Neuseeland Tag 22: Christchurch, Little River, Akaroa, Duvauchelle, Christchurch – Zeitreise nach Frankreich

Je vais à Akaroa. ?️

geschrieben von Janni Freitag, 14. Februar 2020 um 11:03 Uhr

Dieser Post enthält Makrofotos von Gliederfüßern.


Die von mir geplante Kajaktour morgen fällt wegen Seegangs aus. Nun stellt sich mir die Frage: Tagestour nach Aoraki/Mt Cook (organisierte Tour für 385 NZD) oder Kaikoura (40 Bus hin, 89 Bahn zurück) mit Albatros Encounter (130 NZD)? Da mir Lyndon von der Tour in Dunedin den Albatros Encounter und eine Mitreisende die Bahnfahrt („egal welche“) empfohlen haben, entscheide ich mich für Kaikoura. Das Wetter soll anders als heute auch ganz brauchbar werden. Ich kläre auch noch meinen Transfer zu Orana-Park übermorgen ab. Ortsgespräche sind laut Rezeption auf dem Zimmer kostenlos.


Heute steht Akaroa an. Es gibt zwei Busverbindungen, Akaroa French Connection (50 NZD hin und zurück mit Zwischenstops) und Akaroa Shuttle (56 NZD ohne Halt). Ich habe mich für ersten entschieden, da die Pinguin-Tour bis 16 Uhr geht, der Akaroa Shuttle im Sommer aber schon um 15:45 zurück fährt.

Laut Anzeige im Bus ist es der 07.00. um 26:24 Uhr, als wir am ZOB losfahren.

Da die Akaroa French Connection eine offensichtlich touristisch gedachte Verbindung ist, gibt es auch einen Kommentar. Christchurch – geplant von den gleichen Leuten wie Adelaide – hat 2011 ein starkes Erdbeben erlebt, bei dem 185 Leute starben, davon 115 in einem einzigen Gebäude (Canterbury Television, im Block direkt vor meinem Hotelfenster), das kurz zuvor noch von der Stadt überprüft wurde, aber trotzdem wie ein Kartenhaus zusammenfiel.

Mein heutiges Ziel, Akaroa auf der Banks-Halbinsel hat nicht so viel vom Erdbeben abbekommen, sodass Kreuzfahrtschiffe dort einliefen, bis der Hafen von Lyttelton bei Christchurch repariert wurde. Dadurch hatten die Passagiere üblicherweise 2,5 Stunden im zerstörten Christchurch. Die Fahrt dauert nämlich rund 1,5 bis 2 Stunden je Richtung. Immer noch kommen Schiffe direkt nach Akaroa; heute liegt die Celebrity Solstice („Sonnenwende“) auf Reede, weshalb uns eine Unzahl an Bussen entgegen kommen, die Passagiere nach Christchurch bringen. Das in Papenburg gebaute Schiff kann bis zu 2.852 Passagiere befördern, umso verwunderter bin ich, dass ich gestern noch spontan die Pinguin-Tour buchen konnte.

Unterwegs halten wir noch kurz in Little River, wo in einem Souvenirladen zwei Räume an die Bahnstrecke Little River Branch und andere Dinge aus vergangenen Zeiten erinnern.

Bahnmuseum von Little River
Bahnmuseum von Little River

Obwohl dort nur 10 Minuten Aufenthalt für Kaffee und Toilettenpause angesetzt sind, die eine Reisende deutlich überschreitet, kommen wir leicht überpünktlich um 10:52 in Akaroa an. Sorry, ich meine natürlich 04:24 am 08.00. – die Uhr ist um 28 Uhr auf 4 Uhr des nächsten Tages umgesprungen.

In Akaroa gehe ich zum Startpunkt der Pinguin-Tour um 12 Uhr. Das ist die große 4-Stunden-Tour für derzeit 105 NZD, es gibt auch eine kleinere 2-Stunden-Tour um 13:30 Uhr für 65 NZD, bei der aber abhängig vom Andrang Dinge ausfallen können, um die Pinguine nicht zu irritieren.

Im Infozentrum gegenüber sagt man mir, dass wegen des Kreuzfahrtschiffs (das von hier aus deutlich sichtbar die Luft im Hafen verpestet) die Tour vom Anleger geht, wo ich gerade ausgestiegen bin. Aber kein Problem, so kann ich mir noch den Leuchtturm dort in der Nähe angucken.

Leuchtturm von Akaroa
Leuchtturm von Akaroa aus den 1870ern

Pohatu Penguins

Panorama des Hafens von Akaroa
Panorama des Hafens von Akaroa

Die längere Pohatu-Pinguin-Tour beginnt mit einer Fahrt durch das Tutakakahikura-Schutzgebiet (Gesundheit!) zum Kap (Akaroa Head), von wo aus man die Passage in den Hafen ansehen kann, der in einem Vulkankrater entstanden ist, als der Kraterrand auf der Südseite durchbrochen wurde. Er war einst eine Insel, ist aber vor erst 14.000 Jahren durch Erosion aus den Südalpen über eine Landbrücke mit dem Festland verbunden worden, über die wir heute Morgen gefahren sind. Hier befand sich einst der am 1.1.1880 in Betrieb genommene Leuchtturm (siehe Bild oben), der genau 100 Jahre später durch ein automatisches Licht in Größe und Form eines weißen Ölfasses ersetzt wurde. Der Leuchtturm wurde in drei Stücke geteilt und an den heutigen Standort in Akaroa selbst versetzt.

Landzunge/Kap Akaroa Head
Akaroa Head, die weiße Tonne in der Bildmitte ist der neue „Leuchtturm“

Der Ort Akaroa und umliegende Orte hab französische Wurzeln. Die Franzosen haben hier einige Monate nach dem Vertrag von Waitangi, dem Gründungsdokument Neuseelands der Engländer, gesiedelt, waren also zu spät. Trotzdem hat Akaroa („langer Hafen“) einige französische Straßennamen, da sich die Franzosen mit den Engländern geeinigt haben. Auch vieles anderes ist hier französisch, zum Beispiel die Führerin dieser Tour, die heute zweimal mit je 9 bzw. 8 Gästen ausgeführt wird.

Weta (Heuschrecke)
Weta (Heuschrecke) in einem Insektenhotel der Farm (Zwischenring 10mm)

Auch hier wurde der ursprüngliche Wald bald nach Stadtgründung zugunsten von Farmland abgeholz auf nur noch 8 Promille seiner ursprünglichen Fläche. Das soll jetzt zwar wieder aufgeforstet werden, einheimische Bäume wachsen jedoch sehr langsam.

Auch die Pinguine waren vor sogar erst 50 noch sehr häufig. Da sie unter Häusern brüten, wo sie Krach und Gestank verursacht haben, wurden sie vertrieben. Die Farm Pohatu Penguins („Ort mit Steinen“) an der Flea Bay („Flohbucht“) beansprucht für sich, dafür gesorgt zu haben, dass 2000 717 Pinguinpaare gebrütet haben und zuletzt waren es etwa 1.200. Wenn die Pinguine an einem Ort erfolgreich brüten, kommen sie üblicherweise wieder.

Bei unserer Ankunft auf der Farm gibt es Muffins von Oma. Die ist heute gzt beschäftigt, weil sich auch noch die Schafscherer verpflegen muss, die gerade auf der Farm sind. Ich fotografiere eine Hummel, während der Rest noch Kaffee trinkt.

Hummel auf Distel
Hummel (Zwischenring 10mm)

Dann fahren wir ein kleines bisschen weiter zur Pinguin-Rehabilitation. Dabei sehen wir einen Südlichen See-Elefanten – eine Art, die man nur selten nördlich der Inseln um die Antarktis findet.

Südlicher See-Elefant schläft
Südlicher See-Elefant schläft

Bevor wir bei der Pinguin-Fütterung zugucken dürfen, dürfen wir auch selbst was füttern: Allerdings nur Gänse (Hausgänse und offenbar Bastardisierungen mit Graugänsen) und Romney-Schafe.

Romney-Schaf guckt in die Kamera
Was guckst du?

Die Pinguine hier (white-flippered penguins, die auf den beiden Hauptinseln nur hier vorkommende Unterart oder Farbmorphe des Zwergpinguins, siehe dazu die Melbourne-Posts der Australien-Reise) sind heller legen weniger Eier als die normalen Zwergpinguine und legen weniger Eier. Sie sind gerade in der Mauser, wo sie ihr abgenutztes Federkleid (rund 10.000 Federn) erneuern, in der Zeit (10 bis 15 Tage) aber nicht schwimmen und somit nicht essen können. Pinguine, die das wegen mangelndem Gewicht nicht überleben würden oder die einfach zu faul sind, sich einen Speckgürtel anzufressen, werden hier gefüttert. Fotografieren sei nicht erlaubt, sagt man uns, da die Fütterung in sozialen Medien falsch verstanden werden könne.

Dann gibt es aber doch noch Pinguine zu fotografieren. Auf dem Gelände gibt es viele hundert nummerierte Unterschlüpfe, aber auch einige natürliche, von den Pinguin in die Erde gegrabene Höhlen. Erstere haben den Vorteil, dass man sie öffnen kann. Jetzt Mitte Februar sind nur noch einige Spätzünder dort.

Zwergpinguin
Die Mauser dieses Pinguins hat sogar gerade erst begonnen, er ist also richtig spät dran.

Pinguine mausern sich einzeln oder als Paar, nacheinander oder zusammen. Die Unterschlüpfe werden nach der Mauser nicht von den Federn geleert, da sie für die Brut später im Jahr eine brauchbare Polsterung bieten.

Von einem nahen Aussichtspunkt kann man Neuseeländische Seebären beobachten:

Neuseeländischer Seebär schwimmt
„Schwimmen, schwimmen, schwimmen, den ganzen Tag – schwimmen, schwimmen, schwimmen, macht die Flossen stark“: Neuseeländische Seebär schwimmt

Als wir gerade zurück zum Auto wollen, kommt uns eine riesige Herde Schafe entgegen. Sie scheuchen auch die Gänse auf, die tief über unsere Köpfe hinwegfliegen.

Anschließend geht es zurück. Pohatu Penguins hat meine leichte Verspätung (die reguläre Abfahrtszeit wurde bereits auf 16:15 verschoben) bereits von sich aus vorgemerkt. Dass sie mit „dem Bus um 16 Uhr“ zusammenarbeiten, war aber auch auf der Homepage zu lesen.

Flea Bay
Flea Bay

Der Bus macht noch einen Halt in Duvauchelle an der Käserei Barrys Bay Traditional Cheese, sodass wir beim Fabrikverkauf einkaufen können, wenn wir wollen. Oder nur kostenlos probieren. Ich finde den Schnittlauchkäse noch am besten.

Produktion von Barrys Bay Traditional Cheese
Produktion der Käserei

Wir erreichen Christchurch ZOB trotz des Feierabendverkehrs pünktlich nach rund 1:35 Stunden Fahrt um 18 Uhr.


Als ich um kurz nach 18 ins Hotelzimmer komme, das ich den anderen zum Duschen bereitgestellt habe, haben mir drei von ihnen einen kleinen Plüsch-Kiwi und eine Tafel Schokolade aufs Bett gelegt. Danke, ist voll lieb von euch.


Um 18:45 ist Check-in, Emirates hat mir aber netterweise bereits davor von sich aus für die Flüge EK413 nach Kingsford Smith und EK413 nach Dubai einen Fensterplatz mittig zwischen zwei Toiletten gegeben, was ich sonst auch selbst gemacht hätte, aber wegen des Spartarifs nicht durfte. Für den Anschlussflug nach Hamburg haben sie mir einen bevorzugten Sitzplatz in der zweiten Reihe der Economy gegeben, der sonst nur gegen Aufpreis erhältlich ist. Da allerdings auch die nochmals deutlich teureren Doppelsitze (Sitzplätze am Ende von 777, wo wegen der Verjüngung nur zwei statt drei Sitze an die Außenseite passen) nichts kosten, buche ich mir einen Fenster-Doppelsitz. Da kommt wie beim Rückflug von Australien wieder die Mitnahmementalität durch. Die 505 Euro für Business Class nur von Dubai nach Helmut Schmidt sind mir aber zu teuer.


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