Süd-Afrika II Tag 18: Paje, Palapye, Groblersbrug, Lephalale, Kranskop, Johannesburg – Das letzte Morgenmahl

Wer hinfliegt muss auch wieder aufstehen.

geschrieben von Janni Sonntag, 6. Oktober 2019 um 18:22 Uhr

Um 5 Uhr heißt es aufstehen. Heute müssen wir knapp 600 Kilometer nach Johannesburg fahren. Insbesondere heute Morgen sind die Vögel sehr zutraulich, die es hier gibt. Vor allem Südliche Gelbschnabeltokos („Fliegende Banane“, nicht zu verwechseln mit dem „Fliegende Chili“ genannten Rotschnabeltoko) kann man auf ein paar Dezimeter nahe kommen. Ebenfalls häufig sind Glanzstare, der Rotbauchwürger und ein ganz grauer Vogel mit roten Augen.

Unser erster Stop ist nach einer Stunde Fahrt an einer Tankstalle an der Kreuzung von Palapye, der letzten größeren Stadt vor der Grenze. Anders als von mir erwartet fahren wir nicht über Gaborone sondern einen nördlicheren Weg, und bekommen auch erst hier in Palapye den neuen Guide Victor.

Bereits gestern haben wir ein Schreiben für den Tour Operator Sunway Safaris aufgesetzt, in dem wir sagen, dass die Tour toll war und wir wegen der durch den Diebstahl verursachten Probleme nicht böse sind. Wir befürchten nämlich, dass die beiden weitere Probleme kriegen können, zusätzlich zu denen, die sie jetzt schon haben.

In Palapya verabschieden wir uns dann von Clinton und Ishmael, die noch nicht so richtig wissen, wie sie von hier nach Gaborone kommen, und auch die Papiere von der Mauner Polizei nicht erhalten haben. Ich übergebe Clinton das digitale Thermometer, das ich immer (wenn ich dran denke) mit mir rumschleppe und für das er sich interessierte, mit den Worten der Bridge aus Britney Spears’ Oops ... I Did It Again (was glaube ich wiederum eine Anspielung auf Titanic ist): “Clinton! Before you go, there’s something I want you to have...” Allerdings versteht keiner die Anspielung.

Gegen 9 Uhr verabschieden wir uns aus Botsuana. Die Ausreise geht sehr schnell, die Einreise nach Südafrika nach einer Fahrt über die einspurige Limpopo-Brücke in Groblersbrug ist auch akzeptabel, auch wenn nur ein Schalter geöffnet hat. Zumindest in diese Richtung ist hier nichts los, in die andere Richtung warten ähnlich wie in Victoria Falls Richtung Sambia etliche LKW auf ihre Abfertigung.

Nach einem Stop an derselben Tankstelle, an der wir auch unseren ersten Stop hatten (nur in die andere Richtung) erreichen wir gegen 15:30 den Flughafen von Johannesburg.


So, das war’s auch schon wieder, sofern nicht auf dem Rückflug noch was Weltbewegendes passiert. Zeit also für Danksagungen:

Zuerst einmal möchte ich mich bei Sunway Safaris und der Gruppe für die tolle Tour bedanken. So viel gesehen für vergleichsweise wenig Geld – toll.

Außerdem möchte ich meine Hausarztpraxis grüßen, die meinen Impfmarathon durchgeführt haben (und meine Krankenkasse, die die über 500 Euro innerhalb kürzester Zeit bezahlt hat), was meine Kollegen nach dem ersten (von drei) Impfungterminen zu der Aussage verleitete, ich sei jetzt mit Hepatitis A+B, Tollwut und Keuchhusten auf meine kurz darauf erfolgte Mallorca-Reise ausreichend vorbereitet.

Die möchte ich natürlich ebenso grüßen, dafür dass sie 15 Nächte Zelten als „Erholungs“-Urlaub durchgewunken haben. Aber keine Sorge, mein nächster Urlaub geht Ende Januar nach Neuseeland (Marco Polo Young Line). Mit richtigen Unterkünften und Zivilisation.

Und dennoch fällt mal wieder auf: Je härter die Reise, desto seltener bin ich währenddessen krank. Wie sonst nur bei meiner letzten Campingreise habe ich bis jetzt keinerlei Krankheitssymptome. Yay!


Wenn ich dran denke, lade ich die Videos nochmal in 4K hoch.
PS: Diese Reihe ist nicht von Tripadvisor gesponsert, viele Informationen ließen sich einfach nur dort finden. ;)


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Süd-Afrika II Tag 17: Maun, Paje – Zu den Rhinos

Finden wir ein Spitzmaulnashorn oder immerhin ein Breitmaulnashorn – oder wird es eine „Norwegische Nashorntour“?

geschrieben von Janni Sonntag, 6. Oktober 2019 um 18:15 Uhr

Sunway hat uns Lister geschickt, den Fahrer, der an Tag 14 und 16 den Geländewagen jeweils zwischen Maun und der Mokoro-Station gefahren hat. Der gehört nämlich auch mehr oder weniger zu Sunway (über deren Projekt Planet Okavango). Da unsere beiden Schweizer heute von Maun fliegen, um noch ihren Flieger von Johannesburg zu ihrer nächste Destination auf La Réunion (Frankreich) zu bekommen, sind zwei Plätze im Truck frei.

Wir fahren zur Mauner Polizei, lassen Clinton und Ishmael dort raus und fahren dann zum Supermarkt, wo wir schon zweimal waren. Da Cafés erst um 8 oder halb 9 aufmachen (es ist kurz vor 8), setzen wir uns ins Fastfood-Restaurant Wimpy und warten knapp 2 Stunden, bis die beiden Guides wieder da sind: Aufgrund von technischen Problemen kann der Fall nicht aufgenommen werden. Daher gibt’s auch keine Vorgangsnummer, die für die Beantragung neuer Papiere bei den Botschaften in Gaborone nötig wäre.

Mit fast 3 Stunden Verspätung brechen wir um 9:45 auf zum Khama Rhino Sanctuary, wo wir einen vierten Guide (Victor) bekommen werden, der morgen Clinton und Ishmael nach Palapye (von dort fahren sie weiter nach Gaborone) und uns weiter nach Johannesburg bringen soll. Ein Mitarbeiter von Planet Okavango bleibt bei der Polizei und soll Polizeidokumente mit Vorgangsnummer zum Khama Rhino Sanctuary bringen. Falls der Server wieder möchte. Falls nicht, gibt es weitere Probleme.

Auch wenn man innerhalb Botsuanas fährt, kommt man immer wieder an Checkpunkten vorbei, über die man Obst und Fleisch nicht transportieren darf und zum Desinfizieren aussteigen muss, genau wie an der Grenze.

Zum Mittagessen steigen wir nicht aus sondern es gibt abgepackte Mini-Burger, Hackröllchen im Blätterteig und Cracker.

Nach einigen Stopps erreichen wir um 16:20 Uhr das Khama Rhino Sanctuary in Paje. Die Guides hatten uns vorgewarnt: Nur kostenpfichtiges WLAN. Dass es das auch 2019 immer noch gibt... Dabei sang doch Nino De Angelo 1983 schon:

Wenn man für WLAN bezahlen muss
Um einmal online zu sein
Dann haben wir umsonst gelebt.

Oder so ähnlich.

Das WLAN ist dann aber zur Überraschung aller doch kostenlos und wir können kurze Nachrichten nach Hause schreiben, während die Guides uns einchecken.

Dann geht es aber auf extrem sandigen Wegen ein paar Kilometer rein ins Schutzgebiet, das wie schon in Matobo, Dete (Hwange) und Okavango-Delta nicht eingezäunt ist und somit Tiere durch das Camp laufen können.

Das Khama Rhino Sanctuary ist ein Schutzgebiet mit derzeit 55 Breitmaul- und 5 Spitzmauul-Nashörner, das 1992 mit zwei Breitmäulern eingerichtet wurde. Es wird vom Militär bewacht und obwohl alle Nashörner hier noch ihre Hörner haben, ist kein Fall von Wilderei bekannt. Normale Ranger haben übrigens in Botsuana keine Waffen, anders als in Südafrika. Wenn dann der Leopard vor einem steht, ist das halt blöd.

Zum Abendessen gibt es über dem Lagerfeuer gegrillte Boerewors und Steak mit gemischtem Salat (Gurke, Eisberg, Tomate, Paprika grün/rot) dazu ebenfalls über dem Feuer gegrillte Sandwiches mit Reibekäse, Tomatenstücken und reichlich Zwiebeln. Mitreisende in Flugzeugen hassen diesen Trick. Nachtisch: Obstsalat aus Himbeeren, Ananas, weißen Trauben, Erdbeeren, Mango und Bickbeeren.

Da wir für die Nachmittagsfahrt zu spät dran sind, bekommen wir eine Nachtfahrt um 19 Uhr, die uns ein paar Nashörner zeigen soll. Unser Fahrer heißt Duncan, was mich aufgrund seiner Hautfarbe unweigerlich an den Endgegner Duncan der Schwarze aus meinem Lieblingsspiel Guild Wars erinnert.

Die Lichtverhältnisse auf der Fahrt wären auch für meine richtige Kamera problematisch gewesen und ein Nashorn gab es ja schon an Tag 7 zu sehen.

Erst fahren wir einige Zeit durch den Park und lassen uns extra eine Herde der allgegenwärtigen Impalas zeigen, um wenigstens etwas gesehen zu haben. Dann halten wir an einem Versteck zur Vogelbeobachtung an einem Wasserlloch. Außer einem einzigen Wasserbock passiert eine knappe halbe Stunde lang nichts, was mir die Gelegenheit gibt, mit der Standard-Kameraapp meines Handys rumzuspielen:

Bird-Hide-Wasserloch im Khama Rhino Sanctuary
Handyfoto vom Wasserloch, einzige Lichtquelle ist der zu 1/3 gefüllte Mond Handyfoto vom Wasserloch, einzige Lichtquelle ist der zu 1/3 gefüllte Mond

Langsam bekomme ich ein Deja-vu von meiner letzten Nachtfahrt im Krügerpark. „Dann hätten wir auch noch 3 Stunden bei der Polizei bleiben können und es wäre nicht so heiß im Bus gewesen“, meine ich. Dann finden wir aber doch drei Breitmaulnashörner, die im Dickicht stehen. Lichtverhältnisse sind problematisch, zumal sich die drei auch sehr schnell bewegen. Kurz darauf finden wir an einem Wasserloch noch vier weitere Breitmaulnashörner, die allerdings weiter weg stehen. Mir reichen wie gesagt die Bilder von Tag 7.


Die deutschsprachige Gruppe mit Unterkünften ist natürlich deutlich vor uns angekommen, dafür aber im Sand auf dem Weg zu den Unterkünften stecken geblieben, aus dem sie sich mit Anschieben befreien mussten. Ebenfalls nicht ganz Premium: Geteilte sanitäre Einrichtungen hin oder her, aber dafür durch fremde Schlafzimmer stiefeln war dann doch zu viel. Außerdem haben sie nur zwei Nashörner gesehen und wollten jetzt auch eine Nachtfahrt haben.


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Süd-Afrika II Tag 16: Sha Sha Island, Ditshiping, Morutshe, Maun – Schöne Scheiße (3)

Es geht noch schlimmer.

geschrieben von Janni Sonntag, 6. Oktober 2019 um 18:12 Uhr

Ich auf einem Termitenhügel
Termitenkönig Janni

Der Morgen bricht an. Trotz Regentanz gestern Abend sind keine Wolken am Himmel. Ich hab ja irgendwie das Gefühl, Regentänze bringen nichts. Ist aber halt nur ein Gefühl.

Mich wecken die Rufe eines Vogels, der jeweils vier Töne in absteigender Höhe und unterschiedlichen (aber immer gleichen) Abständen von sich gibt, die wie von einer Marimba (Vibrafon) klingen. Clinton meint Kronentoko, aber ich bin mir nicht sicher.

Plötzlich ist draußen große Aufregung: Ein Nilpferd rennt mit hohem Tempo aus dem Teich zwischen den beiden Camps hindurch. Später kommt es wieder. Wir haben schon die Befürchtung, es könne im Weg liegen, wenn wir hier nachher abreisen.

Aber zuerst mal ist um 6 Uhr Frühstück dran und dann geht es erneut auf eine Führung. Diesmal weniger um Scheiße, mehr um Bürokratie. Wobei die auch scheiße ist.

Wenn zwei Männer einen Leberwurstbaum nicht umfassen können, dann ist der Baum bereit, ein normalgroßes Mokoro zu werden, das 6 Meter lang ist. Bzw. er wäre es, denn seit 1983 werden Mokoros aus Fiberglas hergestellt. Ein Stück kostet um die 200 US-Dollar. Ich überlege, ob ich zu Hause einen Mokoro-Verleih auf dem Brammer See aufmachen sollte. Die gegenüber der traditionellen Herstellung höheren Kosten für das Fiberglasmokoro tragen teils diverse Organisationen wie zum Beispiel Planet Okavango hier. Die so finanzierten Mokoros sind auf den Bildern in dieser Reihe braun.

Inzwischen braucht man aber für sämtliche Nutzung von Boden und Natur eine Erlaubnis: Bäume fällen, Gras mähen, Tourisus betreiben, einfach alles. Für die Subsistenz ist sie vergleichsweise günstig, für die gewerbliche Nutzung sind etwa 25-mal so hohe Gebühren zu entrichten erklärt uns Julius anhand eines Beispiels. Es gibt noch weitere Bedingungen für die gewerblichen Betrieb zum Beispiel von Mokoros: Dort gibt es eine Mokoro-Frauenquote, da Mokoros traditionell von Männern gefahren wurden, und wer Mokoro fahren möchte, muss eine theoretische Prüfung machen mit etwa 75 Fragen. Also habe ich doch noch keinen Mokoroführerschein nach der Aktion gestern.

Julius erzählt daher mehr aus seiner Jugend. Zum Beispiel wie er gelernt hat, ein Nilpferd zu fangen. Eigentlich eine ganz normale Falle, bei der das Nilpferd in ein Loch fällt. Mit dem Kopf voraus. Wie das aussieht, macht Julius vor:

Julius ahmt ein gefangenes Nilpferd nach
Julius ahmt ein gefangenes Nilpferd nach.

Dann können wir noch ein Foto auf einem Termitenhügel machen und Julius erzählt uns, wie sehr er Gott dankbar für alles ist.

Wieder im Camp haben die Poler unsere Zelte abgebaut und auch die Buschdusche. Nur die Latrine ist noch da, wurde aber zwischenzeitlich verlegt.

Latrine
Latrine („Bushy-Bushy“)

Dann geht es auch schon mit den Mokoros los zur Mokorostation von Ditshiping.

Mokorofahrt im Okavango-Delta
Mokorofahrt zurück

Als wir an Land gehen, möchte ich noch den Namen dieses Ortes und unseres Camps wissen. Dabei habe ich ein Problem nicht bedacht: Wir sind in Afrika und hier kann keiner lesen und schreiben. „Lucas der Mokorotivführer“, wie ich ihn nenne, bringt mich zu Julius, der offensichtlich alphabetisiert ist.

Hölzerne Soda-Brücke
Afrika hat zwar kein Geld, für Prunkbauten wie diese Soda-Brücke reicht’s aber immer (man beachte auch, dass es keine Senke gibt, die sie bei vorhandenen Rampen überspannen könnte)

Wir fahren zum Ort Morutshe, der auf dem Weg nach Maun direkt am Zaun des Naturschutzgebiets NG/32 liegt. Dort macht sowohl eine Hälfte unserer als auch eine Hälfte der deutschen Gruppe mit Unterkunft einen Helikopterflug. Ich auch, das ist aber Teil eines Blogposts, den ich nach Ende der Reihe veröffentlichen möchte, wenn mir die Videos alle vorliegen. Ich überlege, wie man den Hubschrauberbetrieb nennen könnte, aber Delta Airlines ist schon in Benutzung.

Wir machen hier Mittag. Es gibt Wraps, die wir mit Paprika, Tomaten, weißem Käse, gemischen Dosenbohnen, Dosenerbsen, Dosenmais, Dosenchakalaka, Guacamole, „Gouda“-Käse, Eisbergsalat und Gurken belegen können.

Da wir zu früh sind und dann vier Gruppen mit jeweils 23 Minuten dran sind, sind wir entsprechend lange in Morutshe. Kurzzeitig war die Idee aufgekommen, ein Fußballspiel mit den Kindern zu machen. Okavango Ditshiping schlage ich als Namen vor ... und SHC Latrine Morutshe.

Letztendlich begrüßt uns in am Helilandeplatz Morushe (das ist ein Link zu den GPS-Koordinaten), dessen Anlagen und Teile des Dorfes von Elefanten zerstört wurden, jedoch außer der anderen Gruppe nur eine Herde an Babyziegen.

Ankunft in Maun

Endlich wieder Zivilisation. Ich sage ja immer, lieber 3 Tage kein Strom als 1 Tag kein Internet, aber im Delta gab es 3 Tage nichts davon. Und übrigens gibt es dort auch weit und breit kein Handynetz sondern man braucht ein Satellitentelefon (Preise ab 3 Euro pro Minute, von den Anschaffungskosten mal ganz abgesehen). Also sollten wir in Deutschland beim Netzausbau nicht so rummeckern.

Nach der Ankunft gegen 14 Uhr bauen wir unsere Zelte auf. Da der Untergrund sehr spitze Dornen enthalten könne, stellen wir unsere Zelte ins Gemeinschaftshaus. Die sanitären Anlagen sind gut. Was hier allerdings sehr oft fehlt, ist einfach Seife.

Am Nachmittag fahren wir in die Stadt, um die Flüge zu bezahlen und etwas einzukaufen, bevor wir uns gegen 19 Uhr im Restaurant treffen. Der Audi Camp Burger ist wirklich gut.

„Überprüft eure Wertsachen. Jetzt!“, sagt Clinton beim Abendessen plötzlich. Wir rennen zum Bus und den Zelten. Unseren Guides wurden ihre Papiere (z.B. Reisepass und Führerschein) und alles Geld geklaut. Obwohl mein gesamtes Fotoequipment offen im Bus lag und mein Laptop zwischen den Zelten (dies war bisher nie ein Problem), sind all diese Dinge noch da.

Ich bewache beim Bloggen den Bus, während die beiden Guides mit diversen Leuten und der Polizei sprechen. Mich besuchen eine Hauskatze, eine Kakerlake und ein kleiner Gecko. Und jede Menge Mücken, gegen die nur ein einheimisches Mittel zu helfen scheint, während Autan Tropical versagt.


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Süd-Afrika II Tag 15: Sha Sha Island – Schöne Scheiße (2)

Es geht weiter, wie es geendet hat. Außerdem: Amarula und Pula, mehr brauchst du nicht.

geschrieben von Janni mit Alex, Nadine und Nicole Sonntag, 6. Oktober 2019 um 18:01 Uhr

6 Uhr. Gut 13°C. Aufstehen.

Meine Kamera ist immer noch defekt, daher haben Mitreisende ihre Tierfotos beigetragen. Und wir gehen nach einem schnellen Frühstück dann um 7 Uhr wieder Scheiße und Spuren angucken, diesmal aber etwa 3:30 Stunden.

Sonnenaufgang über dem Okavango-Delta
Sonnenaufgang über dem Okavango-Delta

Heute Nacht war ein Honigdachs in unserem Camp. Auch unterwegs finden wir einen:

Honigdachs wühlt
Honigdachs (Bild: Nadine)

Unser Weg führt uns durch Sträucher ohne Blätter, der Elefanten-Überpopulation sei dank. Ungewöhnlicherweise sehen wir auch Autospuren. Die kommen von Rangern und von Lodges, die Game Drives (Wildbeobachtungsfahrten) anbieten, erklärt mir Julius später (der ist übrigens auch der sitzende Mann auf dem Bild, das erscheint wenn man die Koordinaten von Sha Sha Island in Google Maps eingibt).

Wasserloch
Unser Endpunkt ist ein Wasserloch, an dem einige Büffel und Warzenschweine trinken.

Von dort aus gehen wir auf einem etwas anderen zurück. Wir begegnen dem Skelett eines alten Elefanten, das seit etwa 2 Jahren dort liegt.

Elefantenknochen (außer Schädel) an einem Wasserloch
Elefanten sterben üblicherweise bei Wasserlöchern.
Elefantenschädel, Unterkiefer abgetrennt
Wie bereits in einem anderen Post erwähnt verhungern sie, weil ihnen nach dem sechsten Mal keine neuen Zähne mehr wachsen und ihre alten Zähne zu stumpf sind.

Als wir dann aber das einzige Wildhundrudel der Umgebung sehen – es gibt sowieso nur noch einige tausend von denen –, ärgere ich dann doch sehr, dass meine Kamera kaputt ist.

Wildhunde
Wildhunde (Bild: Alex)
Wildhunde
Wildhunde (Bild: Nadine)

Bei unserer Wiederkehr gibt es Brunch: Zum Frühstück kommen hierbei Baked Beans, Speck, Boerewors und Rührei dazu.

Bis zum Mittag hängen wir eigentlich nur rum und quatschen miteinander. Da es einen ausgiebigen Brunch gab, backt Clinton nur ein Brot/Kuchen (nicht genau zu definieren) in einen Kessel.

Dann darf ich auch mal Mokoro fahren. Clinton klang, als sei es schwer, nicht reinzufallen. Das geht eigentlich, finde ich.

Nachdem ich eine Runde mit einem Poler als Fahrlehrer gedreht bin, fahre ich noch dreimal alleine, jeweils ohne reinzufallen. Beim insgesamt zweiten Mal holt mich die „Mokoro-Polizei“ und bringt mich wieder zum Camp. Beim dritten Mal verstehe ich endlich, wie man das Ding eigentlich steuert. Man sticht auf der Seite ein, wo man nicht hin will, und schiebt sich vorwärts oder rückwärts. Die Entfernung vom Boot beim Einstechen bestimmt, wie weit man dreht.

Zwischendruch gehen wir nahe des Camps, das auf dem vorletzten Foto von gestern zu sehen ist, schwimmen. Genauer gesagt baden. Denn zum Schwimmen ist es zu seicht, das Wasser geht mir nur bis zu den Knien.

Clinton ruft nach unserer Wiederkehr einen Wettbewerb im Impalascheiße-Weitspucken um Schokolade aus (wir nennen das später Shit Spit). Insgesamt gibt es nur 3 Teilnehmer und auch ich halte das für eine Scheißidee, zumal die Scheiße für optimale Flugeigenschaften ganz in den Mund genommen und gut nass gemacht werden muss.

Nachden wir ein Gruppenbild gemacht haben, bei dem auch alle Polers („Stocherer“, unsere Gastgeber hier) und Clinton dabei sind, fahren wir um 17 Uhr mit den Mokoros zur Sonnenuntergangsfahrt. Sie führt uns vorbei am Ort, wo wir vorhin gebadet haben, in eine Art Sackgasse.

Impala auf Termitenhügel
Impala auf Termitenhügel (Bild: Nadine)

Wir bekommen ein bisschen was über die Pflanzen erzählt.

Zugewucherte Wasserfläche im Okavango-Delta
Zugewucherte Wasserfläche im Okavango-Delta, im Hintergrund nochmal die Impala seitlich auf dem Termitenhügel.

Die Pflanze, auf dem obigen Bild das Wasser bedeckt, kommt aus Amerika, wohl mit Zugvögeln. Kein Tier frisst sie, sodass sie alles zuwuchert und die Regierung veruscht, sie zu bekämpfen. Das Papyrusschilf ist hingegen natürlich hier und auch gut. Daneben gibt es eine Wasserblume, die Wasserpistole genannt wird, da wenn man auf die Blüte drückt, Wasser herausspitzt. Bei alten Pflanzen geradeaus, bei jungen querbeet. Die Flüssigkeit wird gegen Augenbeschwerden genutzt. Die Wasserlilie hat Knollen, die man ähnlich wie Kartoffeln verwenden kann.

Lange können wir aber nicht bleiben, da abends die Nilpferde herauskommen, sagen sie uns, und bringen uns zurück ins Camp.

Unterwegs mit den Mokoros im Sonnenuntergang
Unterwegs mit den Mokoros im Sonnenuntergang (12MP)

Da wird plötzlich klar, was sie meinen – und warum mich die Mokoro-Polizei vorhin abgeholt hat:

Nilpferd mit offenem Maul
Ein Nilpferd ist dort aufgetaucht, wo ich vorhin Mokoro gefahren bin (Bild: Nicole)

Zum Abendessen gibt es als Vorspeise Minikürbishälften mit Butter und Zucker gefüllt. Hauptgang ist Rindergulasch, dazu gibt es Polenta mit extra Dosenmais, Rote Bete aus der Dose sowie Karotten gebraten in Zwiebeln, O-Saft und Zucker. Nachspeise entfällt.

Nachdem auch die Polers gegessen haben, geben sie eine Aufführung mit Gesang und Tanz zum Besten. Ich bin müde und liege schon im Zelt. Irgendwas mit Amarula und Pula. Ob sie Regen oder Geld wollen, kann ich nicht heraushören. Nach dem vierten Lied schlafe ich ein.


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Süd-Afrika II Tag 14: Gweta, Maun, Ditshiping, Sha Sha Island – Schöne Scheiße

Wir verabschieden uns vom letzten Bisschen Zivilisation und begeben uns ins komplette Abenteuer. Ein Blogpost, der von Scheiße bis hin zu schöner Scheiße alles hat.

geschrieben von Janni Sonnabend, 5. Oktober 2019 um 09:19 Uhr

04:30. Zeit zum Aufstehen. Zelte abbauen, frühstücken und danach abwaschen im Stockdunkeln.

Wir brechen auf nach Maun, wo wir uns das letzte Mal mit Vorräten für das Delta eindecken. Auf dem Weg befinden sich viele Straußen, Giraffen und selten mal eine Oryxantilope.

In Maun steigen wir im Audi Camp, wo wir übermorgen übernachten werden, in einen Geländewagen, der uns zur Mokoro-Station bei Ditshiping (auch Ditshipi genannt) bringen wird. Bei allen ab jetzt folgenden Namen könnt ihr gerne bei Google suchen, es bringt euch nichts. Daher hier die Koordinaten: Mokoro-Station Ditshiping

Ausgetrocknetes Okavango-Delta
Bereits kurz hinter Maun zeugen Landschaften wie diese davon, dass hier zumindest manchmal Wasser ist. Denn wir befinden uns bereits im nun sehr ausgetrockneten Okavango-Delta.

An der Mokoro-Station angekommen machen wir Mittag. Nichts Besonderes, nur Sandwiches.

Mokoro-Verladestation Ditshiping
Geschäftiges Treiben in der Mokoro-Verladestation – unsere Vorgänger steigen gerade aus.

Danach kommen unsere Fahrer und wir jeweils zu zweit in Mokoros, das sind tradionelle Stech-Einbäume hier. Ich packe die Kamera mal lieber ins Unterwassergehäuse. Diesmal habe ich etwas aus vorherigen Fehlern gelernt und einen Kabelbinder ums Objektiv gemacht, sodass es nicht zu sehr auf Weitwinkel gedrückt werden kann, was zu Vignettierung (schwarzen Ecken) führen würde.

Mokorofahrer
Die Guides fahren uns durch die Arme des Okavango-Deltas

Ich frage den Fahrer des Mokoros, in dem ich sitze, wie sie sich hier orientieren. An den Bäumen, sagt Ishmael (der Ishmael, der Führer unserer Gruppe ist und bei dem wir zur Hausparty waren, ist hingegen im Audi Camp in Maun geblieben).

Elefanten am Ufer der Okavango-Kanäle
Wenige Meter von uns entfernt laufen Elefanten am Ufer

Nach 1:25 Stunden erreichen wir um viertel nach 15 unser Ziel. Hier wieder die Koordinaten: Sha Sha Island.

Morokos an einem See
Idyllisch liegen die Mokoros am See vor unserem Camp

Nachdem wir unsere Zelte aufgebaut und ein Feuer gemacht haben, das übrigens anders als sonst rund um die Uhr brennen wird, steht unsere erste Naturwanderung an.

Gabelracke auf Termitenhügel
Eine Gabelracke sitzt auf einem Termitenhügel

Wir lernen diverse Spuren und Scheiße kennen. Wusstet ihr zum Beispiel, dass sich beides bei Impalas unterscheidet? Nicht dass ihr das wissen wollt, aber Weiblicher-Impala-Kot ist länglicher. Auch die hier vorkommende wilde Salbei-Art sieht bei den beiden Geschlechtern komplett unterschiedlich aus und riechen auch unterschiedlich, der Geruch ist dem von unserem Echten Salbei aber stets ähnlich.

Wir sehen ein Skelett eines jungen Büffels, der von Löwen getötet wurde. Es ist nur noch das Skelett da, das Hyänen teils verzehren, da sie auch Knochen fressen, um Kalzium zu erhalten. Daher ist ihr Kot weiß.

Sonnenuntergang über dem Okavango-Delta
Sonnenuntergang über dem Okavango-Delta

Nach dem Sonnenuntergang gehen wir wieder ins Camp.

Töpfe auf Lagerfeuer
Das Abendessen brutzelt schon auf dem Lagerfeuer, während wir sonst immer mit Gas gekocht haben

Währenddessen einige zehn Kilometer weiter östlich: Die andere Gruppe hat ein Zeltlager mit Zelten, die zwei Eingänge haben, einen Haupteingang und einen Hintereingang, bei dem sich eine sepische Toilette befindet. Wir haben nur eine einzige Latrine, nachts sollen wir zum Pinkeln hinter unsere Zelte gehen. Der Shithole-Country-Faktor erreicht bei uns somit wieder 100%, einen Wert, den er zuletzt bei den Painted Dogs hatte, die nur ein klassisches Plumsklo besaßen.


Zurück zu uns nach Sha Sha Island: Zum Abendessen gibt es Spagetti Bolognese – aus Kudu-Fleisch. Schmeckt wie Rind, aber viel magerer und somit trockener. Dazu gibt es gemischten Salat (Eisberg, Tomate, Paprika gelb/rot, Avocado, weißer Käse). Nachtisch ist mit Schokolade gefüllte Banane, über Feuer gegrillt.

Milchstraße und ein Zweig
Milchstraße (und ein Zweig...)
Nachtaufnahme aus dem Okavango-Delta mit Camp und Lichtverschmutzung von Maun
Die Lichtverschmutzung ist minimal, das Helle am Horizont ist wohl Maun, das hellgelbe darunter ist ein anderes Camp (die ich glaube spanischsprachige Gruppe waren keine Weißen, mangels Sonnenschutz hatten sie so rote Haut, dass sie als Indianer durchgehen würden)
Unser Camp bei Nacht, darüber ein Ende der Milchstraße
Unser Camp bei Nacht, darüber ein Ende der Milchstraße

Dann fällt mir die Kamera ins Wasser. Schöne Scheiße. Immerhin war ein nicht elektrisches Objektiv dran, was somit nicht kaputt gehen konnte (ist aber ohnehin kein Wasser reingekommen). Und es war am Ende der Reise. Alle folgenden Bilder, die ich gemacht habe, stammen von meinem Handy, einem Mi 9T Pro, immerhin der beste derzeit erhältliche Kamerasensor mit 48 Megapixeln, ebenfalls von Sony.


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