Vermischtes Der CBO empfiehlt

Die IT-Abteilung – sie isst sehr gut (& günstig).

geschrieben von Janni Sonnabend, 26. September 2020 um 23:29 Uhr

Bei uns in der Firma grillen die IT- und die Marketingabteilung jede Woche gemeinsam. Zusammen nennen wir uns Genussabteilung. Was zunächst mit alle 2 bis 3 Wochen (im Winter seltener) begann, hat sich im April 2020 auf zwei- bis dreimal wöchentlich hochgeschaukelt. Deshalb dürfen wir nur noch wöchentlich grillen. Wobei „wir“ in über 90% der Fälle „ich“ meint. Die Tradition ist inzwischen als „Wöchentlich gemeinsames Teamgrillen“ zum Punkt 1 bei den Benefits der Stellenausschreibungen für die entsprechenden Abteilungen geworden. Kugelgrill und Gas stellt die Firma, die Lebensmittel nicht.

Auch unsere Lagermitarbeiter grillen manchmal. Andere Abteilungen bestellen lieber Pizza oder machen lieber gemeinsames Frühstück. Einmal hatte die Verkaufsabteilung nach ihrem gemeinsamen Frühstück über 2 Kilo Mett und etliche Brötchen übrig, aus denen ich für sie spontan Burger gemacht habe.

Einfaches Grillen

Ursprünglich wurde das Grillen aber nicht von mir eingeführt, sondern von einem anderen IT’ler, der das Unternehmen inzwischen verlassen hat. Gegrillt wurde dann bis Anfang 2020 grundsätzlich feine Bratwurst, frische grobe Bratwurst und Ćevapčići. Nur in absoluten Ausnahmefällen (z.B. neuer Kollege) gab es Burger. Seit Anfang 2020 wurde dann das folgende Programm rotiert:

Typische Beilage dazu sind der Farmersalat, Bauern-Kartoffelsalat oder Krautsalat von Gut & Günstig. Außerdem sehr beliebt sind Kräuterbaguettes. Das Pulled Pork kommt aus der Packung und von dort in die Mikrowelle. Am Tag meines Vorstellungsgesprächs hat mein Vorgänger selbstgemachtes Pulled Pork (im Brötchen) für alle gegrillt, das schaffen wir organisatorisch nicht. Dennoch wurde ich zum CBO (Chief Barbecue Officer) ernannt. Bis der Gefrierschrank kaputt gegangen ist, hatte ich sogar einen BCP (Barbecue Continuity Plan). Eine Kollegin, die sonst auch manchmal gegrillt hat und von mir zum Vize President of Taste (stellvertretende Vorsitzende für Geschmack) ernannt wurde, ist gerade in Elternzeit.

Wieso wir immer nur grillen? Weil es in der Firma weder einen Herd noch einen Backofen gibt. Und das ist auch der Reiz und die Herausforderung beim neu eingeführten Premium-Grillen.

Premium-Grillen

“Will it grill?”, diese Frage stellen wir uns seit Anfang September jede Woche neu. Denn beim Premium-Grillen geht es stets um ein Rezept, das man eigentlich nicht auf einem Grill machen kann. Ich mache es aber trotzdem. Hier die ersten drei Rezepte:

Flammkuchen-Tortillas/-Wraps (7. September)

Flammkuchen-Tortilla auf Alufolie
Flammkuchen-Tortilla

Dieses Rezept habe ich zufällig in einer aufgenommenen Folge von Galileo vom 16. Februar 2017 auf meiner Festplatte gefunden und dann spontan ein Premium-Grillen ausgerufen.

Im Beitrag ging es darum, in 8 Minuten Flammkuchen zu machen. In der Zeit geht natürlich kein frischer Teig, deshalb wurden Weizentortillas aus dem Supermarkt genommen. Zutaten für zwei Stück gemäß Galileo:

Da man Tortillas nur im 6er-Pack bekommt und uns die Menge an Belag sowieso überzogen schien, haben wir für die 6 Tortillas nur die Menge an Saurer Sahne, fettarmem Schinken (statt Speck) und Zwiebeln verdoppelt. Die Zwiebeln wurden im TV-Beitrag zur einen Hälfte verrührt, zur anderen draufgelegt. Wir haben sie alle in die Belagmasse verrührt. Und hier meint „wir“ übrigens mal nicht „ich“, sondern mich und den Kollegen, mit dem ich auf Helgoland war.

Problem bei der Vorbereitung: Kochen im Mitarbeiterhaus ist nicht nur durch den fehlenden Herd und Backofen eine Herausforderung, sondern auch durch den Mangel an diversen Kochutensilien. In diesem Fall eine Schüssel. Zum Glück haben wir nach dem letzten Grillen den kleinen Eimer vom Kartoffelsalat (ausnahmsweise von Penny) ausgespült und aufbewahrt. Inzwischen habe ich das Mitarbeiterhaus zumindest um eine Knoblauchpresse und ein mittelkleines Sieb aufgewertet. Die nächste Investition dürfte dann eine Rührschüssel sein.

Nächste Herausforderung: Es ist nicht genug Platz auf dem Grill, um die Flammkuchen in flacher Form zu machen. Es passen zwar vier Stück drauf (was für üblicherweise 5 bis 10 Teilnehmer dennoch zu langsam ist), dann kommt aber keine Hitze mehr nach oben und die Tortillas brennen von unten an, bevor der Belag durch ist. Mein Kollege hat dann nach den ersten drei Stück in flacher Form die anderen drei zu Wraps gefaltet. Das Ergebnis: Viel besser! Weitere Idee vom Kollegen fürs nächste Mal: Zwiebeln in der Mikrowelle vorgaren. Ich fand sie so aber auch nicht schlecht.

Zusammenfassung der Tipps:

Hähnchen-Saltimbocca mit gegrilltem Gemüse (14. September)

Hähnchen-Saltimbocca mit gegrilltem Gemüse
Hähnchen-Saltimbocca mit gegrilltem Gemüse

Um mich mal dazu zu zwingen, vernünftig zu kochen, habe ich am 6. September Hellofresh abonniert. Das ist eine Firma hier in Verden, die Kochboxen verschickt. In Neuseeland fand ich die dort in jedem Supermarkt angebotenen Kochboxen eine tolle Idee, wir hatten allerdings nur in drei Hotels eine Küche auf dem Zimmer und teilweise waren die Kochboxen nur für 4 Personen erhältlich und niemand wollte mit mir kochen. Zwei andere haben aber zweimal mit Kochboxen gekocht.

Damit meine Kollegen auch was davon haben, dass ich jetzt wöchentlich doch recht viel Geld ausgebe, gibt es für sie jetzt jede Woche mein Lieblings-Hellofresh-Gericht der Woche. Den Anfang machte am 14. September Hähnchen-Saltimbocca mit Ofengemüse. Von mir empfohlene Zutaten für 4 Personen:

Zubereitung wie auf der Website von Hellofresh. Abweichend Kichererbsen und Gemüse regelmäßig „umrühren“.

Herausforderung hier ist wieder der Platz auf dem Grill. Mit drei Grillschälchen ist der Grill voll und man kann das Fleisch nicht grillen. Zum Glück funktioniert das Rezept auch problemlos, wenn man das gesamte Gemüse (außer Kichererbsen) in einer Schale gart

Zusammenfassung der Tipps:

Gnocchi mit Tomaten-Grillgemüse-Soße (24. September)

Gnocchi mit Tomaten-Grillgemüse-Soße
Gnocchi mit Tomaten-Grillgemüse-Soße

Die darauf folgende Woche hatte bei Hellofresh viele Rezepte zu bieten, bei denen die Grillbarkeit nicht komplett ausgeschlossen ist. Ich habe mich zum Nachfeiern meines Geburtstags für Gnocchi in cremiger Spinat-Tomaten-Soße entschieden. Von mir verwendete Zutaten für 6 Portionen:

Als erstes habe ich das kleingeschnittene Gemüse gegrillt und dann in die unerwärmten Tomaten (mit Knoblauch und den Basilikumstängeln ohne Blätter drin) gemischt. Ursprünglich wollte ich das anschließend zusammen kurz in die Mikrowelle packen, dazu bin ich aber nicht gekommen. Das Gemüse und die Gnocchi haben genug gewärmt, obwohl die Soße zunächst warten musste, bis die Gnocchi fertig gebraten waren.

Herausforderung diesmal: Das Fehlen einer Schüssel im Mitarbeiterhaus. Wir haben zwar Geschirr, bei dem ich nicht weiß ob es Schälchen oder tiefer Teller sein möchte, da passt aber höchstens die Hälfte der Soße rein, weshalb ich zwei genommen habe. Und dann war kein Platz mehr für das Vermischen mit den Gnocchi wie im Rezept sowie den Spinat. Daher haben wir die Soße auf die Gnocchi gegeben und den Spinat sowie die Basilikumblätter oben aufgelegt, dadurch aber nur ein Drittel des gekauften Spinats nutzen können. Die Walnüsse haben wir schlicht vergessen zu benutzen.

Zusammenfassung der Tipps:

Vielleicht blogge ich jetzt öfter über so etwas. Das Feedback der Kollegen zu den Gerichten ist auf jeden Fall positiv.


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Nachrichten vor Ort Tanz der Vampire

Fledermausforschung (flug-)hautnah

geschrieben von Janni Dienstag, 1. September 2020 um 21:35 Uhr

Inzwischen habe ich ein Programm geschrieben, das die Exif-Informationen unter Bildern automatisch hinzufügt. Sie befinden sich somit von jetzt an konsequent unter allen Systemkamera-Bildern.

Der Nabu Kirchlinteln hatte dieses Jahr so einige Aktionen geplant, wegen Corona fiel viel aus. Die in einem Post von Juni erwähnte Exkursion am 26. Juni ins Odeweger Moor fand aufgrund der vier Tage zuvor erlassenen Lockerungen tatsächlich statt, war im Vergleich zur Exkursion ins Verdener Moor, mit der sie im jährlichen Wechsel stattfindet, allerdings eher unspektakulär. Es gibt sowohl ein Transkript als auch Bilder von der Tour, vielleicht stelle ich sie noch irgendwann ein. Für Interessierte, die aufgrund der Corona-Restriktionen damals nicht zum Zug gekommen sind, wird die diesjährige Exkursion in kürze wiederholt, dies scheint jedoch nicht öffentlich zu sein.

Jetzt aber zur Aktion von Sonnabend um 20:30, der so genannten Bat Night (Fledermausnacht) vom Brammer See in Kirchlinteln. Die Bat Night ist eine internationale Veranstaltung, die am vergangenen Sonnabend und Sonntag weltweit stattfand, darunter 22-mal in Niedersachsen, wo 19 Fledermausarten leben.

Zumindest tun sie dies zeitweise, denn manche Fledermausarten ziehen genau wie Vögel. Es gibt Arten, die zur Brut hier herkommen, Wintergäste und solche, die das ganze Jahr über in der Region bleiben.

Die Aktivität von Fledermäusen hängt vom Wetter und vom Mond ab. Bei geringeren Temperaturen sinkt die Anzahl, da sie eine gewisse Körpertemperatur zum Fliegen brauchen (eine gefangene Fledermaus muss teils mit Händen gewärmt werden, um wieder abfliegen zu können, da sie ohne Bewegung auskühlt), und bei Vollmond fühlen sich die Tiere davon angezogen und fliegen nicht so tief. Beides ist heute der Fall und senkt die potenziell fangbaren Tiere.

Aufbau der Netze zum wissenschaftlichen Fledermausfang
Clemens Buchmann und Kai Thore Wolf bauen Netze auf [Tamron 28–75mm F2,8 Di III RXD @ 52mm F2,8, 1/15 s (EV-1), ISO 400]

Aber halt, alle Fledermausarten stehen doch unter strengem Schutz, warum dürfen diese Netze da aufgebaut werden? Die beiden auf dem obigen Bild sind die Fledermausbeauftragten des Landkreises Verden und führen wissenschaftliche Untersuchungen mit Genehmigung durch die UNB und NLWKN durch. Dafür eignet sich ein See wie dieser besonders, der Insekten anzieht, die die in Niedersachsen vorkommenden Arten ausschließlich fressen. Es gibt allerdings auch Arten, die Jungvögel oder Fische fressen. Flughunde fressen Früchte, was auch ihr englischer Namen aussagt. Gefressen werden Fledermäuse wiederum von Eulen. Schleiereulen gehen auch gezielt auf Jagd nach Fledermäusen. Wer eine Schleiereule hat, hat in der Regel keine Fledermäuse im Haus – aber normalerweise auch keine Marder.

Da das wissenschaftliche Hantieren mit Fledermäusen in sozialen Medien falsch aufgefasst werden könnte, habe ich für dieses Event keine Drehgenehmigung, somit gibt es nur Bilder.

Brammer See in der Abenddämmerung
Brammer See [Sigma 20mm F1,4 Art @ F1,4, 1/60 s (EV-1), ISO 160, HDR Auto]

Abendsegler dürften hier die häufigste Gattung sein (vertreten durch die Kleinen und Großen Abendsegler). Die Teichfledermaus gibt es bei uns entgegen des Namens an Flüssen und Kanälen, aber eine Wasserfledermaus kann man hier vielleicht finden. Die höchste Aktivität ist jetzt nach Sonnenuntergang und am frühen Morgen zu erwarten, aufgrund des Kälteeinbruchs nach Mitte August jedoch deutlich weniger als zuvor.

Aus dem Grund wird auch die Wochenstube der Mausohren in der St.-Petri-Kirche in Kirchlinteln-Kernort so langsam geräumt und natürlichere Bleiben aufgesucht. Als Wochenstube werden bei Fledermäusen Orte bezeichnet, wo die Weibchen ihre Jungen zur Welt bringen. Das können beim Mausohr in Mitteleuropa auch mal 5.000 Individuen sein, normal sind 50–1.000.

Einige Kirchen verkaufen den Kot der dort lebenden Fledermäuse. Er ist bröckelig und enthält Chitin von den gerfressenen Insekten, sodass er glänzt. Zum Sammeln/Reinigen von Fledermauskot, was der Nabu hier manchmal in der Kirche macht, müssen aus gesundheitlichen Gründen Schutzanzüge getragen werden.

Fledermaus-Imitationsgerät
Dieses Gerät gibt Soziallaute von Fledermäusen wieder – nicht jedoch die Töne zur Echo-Ortung, die die Feldermäuse über die Zeit perfektioniert haben. Sie klingt wie ein kaputtes Radio. Was die abgespielten Laute bedeuten, weiß man nicht. Aber wenn man eine fängt, „schimpft“ diese – teils in für uns hörbaren Lauten –, was oft andere anlockt. [Sigma 105mm F1,4 Art @ F1,4, 1/4 s (EV-1,3), ISO 1600]

Die Netze bestehen aus acht Ebenen, die durch Teleskopstangen ausgefahren werden können. Als Material kommt Puppenhaar zum Einsatz, damit sich die Tiere nicht verletzen. Normalerweise schadet ihnen die Aktion so auch kaum. Normalerweise bleiben sie nämlich in den Netzen hängen, fallen also nicht zu Boden. Wenn sie sich verheddern, muss man sie rausschneiden und befreien. Einige Fledermäuse durchbrechen das Netz aber auch, deshalb hat es einige große Löcher. Nasse Netze können von den Tieren geortet werden, bei Feuchtigkeit ist somit kein Fang möglich.

Trotz der großen Netze fangen wir ... zunächst mal nichts. Wer will kann sich einer Gruppe anschließen, die mit dem Fledermausdetektor in der Nähe umher läuft.

Unterwegs mit Fledermausdetektor
Unterwegs mit Fledermausdetektor [Sigma 20mm F1,4 Art @ F1,4, 1/60 s (EV-2), ISO 12800]

Mit diesem Gerät kann Fledermauslaute aufzeichnen, ihre Rufe hörbar machen und die Tiere akkustisch bestimmen. Schauen wir mal auf das Display:

Screenshot eines Feldermausdetektors
Aktivität (von einer Zwergfledermaus?)
Die Echo-Ortungs-Töne der meisten Arten sind – anders als die vieler Soziallaute – für den Menschen in der Regel nicht hörbar, lediglich die Ortungtöne der Abendsegler können für (junge) Menschen hörbar sein.
Screenshot eines Feldermausdetektors
Positionsdaten (ermittelt durch 14 Satelliten mit einem 3D-Fixpunkt auf 5 Meter genau)

So weisen wir u.a. Zwergfledermäuse (macht den Großteil aus und es ist ja auch allgemein die häufigste Fledermaus in Deutschland), Rauhhautfledermaus, Wasserfledermaus (oder ein anderes Mausohr) und Breitflügelfledermaus nach. Aktivität ist also da, wenn auch vor allem auf der Allee-artigen Straße, wo sich unter den Bäumen die Wärme des Tages besser hält. Die gerade sehr aktiven Heuschrecken werden vom Detektor ebenfalls aufgenommen.

Da immer noch nichts gefangen wurde, wollen die beiden ein zweites Netz aufbauen. Zunächst hatten sie davon abgesehen, da sie bereits mit einem Netz erwartet haben, dass sie genug zu tun gehabt hätten und sich um die Fledermäuse aus zwei Netzen nicht hätten kümmern können. Doch als das zweite Netz gerade aufgebaut werden soll, geht uns doch eine Fledermaus ins Netz:

Gefangene Fledermaus wird eingeholt
Gefangene Fledermaus wird eingeholt [Sigma 105mm F1,4 Art @ F1,4, 1/80 s (EV-2), ISO 3200]

Die beiden Experten bestimmen und erfassen das Tier, sowie z.B. Geschlecht, Gesundheit, Alter, Gewicht, Größe.

Breitflügelfledermaus schaut aus einem Säckchen
Hat da wohl die Breitflügelfledermaus im Sack gekauft... Ebenfalls ist auf dem Bild der Fledermausdetektor BATLOGGER M zu sehen.
(Übrigens danke für nichts, elektronischer Verschluss.) [Sigma 105mm F1,4 Art @ F1,4, 1/125 s (EV-1,3), ISO 2000]

Das Alter wird am Zustand der Zähne oder Zitzen grob geschätzt und kann über 30 Jahre betragen. Die Zitzen muss man durch Pusten erst sichtbar machen; wegen Corona nimmt man jetzt Druckluft aus der Dose. Als Maßstab für die Größe einer Fledermaus nimmt man aus praktischen Gründen die Länge des Unterarms. Das Gewicht wird gemessen, indem die Fledermaus in ein verschließbares Eimerchen kommt, das gewogen wird. Das Ergebnis in diesem Fall: 11,3 Gramm. Wenn man die Fledermaus wieder aus dem Eimer nimmt, muss man aufpassen, dass sie nicht flüchtet.

Breitflügelfledermaus wird vermessen
Bestimmung der Unterarmlänge mit einer Schiebelehre [Sigma 105mm F1,4 Art @ F1,4, 1/15 s (EV-0,3), ISO 200]

Damit dieselbe Fledermaus nicht zweimal pro Abend untersucht wird, markieren sie eine Kralle mit Nagellack, übrigens ganz normalem aus der Drogerie. „Den hab ich von meiner Freundin geklaut“, sagt der Forscher, „jetzt Ex-Freundin...“. Das darf eines der drei Kinder übernehmen, die zusätzlich zu 21 Erwachsenen anwesend sind. Natürlich wird Abstand gehalten und/oder Maske getragen. Nach einigen Tagen blättert der Nagellack ab.

Breitflügelfledermaus bekommt einen Zehennagel lackiert
Fledermaus wird von einem Mädchen markiert [Sigma 105mm F1,4 Art @ F3,2, 1/10 s, ISO 400]

So eine Breitflügelfledermaus ist sehr robust, aber auch sehr renitent (vielleicht ist sie aber auch einfach mit der Nagellack-Farbe nicht einverstanden). Während man zartere Arten mit einem leichten Handschuh anfassen kann, muss es für diese Art schon ein Lederhandschuh sein, da sie ihre Zähne benutzt.

Flügel einer Breitflügelfledermaus
Flügel [Sigma 105mm F1,4 Art @ F3,2, 1/8 s, ISO 800]
Breitflügelfledermaus zeigt Zähnchen
Zähnchen [Sigma 105mm F1,4 Art @ F1,4, 1/25 s, ISO 400]
Brammer See in einer Fast-Vollmond-Nacht mit sehr hoher ISO fotografiert
So sieht es übrigens aus, wenn man nachts bei fast Vollmond mit viel zu hoher ISO ein Foto macht: Eigentlich wie am Tag, nur mit viel mehr Rauschen, Unschärfe und Sternen. [Sigma 20mm F1,4 Art @ F1,4, 16/10 s (EV0,7), ISO 25600]

Die meisten Teilnehmer gehen dann, nachdem der offizielle Teil nach Überreichung einer Präsenttasche gegen 22:30 endet. Die beiden werden durchmachen. Eine weitere Teilnehmerin und ich bleiben bis kurz nach 0 Uhr. Die beiden erzählen von Erlebnissen:
So haben sie einmal in Sachsen-Anhalt veruscht, Fledermäuse zu untersuchen. Auf der Straßenseite gegenüber fand auf einem Bauernhof ein Konzert von Roland Kaiser statt. Den, der das organisiert hat, sollte man wirklich mal fragen: „Warum hast du nicht Nein gesagt?“. Der Abend war wenig erfolgreich. Auch Fledermäuse haben wohl Niveau. Auch in Friesoythe hat ein Konzert mal ihre Arbeit gestört, dort allerdings von Nazis. Und einmal waren sie irgendwo in einem Wald, als plötzlich ein Auto auf ihr Netz zufuhr. Sie haben noch versucht, die Frau am Steuer zu stoppen, die es jedoch dann erst recht mit der Angst zu tun bekam, beschleunigte und so das Netz durchfuhr. Übrigens melden die beiden in den Wintermonaten, wenn zu ihren Arbeitszeiten noch viele Leute wach sind, ihre Aktionen bei der Polizei an. Es gibt jedoch auch Polizeistationen, die sich dafür nicht interessieren.

Gut, ich merk schon, das reicht für heute. Man liest sich. Und jetzt nicht von Vampiren träumen.


(Ich erteile hiermit der MK (z.B. VAZ) und dem Nabu die Erlaubnis, sämtliche meiner Bilder dieser Aktion mit Angabe des Autors Janni Kettenburg in allen Publikationen zu verwenden.)


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Vermischtes Ausflug an die Bullenseen: Großes und Weißes Moor

Der zweite Teil meines Ausflugs zu den Bullenseen

geschrieben von Janni Freitag, 21. August 2020 um 22:10 Uhr

Hinweis: Dieser Blogpost enthält eine Makroaufnahme einer Gartenkreuzspinne.


Großes Moor
Großes Moor
Heidelandschaft mit Bienenzaun
Ein sog. Bienenzaun (das kleine Häuschen), allerdings ohne Bienen

Das Große und Weiße Moor war bis 2009 nicht wirklich öffentlich zugänglich. Inzwischen hat der Nabu Rotenburg (Wümme) dort Wege Dör’t Moor angelegt, die teils mit Rindenmulch „befestigt“ sind. Außerdem wurden Wegweiser aufgestellt, damit man den Weg findet:

Wegweiser vor einem Maisfeld, in alle anderen Richtungen weist er zum „Kulturpfad“
Da sowieso alle Wege zum Kulturpfad führen, ist das Aufstellen von Schildern nicht so wichtig (nur hinter dem Schild ist ein Maisfeld)
Waldweg mit Rindenmulch
Ein Weg mit Rindenmulch durch den Wald (HDR-Bild)

Auf dem obigen Bild befindet sich rechts neben mir ein Trichter, durch den man dem Wald lauschen kann. Dafür müsste man Geduld mitbringen.

Gartenkreuzspinne
Gartenkreuzspinne (Zwischenring +10mm)

Vom Moor ist allgemein nicht mehr viel zu sehen. Wenn ein Moor abstirbt, bilden sich dort die typischen Heidepflanzen.

Moorauge
Dieser Kolk (Moorauge) in der Mitte des südlichen Weges ist einer der wenigen typischen Moorteiche, die auch jetzt Wasser enthalten

Auf dem südlichen Weg befindet sich ein Aussichtsturm. Heute sieht man nichts, den Vögeln, die man hier normalerweise sehen sollte, ist es vermutlich zu heiß.

Außerdem gibt es eine Moorerlebniszone. Dort gibt es einen kurzen Bulten-Weg. Das sind ins Moor gesteckte Pfähle mit geringer Höhe aber großem Durchmesser, sodass man darauf von einem zum anderen gehen oder springen kann. Außerdem gibt es einige umdrehbare Schilder mit Quizfragen und eine Moorbadestelle, wo man zumindest mal seine Füße ins Moor tauchen kann. Der Barfußpfad zum Fühlen des Untergrunds scheint verfallen. Außerdem, so steht an einigen Stellen, streut jemand immer mal wieder bunten Plastikschrot auf und neben die Wege. Welcher Idiot macht so was?


Und da dieser Blogpost viel kürzer als geplant war, hier ein Bild vom Igel, der sich gestern (also am Tag vor diesem Blogpost) bei uns im Gewächshaus versteckt hat.

Braunbrustigel
Braunbrustigel


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Vermischtes Ausflug an die Bullenseen: MEGa-Bilder

Der erster Teil meiner Tour vom vergangenen Sonntag beschäftigt sich mit dem Mitmach- und Erlebnisgarten des Nabu Rotenburg (Wümme)

geschrieben von Janni Donnerstag, 20. August 2020 um 22:49 Uhr

An Kirchlinteln grenzt der Landkreis Rotenburg (Wümme) an. Dort gbt es gleich drei Seen, die Bullensee heißen. Das Naturschutzgebiet dieses Namens liegt im Nordkreis, nahe Kirchlinteln liegen die anderen beiden Bullenseen nebeneinander. Der Kleine Bullensee liegt im Naturschutzgebiet Großes und Weißes Moor, der Große Bullensee ist ein beliebter Badesee.

Von meinem Wohnort sind es dorthin etwa 17 Kilometer und da Sonntag tolles Wetter war, habe ich mich aufs Rad geschwungen und bin dorthin gefahren.

Vor einigen Wochen habe ich mir übrigens zwei neue Teile für meine Kamera gekauft: Das Sigma 105mm F1,4 Art (Porträtobjektiv) und den Yongnuo EF-E II (Adapter). Das Sigma habe ich nicht mitgenommen, dafür aber den Adapter. Ersten Tests zufolge ist er (nach einem Firmware-Update) etwas besser als der Sigma MC-11 und kostet etwa die Hälfte weniger als der Sigma in Angebot. Hier ein erstes Bild damit (es kommen auch nicht mehr viele):

Drei Rehe auf einem Waldweg
Auf der Straße zum Bullensee wird nicht umsonst vor starkem Wildwechsel gewarnt. Hier drei Rehe auf einem davon abzweigenden Waldweg.

Mein neues Sigma-Objektiv wird vermutlich nächsten Sonnabend viel zum Einsatz kommen, wenn der Nabu Kirchlinteln seine Fledermausnacht (Bat Night) in Kirchlinteln-Brammer abhält.

Der Nabu Rotenburg hat hingegen nahe der Bullenseen auf dem Hartmannshof das Projekt MEGa ausgerufen. Klingt zwar eher nach einem Projekt von Dieter Bohlen, steht aber für Mitmach- und Erlebnis-Garten.

Tau auf Spinnennetzen im Sonnenlicht
Tau hat sich in Spinnenweben gesammelt

Der Nabu hat auf dem Gelände verschiedenstee Pflanzen angepflanzt und hier und da kann man auch Dinge ausprobieren. So gibt es einen Vogelkasten im Maßstab 10:1, was in etwa dem Maßsstab Mensch zu Vogel entspricht. Eine Menschenfamilie kann so erleben, wie eng es für eine Vogelfamilie in einem Nistkasten ist.

Besenheide
Besenheide
Mitmach- und Erlebnis-Garten des Nabu Rotenburg (Wümme)
Blick über den MEGa, links der Vogelkasten im Maßsstab 10:1

Auf dem Gelände kann man außerdem von den Nutzpflanzen naschen. Es gibt dort Beerenobst wie Tomaten oder Sammelsteinfrüchte wie Himbeeren.

Es gibt eine einzige Pflanzenart, die Himbeere heißt, aber allein in Europa über 2.000 Arten, die als Brombeeren bezeichnet werden.

Der Nabu bittet übrigens darum, nicht auf den Wegen zu bleiben und quer durch den Garten zu laufen.

Libellen bei der Paarung in der Luft
Libellen bei der Paarung (am oberen Bildrand), dabei schwirren sie schnell hoch und runter, sodass es schwer ist, sie einigermaßen scharf abzubilden (hier mit Supertele und manuellem Fokus)

Meinen neuen Adapter bzw. den dadurch ermöglichten Autofokus kann ich dann aber an den Insekten testen, die auf Minzen sitzen:

Kohlweißling, Hummel und Biene auf einer Minze
Kohlweißling, Hummel und Biene sitzen auf einer Minze

Eindrucksvolle Bilder kriegt man auch mit einem Zwischenring hin. Dieser hier hat leider Vignettierung, außer bei meinem Standardzoom ganz rausgezoomt (28mm). Da die folgenden Bilder alle bei 75mm entstanden sind, gibt es entsprechend Vignettierung:

Hummel auf Minze
Hummel auf Minze (+10mm Zwischenring)
Kohlweißling auf Minze
Man sieht gut, wie der Kohlweißling mit seinem Rüssel Nektar saugt (+10mm Zwischenring)
Kohlweißling auf Minze
Kohlweißling auf einer Minze (+10mm Zwischenring)
Kohlweißling auf Minze
Muster auf dem Flügel eines Kohlweißlings (+10mm Zwischenring)

So, damit genug vom MEGa und zurück zu den eigentlichen Bullenseen – im nächsten Blogpost.


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Neuseeland/Vermischtes Hamburg, meine Perle (Teil 2)

Und weiter geht’s durch die Großstadt an der Elbe.

geschrieben von Janni Mittwoch, 19. August 2020 um 23:40 Uhr

Weiter geht es in die Speicherstadt, dem weltgrößten historischen Lagerhauskomplex. Wir kommen vorbei am Dialog im Dunkeln. Das ist eine Ausstellung zum Thema Blindheit, die ich 2011 mit einer 6. Klasse besucht habe. Hier ein Bild daraus:

Im Dialog im Dunkeln
Im Dialog im Dunkeln

Schöner ist hingegen die das Wasserschloss. Heute ist es ein Teekontor.

Wasserschloss
Wasserschloss (Handyfoto, 48MP)
Klaus Störtebeker
Claas Störtebeker. Offenbar beim Freistoß in der Mauer abgestellt.

Wir folgen dem Brooktorkai und gehen am Fleetschlösschen, einem Restaurant in einem kleinen Häuschen, das davor dem Zoll, als Toilette und als alkoholfreies Lokal für die Arbeiter diente.

Da wir die anderen nicht sehen, machen wir nach einem Selfie mit dem Claas noch einen außerplanmäßigen Abstecher zur Oberhafen-Kantine. Die ist etwa so groß wie das Fleetschlösschen, steht aber ziemlich schief. Spezialität des Hauses sind Frikadellen.

Oberhafen-Kantine
Oberhafen-Kantine (Handyfoto, 48MP)

Jemand möchte sich ein Fischbrötchen kaufen. Ich nutze die Zeit und kaufe mir ein Eis. Die Kugeln bei dem Eiswagen eines Restaurants in den Elbarkaden. Die Kugeln sind fast so groß (und so teuer) wie in Neuseeland.

Wir gehen durch die HafenCity. Aufgrund der hohen Mieten können sich nur wenige Hamburger leisten, hier zu wohnen. Die meisten Bewohner sind unter der Woche nicht zu Hause. Dadurch bekommen die Läden und Restaurants auch kaum ihre Miete rein. Das Viertel wirkt recht ausgestorben. Da hilft auch die 5 Meter große Kaffeebohnenstatue nahe des Sandtorparks nichts. Die soll auf das Gut hinweisen, das in Hamburg am meisten umgeschlagen wird. Wir lernen, dass das Wort Stichprobe daher kommt, dass man eine kleine Sonde in einen Jutesack sticht, um den enthaltenen Kaffee (o.ä.) zu prüfen. Mit etwas Geschick kann man den Sack dann sogar so verschließen, dass man nichts mehr von der Probe sieht.

Man kann im Prinzip nicht durch Hamburg laufen, ohne alle paar Meter auf einen Junggesell(inn)enabschied zu treffen. Als wir darauf warten müssen, dass eine solche Mädelsgruppe ihr (mehr oder weniger professionelles) Fotoshooting durch hat, können wir die nächste Aufgabe bestreiten: Ich mache einen Seemannsknoten, eine andere baut ein Papierschiffchen.

Ehemaliges Feuerwehrschiff Hamburg am Sandtorhafen
Ehemaliges Feuerwehrschiff Hamburg (Handyfoto, 48MP)

Als die Mädels durch sind, können wir die etwa 400 Meter lange Pontonbrücke im Sandtorhafen passieren. Neben dem gerade gezeigten Schiff kann man hier auch Harry’s Hamburger Hafenbasar & Museum besuchen, wo Käpt’n Haase 1894 damit begann, Mitbringsel seiner Seefahrerfreunde auszustellen. Man kann auf dem Ponton aber auch einfach ’ne Currywurst essen.

Harry’s Hamburger Hafenbasar & Museum
Harry’s Hamburger Hafenbasar & Museum, im Kranhaus kann man übernachten

Einer von uns hat einen Besuch der Elphi reserviert, die direkt nebenan steht. Da es sich inzwischen ziemlich zugezogen hat (Man sieht’s am Bild), ist mir das Wetter zu schlecht, um mich da anzustellen, und ich setze mich mit den anderen ins Café Heimathafen. Als wir uns gerade hingesetzt haben, fängt es an zu regnen. Von der anderen Gruppe ist immer noch nichts zu sehen. Die nehmen’s mit dem Corona-Abstand aber sehr genau.

Set von Notruf Hafenkante
Hier wird gerade eine neue Folge Notruf Hafenkante gedreht.

Als wir mit dem Haus-Eistee fertig sind, hat der Regen aufgehört und wir gehen wir am Binnenhafen entlang.

Binnenhafen
Binnenhafen

Unser Ziel ist der Nikolaifleet. Nichts weist mehr darauf hin, dass hier in einer Zigarrenmacherei das große Feuer von 1842 ausgebrochen ist. Rauchen gefährdet die Gesundheit und ist tötlich. Letzteres konkret für 51 Leute. Die Gründung der Hamburger Feuerwehr erfolgt dennoch erst 30 Jahre später.

Nikolaifleet
Nikolaifleet (HDR-Bild)

Wir kommen an einem kleinen Sielhäuschen vorbei. Das wurde 1904 für Kaiser Wilhelm II. für eine Besichtigung gebaut. Dass es einen 6 Quadratmeter großen Umkleideraum enthält, wurde erst 2012 entdeckt.

Sielhäuschen, dahinter Gruner+Jahr
Sielhäuschen, dahinter Gruner+Jahr

Am Ziel – der Michelwiese am Verlagshaus Gruner+Jahr – angekommen, fehlt noch die letzte Herausforderung: Aus meiner Gruppe will aber außer mir keiner das geforderte „Hamburger Lied oder Seemannslied“ singen. Das soll Ersatz dafür dienen, dass wir keine Zeit für ein Konzert in der Elphi hatten.

Die andere Gruppe trifft deutlich nach uns ein und hat sich zufällig für dasselbe Lied entschieden, obwohl es keine Vorgaben gab: An der Nordseeküste von Klaus und Klaus. Sie singen die erste Strophe, ich die zweite ... und die dritte will dann keiner mehr hören. Hmpf.

Wir gehen am nahen Michel vorbei zu den Dos Amigos, einem mexikanischen Restaurant. Es liegt genau an dem Marktplatz, wo ich mich heute Morgen verlaufen hatte und Google nach Rat fragen musste.

Wir mischen uns durch und verbringen mehr oder weniger getrennt den Abend in dem Restaurant. Der Rest geht gegen 22 Uhr noch weiter in eine Kneipe/Bar. Ich, der als einziger nicht in Hamburg übernachtet, gehe zum Bahnhof und fahre nach Hause.

Mein großer Dank geht an die drei Organisatorinnen. Hoffentlich kommt noch so ein Treffen zustande.

Hamburger Rathaus bei Nacht
Hamburger Rathaus bei Nacht
Die Regenbogenflagge hängt da übrigens, weil heute Christopher Street Day ist, der wegen Corona als Fahrradtour stattfand.


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