herr Schindler das Moor kaum wieder, so stark wie es in den letzten zwei Jahren ausgetrocknet ist. Besonders gut sieht man es an den Gräben, oder eben am Hauptsee:

Ausgetrockneter Hauptsee im Verdener Moor
Das war mal der 1946/47 abgestochene und dann durch die Nabu-Aktion wieder geflutete Hauptsee des Moores, der aber auch stark ausgetrocknet ist (HDR-Bild)

Wir gehen weiter zu einer Stelle, an der die Familien aus Heins früher Torf für den Eigenbedarf gestochen haben.

Gustav Schindler erklärt das Moor
Dort, wo Herr Schindler steht, müsste eigentlich Wasser sein. Das Wasser steht knapp unter der Oberfläche des Grabens, vor dem er steht. Der feuchte Teil seines Stocks zeigt, wie hoch dieser Wasserspiegel ist, bis eine Schicht aus Pech auf gelbem Mineralsand das Versickern verhindert.

Auf dem obigen Bild erkennt man auch gut die in diesem Teil ganz extreme Präsenz von Kiefern. Die Oberschule Kirchlinteln hat versucht, welche zu vernichten und auch Nabu und Landkreis rücken gelegentlich mit Kettensäge an, es scheint aber kaum mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein zu sein.

Mondvogel-Raupe
Mondvogel
Ein ausgetrockneter See im Verdener Moor
Dieser See entstand durch den Damm, der heute den mit Lorbeer bestandenen Zugangsweg bildet.

Dann ist die anderthalbstündige Tour auch schon wieder vorbei. Bei der Verabschiedung können wir noch ein paar Schrecken fotografieren. Sachdienliche Hinweise zu deren Identifikation nehme ich gerne entgegen.

Eine grüne Schrecke
Eine grüne Schrecke
Eine braune Schrecke
Und eine braune Schrecke

In zwei Wochen ist in Kirchlinteln-Specken eine Nabu-Führung zum Thema Grünstreifen. Vielleicht gibt es dann ja wieder einen Blogpost.

(Ich erteile hiermit der MK (z.B. VAZ) und dem Nabu die Erlaubnis, sämtliche Bilder des Posts mit Angabe des Autors Janni Kettenburg in allen Publikationen zu verwenden.)

(Alle Bilder sind mit dem Tamron 28–75mm F2,8 entstanden.)


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