Süd-Afrika II Tag 6: Groß-Simbabwe, Masvingo, Zvishavane, Gwatemba, Matopos – Außer Rand und Bond

Heute erfahren Misswirtschaft live und hautnah und wofür das Blau in der Flagge von Simbabwe steht.

geschrieben von Janni Donnerstag, 26. September 2019 um 15:26 Uhr

An jedem Morgen (außer in Johannesburg) findet vor Abfahrt ein Briefing statt: Wo wir heute lang fahren und was sonst noch so wichtig ist.

Heute wichtig: Tanken. „Wir müssen Diesel finden.“, sagt der Guide, „Es gibt eine Diesel-Krise in Simbabwe.“ „Gibt es etwas, von dem es keine Krise gibt in Simbabwe?“, frage ich, „Außer Kuh-Dung.“ Der Rest scheint unsicher, ob man darüber lachen kann oder doch lieber den „Darf er das?“-Blick aufsetzen sollte.


Auf unserer Fahrt heute kommen wir an diversen Tankstellen vorbei. Zu jeder Tankstelle gehört in Simbabwe auch eine mehrere 100 Meter lange Autoschlange. Diesel kostet an diesen Tankstellen etwa 12,30 Schuldscheine (Bond Notes), das sind etwa 0,82 US-Dollar oder ich glaube 0,74 Eurocent.

Wir selber brauchen auch Diesel und fahren zu einer Tankstelle, an der man mit US-Dollar und Rand bezahlen kann. Diesel kostet hier 1,20 US-Dollar und damit 50% mehr als bei den Tankstellen, wo man mit Schuldscheinen bezahlen kann.

Wir halten in der Bergbaustadt Zvishavane für eine Toilettenpause an einer Total-Tankstelle. Die Pumpe sei kaputt, sagen sie, daher können sie keinen Kraftstoff verkaufen. Die Autoschlange erstreckt sich trotzdem fast durch große Teile der Ortes.

Auf halber Strecke zwischen Zvishavane und Bulawayo machen wir Mittag. Ob der Ort wirklich Gwatemba heißt, weiß ich nicht, denn wir sind mitten im Nichts, wo Leute aber einen Klamottenladen, eine Art Lebensmittelgeschäft, eine kleine Disco und ein Luxusautohaus hingestellt haben. Außerdem bauen sie gerade an einer Tankstelle.

Wir essen Couscous mit Gemüse, weißem Käse und Soßen. Die andere Gruppe isst am gleichen Ort das gleiche Gericht. Einziger Unterschied: Sie haben Schokomuffins. Ich spreche ein wenig mit ihnen und bekomme einen ab.

Anschließend fahren wir weiter zu unserem Ziel, das Farmhouse in Matopos. Auf dem Weg müssen wir durch Bulawayo. Es ist neben der Hauptstadt Harare das größte wirtschaftliche Zentrum. Hier sieht alles sehr gut und wenig Shithole-Country-mäßig aus, auch die Tankstelleneinfahrten sind nicht blockiert.

Der Weg von der Einfahrt des Farmhouse-Hotels zum Campingplatz ist wie eine kleine Safari-Fahrt:

Kudu-Weibchen
Kudu-Weibchen
Zebra
Zebra
Klippspringer
Klippspringer

Der Campingplatz selbst ist auf einer Klippe mit tollem Ausblick über das Tal. Das Gemeinschaftshaus ist offen (was zusammen mit dem starken Wind nicht so ganz perfekt ist) und hat einen Ausguck auf dem Dach.

Panorama über Matopos
Panorama

Beim Abendessen wird diesmal richtig groß aufgefahren. Vorspeise entfällt, dafür gibt es Burger. Clinton empfiehlt zum Brötchen und Fleisch noch Ananas und Käse draufzupacken. Das schmeckt wirklich gut, es gäbe aber auch noch Salat, Tomate und Gurke.

Der deutsche Hamburger Royal TS bei der Goldenen Möwe (in meiner Heimat ein Ausdruck für (das Logo von) McDonald’s) heißt so, weil er mit Tomate und Salat belegt ist.

Auch beim Nachtisch wird groß aufgefahren: Papayahälften als gefüllte Schiffchen mit Jogurt, Erdbeeren und Passionsfrucht-Topping.

Unser zimbabwischer Führer Ismael erzählt noch was über morgen. Offensichtlich wird in Simbabwe Anerkennung immer mit Geld gleichgesetzt. Wie erbärmlich.

Anschließend erzählt er was über die Geschichte von Simbabwe und die Bedeutung der Farben auf der Flagge. „Und das Blau steht für das Geld und für die Wirtschaft“, ergänze ich im Stile eines Memes, da es für mich unverständlich ist, wie man so stolz auf ein Land – und dessen ehemaligen Herrscher – sein kann, wenn 80% Arbeitslosigkeit, Hungersnot und Misswirtschaft herrschen, es keinen Strom gibt, die „Straßen“ nur aus Schlaglöchern bestehen und man für Kraftstoff einen Tag lang anstehen muss.


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