Corona Zufallszahlen

Sind Zufallszahlen heilig?

geschrieben von Janni Freitag, 17. September 2021 um 23:42 Uhr

Es gibt einen Gott. Bei uns auf der Arbeit heißt er offenbar Sistrix. Das ist eines von vielen Unternehmen, das behauptet, die Google-Suche verstanden zu haben. Das Ergebnis ihrer Analyse ist eine Zahl, Sichtbarkeit genannt. Sie verändert sich für mein Empfinden willkürlich. Trotzdem wird sie jeden Tag angeschaut. Ich habe daher vorgeschlagen, einen Zufallszahlengenerator mit Display in eine Glaskugel einzubauen und das als Sistrix Stand-Alone Appliance (dt. Eigenständiges Sistrix-Gerät) zu verkaufen. Das spart Abokosten, sieht auf dem Schreibtisch gut aus und muss nicht immer manuell im Browser aufgerufen werden.

Ich schaue mir hingegen täglich eine andere Zahl an: die Inzidenz in Deutschland. Sie verändert sich anscheinend ebenfalls zufällig. Anfang Mai hatte ich mich darüber ausgekotzt, dass das Ende der dritten Welle bereits drei Tage nach Inkrafttreten der „Bundesnotbremse“-Maßnahmen erkennbar wurde – obwohl deren Maßnahmen logisch gesehen mindestens eine, wenn nicht zwei Wochen brauchen würden, bis sie wirken können.

Und warum ist jetzt die vierte Welle (seineszeichens eigentlich eher ein Wellchen) vorbei? Altweibersommer? Impfquote?

Ach ja Impfquote. Noch so ’ne magische Zahl. Irgendwie ist auffällig, dass zur Bundesimpfkampagne #hierwirdgeimpft zwar vorher sehr viel, nach ihrem Start am Montag aber genau gar nichts in den Medien stand. Immerhin gibt es rohe Zahlen: Nachdem die Zahl der Impfungen in den dreizehn Wochen davor jede Woche gesunken ist, wurden diese Woche so viele Menschen wie in der Vorvorwoche geimpft – immerhin.

Weniger bla, mehr blaue Punkte: Es gibt wie schon zu Beginn des vierten Wellchens einen klaren Zusammenhang zwischen Impfquote und Inzidenz: Je höher die Impfquote, desto höher die Inzidenz. Nur gilt das anders als damals jetzt auch für die Zweitimpfungen:

Vergleich zwischen Zweitimpfquote (Y) und Inzidenz (X)
Vergleich zwischen Zweitimpfquote in Prozent (Y) und 7-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohner (X) (Quelle der Daten: Tagesschau.de)
ACHTUNG: Gegenüber der früheren Grafiken sind X- und Y-Achse vertauscht. Der gewünschte Zustand ist jetzt oben links statt unten rechts und wird wieder am ehesten von SH erreicht.

Ich klinge wie ein Impfgegner, bin ich aber nicht. Ich bin zweimal geimpft und finde, andere könnten das auch machen. Es kostet nichts, tut nicht weh und wahrscheinlich hilft es sogar was. Letzteres wird seit dieser Woche bei Johnson bezweifelt. Das war abzusehen, es stand ja bereits im Juli auf meinem Blog – gut, da stand auch, dass man mindestens 42 Tage braucht, bis man mit Moderna als vollständig geimpft gilt – bei mir waren’s 40.

Was passiert, wenn die Inzidenz hoch ist? Hier in Niedersachsen gibt es neben der kreisweitigen Inzidenz noch zwei landesweite Leitindikatoren: Krankenhaus-Inzidenz und Intensivbettenbelegung. Noch zwei sagenumwobene Zahlen. Sind zwei der drei Zahlen in einem bestimmten Bereich, tritt in dem Landkreis eine Warnstufe in Kraft. Liegen in Niedersachsen zu viele Leute mit Corona im Krankenhaus, kann ein Landkreis wohl auch mit Inzidenz 0 z.B. in die höchste Warnstufe 3 wandern.

Was dann passiert? Keine Ahnung. Die Redaktion der Website des Landes war so zuversichtlich (oder einfach faul), nur die Maßnahmen auf Stufe 1 zu erklären. Für Stufe 2 und 3 stehen nur die Kriterien da, nicht die Folgen. Frei nach dem Motto: Fürchtet euch vorm Unbekannten!/

Bei dem Motto muss ich irgendwie an die Bundestagswahl denken. Aber das würde den Rahmen dieses Posts sprengen.


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Slowenien Tag 9 und 10: Pirian/Piran, Wippach-Zwergenburg/Vipava-Slap, Adelsberg/Postojna, Laibach/Ljubljana – Tropfen und Tropfsteine

Wir machen eine Weinprobe und besuchen die Adelsberger Grotte. Anschließend noch was zur Rückreise.

geschrieben von Janni Sonntag, 22. August 2021 um 22:48 Uhr

Als ich um 7:22 aufwache, mache ich mir einen Plan bis zur Abfahrt um 9:30:

  1. Schwimmen gehen in der Adria. War ich noch nicht. Eigentlich soll man hier nur mit Badelatschen schwimmen. Nachdem ich mich einmal auf der Treppe ins Meer langgemacht habe, ist mir aber auch klar, dass es mindestens noch einen Grund gibt. Fahrstuhl nehmen ist im Barbara Beach Hotel übrigens keine gute Idee – es ist der mit Abstand langsamste, den ich in meinem ganzen Leben gesehen habe.
  2. Frühstück.
  3. Zähne putzen, Sachen packen.
  4. Auschecken. Die Fahrradleihgebühr bekomme ich geschenkt.
  5. Bild von Piran am Morgen machen. Gestaltet sich kompliziert, denn die Festungsanlage, von der man den besten Blick hat, soll zwar um 9:00 Uhr aufmachen, aber als sie um 9:08 immer noch nicht auf hat, suche ich in der Nähe nach einem guten Aussichtspunkt, den ich irgendwo in einer Seitenstraße finde.
Piran
Piran am Morgen

Dann gehe ich zum Hotel. Die anderen sind schon weg, nur noch meine Sachen da. Ich erreiche den Bus um 9:29. Hat also alles gepasst.

Diese Reise ist übrigens das erste Mal, dass ich jemanden von einer früheren Tour wiedersehe. Florian und ich haben gemeinsam unsere jeweils erste Young-Line-Reise in Süd-Afrika bestritten. Im Unterschied zu mir hat er aber sechs Reisen in der Zwischenzeit gemacht, ich nur zwei.

Unser erster Halt heute ist die Gemeinde Vipava. Im kleinen Ortsteil Slap haben wir eine Weinprobe. Da wir zu früh sind, zeigt uns Robert die Kirche. Dann kommt auf dem mit EU-Mitteln neu gemachten Dorfplatz noch ein kleiner Rant über Subventionsverschwendung (unabhängig vom Land) und dann ist es auch schon Zeit für die Weinprobe bei Žorž (das soll man wohl „George“ aussprechen).

Die Weinprobe in dem 1696 errichteten Weingut dauert knapp zweieinhalb Stunden. Für mich dann halt nur Traubensaft. Aber es gibt auch leckeres Brot, Rohschinken, Parmaschinken, Käse und überdimensional große Oliven. Alles lecker, auch wenn ich mich an die Oliven nicht traue. Die kommen doch bestimmt als Tschernobyl oder so!

Essen zur Weinprobe
Ich kann überhaupt nicht verstehen, warum Marco Polo den heutigen Tag nicht als „mit Mittagessen“ führt

Nach der Weinprobe an sich dürfen wir noch in den Weinkeller. Wir dürfen auf die 2500-Liter-Fässer steigen und dort sitzen. Zeit für Selfies und sonstige Fotos.


Für die Adelsberger Grotte (Höhlen von Postojna) gebe ich Laura mein Ultraweitwinkel-Objektiv. Sie und noch ein anderer haben jeweils eine kleine NEX-Kamera. Dies sind frühere Vertreter des E-Bajonetts mit kleinerem Sensor. Meine Objektive fürs FE-Bajonett funktionieren damit, die sich durch den kleineren Sensor ergebende KB-äquavalente Brennweite ist jedoch 50% größer, sodass mein 20mm-Objektiv Bilder macht, die dem eines 30mm-Objektivs beim Kleinbild-/Vollformat entsprechen. Die folgenden Bilder mit Exif-Daten sind von Laura. Danke dafür.

„Das nächste Mal machen wir die Höhle vor der Weinprobe“, mein Robert bereits vor unserm Besuch der Höhle. Bevor es in die Höhle selbst geht, kann man sich noch auf einer Promenade umsehen. Es gibt auch ein Vivarium, wo man Grottenolme betrachten kann – vorausgesetzt, man zahlt gegenüber dem eh schon recht hohen Preis für die Grotte allein (27,90) noch 10,90 extra. Ein Grottenolm befindet sich auch auf dem Wappen von Adelsberg. Grottenolme sieht man aber auch in der Tour (es gibt keine Bilder von ihnen in diesem Post).

Die Adelsberger Grotte ist eine überaus touristisch aufgezogene Aktion. Die Anfang des Tourismus war 1818, bis zum Jubiläum im Jahr 2018 hatten knapp 40 Millionen Leute die Höhlen besucht. Eine knapp zwei Kilometer (einfache Länge) lange zweispurige Schmalspurstrecke bringt Touristen zu einem gut einen Kilometer langen, geführten Rundgang.

Schmalspurbahn der Höhle von Postojna
Schmalspurbahn in Aktion

Die Schmalspurbahn wurde 1872 gebaut. Sie ist inzwischen elektrifiziert und Sloweniens einzige „U-Bahn“. 1883 wurde hier das elektrische Licht eingeführt – als erstem Ort in Slowenien.

Die Höhle liegt in 120 bis 60 Metern Tiefe. Wir befinden uns in der mittleren Ebene von dreien. Die Ebene über uns entstand vor 3 Millionen Jahren durch den Fluss Pivka (dt. Poik), der heute durch die unterste Ebene fließt und auch vor der Höhle zu sehen ist. Gelegentlich bekommt man einige Tropfen ab.

In den Höhlen von Postojna
In der Höhle (Bild: Laura) [Sigma 20mm F1,4 Art @ F1,4 30mm KBÄ, 1/60 s, ISO 400]

Wo keine betonierten Wege die Höhle erschließen, entstehen durch das Tropfen 1 Milli- bis Zentimeter Tropfstein pro Jahr. Ihr wisst ja: Die Miten steigen und die Titen hängen.

„Speckschnitten“ in den Höhlen von Postojna
„Speckschnitten“ hängen wie Gardinen von schrägen Decken (Bild: Laura) [Sigma 20mm F1,4 Art @ F1,4 30mm KBÄ, 1/60 s, ISO 2500]

Auch die zweite Ebene gliedert sich in zwei Teile, einen alten „schönen“ Teil und einen neuen. Die Russische Brücke verbindet die beiden Teile. Wie die Russische Straße zwischen Kranjska Gora und Bovec wurde auch die Brücke von russischen Kriegsgefangenen gebaut.

Spaghettisaal der Höhlen von Postojna
Im „Spaghettisaal“ hängen die Stalagtiten wie Nudeln von der Decke (Bild: Laura) [Sigma 20mm F1,4 Art @ F1,4 30mm KBÄ, 1/60 s, ISO 500]

Die Führerin unserer Tour ist Slowenin, spricht aber nahezu akzentfrei Deutsch. Bis auf zwei Tage für einen Arztbesuch war sie noch nie in Deutschland, erklärt sie, als wir sie fragen. Woher sie ihr Deutsch hat? „Bullyparade, Kommissar Rex und Cobra 11“, meint sie.

Die bekanntesten Tropfsteine der Höhle sind die Gotische Säule und der Weiße Riese. Ersterer enthält Eisen und Mangan, was ihn leicht rötlich färbt. Der Weiße Riese besteht größtenteils aus Kalk. „Calgon ist Mord“, meint die Führerin.

Dann kommen wir zu einem Aquarium, in dem einige Grottenolme leben. Es ist sehr dunkel und das Fotografieren ist nicht erwünscht (bzw. mit Blitz verboten). Vor 5 Jahren wurden dort 64 Eier gefunden. 22 sind geschlüpft, von denen 20 überlebt habe. Der Bestand hier wird auf 35.000 bis 40.000 Tiere geschätzt. Die Tiere können über 100 Jahre alt werden und auch 10 Jahre ohne Nahrung auskommen. „Ein ziemlich gutes Haustier“, findet die Führerin.

Wenn man sie aber doch mal füttern muss, war das lange problematisch, da das, was sie natürlicherweise fressen, selbst unter Naturschutz steht. Inzwischen weiß man, dass man sie einfach mit Weißwürmern füttern kann.

Nachdem alle durch einen kleinen unterirdischen Souvenirshop durch sind, geht es mit der Grottenbahn zurück an Tageslicht und weiter zum Hotel in Laibach (demselben, das wir am Anfang schon zwei Nächte hatten).

Wie bereits in Piran essen wir nicht gemeinsam. Meine Gruppe isst mexikanisch.


Inzwischen habe ich auch herausgefunden, warum der öffentliche Bus in den Google-Wegbeschreibungen so unbrauchbar aussieht und scheinbar so lange braucht: Nachdem man den Bus am Flughafen verlassen hat, soll man einen Halbkreis gegen den Uhrzeigersinn um den Flughafen machen und dann aufs Rollfeld laufen, was laut Google zusammen 48 Minuten dauert. Und das, obwohl Google einen bei einer Routenplanung zum Flughafen explizit fragt, wo man hin will (in meinem Fall Abflugbereich).


Es endet, wie es beginnt

Der Bus zum Flughafen stellt sich am nächsten Tag als zuverlässig heraus. Bis auf den Preis: Auf der Website des Busunternehmens kann man Online-Tickets buchen. Diese darf man ausschließlich in gedruckter Form verwenden, also nichts für mich. Der Preis im Internet ist 4,10 Euro. Im Bus kostet die Fahrt nur noch 1 Euro.

Es gibt den Bimmelbus und den Expressbus. Ich fahre mit dem etwas früheren Bimmelbus, der gut 40 Minuten braucht.

Mein Coronatest wird am Check-in akzeptiert.

Der Zug den anderen hat 2 Stunden Verspätung. Mein Flug hat auch Verspätung. Laut Flightradar ist es erst eine gute halbe Stunde zu spät in Frankfurt losgekommen. Ebenfalls laut Flightradar beträgt die Flugzeit von Frankfurt nach Laibach gut 15 Stunden und 15 Minuten. Letztendlich erreiche ich Frankfurt über eine halbe Stunde zu spät – und zwar am äußersten Gate, das der Flughafen hat. Zum Fernbf steht somit noch eine vierte Wanderung an. Meinen Coronatest will wie immer keiner sehen. Während ich am Bahnhof warte, fordert eine Ansage die Leute an Gleis 5 dreimal zum Einsteigen auf – obwohl dort kein Zug steht.

Nachdem der Zug der anderen noch mehr Verspätung aufgebaut hat, gehe ich anhand von Berichten davon aus, dass sie mit etwa 3 Stunden Verspätung in München angekommen sind und der Bus auch irgendwo auf der Autobahn feststeckte. Wer eine Anschlussfahrt mit Sparpreis gebucht hat, ist jetzt aufgeschmissen (da diese Buchung unabhängig von der Bahnverbindung der Reise ist, wodurch man exakt 0 Fahrgastrechte hat) – und später noch mehr, denn nachher beginnt der nächste GDL-Streik.

Das nur für den Fall, dass sich noch irgendjemand fragt, warum ich (als einziger) geflogen bin. Vom gesparten Geld ganz zu schweigen. Eine Bahnfahrt zwischen Laibach und Verden kostet selbst mit Bahncard 170 Euro – pro Richtung! Das kann ich mir einfach nicht leisten. Deswegen hab ich für reiche Politiker, die dem Volk das Fliegen verbieten wollen, auch nichts über, da es kein anderes Verkehrsmittel gibt, das sich Durchschnittsverdiener leisten können.

Nach dem Flug fahre ich (dank Rail'n'Fly, für das ich am vergangenen Dienstag gute 2 Stunden in der Warteschleife der Lufthansa hing) im völlig überfüllten ICE von Frankfurt nach Hannover und möchte betonen, dass ich alle Menschen, die Sitzplätze in Zügen reservieren, abgrundtief hasse. Wirklich. Solche Menschen sind für mich das Allerletzte. Zumeist sind sie auch zu dumm, im richtigen Wagen einzusteigen und laufen dann quer durch den Zug, statt sich auf den ersten freien Platz zu setzen. Auf Platz zwei kommen übrigens Leute, die mit Fahrrad langsamer sind als ich zu Fuß.


Zur Reise: Irgendwie war die Reise recht ähnlich wie Neuseeland. Daher auch die gleiche Bewertung. Ich steh halt mehr auf Shithole Countries, wie meine Kollegen sagen. Ob das demnächst nochmal was wird? Diese Woche wurde die Mindestteilnehmerzahl eines Termins für Costa Rica erreicht – als erste Young-Line-Reise seit Pandemieausbruch in ein Gebiet außerhalb des Wirkungsbereichs des europäischen Fußballverbands (UEFA), wenn man von (abgesagten) Kleingruppenreisen nach Tansania absieht. Am 20. soll auch eine Reise nach Reunion (Teil von Frankreich) stattfinden. Ansonsten ist mit der Einstufung von Kriti, den Kykladen und dem Dodekanes wieder viel abgesagt worden. Die Pandemie macht es Reisenden schwer. Und ich habe noch meinen kompletten Jahresurlaub.


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Slowenien Nachmittag 8: Pirian/Piran – Auf dem Fahrrad Richtung Sonne

Alle bisschen Obala hier

geschrieben von Janni Sonnabend, 21. August 2021 um 18:28 Uhr

Aus organisatorischen Gründen beginne ich meinen Tag heute erst um 15 Uhr – warum kannste eigentlich keinem sagen.

Motivationsbilder im Barbara Beach Hotel
Im Barbara Beach Hotel finden sich überalle Motivationsbilder wie eben „Work hard, dream big“ – das Bild über dem Bett sind Schiffwracks, was auch immer das bedeuten soll

Das Frühstück war auf jeden Fall großartig, die Klimaanlage in meinem Zimmer hingegen ist komplett nutzlos, dafür jedoch sehr laut (Innen- und Außenteil). Es liegen wohl eine erhebliche Anzahl an Split-Außengeräten über meinem Zimmer, die man halt hört, aber besser als mit Ohrstöpseln ist der Lärm bei der Hitze allemal. Sonst wäre das echt ein tolles Hotel.

Die meisten anderen haben ab 10 Uhr einen Halbtagesausflug zu den Salinen im Süden gemacht (es gibt auch welche im Norden, dazu später mehr). Eigentlich wollte ich ihn auch machen, aber nach Roberts Beschreibung hatte ich keinen Bock mehr und in einer Meersalz-Saline mit Salzmuseum war ich auch schon mal und es war nicht so geil. Erst recht nicht für 35 Euro, damals waren es 5.

Für gerade mal einen 10er kann man sich im Hotel einen Tag lang ein Fahrrad leihen. Da es hier auf der Halbinsel extrem bergig ist, kann man das nicht den ganzen Tag machen und nachmittags steht die Sonne besser für Fotos.

Alles Obala 33 hier

Erster Halt ist aber der Corona-Test. Für Reisende aus den Ländern, in denen anders als in Slowenien (Inzidenz um die 80, großzügig abgerundet also 0) immer noch Corona ist, bietet die offizielle Tourmusseite eine Liste an. Vier Leute brauchen den Test. Es gibt anders als ursprünglich bekannt außer mir noch eine weitere Reisende, die nur zweitgeimpft ist. Sie ist am Montag vollständig geimpft – in dem Fall hätte ich glaube ich verlängert, anstatt mir den Stress zu gönnen.

Und Stress ist es. Obala 33 steht auf der Liste. Auch wenn ich den Fahrrad über den laut GPS 90 Meter hohen Hügel (auf einer gerade mal 2 Kilometer breiten Landzunge) geschoben habe, bin ich schneller da als die andere, und kann mich orietieren.

Gefühlt muss die ganze Straße Hausnummer 33 haben, denn der Ort, wo wir tatsächlich hin müssen, ist 200 Meter von Googles Markierung entfernt. Den Ort nennt Google übrigens Obala 43. Dort kriege ich aber auch nicht, was ich will, denn ich muss mich bei der „Wellness-Rezeption“, so laute das Schild, in einer nahen Seitenstraße erstmal anmelden und da 35 Euro bezahlen. An dem Gebäude steht natürlich nicht „Wellness-Rezeption“, sondern „Terme & Wellness“, aber gut, kann man finden.

Dann also Test gemacht. Das Ergebnis muss man 10 Minuten später abholen. E-Mail kennt man hier nicht. Also das Fahrrad holen, das steht nämlich 200 Meter entfernt abgeschlossen (derzeit nicht verliehene Fahrräder stehen übrigens unabgeschlossen vor unserem Hotel). Und ein Eis essen.

Ergebnis ist da. Natürlich negativ, denn besser geschützt als vor einer guten Woche mit Moderna zweitgeimpft kann man bei Delta auch nicht sein. Das Ergebnis enthält keinen Namen des Tests und keine Uhrzeit – beides bräuchte man für Deutschland eigentlich. Auf Mykonos stand der Name des Tests auf nicht drauf. Wer auch immer sich für meinen Test interessieren mag, kann sich die Uhrzeit aus der Rechnung (auf der übrigens Obala 33 steht) ableiten. Das Ergebnis ist eine sehr schlechte Farbkopie eines Blanko-Ergebnisses. Darin wird dann das Datum eingestempelt, Name als Etikett aufgeklebt, Ergebnis eingekringelt und dann unterschrieben. Toll.

Der Preis für die Tests variiert nach Uhrzeit. Zwischen 9 und 11 kostet er mit 20 Euro am wenigsten, nachts mit 100 Euro am meisten. Ist jeweils Antigen, hier als HAGT bezeichnet.

Insbesondere die drei Mädels sind mit der Freundlichkeit der beiden Leute in dem Testbüro absolut nicht zufrieden. Ich fand sie auch nicht freundlich, aber zu den Mädels waren sie wohl unfreundlicher.

Heiliger Bartholomäus und heilige Luzia!

Jetzt aber. Ich fahre grob gesagt zwei der drei empfohlenen Rundwege (eigentlich für zu Fuß gedacht) ab. Über Seča (einen deutschen Namen habe ich nicht gefunden, ich vermute aber, die Stadt hieß mal St. Bartholomäus, da sie den jetzigen Namen nur hat, weil im Kommunismus religiöse Referenzen getilgt wurden – Opium fürs Volk und so), Lucija (St. Luzia) und Strunjan. Den dritten Weg (durch Piran-Ort) hatte ich gestern schon größtenteils. Also ja, jetzt Bilder:

Saline von Seča
Saline im Süden von Seča, wo auch die meisten anderen vorhin waren
Valeta-Fußgängertunnel zwischen Lucija und Strunjan
Fußgängertunnel (der wie man sieht auch von motorisierten Zweirädern genutzt wird) – heute sind vor mir schon gut 700 Leute durchgefahren, das Jahr bisher 111.000
Strunjan
Strunjan
Saline von Strunjan
Saline von Strunjan

Wir gehen zum Abendessen wieder nach Piran.


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Slowenien Tag 7: Flitsch/Bovec, Gafers/Koper, Pirian/Piran – Über Umwege an die Küste

Ist das noch Studiosus oder kann man das schon Young Line nennen?

geschrieben von Janni Freitag, 20. August 2021 um 23:05 Uhr

Die meisten von uns haben heute Zipline gebucht. Ich nicht, muss mich von gestern erholen und „genieße“ noch einmal das Hotel, in stetiger Angst, dass das alte Telefon auf meinem Zimmer klingelt, die 50er dran sind und ihr Hotel zurückwollen, das zudem noch den Charme und Komfort einer Jugendherberge aus den 60ern versprüht. Die Betten sind der Horror, zum Glück hatte ich die Bettdecke vom anderen Bett zum Unterlegen. Gestern hat jemand eines der beiden Pärchen gefragt: „Hattet ihr auch getrennte Betten?“ Damit hatte der Fragende nicht wissen wollen, ob sie ein Doppelbett hatten (dass das nicht der Fall war, war ja klar) – sondern ob sie wenigstens kein Stockbett hatten. Ich schweife ab.

Die Abholung zur Zipline funktioniert so: Um 8:40 muss Marko vorm Hotel aufkreuzen, um die Leute 800 Meter zum Bovec Rafting Team zu fahren. Von dort aus fährt das Bovec Rafting Team die Leute 700 Meter zur Firma, die das veranstaltet. Diese befindet sich direkt neben unserem Hotel. Von dort aus werden die Teilnehmer dann von deren Mitarbeitern zum Zipline-Park gebracht.

Anschließend darf der Marko dann bis 11:00 11:30 12:00 im Bus warten und Däumchen drehen. Die 11 Uhr waren ursprünglich angekündigt, entsprechend gestaltet sich meine nachgeholte Erkundungstour nach dem spätestmöglichen Checkout um 10 durch Bovec sehr kurz. Hätte ich gewusst, dass es erst um 12 losgeht, hätte ich noch zu einem nahen Wasserfall laufen können.

Organisatorisch ist diese Reise ein Reinfall. Und ganz ehrlich, das ist ’ne Young Line, da hätte man die 800 Meter auch nicht mit dem Bus fahren müssen. Aber die Reise wirkt in vielen Belangen, als hätte sie jemand lieblos von Studiosus auf MPR Young Line umgebogen. Immerhin dürfen die Teilnehmer nach Rückkehr direkt vom Zipline-Anbieter zum Hotel laufen.

Ach so, ein Bild von Bovec. Da war ja was...

Blick über Bovec
Blick über Bovec

Robert und/oder Marko verpennen irgendwie die Raststätte. Robert gibt Marko die Schuld – der spricht kein Deutsch und kann sich nicht wehren. Wir halten daher zum Mittag um 15:00 Uhr in Koper, wenige Kilometer vor unserem Ziel.

Hatte ich schon erwähnt, dass die Reise organisatorisch ein Reinfall ist?

KiK, Takko, Jysk („Dänisches Bettenlager“), Tedi, Lidl, dm, McDonald’s – unser Halt könnte von den dortigen Geschäften auch problemlos irgendwo in Deutschland sein. Ich besuche dm und Lidl. Alle Eigenmarken von dm sowie viele bei Lidl haben deutsche Verpackungen, über die ein slownisches Etikett drübergeklebt wurde. Bei dm kaufe ich mir ein Röhrchen Nahrungsergänzungmittel. Kostet bei uns 39 Cent, hier 89.

Nach 40 Minuten Mittagspause fahren wir weiter zu unserem Hotel, das irgendwo zwischen Piran und Portorož (dt. Rosenhafen) liegt. Gleich, nachdem wir losgefahren sind, sehen wir das Meer. Freude kommt auf.

Die letzten gut 100 Meter darf der Bus nicht zum Hotel in Piran (genauer gesagt: Fiesa) vorfahren. Das Hotel (Barbara – so heißt das Hotel) schickt einen Kleinbus, der die Koffer abholt. Finde ich etwas übertrieben. Hatte ich schon erwähnt, dass die Reise wie eine lieblos auf junge Leute umgebogene Studiosus-Reise wirkt? Ja? Viele Teilnehmer haben für diese einfache Woche aber auch anscheinend mehr Sachen mitgenommen, als man (=ich) realistisch auf einer zigtägigen Weltreise brauchen würde.

Wegweiser vorm Barbara Beach Hotel in Fiesa
Gepäckshuttle? So ein Quatsch, denn im Hotel Barbara liegt doch alles so nah!

Ich mache nach der Ankunft Piran unsicher. Der Name des Städtchens auf der Landzunge leitet sich wahrscheinlich von griechisch pyros „Feuer“ ab (gemeint ist Signalfeuer, im Sinne eines modernen Leuchtturms).

Altstadt von Piran mit Tartiniplatz
Altstadt von Piran mit Tartiniplatz

Am 15. Juni 2021 hat Slowenien die Corona-Pandemie (das zweite Mal) für beendet erklärt, verkündet das Land stolz auf seiner offiziellen Tourimusseite, „slovenia.info“. Und so sieht das hier auch aus – alles voller Leute. Slowenien hat keine Sandstrände – ja noch nicht mal welche mit Kies. Das hier sind Kieselsteine bis normale Steine. In Piran gibt es hingegen gar keine Strände, nur Küste. Die Leute legen ihre Handtücher auf den steinernen Küstenpromenadenweg und schlafen da dann. Man muss aufpassen, nicht über die rumliegenden Leute zu stolpern oder auf sie drauf zu treten.

Tartiniplatz von Piran mit Turm der St.-Georg-Kathedrale
Tartiniplatz von Piran mit Turm (genauer: Campanile) der St.-Georg-Kathedrale

Auf dem Weg zum Abendessen laufen wir nahezu dieselbe Route, die ich vorher zufällig genommen habe, erneut mit Robert ab, bevor er uns am Marktplatz ins Abendessen entlässt. Ich schließe mich der Gruppe an, die ins Restaurant Pavel (1) geht. Anschließend machen wir noch einen kleinen Rundgang durch Piran bei Nacht.

Vieles hier zielt auf Italiener ab, während wir beim Wandern gestern praktisch ausschließlich Deutschsprachige gesehen haben. Selbst auf meiner Tour nach Aachen habe ich nicht so viele verschiedene deutsche Zulassungsstellen auf Kennzeichen gesehen (oder zumindest wahrgenommen). Gefühlt war ganz Deutschland in den slowenischen Alpen im Urlaub.


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Slowenien Tag 6 – Flitsch/Bovec, Trentathal/Trenta, Sontig/Soča, Deutschkall-Krittwald/Kal-Koritnica Flitsch/Bovec – Wanderung die dritte

Knapp 30 Kilometer Wanderung stehen an.

geschrieben von Janni Donnerstag, 19. August 2021 um 07:47 Uhr

Einen eigenen Blogpost zum Rafting möchte ich nicht machen. Rechte am eigenen Bild zu klären, wäre ich mir zu aufwändig. Die Tour war gut. Wir haben knapp anderthalb Stunden auf dem Wasser verbracht, dabei wurde auch nicht so viel gequatscht wie in Neuseeland. Zwischendrin wurde noch eines der Boote umgekehrt an einen Felsen gelehnt und man konnte wie eine Rutsche in die – ziemlich kalte – Soča rutschen.


Nach dem Rafting und der mehr oder weniger durchgemachten Nacht war ich um 18 Uhr so müde, dass ich direkt schlafen gegangen bin. Um 4 Uhr wache ich auf. Bisschen bloggen, dann Frühstück und um 8:40 Abfahrt zum Start des Soča-Wanderwegs von nahe der Quelle der Soča (ital. Isonzo, dt. Sontig) zurück nach Bovec. So ist zumindest der Plan.

Vom Busparkplatz laufen wir zunächst zur Quelle. Die letzten hundert Meter oder so machen alle bis auf sechs mit, da es etwas anspruchsvoller ist.

Wanderweg zur Soča-Quelle
Stahlseile (rechts) sind in den Stein geschlagen und auch sehr hilfreich
Soča-Quelle im Sommer
Die Quelle selbst ist relativ langweilig da gerade kaum Wasser entspringt (die beiden Mädels auf dem Bild gehören nicht zu unserer Gruppe)
Ausblick von der Soča-Quelle
Der Ausblick von der Quelle aus ist dafür sehr schön

Dann geht es wieder zurück zum Startpunkt. Eine Handvoll Leute hat es wie ich mit den Ausrüstungsempfehlungen nicht so ernst genommen und bestreitet den heutigen Tag mit Turn- statt Wanderschuhen.

Soča beim Startpunkt des Soča-Wanderwegs
Soča am Parkplatz beim Start des Soča-Wanderwegs

Der größte Teil der Wanderung, die gegen 11 startet, verläuft unspektakulär. Die Soča sieht größtenteils sehr ähnlich dem letzte Bild aus, wird halt nur immer etwas breiter.

Soča etwas stromaufwärts des Örtchens Soča
Kurz vor dem gleichnamigen Ort hat sich die Soča einen Lauf in Gestein gemahlen

Große Verwirrung gibt es bezüglich des Endpunktes der heutigen Wanderung: Eigentlich wollten wir bis nach Bovec zurücklaufen. Das sind insgesamt an der Straße entlang mindestens 26 Kilometer, über die Wanderwege, die die Soča mehrfach überqueren, entsprechend mehr.

Robert entscheidet, dass sich die inzwischen etwas auseinandergezogene Gruppe sich im Ort Soča treffen soll. Dann doch am Campingplatz einen Kilometer stromaufwärts. Oder doch wieder in Soča?

Letztendlich schafft meine Gruppe (das vordere Mittelfeld) Fakten und setzt sich um 16 in Soča ins Lokal Gostišče Andrejc. Über die spontane Ankunft unserer 12er-Gruppe ist man dort nicht erfreut. Von der Maskenpflicht hält man zwar nicht, aber wannimmer sich jemand versehentlich an den in einer Stunde reservierten nebenstehenden Tisch setzt, wird diese Person weggeschickt und der Tisch umgehend desinfiziert.

Robert findet die Wanderung zu lang, lässt Marko herbeikommen und fährt diejenigen, die das wollen (knapp die Hälfte der Gruppe) das letzte Drittel des Weges zum Hotel.

Der Rest isst etwas. Das und dass ich nicht mit dem Bus ins Hotel fahre ist für mich keine gute Entscheidung, denn den restlichen Weg ist mir wieder übel. Anders als die anderen laufe ich den Weg zurück nach einiger Zeit über die Straße, weil das schneller ist. Glücklicherweise gibt es auch etwa alle 2 Kilometer Toilettenhäuschen an der Straße. Ich erreiche das Lokal mit den anderen am Ortseingang von Bovec um 20:30 den den Leuten als erster der Leute, die im Lokal etwas gegessen haben, und bekomme einen kleinen Applaus, gehe aber direkt weiter zum Hotel.


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