Vermischtes Meta-Post: Reisen für junge Leute

Nach der Reise ist vor der Reise.

geschrieben von Janni Vatertag, 30. Mai 2019 um 16:06 Uhr

Meine nächste Reise ist zwar gebucht, der Flug inzwischen auch umgebucht (dazu noch ein eigener Post). Zeit, mal ein wenig die Marktlage für Reisen für junge Leute zu analysieren.

Wohin?

Ich mag Afrika. Die Austrialien-Reise dieses Jahr hat die Latte noch eine ganze Ecke höher gelegt. Daher bin ich derzeit am Austesten verschiedener Regionen. Auch wenn die nächste Reise erst mal nach Afrika geht. Derzeit ganz oben auf meiner Liste stehen Peru, Neuseeland, USA West und Süd sowie Australien West.

Weltkarte mit eingetragenen besten Reisezeiten
Beste Reisezeiten (definiert als: gutes Wetter und – sofern in der Region vorhanden – mindestens um die 20 Grad Tageshöchsttemperatur)

Womit?

In Deutschland gibt es einen Platzhirsch für junges Reisen – Marco Polo Reisen Young Line Travel. Weniger bekannt ist dagegen Yolo. International gibt es hingegen noch einige weitere Organisationen, die teils inzwischen auch deutsche Büros haben. Das Offenburger Reisebüro moja TRAVEL hat eine ganz nette Suche dafür. Hier fehlen aber die beiden deutschen Anbieter.

Anbieter Reihe Sitz Sprache Zielgruppe (Alter) Mindest-
größe
Maximal-
größe
ReisenVermarktungDurchführung
Studiosus Marco Polo Reisen Young Line Travel München deutsch 20 bis 35 (empfohlen) 12 25 69 exklusiv fremde Agentur
Chamäleon YOLO Berlin deutsch keine Angabe1 bis 4 16 11
englisch 24 geteilt fremde Agentur
Takeoff Erlebsnisreisen Young Urban Motivated People Hamburg wechselnd22 bis 44 4 bis 10 12 bis 16 9
Intrepid 18 to 29s Adventures Australienenglisch 18 bis 29 (erzwungen) 1 12 98 exklusiv eigene Agentur
gadventures18-to-Thirtysomethings („YOLO Trips“) Barbados englisch 18 bis 39 1 14 bis 22 198
Topdeck alle 8 „Trip Styles“ Vereinigtes
Königreich
englisch 18 bis 39 16 bis 20 30 bis 48 276 exklusiv eigene Agentur
(Afrika: fremde)
Contiki alle 8 „Travel Styles“ Guernsey englisch 18 bis 35 10 bis 35 30 bis 53 329
Anmerkung: Takeoff = takeoffreisen.de (ohne Bindestrich)
Diese Angaben sind wie immer ohne Gewähr. Ich freue mich über Korrekturen und Ergänzungen.

Verpflegungs- und ausflugstechnisch gehen die Touren sehr stark auseinander. Hier gibt es überhaupt kein Konzept. Meine Indien-Reise war so gut wie ohne Verpflegung (1A und 2F, wobei die 2F nicht angekündigt waren), während es bei anderen Reisen deutlich anders ist. Camping ist bei allen Anbietern mindestens HP, mein nächster Trip mit Yolo ist sogar VP. Intrepid meinte, dass sich die Reisen in Sachen Ausflugsprogramm und Unterkünfte im Vergleich zu deren Anfangszeit deutlich gebessert haben.

Intrepid gibt es Alter fest vor. Intrepid selbst hat mein Alter niemals geprüft, aber da alle Hotels meinen Reisepass geprüft haben, wäre es denen wahrscheinlich aufgefallen. Marco Polo gibt eine abweichende untere Grenze von 18 fest vor, die obere Grenze ist hingegen nur eine Empfehlung. In Australien hatten wir einen Teilnehmer, der diese Grenze um über 10 Jahre überschritten hat. Er meinte, die Studiosus habe ihn dann angeschrieben, dass dies eine Partyreise sei (was sie mitnichten war) und dass er die Gruppe aufhalten würde. (Ich weise darauf hin, dass ich diese Aussagen nicht unabhängig überprüfen kann.) Ich vermute sowieso, dass Intrepid rechtlich Probleme hätte, ihre Altersgrenze in Deutschland (oder der EU) durchzusetzen. YOLO nennt seine Zielgruppe nicht.

Zur Spalte Vermarktung: Es ist natürlich möglich, dass Veranstalter die Touren weiterverkaufen. DER Deutsches Reisebüro macht das beispielsweise mit Topdeck in der Region Ozeanien unter dem Namen Young & Free.

Zu Spalte Anzahl: Viele Veranstalter bieten Reisen an, auf denen man Teilabschnitte buchen kann. Diese zählen einzeln. Beispiel (wenn auch nicht für junge Leute) war meine Tunesienreise, die man bei Phoenix als ganzes (Tunesien Total, früher Hannibal) oder nur die erste (Karthago) oder zweite Woche (Berber und Oasen) buchen konnte. Auch die Australienreise gab es als zwei Varianten, wovon ich die längere gemacht habe. Bei Topdeck wird die Sache dann sehr komplex.

Mit wem?

Die Verfügbarkeit von Einzelzimmern schwankt, sind aber häufig verfügbar.

Die Zusammensetzung der englischsprachigen Gruppen war zumindest bei Intrepid sehr auf englischsprachige Länder der Ersten Welt fokussiert. Die rund 25 Leute unserer und der beiden uns begegneten Intrepid-Gruppen auf meiner Indien-Reise waren alle aus Australien, den USA, Großbritannien und Neuseeland (absteigend nach Häufigkeit).

Die Marco-Polo-Gruppen scheinen eher aus dem süddeutschen Raum zu sein. Auffällig ist, dass Marco Polo für die aufgerufenen Preise eine sehr hohe minimale und maximale Gruppengröße hat. Dies begründen sie mit den Preisen, aber das kann ich so nicht nachvollziehen. Auf der Australienreise kam die Story auf, der Folgetermin wäre abgesagt worden, weil sich Studiosus und Emirates bezüglich Flugpreisen nicht einigen konnten.

Für wie viel?

Die Preise sind sehr unterschiedlich. Ich persönlich finde Marco Polo recht teuer. Der Preis kann gedrückt werden, indem man die Flüge selbst bucht. Ich habe für Australien 2093 Euro erlassen bekommen, weil ich die Flüge für 1017 Euro selbst gebucht habe. Der Hinflug und Flug von Dubai nach Hause waren identisch, die Flüge von Cairns nach Dubai hatten hingegen deutlich bessere Zeiten. Hier hat man allerdings das Risiko einer Absage wegen Mindestteilnehmerzahl – etwas, das bei Gadventures und Intrepid völlig unbekannt ist. Und die Preise halten sich trotz wesentlich kleinerer Gruppen im Rahmen, auch wenn teils nicht ganz so viel enthalten ist. Marco Polo ist der einzige Anbieter, der die Reisen mit Flügen kalkuliert. Bei Yolo bekommt man bei einer Reservierung Flüge mit berechnet und muss sie bei einer Festbuchung abbestellen, aber vor der Buchung sind wie bei allen Anbietern außer Marco Polo alle Preise ohne Flüge zum Start- und Endpunkt der Reisen.

Wer dennoch das Flugrisiko bei Marco Polo eingeht, findet meist am selben Termin vergleichbare Reisen. Beispiel Neuseeland, Auckland nach Christchurch, Termin am 15. Februar 2020 (diese findet sich nur in der Vorschau im Marco-Polo-Katalog, nicht jedoch in der Vorschau auf der Website): Hier gibt es von allen genannten Anbietern außer Takeoff im genannten Zeitraum eine nahezu identische Reise mit identischem Start- und Endpunkt. (Intrepid 18 to 29 gibt es in Ozeanien nicht, daher habe ich deren reguläre „Classic“-Tour für den Vergleich herangezogen.) Außerdem gibt es eine passende deutschsprachige Reise mit diversen Radtouren.


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Indien und Nepal Tag 15: Kathmandu, Lalitpur, Bhaktapur: Exploring Patan & Bhaktapur: Kathmandu Valley’s Other Kingdoms

Auf der Plätze, fertig los. Der letzte Tag beginnt.

geschrieben von Janni Sonnabend, 25. Mai 2019 um 22:24 Uhr

9 Uhr, es geht los mit dem Programm für den letzten Tag, einer Tour zu den Gebäuden der alten Königreiche im Kathmandutal.

Nepal ist genau wie Deutschland eine Bundesrepublik, das aber erst seit 2007/08 (der letzte König, Gyanendra, der 1950/51 bereits im Alter von 3 Jahren mal ganz kurz „an der Macht“ war, lebt noch) und deshalb ist man noch ein bisschen damit am Kämpfen – aber das ist man in Deutschland bis heute, meine ich zur Führerin. Vorher herrschten hier Könige. Der Name Nepal wurde ursprünglich nur für die drei Königreiche im Kathmandutal verwendet, von denen zwei heute auf dem Programm stehen. Die Sakralbauten an beiden Orten sind durch das Erdbeben von 2015 immer noch schwer beschädigt.

Patan (Lalitpur)

Erster Stopp ist in Lalitpur („schöne Stadt“, was ein kreativer Name), früher Patan und buddhistisch geprägt. Wir schauen uns aber zumiest die Gebäude in unmittelbarer Nähe zum Hauptplatz an. Und die sind hinduistisch.

Der Platz von Patan ist recht voll, denn es findet ein Radrennen statt, in dem dagegen protestiert wird, dass im Hinduismus Frauen während ihrer Periode vier Tage zu Hause bleiben müssen. Fragt mich nicht, wie das mit dem Radrennen zusammenpasst, aber egal.

Wir besuchen den Innenhof des Palastes. Dort findet jährlich im Oktober ein großes 10-tägiges Fest namens Dassai statt, an dessen neuntem Tag auch der hiesige Tempel das einzige Mal im Jahr geöffnet wird. Dann werden hier (mindestens) 108 Tiere geschlachtet (das ergibt sich aus 12 Monaten mal 9 Planeten). Geopfert werden Büffel, Ziegen, Schafe, Hühner und Enten. Sie werden durch Enthauptung mit einem lokalen Khukuri-Messer getötet.

Innenhof des Palastes von Patan
Innenhof des Palastes von Patan. Hinten der nur einmal im Jahr geöffnete Tempel (goldene Tür). Die Stützen von dessen Turm zeigen Bilder aus dem Kama Sutra. (HDR-Bild)

Wir besuchen einen Vihar, das ist ein buddhistisches Gasthaus für Pilger.

Vihar von innen
Vihar von innen, dieser Vihar wird auch Goldener Tempel genannt (HDR-Bild)
Statue eines Affen, der einen Schnabeligel in der Hand hält und anstarrt
Über Buddha wird gesagt, er habe einige Zeit im Wald gelebt und sei von Affen durchgefüttert worden. Was das mit dem Schnabeligel (Ursäuger aus Australien) zu tun hat, weiß ich aber auch nicht.

Anschließend schauen wir noch kurz im Patan-Museum vorbei.

Schlangenthron
Falls mal ein Bollywood-Abklatsch von Game of Thrones produziert wird – das passende Requisit steht bereit
Simhavaktra-Hologramm
Mein liebstes Ausstellungstück: Hologramm der Göttin Simhavaktra. Es verändert je nach Betrachtungswinkel seine Farbe deutlich. Gut, das können die mega billigen Bildschirme von AOC bei uns in der Firma auch.
Schild weist zur “Gallery D & G” nach oben
Außer historischen Stücken soll es hier auch eine Galerie über Dolce & Gabana geben, die sich aber nicht gefunden habe... (Handyfoto)

So viel zu Patan. Es geht weiter nach Bhaktapur. Zumindest wenn derjenige, der vor unserem Auto in zweiter Reihe parkt, weg ist.

Werbeschild für Zement: “Cementing the nation”
Die Nation zementieren – das hört sich eher nach der italienischen Mafia und deren bevorzugten Material für Schuhe an (Handyfoto)

Bhaktapur

In dem hinduistisch geprägten Ort Bhaktapur („Stadt der Hingebungsvollen“, früher Khopa) schauen wir uns vier Plätze an. Die Stadt war das Zentrum der Malla-Dynastie, die im 18. Jh. endete.

1. Durbar-Platz

Durbar-Platz von Bhaktapur
Durbar-Platz (HDR-Bild)

Während in der Mitte des Durbar-Platzes in Bhaktapur überwiegend religiöse Gebäude stehen, findet sich am Rand ein Palast der Malla-Dynstie, der nach seinen 55 Fenstern benannt ist. Er ist auf dem Bild oben nicht zu sehen und befindet sich hinter dem Gebäude am linken Bildrand. Er wurde kürzlich für die Öffentlichkeit wiedereröffnet, kann aber sonnabends nicht besucht werden. Von Fenstern im klassischen Sinne kann keine Rede sein, da statt Glas verziertes Holz zum Einsatz kommt.

Im Hof des Palast mit den 55 Fenstern gibt es einen Hindutempel. Über dem befindet sich ein „Meisterwerk“, verschiedene Gottesbilder aus Stein, die ein großes Bild ergeben. Es wird militärisch bewacht und darf nicht fotografiert werden, damit niemand es kopieren kann.

Mittagspause

Wir bestellen mo:mo:s, nachdem wir sichergestellt haben, dass man mit Karte zahlen kann, da ich kaum noch Bargeld besitze.

Vom Dach der Restaurants kann man das Meisterwerk über dem Eingang zum Hindutempel einfach fotografieren. Wer soll auch in diesem Land damit rechnen, dass jemand mit 300-mm-Objektiv und 43-MP-Kamera vorbeikommt?

Im Restaurant mit Karte zahlen ist übrigens dann doch nicht drin: Kein Strom. Drachenlord lässt grüßen. „Bezahlt doch einfach die Rechnung“, scherze ich. Wir machen erst einmal mit dem Programm weiter und kommen später zum Bezahlen zurück.

2. Taumadhi-Platz

Nyatapola (HDR-Bild)

Zentrum des Taumadhi-Platzes ist ein Tempel, der vom lokalen Newari-Volk Nyatapola genannt wird. Das bedeutet in deren Sprache „fünf Dächer/Stockwerke“ und beschreibt seine Besonderheit. Er ist einer der höchsten Hindutempel.

Verbotsschild zeigt einen Lieferwagen, über dem sich ein Tempel befindet
Da es sich hier um Unesco-Weltkulturerbe handelt, ist das Abtransportieren der Tempel mit Lkw nicht gestattet. (Handyfoto)

3. Töpferplatz (Pottery Square)

Auf dem Töpferplatz arbeiten noch heute die Newari als Töpfer.

Töpferladen
Töpferladen. Mir gefällt besonders die Angry-Birds-Spardose ganz unten sehr gut. (HDR-Bild)
Traditionelle Stelle zum Brennen von Töpferwaren
Traditionelle Stelle zum Brennen von Töpferwaren. Warum da Sitzmatten aus Reis-Stroh rumliegen? Damit wird derzeit wohl gebrannt. Warum die da Masken auf dem vorherigen Bild haben, klären wir hingegen ein anderes Mal.
Haufen von Ziegelsteinen, auf den „JOB“ steht
Dein nächster JOB liegt in Nepal praktisch auf der Straße rum. (Handyfoto)

4. Dattatraya-Platz

Der Dattatraya-Platz ist nach dem gleichnamigen Tempel benannt und ist der älteste Platz in Bhaktapur. Dort findet gerade eine Tanzaufführung statt, wohl für einen Verein älterer Frauen, die einen Tagesausflug machen.

Dattatraya-Tempel
Dattatraya-Tempel (HDR-Bild)

So, das reicht jetzt (die Tour ist aber auch regulär hier zu Ende). Meine Speicherkarte ist voll und ich kann mir die ganzen Namen der Götter und die ganzen anderen Fachbegriffe und Eigennamen eh nicht merken. Während das Christentum kaum Fremdwörter kennt, geht der Hinduimus einem tierisch auf den Keks damit. Ich weiß schon, warum ich agnostischer Theist (jemand, der vermutet, es gebe einen Gott, dafür aber keine Beweise anbringen kann) bin: Da muss ich mir exakt gar keinen Namen merken.

Ich werde netterweise zum Flughafen gebracht. Obwohl Sonnabend hier unserem Sonntag entspricht, ist es besonders um den Flughafen herum recht voll auf der Straße (was aber immer so sei, sagt die Führerin). Nepalesen arbeiten von Sonntag bis Freitag, von 10 bis 17 Uhr. Freitags arbeiten sie nur halbtags.

Am Flughafen wird die kleine Schere aus meinem Verbandszeug, die bei Abflug keinen interessiert hat, einkassiert. Im Flughafen gibt es kostenloses WLAN. In der Lobby ist es zeitlich beschränkt, offiziell auf 90 Minuten, ich würde aber eher 2:30 Stunden schätzen. In der Abflughalle gibt es von diesem Zeitlimit unabhängiges WLAN. Dort gibt es auch USB- und Stromanschlüsse sowie Trinkwasserspender. Sie könnten allerdings noch was gegen die Mücken tun.

Stühle stehen so, dass man auf einem nicht sitzen kann
Konstruktive Kritik: Der Janni-Preis für konstruktive Meisterleistung geht heute an den Tribhuvan-Flughafen! Glückwunsch! (Handyfoto)

Beim Boarding ist starkes Gewitter. Da der Tribhuvan-Flughafen (benannt nach einem König) keine Flugsteige kennt und die Fluggäste mit einem Bus aufs Rollfeld gefahren werden, wurde man entsprechend nass, weil es natürlich dauert, bis um die 100 Leute auf einmal ein Flugzeug betreten haben. Da es in Kathmandu eigentlich jeden Abend Gewitter gibt, könnten sie sich dafür mal eine Lösung überlegen.


Ein paar Dinge, die ich noch so los werden wollte, aber bisher in keinen Post gepasst haben:


So, und damit war’s das auch schon wieder für diese Serie. Nun weiß ich, wie es ist, mit jungen Leuten aus anglophonen Ländern durch die Dritte Welt zu tingeln. War OK, aber da gab es Besseres (Australien!). Irgendwie fehlte mir ein bisschen der Rote Faden und außer Tag 3 fand ich nichts wirklich gut. Muss ich aber auch nicht. Es ist eine Erfahrung, ich hab was gesehen und bin auch nicht traurig, dass ich demnächst aus der Zielgruppe dieser Reisen falle, in der die meisten Leute lieber Selfies und Bilder für Instagram machen. Hätte ich keine solche Reise gemacht, hätte ich mich aber geärgert. Ob es (auch) an der Sprache lag? Das werde ich im September herausfinden, wenn meine nächste Reise ansteht, die ebenfalls auf Englisch ist.

Zum Thema Englisch: Das ist hier nicht so weit verbreitet, wie man meinen könnte. Wirklich gut Englisch sprechen kann hier praktisch niemand, auch im Tourismussektor nur die Reiseleiter internationaler Organisationen wie eben Intrepid. Als „wirklich gut sprechen“ definiere ich jetzt einfach mal den Europäischen Referenzrahmen C, den Großteil der Menschen selbst im Tourismussektor würde ich allenfalls auf A schätzen, Nepal sogar tendenziell höher als Indien.

Das zeigte sich gut daran, dass die Veganerin der Gruppe, obwohl sie Milchprodukte explizit abbestellt hat, in den meisten Fällen doch welche gekriegt hat. „Milchprodukt“ ist auf Englisch kein Kompositum sondern ein eigenes Wort (“dairy”). Die Leute fragen aber auch nicht nach, wenn sie etwas nicht verstehen.

Jedes Mal einen Aufstand von zu machen mit den Milchprodukten halte ich wie den ganzen Veganismus für ziemlich albern, da er sich nicht primär dadurch auszeichnet, etwas nicht zu essen, sondern dies und die politischen Standpunkte dahinter ständig kundzutun (“virtue signalling”). Ich finde das befremdlich, wenn Leute einerseits übermäßig auf Öko machen und so eine Inge sind – andererseits aber mit einer Einwegkamera fotografieren.

Inge akzeptiert das nicht, sie ist dagegen.
Sie schaut sich gerne Wälder an, am liebsten den mit Regen.
Sie bremst auch für Tiere, und hat Ideale.
Sie macht sich nichts aus Typen, sie rettet lieber Wale.

Ach ja, der Film Systemfehler – Wenn Inge tanzt kommt heute auf RTL II, falls jemand um 22:30 noch nichts vor hat. „Heute“, denn hier in Sib (nahe Maskat) ist schon Sonntag. Für alle Anhänger der „Morgen ist es nach dem Schlafen“-Bewegung: Ich bezweifle, dass ich gleich auf dem Flug nach Frankfurt schlafen werde. Oman Air weiß auch selbst nicht, wie lange er dauern wird: Der mobile Checkin sagt 8:10 Stunden, der Checkin am PC 7:10 und laut Internet ist sogar noch ’ne Stunde weniger realistisch.

Ich fand diese Serie schon etwas lustiger als die vorherige, aber ganz an alte Zeiten konnte sie nicht anknüpfen.

Danke dennoch fürs Lesen. Bis zu nächsten großen Serie im September. Davor wird es aber noch mehr (Meta-)Posts geben.


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Indien und Nepal Nachmittag 14: Kathmandu – Spiritual Nepal

Besuch einer Hindu-Anlage und (eines der) größten Stupas der Welt

geschrieben von Janni Sonnabend, 25. Mai 2019 um 12:49 Uhr

Dieses Urban Adventure startet um viertel vor 15 im Hotel.

Pashupatinath

Pashupatinath ist eine Anlage um einen Hindutempel, das sich beiderseits des Bagmati-Flusses erstreckt. Den namensgebenden Tempel (Pashupatinath), in dessen Zentrum ein goldener Bulle mit äußerst beachtlichen Klöten steht, dürfen allerdings nur Hindus besuchen.

Goldener Bulle mit dicken Eiern von hinten
Macht einen auf dicke Eier: Goldener Bulle.

Ähnlich wie in Varanasi finden auch hier Feuerbestattungen am Fluss statt, die man wieder nicht fotografieren soll. Außerdem sieht man Leute, die im Fluss Holzreste in einem Sarg sammeln. Wie ich am nächsten Tag erfahre, ist das Wiederverwenden irgendwelcher Gegenstände aus Feuerbestattungen von der Religion nicht erlaubt. Das gibt also schlechtes Karma. Dass sie das Holz in einem Sarg sammeln, hat wohl keine Bedeutung, es ist einfach ein großes und mehr oder weniger schwimmfähiges Gefäß.

Blick über die Anlage von Pashupatinath
Blick über die Anlage von Pashupatinath (HDR-Bild)

Man kann sich hier mit „Sadhus“ ein Foto machen lassen. Anführungszeichen deshalb, weil man mit den echten Sadhus keine Fotos machen kann, sondern nur mit diesen „Sadhus für Touristen“ gegen eine kleine Gebühr. Ich finde es nicht gut, dass in der Beschreibung des Ausflugs nicht darauf hingewiesen wird, dass das nicht echt ist.

Bauten an Felsen um den Bagmati-Fluss
An die Felsen am Bagmati-Fluss haben sie Häuser und Höhlen gebaut, in denen meditiert wird (HDR-Bild)

Dies ist das einzige der fünf Urban Adventures auf dieser Reise, das ich nicht allein mache. Eine aus unserer Gruppe ist ebenfalls dabei und in Spiritualität interessiert. Sie lässt sich für 500 Rupien (4 Euro) 10 Minuten lang die Hand lesen. Der Wahrsager empfiehlt ihr Farben, Berufe (Kündigung ist raus), Wochentage und sagt voraus, in welchem Alter sie das erste Mal Kinder bekommen wird, welches Geschlecht das erste Kind haben wird und wie viele Kinder sie insgesamt haben wird. Der Wahrsager spricht kein Englisch, daher muss die Führerin übersetzen.

Bouddhanath-Stupa

Der Stupa von Bouddhanath (auch Bodnath oder Bodhnath geschrieben) ist einer der höchsten der Welt, lokalen Angaben zufolge sogar der höchste. Rundherum befinden sich Läden, Klöster und Restaurants.

Buddhistisches Kloster von innen mit diversen Inkarnationen (u.a. Dalai Lama)
Im tibetischen Kloster (HDR-Bild)
Bouddhanath-Stupa
Bouddhanath-Stupa
Gebetsfahnen im Wind
Die für den Buddhismus typischen Gebetsfahnen haben üblicherweise von innen aus die Farben Blau (Himmel), Weiß (Luft), Rot (Feuer), Grün (Wasser) und Gelb (Erde). Die gelbe Flagge ist an dieser Stupa oft orange ausgeführt.
Blick über den Bouddhanath-Stupa
Die weiße Farbe des Stupas wird zweimal im Jahr erneuert und die Bemalung mit den orangefarbenen Linien zum Neujahrsfest (Losar). Letztere soll von oben wie eine Lotusblume aussehen. Verdammt, jetzt hab ich einen Ohrwurm von den Flippers..

Für den nur 6,7 km langen Rückweg brauchen wir mit dem Taxi rund anderthalb Stunden. Zu Fuß wäre schneller. Bei der gestrigen Tour wurde mir erzählt, dass meine morgige Tour nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln sondern mit privatem Transport durchgeführt wird, weshalb man seine Sachen mitnehmen und am Flughafen rausgelassen werden kann. Die Tour führt nämlich an ihm vorbei. Das werde ich auch tun, bei dem Risiko, dass es hier wieder derart Stau gibt.


Als wir verbliebene drei Leute nach dem Abendessen wieder im Hotel sind, informieren sich die beiden anderen noch an der Rezeption über eine weitere Verlängerung, während ich schon mit dem Aufzug nach oben fahre. Als sich die Tür gerade öffnet, fällt der Strom aus. Ich passe aber durch den schon vorhandenen Spalt. Im Hotel gibt es extrem oft Stromausfall. In den zwanzig Minuten zwischen Rückkehr vom Urban Adventure und dem Aufbruch zum Abendessen allein zweimal. Auch das Internet bricht oft ab und ihr wisst ja: Lieber drei Tage kein Strom als einen Tag kein Internet. Dafür ist das Internet hier sehr schnell und in Kathmandu gibt es ein öffentliches WLAN-Netz, das ebenfalls schnell ist. Und das bei dem Kabelsalat überall auf den Straßen.


Auf jeden Fall versuche ich jetzt erst mal, meinen Flippers-Ohrwurm loszuwerden. Die Coverversion von Groove Coverage (Angeline) tut’s sicher auch.


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Indien und Nepal Vormittag 14: Kathmandu, Budhanilkantha, Kathmandu – Path to a Hidden Monastery

550 Meter hoch und runter und dann auch noch Tierbabys. Was will man mehr?

geschrieben von Janni Sonnabend, 25. Mai 2019 um 04:43 Uhr

Die Tour beginnt – nach einer kurzen Taxifahrt vom Hotel aus – im Ort Budhanilkantha („im Schlamm verborgener Blauhals“). In der gleichnamigen Hindutempelanlage dort findet jeden Morgen um halb acht ein Ritual statt: In der Mitte der Anlage befindet sich ein etwa 5 Meter großes Kultbild, das Vishnu liegend auf der Schlange Ananta zeigt. Das Ritual besteht aus der Reinigung dieser Statue und anschließenden Erneuerung der darauf abgelegten Blumen durch Kinder, die hier einen Priesterlehrgang machen. Nach der Reinigung beginnen sie mit mehrstündigem Läuten der Glöckchen.

Kinder reinigen ein steinernes Kultbild von Vishnu
Kinder, die Priester werden möchten, reinigen und schmücken das Vishnu-Kultbild

Dann geht es aber los nach oben. Wir gehen einen sehr steile Straße hoch zum Eingang des Shivapuri-Nagarjun-Nationalpark. Von dort aus wandern wir zum Kloster Nagi Gumba (manchmal auch zusammengeschrieben). Eigentlich soll es hier im Park auch wilde Tiere geben, wir sehen aber eigentlich nur Schmetterlinge, die aber sehr hektisch und somit nicht zu fotografieren sind.

Nonnenkloster Nagi Gumba von außen
Das für den Ausflug namensgebende Kloster Nagi Gumba von außen
Nonnenkloster Nagi Gumba von innen
...und von innen (HDR-Bild)

Hierbei handelt es sich um ein Nonnenkloster auf 1980 Metern Höhe. Wir stehen auf dem Bild von außen praktisch oben auf einer unterirdischen Mädchenschule.

Auf dem Weg ins Tal kommen wir durch ein Dorf. Überall steht Marihuana, was aber wohl eher aufgelaufen ist und nicht angebaut wird (dafür gäbe es nämlich auch hier Ärger). Ich bemerke ein Hundebaby.

Welpe
Hundebaby

Wieder in Budhanilkantha kommen wir an einer Frau vorbei, deren Ziege gerade drei Junge geboren hat. Die Fruchtblase liegt noch auf dem Boden, es wird wohl gerade eben gewesen sein. Die Ziegenmutter ist weiß, die Babys alle unterschiedlich: pechschwarz, cremefarben und schwarz-weiß.

Ziegenlamm
Gerade geborenes Ziegenbaby (Ziegenkitz, Ziegenlamm)

Weiter unten wartet noch eine Katze auf uns, bis wir kurz darauf wieder unseren Ausgangsort erreichen. Auf 1430 Metern Höhe.

Graue Katze döst
Was wäre Kathmandu ohne Katzen?
hmandu?

Nachdem ich wieder im Hotel bin, gehe ich zu den Läden vor dem Hotel und kaufe eine Sarangi, wobei die hier übliche Bauart eher eher einer Sarinda entspricht. Das Instrument wird grob ähnlich wie eine Violine gespielt, ist aber meist viel kleiner.


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Indien und Nepal Abend 13: Kathmandu – Rickshaw Night Explorer

Unterwegs mit dem Straßenhelikopter

geschrieben von Janni Sonnabend, 25. Mai 2019 um 04:32 Uhr

Der erste von vier Urban Adventures beginnt um 18 Uhr im Hotel. Ich bin mal wieder allein.

Wir nehmen eine Fahrradrikscha, die sie hier liebevoll Straßenhelikoptor nennen. Helikoptereltern, die was auf sich halten, bringen in Kathmandu wahrscheinlich ihre Kinder mit dem Straßenhelikopter zur Schule. Mit dem Gefährt fahren zu einem nahen buddhistischen Stupa.

Dort bekomme ich ein lokales Getränk: Heißer Zitronensaft mit Zucker und Himalaya-Salz. Schmeckt ungewöhnlich und sieht auch ungewähnlich aus, weil es trüb ist und sich unten im Becher Schwebstoffe abgelagert haben. Egal, Leben am Limit.

In einem nahen Mandala-Laden bekomme ich etwas über Mandalas erzählt und kann – natürlich – welche kaufen. Ich kaufe grundsätzlich keine mir hier lokal in Devisen angebotenen Dinge. Also wieder raus da.

Gebetsfahnen über einem Gang
Über einem Gang hängen Gebetsfahnen (wörtl. „Windpferde“)

Nächster Halt ist das Marktviertel. Es gibt wieder Straßen zu verschiedenen Themen. Die Straßen können nur mit Zweirädern und Rikschas befahren werden. Der kleine Abschnitt zu Fuß endet vor einem Hindu-Tempel.

Von dort aus bringt uns die Rikscha zur Freak Street. Bekannt geworden durch die Hippie-Kultur und Marihuana-Konsum in den 1960ern verlor diese Straße diese Aufgabe, als Drogen in den 1970ern verboten wurden. Der Tourismus verlagerte sich nach Thamel, wo auch das Hotel steht, in dem ich gerade bin.

Basantapur-Platz bei Nacht
Viele Gebäude wurden am 25. April 2015 bei einem Erdbeben schwer beschädigt, wovon Gerüste und Stabilisierungsmaßnahmen zeugen (das Bild zeigt den Basantapur-Platz bzw. Durbar-Platz)

Auch viele Tempel, die hier dicht an dicht stehen, wurden beschädigt, inzwischen aber zu großen Teilen restauriert oder zumindest stabilisiert.

Bhairava (Bhairav)
Bhairava (oder Bhairav), zerstörerische Inkarnation des Hindu-Gottes Shiva

Anschließend geht es zu dem Ort, wo die anderen gerade das letzte gemeinsame Abendessen abhalten.

Während sie noch die Nacht zum Tage machen, gehe ich wegen meiner Morgenwanderung morgen bereits recht zeitig wieder ins Hotel. Dabei scheißt mir eine Taube auf den Kopf. Die nepalesische Fauna hasst mich.


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