Neuseeland Abend 23: Kaikoura, Christchurch – Ich mag Züge

Mit dem Touristenzug durch Neuseeland

geschrieben von Janni Sonntag, 16. Februar 2020 um 10:53 Uhr

Dies ist der 500. Post in meinem Blog (nicht alle sind noch sichtbar). Gratulation an mich selbst. Oder an mein Blog.


Die Schaffnerin spricht mich mit meinem Vornamen an und gibt mir mein Ticket (ich hatte die Fahrt übers Internet gebucht, wo es keine Tickets gab). Ich bin nämlich der letzte, der ankommt. 10 Minuten vor Abfahrt. Wie mir dann erst beim Blick auf die Buchungsbestätigung auffällt, hätte ich aber 20 Minuten vorher da sein sollen. 20 Minuten vor Abfahrt da sein? In Deutschland wären da schon zwei weitere Züge in dieselbe Richtung gefahren. Dies ist aber wie schon im Post zu heute Vormittag gesagt der einzige Zug von Kaikoura nach Christchurch, und selbst der fährt nur jetzt im Sommer.

Wir fahren trotzdem leicht überpünktlich ab. Christchurch sollen wir in 3:10 Stunden erreichen.

Dass der Zug nur touristisch genutzt wird, zeigt sich an einigen Eigenschaften. So bekommen alle auf Wunsch einen kostenlosen Kopfhörer für den Audiokommentar, der an einigen Stellen abgespielt wird. Es gibt vier Kanäle, auf Kanal 1 ist Englisch (mit ständigen Aussetzern, die nicht am Kopfhörer liegen), auf Kanal 3 ist irgendwas asiatisches, auf Kanal 2 und 4 höre ich nichts. Höchstwahrscheinlich ist da der Audiokanal für Gebärdensprache.

Die Neuseeländische Gebärdensprache ist neben Maori eine der beiden Amtssprachen Neuseelands. Englisch hat wie schon in einem anderen Post erwähnt keinen offiziellen Status, außer dass ausschießlich auf Englisch eine Eigenbezeichnung des Landes existiert (New Zealand). Es gibt keine offizielle Eigenbezeichnung des Landes auf Maori.

Wenn man 100 Leute nach einem Land mit Englisch als Amtssprache würde das vielleicht eine Person hinkriegen, denn auch in den USA und dem Vereinigten Königreich ist Englisch nicht Amtssprache. Das ist übrigens auch ein klassisches Totschlagargument für die Muhlenberg-Legende, bei der der namensgebende deutsche Einwanderer bei einer Abstimmung für die Amtssprache der USA die entscheidende eine Stimme für Englisch abgegeben haben soll – es gibt nämlich keine Amtssprache in der USA auf Bundesebene.

Länder mit Deutsch als Amtssprache sind aber in anderen Eigenschaften nicht besser: Belgien hat keine Nationalhymne und die Schweiz keine Hauptstadt.

Ich benutze lieber meine eigenen Kopfhörer. „Werden die wiederverwendet?“ fragt die englische Frau neben mir die Schaffnerin, als die benutzten Kopfhörer der ausgestiegenen Leute eingesammelt werden. „Nein“, sagt die Schaffnerin. Und genau deshalb habe ich immer meine eigenen dabei. Das ist doch Wahnsinn.

Gegend bei Cheviot
Landschaftsaufnahme, wohl in der Gegend um Cheviot

Der Zug hat noch eine Besonderheit: Es gibt einen Wagen, der keine Fensterscheiben hat. So kann man besser fotografieren – und Dieselabgase der beiden Loks einatmen. Deppenzepter sind übrigens verboten.

Schafe flüchten
„Der Zug kommt! Flieht ihr Narren!“

Es gibt auch ein Zugbistro. Das ist im Prinzip das Convenience-Frischeregal aus dem Supermarkt mit Aufwärm-Service. Das erklärt die moderaten Preise. Aber man kann nur mit Kreditkarte zahlen, wenn das Gerät Netz hat. Und das ist hier draußen natürlich ein Problem.

Also muss ich zum Supermarkt gehen, wenn wir in Christchurch sind. Das ist übrigens gut eine Viertelstunde zu früh.

Coastal-Pacific-Zug im Bahnhof Christchurch
Zug im Bahnhof Christchurch, Loks bereits abgespannt (Türen öffnen sich erst, wenn die Loks abgekoppelt sind)

Ich gehe zum Pak'n Save, in der Hoffnung, noch eine der Mehrweg-Taschen mit Kiwi-Motiven zu bekommen. Leider gibt es die genau wie bei der Filiale bei unserem Hotel nicht. Dafür gibt es aber den Original Schoko-Milchdrink von Lewis Road Creamery, den uns Vera empfohlen hat, aber überall in dieser Sorte ausverkauft ist. Ich kaufe die letzte Flasche. Das Zeug schmeckt ganz OK, ist ähnlich der deutschen Müllermilch, nur nicht ganz so gut und viel teurer.

Auf dem Weg zum Hotel schaue ich noch kurz im botanischen Garten vorbei, der eigentlich gerade schließt. Auf dem Weg muss ich aufpassen, denn obwohl Sonnenuntergang schon durch ist, fährt die Mehrheit der Autos ohne Licht. Tunesier werden neidisch. Ich gehöre in Deutschland zu den letzten 5% der Leute, die abends Licht anmachen – und in Neuseeland zu den ersten 5%.

Treppe mitten in einem Teich
Karriereleiter für Kanadagänse

Nachdem ich einen noch nicht verschlossenen Ausgang aus dem botanischen Garten gefunden habe – es laufen noch viele Leute herum, obwohl einige Ausgänge schon verschlossen sind –, gehe ich ins Hotel.

Eine Frau posiert nachts vor der Bridge of Remembrance
Die Bridge of Remembrance trennt die Cashel St für den Autoverkehr in zwei Teile – und die Frau wollte unbedingt auf das Foto – sie wollte wohl mit mir meinen 500. Blogpost feiern...

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