Mallorca III Tag 2 – Die Suche nach der Apokalypse (Teil 1)

Wie im vorherigen Post angekündigt, suche ich auf Malle nach Anzeichen, ob wie von der deutschen Politik prophezeit wirklich durch Tourismus während Corona die Apokalypse hereingebrochen ist.

geschrieben von Janni Montag, 14. Juni 2021 um 22:24 Uhr

Cabrera

Die Apokalypse kann sich überall verstecken. Zu meiner journalistischen Verpflichtung gehört somit, sie auch überall zu suchen. Daher scheue ich auch keine 49 Euro, um sogar auf der abgelegenen Baleareninselgruppe Cabrera nach ihr zu suchen.

Die Burg ist gesperrt. Stimmt hier wirklich etwas nicht oder ist die enge Wendeltreppe einfach nicht Corona-konform? Bilder von der Burg gibt es im Blogpost von 2019 ganz unten.

Dann muss ich halt am Strand nach der Apokalypse suchen. Zuerst der weiter vom Anleger entfernte s’Espalmador-Strand, auf dem Bild der Bucht im verlinkten Post ist er ganz am rechten Rand. Am Strand ist nur ein Pärchen. Nichts Aufälliges. Also mal unter Wasser suchen:

Unterwasserbild
Bizarre Formationen unter Wasser [Tamron 28–75mm F2,8 Di III RXD @ 42mm F4, 1/1000 s, ISO 100]
Weg von s’Espalmador nach Sa Plageta auf Cabrera
Weg vom s’Espalmador- zum Hauptstrand Sa Plageta [Tamron 28–75mm F2,8 Di III RXD @ 43mm F8, 1/400 s (EV−0,7), ISO 100]
Neptungras
Neptungras – Ist das Kunst oder kann das weg? [Tamron 28–75mm F2,8 Di III RXD @ 41mm F2,8, 1/400 s, ISO 100]
Fischlarven
Fischlarven [Tamron 28–75mm F2,8 Di III RXD @ 41mm F2,8, 1/400 s, ISO 100]
Streifenbarben
Streifenbarben(?) [Tamron 28–75mm F2,8 Di III RXD @ 42mm F2,8, 1/1000 s, ISO 100]

Okay, hier ist alles normal.

Es Trenc

Zurück nach Mallorca und an den Hotspot überhaupt – Es Trenc. Von der vorgelagerten Insel Illa Gavina kann man sich im wahrsten Sinne des Wortes ein Bild davon machen:

Es Trenc von der Illa Gavina aus gesehen
Es Trenc [Tamron 28–75mm F2,8 Di III RXD @ 28mm F8, 1/640 s, ISO 100]

Erstaunlich wenig los und so paradiesisch wie im Reiseführer beschrieben finde ich den „Karibikstrand am Mittelmeer“ ihn auch nicht. Die Fauna sieht auch nicht nach Karibik aus:

Brandbrassen
Brandbrassen (ich hätte das Bild ausschneiden können, fand es aber auch so sehr nett) [Tamron 28–75mm F2,8 Di III RXD @ 42mm F4, 1/1000 s, ISO 100]

Zwei der Brassen knabbern mich an, verlieren dann aber das Interesse an meinem Bein. Wenn der Teufel mich fressen will, muss er schon Piranhas schicken.

Okay, hier war dann wohl keine Apokalypse. Ab ins Auto und nach Norden, wo ich morgen weitersuchen werde.


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Mallorca III Tag 1 – Irgendwas mit „nur einmal mit Jahr“

Stell dir vor, es ist Pandemie, keiner gibt ’nen Fick auf Regeln und die Inzidenz sinkt trotzdem.

geschrieben von Janni Montag, 14. Juni 2021 um 21:18 Uhr

Wusstet ihr, dass ein Nebenprodukt der Kerosinproduktion für die Herstellung von Fenstern benötigt wird? Dadurch, dass weniger Passagierflüge stattfinden, gibt es Probleme. Keine Flüge, keine modernen Fenster zum Energiesparen.

Da ich in der Fensterbranche arbeite, ist es somit meine Pflicht, einfach mal sinnlos nach Malle zu fliegen. Bevor also die Baerbock dafür sorgen will, dass Kurzstreckenflüge unbezahlbar unnötig sind. Mir ist bis heute nicht klar, warum die CDU der Baerbock nicht gleich mit der Verkündung der Kandidatur Armin Laschets zum Wahlsieg und der Kanzlerschaft gratuliert hat.

Stell dir vor, es ist Pandemie und alle fliegen nach Malle

Wir bleiben beim politischen Rant. Nachdem die Balearen kurz vor Ostern von der Liste der Risikogebiet gestrichen wurden, weil die Inzidenz bei 20 rumdümpelte, warf die Politik dem RKI Veantwortungslosigkeit vor, da es nur nach epidemologischen Indikatoren gehandelt habe. Nur wegen Mallorca wurde dann umgehend die Testpflicht für Reiserückkehrer aus Nicht-Risikogebieten eingeführt, da man sich in der Politik 100% sicher war, dass es auf Mallorca in wenigen Tagen so aussehen werde:

Ein Gemälde der Pest in Marseille 1720
Michel Serre (1658–1733): Corona auf Mallorca

Mallorca hatte seitdem erstmal Ende letzter Woche eine höhere Inzidenz als Deutschland, was aber an Deutschland liegt, da sich die Indizidenz von Mallorca immer noch um 20 herum bewegt.

Bevor man so etwas unterstellt, wollte man vielleicht mal im eigenen Land schauen. Dort hat man zum 24. April zwar die FFP2-Masken-Pflicht in Zügen erlassen – was Chirurgen seit Jahrzehnten machen, ist halt total unsicher. Auf dem Weg zum Flughafen stellt sich heraus: Eine FFP2-Maske trägt kaum jemand. Sehr viel weniger als die Hälfte. Warum? Weil’s auch niemand kontrolliert.

Nachdem Spanien vorletzten Freitag angekündigt hat, man könne am Montag vor einer Woche mit Antigentests (also auch Bürgertests, wobei das nirgendwo so genau stand) einreisen, war bei mir sofort Feierlaune angesagt – keine 99 Euro für einen PCR-Test mehr ausgeben.

Das Einreiseformular ist trotzdem noch ein Monster. Da kann man sich stundenlang mit beschäftigen, weil man immer neue Informationen braucht. Hier haben wir ein Problem. Denn auf dem Formular musst du deinen Sitzplatz angeben. Eurowings gibt dir deine Bordkarte jedoch erst, wenn du 13-mal bestätigt hast, dass du einreisen darfst. Zu diesen 13 Bestätigungen gehört auch, dass du versicherst, das Formular vollständig ausgefüllt zu haben – was du ohne Sitzplatz nicht darfst. Es besteht jedoch die Möglichkeit, das Formular unvollständig auszufüllen und den Sitzplatz nachzutragen. Außerdem speichert Eurowings deinen im vorherigen Schritt ausgewählten Sitzplatz auch dann, wenn du die Generierung der Bordkarte abbrichst, weil du das wahrheitsgemäß nicht darfst.

Britische Bürger fragen sich übrigens, worum es geht, denn Briten können ohne jegliche Formalitäten und Bedingungen nach Spanien einreisen. Trotz erheblich höherer Inzidenz als Deutschland und erheblicher Verbreitung der gefährlichen indi- – oh fick, ich bin schon wieder rassistisch – Delta-Variante.

Mit der Bordkarte kann man übrigens (wenn man nur mit Handgepäck fliegt) direkt zum Gate. Personalien kontrolliert bei Reisen von Deutschland nach Schengen immer noch niemand.

Wir sind sehr schnell (1:56 von HAJ nach PMI ist ’ne gute Zeit). Der offenbar irische Pilot will wohl auch schnell nach Arenal.

Nach dem Landen – geklatscht wird in den 2020ern übrigens nur noch fürs Pflegepersonal – wird das Aussteigen nach Reihen angekündigt. Kurz darauf können wir das Flugzeug (A320-214, OE-IQC) jedoch in beliebiger Reihenfolge verlassen. Also stürmen alle aus dem Flugzeug raus – endlich zum Bierkönig!

Der Sturm wird allerdings durch die Behörden jäh gebremst, die die Kontrolle der Papiere dann doch gewissenhaft durchführen. Dadurch ist der Zeitgewinn durch den schnellen Flug dahin. Dann noch den Bus zum Mietwagenanbieter knapp verpasst. Kannste machen nichts.

Der Mietwagen – genauer: der Spurhalteassistent – hat zwar seine eigene Meinung, sorgt dann aber doch für eine sichere Ankunft im Hotel.

Da es jetzt schon zu dunkel ist, kann ich meine Untersuchung, ob Malle wirklich wie auf dem Bild oben aussieht, dann morgen beginnen.


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Vermischtes Generationenkonflikt – hart aber unfair?

Lockerungen für manche

geschrieben von Janni Dienstag, 4. Mai 2021 um 20:10 Uhr

Ich muss mich mal wieder auskotzen über die Coronapolitik. Keine Sorge, wird nur kurz.

Zuerst kam die Bundesnotbremse. Das erste Mal Ausgangssperre gab es am 24. April um 0, so auch hier in Verden, obgleich Verden einer der Kreise mit der niedrigsten Inzidenz in Deutschland ist. Überhaupt stehen Niedersachsen und Schleswig-Holstein gut da. Dass ausgerechnet die CSU jetzt auf Lockerungen macht, obwohl Bayern zu den schlimmsten Bundesländern gehört – ja Thüringen, ihr seid außer Konkurrenz – finde ich etwas witzig. Die CSU zeigt uns: Man darf auch in einer Pandemie nicht den Humor verlieren.

Was passierte nach der Bundesnotbremse:

Dumme Menschen und/oder Politiker würden jetzt bestimmt sagen, dass sich nur wegen der Bundesnotbremse die Lage geändert hat. In nur 3 Tagen. So schnell konnte sich nicht mal das Bundesverfassungsgericht mit dem Witz namens Ausgangssperre beschäftigen. Ich bin da aber zuversichtlich, dass die Unverhältnismäßigkeit festgestellt wird.

Ich verstehe nicht, warum der AfD von den regierenden Parteien immer diese Verfassungsfeindlichkeit vorgeworfen wird, sie aber reihenweise Gesetze absegnen, wo jedem nicht komplett ungebildeten Menschen sofort klar ist, dass das Bundesverfassungsgericht das sowieso kassiert.

Wo wir gerade bei ungebildeten Menschen sind: Jetzt will man in bildungsfernen Schichten impfen, weil die Leute sich ständig anstecken. Ich finde, hier sollte man die Ursache beheben, also dass Menschen unbildet sind.

Nach der Bundesnotbremse soll jetzt ja das Bundeslockerungsgesetz kommen. Sozusagen die Bundesnotbremsen-Notbremse. Aber nur für Geimpfte und Genesene. Inzwischen ist der Plan der alten Leute durchgesickert:

  1. Alle jungen Leute müssen sofort sämtliche Freizeitaktivitäten einstellen, damit die alten Leute nicht infiziert werden – egal ob Kinder und junge Erwachsene psychische Folgen haben
  2. Die Wirtschaft muss mit Milliardenhilfen gestützt werden, die die jungen Leute über Generationen abstottern müssen
  3. Die alten Leute werden zuerst geimpft
  4. Die alten Leute wollen als erstes Lockerungen für Geimpfte
  5. ???
  6. Profit

Da auch Politiker zum Großteil sehr alt sind, klappt das natürlich perfekt. Ob Indonesien jüngere Politiker hat, weiß ich nicht, dort wird aber zuerst mit den jungen Leuten angefangen (Impfpflicht, Strafandrohung 1 Jahr Gefängnis oder umgerechnet 6.000 Euro). Möglicherweise nutzt man dort die einmalige Chance für eine Senkung der Rentenbeiträge (falls es da so etwas wie ein Rentensystem gibt). Okay, so geschmacklos, wie ich jetzt bin, muss ich mich mal wieder auf Corona testen lassen.

Tansania versucht es mit Heilkräutern. Nachdem man dort eine Papaya und eine Ziege positiv auf Corona getestet wurde, hat man am 29. April 2020 das einzige Labor geschlossen und durch das Staatsoberhaupt am 7. Mai erklärt, durch Gottes Hilfe sei das Land jetzt coronafrei. Am 17. Februar 2021 verstarb der Vizepräsident Sansibars an einer „unbekannten“ Lungenkrankheit und am 17. März das Staatsoberhaupt an einer „Herzerkrankung“. Also keine Anzeichen auf Corona. Sobald in Tansania der Durchbruch mit Heilkräutern gelingt, werde ich das hier natürlich sofort melden.

Zurück nach Deutschland Bei hart aber fair kam allerdings auch noch ein Argument, das mich überzeugt hat: Wenn durch die Lockerungen für die Alten weniger Coronahilfen nötig sind, müssen die jungen Leute weniger abstottern.

Und was soll laut Bundeslockerungsgesetz gelockert werden? Die Tagesschau hat dazu einen Artikel veröffentlicht, dessen Bild ein Impfzentrum von innen zeigt. In der Mitte des Bildes befindet sich ein Schild: Keine Fotos. Schön, wie die Deutsche Presseagentur auf Regeln scheißt. Würde mir nie einfallen.

Geplante Lockerungen für Geimpfte und Genesene sind:

Oder wie Frauentausch-Andreas sagen würde:

Halt, stopp! Es bleibt alles so wie’s hier ist. [...] Egal ob du hier bist und nicht.


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Vermischtes Herzlose Kommunisten-Nazis

Und Politiker, die in in schlechten Zeiten lieber für schlechte Zeiten horten

geschrieben von Janni Sonnabend, 24. April 2021 um 21:02 Uhr

Okay, ich muss nochmal #allesdichtmachen aufgreifen:

Wenn ich mir meinen Post aus der Nacht zu Freitag nochmal durchlese, fühl ich mich als Hellseher. The backpaddle is real, SPD-Mitglied und WDR-Rundfunkrat Garrelt Duin forderte von der ARD den „schnellstmöglich[en]“ Rausschmiss aller Teilnehmer und in den Tagesthemen hat WDR-Monitor-Moderator Georg Restle in seinem Kommentar sogar dasselbe Leitmotiv wie ich gewählt, schwarz-weiß.

Inzwischen sind es nur noch 35 Videos und damit 18 Videos weniger als zu Beginn. Außerdem ist die Website wieder da mit einem zusätzlichen Statement ohne Autorenangabe. Ich frage mich, was den Teilnehmern das Zurückrudern überhaupt bringt...

Ich warte eigentlich nur darauf, dass mich die Amadieu-Antonio-Stiftung anruft und mir erklärt, dass der letzte Satz falsch sei, weil nicht-rechter Hass per Definition nicht existieren könne.

Von den vieren, die ich in meinem letzten Post erwähnt habe, sind noch alle da. So auch Miriam Stein, die ich ursprünglich noch erwähnen wollte, da die sagte, die Inzidenzen würden schnell sinken, wenn man nicht nur zum Shoppen sondern konsequenterweise auch zum PCR-Test nur mit negativem Test gehen darf. Für mich als Mathematiker ergibt das Sinn. Kostja Ullmann hatte in seinem inzwischen gelöschten Video die Idee, alle seine Kontakte vom Handy zu löschen, um nicht in Versuchung zu kommen, sie mal persönlich zu treffen. Das ergibt Sinn!

Ein Überblick über die Reaktionen auf #allesdichtmachen – auch wenn die eigentlich so sind, wie immer:

Die AfD klatscht. War klar. Die AfD ist deterministisch wie eine mathematische Funktion. Leider ist das aber bei ziemlich vielen Organisationen der Fall; eine differenzierte Meinung findet man im Internet selten.

„Gutmenschen“ kritisieren die Aktion. War genauso klar. Es kommt in der Politik in Deutschland überhaupt nicht darauf an, was man sagt. Es geht nur darum, wer klatscht: Wenn die AfD klatscht sind alle Beteiligten Nazis. In der Politik ist es daher wichtig, nichts zu sagen oder zu tun, was Zustimmung am äußeren Rand hervorruft.

Thomas Kemmerich kennt dieses Problem nur zu gut, als er 2020 zum ersten FDP-Ministerpräsidenten nach Reinhold Maier vor fast 70 Jahren wurde.

Wenn dann jedoch auch Sahra Wagenknecht #allesdichtmachen feiert, dann kann es nur eine einzige Schlussfolgerung geben: Alle Teilnehmer sind herzlose Kommunisten-Nazis. Und wahrschinlich sind denen auch die Leben der Alten egal.

Vor etwa 10 Jahren berichtete ein Freund auf TeamSpeak von seinem Arbeitstag als Altenpfleger. Ein Greis hatte ihm vorgeworfen, er sei ein „herzloser Kommunisten-Nazi“ und helfe keinen alten Leuten. Grüße gehen raus.

Ansonsten geben sich viele Medien Mühe, das Sprichwort „getroffene Hunde bellen“ zu bestätigen. Schauspieler: „In den Medien liest man nur, dass das Vorgehen der Bundesregierung richtig ist.“ Medien: „Die Schauspieler liegen falsch. Und übrigens: Das Vorgehen unserer Regierung ist richtig.“ Dass doch die Bildzeitung die Regierung kritisiert, brachte Marietta Slomka gestern im heute journal als Gegenargument. Das überzeugt mich nicht. Bildzeitung und die meisten anderen Medien bewerten übrigens grundsätzlich unterschiedlich, ob Kritik oder Zustimmung in der Mehrheit ist; der eigene Standpunkt sei jeweils deutlich in der Mehrheit.

Und dann fühlt sich das medizinische Personal mal wieder persönlich angegriffen. Durch Corona sterben Leute und man hat viel zu tun. Ich könnte mich jetzt auskotzen, dass ich als Systemadministrator durch die Home-Office-Pflicht auch viel zu tun habe: mit der Ermöglichung von Home Office und mit Layer-8-Problemen („Fehler 45“). Klar, von meiner Tätigkeit hängen kaum Menschenleben ab, der Vergleich ist somit zynisch und blöd.

Dass Leute sterben und dass das medizinische Personal so viel zu tun hat, liegt jedoch ganz gewaltig an Fehlentscheidungen der Politik. Und da kommen wir ganz schnell zu den Layer-10-Problemen, zu denen auch #allesdichtmachen ruhig Vorschläge hätte machen können – es aber nicht getan und sich somit selbst unnötig geschwächt hat.

Ich probier’s selbst mal, denn dass ich hellseherische Fähigkeiten habe, habe ich auch schon im Dezember gemerkt. Da habe ich mir nämlich etwas zur Wirksamkeit des Biontech-Pfizer-Impfstoffs durchgelesen. Aus den Studien ging klar hervor, dass die Wirksamkeit elf Tage nach der ersten Dosis bereits sehr gut ist. Ich habe mich echt gefragt, wie dumm die EMA und die deutsche Politik ist, dass sie zwei Impfdosen für zwingend notwendig hält. Großbritannien hat mal mit zig Millionen Leuten ausprobiert, auf die Zweitimpfung vorerst zu verzichten – Ergebnis: Kein Risikoland mehr, Öffnungen im großen Stil.

Also, jetzt ein bisschen Mathe-Nachhilfe. Vorannahmen: Für eine Herdenimmunität müssen 70% der Menschen immun sein. Der Wert wird von einer mir nicht bekannten Stelle offenbar jeden Tag neu ausgewürfelt und in den Medien veröffentlicht. Er lag in der Vergangenheit zwischen 50 und 95%. Ob jetzt 70% geimpft oder tatsächlich immun sein müssen, wird oft vermischt. Ich nehme einfach mal die letztere Definition. Außerdem nehmen wir die Wirksamkeit von 95% nach Zweitimpfung und 86,7% nach Erstimpfung an. Dann bräuchte man zur Herdenimmunität pro Einwohner (egal ob der impfwillig ist oder nicht) 0,807 Impfdosen bei nur Erstimpfung, aber 1,474 Dosen für eine Zweifachimpfung.

Diese Rechnung hat Schwächen. Während 0,807 auch der notwendige Anteil der Impfwilligen bei einer Impfdosis ist, liegt er bei Zweifachimpfung mit 0,737 geringer. Will man nur einmal impfen, darf es theoretisch weniger hirnlose Impfgegner geben. Man könnte allerdings bei zu vielen Impfgegnern die einfach die Zweitimpfung nachschieben. Außerdem kann man erwarten, dass die Impfung kürzer wirksam ist. Dann muss man halt früher wieder impfen, die Immunität sollte aber reichen, bis mehr Impfstoff verfügbar ist. Es ist ein einfacher Dreisatz – und er geht halt in Großbritannien komplett auf. So falsch können die Annahmen nicht sein.

In einigen Bundesländern wurde dadurch auch Impfstoff für die nicht wirklich notwenige Zweitimpfung zunächst reserviert. Man hortet in schlechten Zeiten Impfstoff für schlechte Zeiten? Gestern kam in den Nachrichten auf N-Joy, dass 5 Millionen Impfdosen einfach so rumliegen. Der Hausärzteverband ist empört und ich bin fassungslos. Und aus dem Grund denke ich, dass das medizinische Personal ruhig auch mal richtig sauer auf die Politik abseits der Schutzmaßnahmen sein kann. Von den Folgen der Krankenhausprivatisierung mal ganz abgesehen.

Nachdem ich Impfgegner als hirnlos bezeichnet habe, möchte ich von denen noch diejenigen als besonders hirnlos bezeichnen, die nicht möchten, dass dass andere Leute sich impfen lassen. Kann denen doch egal sein. Außer die Politik eröffnet Geimpften wegen einer hohen Akzeptanz der Impfung mehr Rechte als Genesenen und/oder Leuten mit negativem Testergebnis. Das würde auch ich verurteilen, solange nicht alle Impfwilligen geimpft sind. Man könnte jetzt diskutieren, dass in bestimmten Fällen der Test auf eigene Kosten gemacht werden muss, den Geimpfte und Genesene möglicherweise nicht brauchen. Aber gut, da muss und kann man glaube ich mit leben.

Ich bin raus. Dieser Blogpost enthält zu viel Kursivschrift, erschien aber wenigstens noch vor der Ausgangssperre.


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Vermischtes schwarz-weiß

Wenn du nach 22 Uhr noch kurz dem Hund um dein Blog ziehst und merkst: Du hast den Hund vergessen.

geschrieben von Janni Freitag, 23. April 2021 um 01:51 Uhr

Eigentlich war vorhin ich nur wegen #gntm auf Twitter. Dann tauchte aber noch ein anderer Hashtag auf und nun sind außer #gntm und #illner die Top-10-Trends auf Twitter zu einem einzigen Thema: #allesdichtmachen

Hierbei handelt es sich um eine am Abend veröffentlichte Website, auf der 51 (nach anderen Angaben 53) mehr oder weniger bekannte Schauspielerinnen und Schauspieler je ein kurzes Video zu den Corona-Maßnahmen der Bundesregierung veröffentlicht haben. Und dazu, dass die Presse eigentlich nur eine Meinung verbreitet/vertritt. (Man könnte jetzt fragen, ob die Presse überhaupt eine Meinung verbreiten/vertreten sollte.)

Radio Eriwan wurde gefragt: Stimmt es, dass sich in der Sowjetunion Stereoanlagen erübrigen?
Radio Eriwan antwortet: Im Prinzip ja. Man hört ja eh von allen Seiten das gleiche.

Der kleine Teil von Twitter, der seine Ablehnung begründend artikulieren kann, kritisiert, dass die Schauspieler lediglich Polemik, Sarkasmus und Zynismus zu bieten haben, aber keine Lösungsvorschläge machen (was auch durchaus ein Kritikpunkt ist!). Also eigentlich genau wie mein Blog in a nutshell.

Das erinnert mich an die Kurzgeschichte Am frühen Abend von Hans Joachim Schädlich. Sie handelt von einem Handelsreisenden, der einem Obdachlosen Vorschläge macht, wie dieser auf aus seiner Misere herauskommen sollte. Das Gespräch (und damit die Geschichte) endet mit dem Satz „Er hilft mir auch nicht.“

In der 10. Klasse sollten wir dazu eine Interpretation schreiben. Ich war der einzige, der die Geschichte komplett anders interpretiert hat als alle anderen. Während die nämlich die Schuld beim Handelsreisenden sahen, dass er nur Vorschläge macht, aber nicht selbst etwas tut, habe ich dem Obdachlosen vorgeworfen, alle Vorschläge kategorisch abzulehnen. Ich fand mich sogar so gut, dass ich mich freiwillig als erster zum Vortragen meiner Hausaufgaben gemeldet habe ~ und meine Hausaufgaben tatsächlich mal gemacht habe, das möchte ich auch mal betonen! #schlechtesvorbildnis

(Jetzt frage ich mich, warum mir der letzte Satz der Geschichte so in Erinnerung geblieben ist und ich bei der Google-Suche beim Namen Hans Joachim Schädlich sofort wusste, dass es der Autor war. Dabei dachte ich, dass mein Gehirn eigentlich nur noch aus Schlager-Lyrics besteht.)

Vielleicht kann ich auch gerade deshalb darüber lachen, weil es mein Stil ist (ich möchte nicht „Humor“ schrieben). Und weil von den drei SARS-CoV2-erkrankten Menschen, die ich kenne, B.1.1.7 nicht so sehr geschadet hat, obwohl sie alt sind. Ich finde, es sollte keine Tabus für Satire und auch Zynismus geben. Besonders gelungen finde ich folgende Videos:

Der größte Teil von Twitter kennt allerdings nur schwarz und weiß. In diesem Fall heißt das, alle teilnehmenden Schauspieler sind jetzt entweder Helden – oder Nazis, Faschos und Leerdenker. Aber ist es nicht das, was von den Schauspielern kritisiert wird? Dieses Schwarzweißdenken? Dass Meinungen, die die Maßnahmen nicht als richtig (oder nicht hart genug) bezeichnen, grundsätzlich falsch sind? Insbesondere im Video von Nina Gummich. Ich betrachte die Spaltung und Verbitterung der Meinungsfronten und der Gesellschaft als die große Gefahr der Coronazeit. Einige Leute kennen 39 Geschlechter aber nur 2 Meinungskategorien (Nazi und Antifaschist). Bei mir ist das andersrum – und das, obwohl vorhin bei #gntm das glaube ich erste Mal ein Transgender-Model einen Job gekriegt hat.

Die Website allesdichtmachen.de selbst ist inzwischen aus technischen Gründen nicht mehr erreichbar. „Der Server zeigt Civilcourage“, meint ein Twitternutzer. Das finde ich sogar mal lustig, auch wenn den da mitschwingenden Unterton nicht befürworte, dass diese Leute nichts sagen (können) sollten. Meinungsfreiheit abhängig von der Meinung ist keine Meinungsfreiheit. Hmm? Auch über einen Tweet, dass es jetzt 53 weitere Arbeitslose gibt, musste ich lachen.

Am Ende läuft das wahrscheinlich so wie mit dem Megaupload-Song: Keiner der Schauspieler will dann die (deutlich „kritischeren“) Ansichten des Initiators Bernd K. Wunder gekannt haben und alle distanzieren sich. Von sich selbst.

So, ich muss jetzt mal herausfinden, ob es 1989 auch eine Inzidenz von 250 gab. Janni ist raus.

...

Darf ich in einem Hochinzidenzgebiet eigentlich noch nach 22 Uhr bloggen?
(Ohne Hund.)


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