Kriti (Kreta) Tag 1: Erlebnisformel Κρήτη?

Wie funktioniert eigentlich Reisen in Zeiten von Corona? Während die Schinkenstraße in diesen Tagen zeigt, wie es eben nicht funktioniert, fliege ich nach Iraklion, um dort vielleicht bessere Beispiele zu finden. Oder Ortsnamen, die aussehen wie mathematische/physikalische Formeln.

geschrieben von Janni Montag, 20. Juli 2020 um 18:21 Uhr

Auf dem Weg von der Arbeit nach Hause ist bei N-Joy heute das Thema Vertrauensurlaub. Da entscheidet nicht der Chef, wie viel Urlaub ein Arbeitnehmer kriegt, sondern der Arbeitnehmer entscheidet das. Bei mir wären das vermutlich gut dreißig Tage. Nein, nicht im Monat. Im Jahr.

Böse Zungen behaupten, dass der Arbeitnehmer die Anzahl an Urlaubstagen auch jetzt schon entscheidet. In Form von gelben Zetteln. Ich nicht, ich habe in den 26 Monaten in meinem aktuellen Job exakt 0 Fehltage.

Andererseits ergibt sich wie so oft bei hochqualifizierten Arbeitskräften das Problem der Selbstausbeutung: Noch ein Projekt vorm Urlaub, noch ein Projekt vorm Urlaub usw. Ein bisschen wie früher mit „Noch fünf Minuten Computer, Mama!“
Um mich vor der Selbstausbeutung zu schützen, fliege ich jetzt einige Tage nach Kreta. Eigentlich heißt die Insel übrigens Kriti, der Name ist aber nicht geläufig.

Fliegen in Zeiten von Corona

Ja, sie fliegen wieder. Der immer noch etwas dünnere Flugplan (laut Flightradar24 etwa 70% von vor Corona) und die Maskenpflicht sind aber nicht der einige Unterschied zur Zeit vor Corona. Wer in den letzten Tagen die Nachrichten aus Palmas Schinkenstraße gesehen hat, könnte hingegen glatt bezweifeln, dass es überhaupt Unterschiede gibt. Statt die Schinkenstraße komplett dicht zu machen, hätte ich es ja ein paar Tage lang mit Alkoholverbot probiert. Oder ist das dort dasselbe wie dicht machen? Egal, ich fliege ja nicht nach Malle.

Die Luftfahrtbranche wirbt damit, dass die gleichen Filter wie in einem Operationssaal in Flugzeugen zum Einsatz kommen und daher die Luft genau so sauber ist. Experten ergänzen: Genau so sauber wie in einem Operationssaal, wenn 200 Leute zugucken.

Mein Hinflug ist mit Condor. Gebucht wie der Rest in der Nacht von vorgestern auf gestern. In den letzten vier Jahren, seit ich das letzte Mal mit Condor geflogen bin, ist das zu einem ziemlichen Billigflieger geworden: Es ist im günstigsten Tarif nur noch ein kleines Handgepäckstück möglich. Mit 40x30x10 kann man zwar anders als bei Ryanair einen Laptop mitnehmen, viel mehr aber nicht. Im Boarding Pass wird das mit den schnelleren Ein- und Aussteigen begründet. Ein normal großes Handgepäckstück kann für 9,99 Euro gebucht werden (allerdings steht im Schritt zum Hinzufügen der wesentlich höhere ab-Preis für Aufgabegepäck), auch wenn der Boarding Pass etwas anderes suggeriert. In allen höheren Tarifen ist es enthalten, in meinem Fall kosteten diese aber 25 Euro mehr. Im günstigsten Tarif ist übrigens auch als einzigem keine kostenlose Umbuchung möglich. Gut, ich hab vorgestern gebucht, da ist mir das egal. Da sind Eurowings und Ryanair besser, auch wenn Eurowings' Ansehen bei mir gelitten hat, seit die das zweite Handgepäckstück im günstigsten Tarif gestrichen haben (was wegen Corona allerdings sowieso verboten ist).

Verpflegung kostet auch extra, ist in der aktuellen Zeit einzeln verpackt und man hat die Auswahl zwischen Wasser für 3 und ein Wasser plus Snack für 6,50 Euro. Bezahlung geht nur bargeldlos.

Auch bei der Sicherheitseinweisung gibt es in dieser Zeit eine Änderung: Wenn bei einem Druckverlust die Sauerstoffmasken von der Decke fallen, ist vorm Anziehen die Mund-Nasen-Bedeckung abzusetzen. Das ergibt Sinn. Ob man im Falle einer Evakuierung auch den Sicherheitsabstand einhalten muss, sagen sie hingegen nicht.

Aber es gibt noch mehr Unterschiede zu einem Flug vor Corona: Es darf nur die hintere Toilette genutzt werden, die vordere ist für die Crew. Und es ist verboten, Plätze zu tauschen. Gut, der Airbus A321-200 (D-AIAC) ist fast ausgebucht (ca. 200 Passagiere), von daher ist das eh nicht so einfach möglich. Die wirtschaftliche Lage scheint sich innerhalb Europas wieder einigermaßen normalisiert zu haben.

Es gibt einen Bordfilm, bzw. mehrere kurze: Young Sheldon, SpongeBob Schwammkopf und eine Doku über die kulturelle Bedeutung von Hamburgern. Man könnte jetzt Böses denken, aber der Hamburger-Film nach dem Verkauf von Essen.

Formalitäten in Zeiten von Corona

Für die Einreise nach Griechenland muss bis 24 Stunden vor Einreise ein QR-Code angefordert werden, indem ein Fragebogen beantwortet wird. Condor weist auch die Fluggäste per Mail und SMS darauf hin - gut 22 Stunden vor Einreise. Prinzipiell reicht es, ihn am Vortag griechischer Zeit anzufordern, dafür waren zum Zeitpunkt der Benachrichtigung noch krank knapp 2 Stunden. Condor schreibt ausdrücklich deutscher Zeit, aber immer im kurz nach 0 griechischer Zeit die Codes für den jeweiligen Tag verschickt. Ich muss den Code nicht in Deutschland vorzeigen.

Außer dem Formular zum Anfordern des QR-Codes im Internet muss noch ein Formular im Flugzeug ausgefüllt werden.

Das Formular hat zwei Seiten: eine orangefarbene für Hochrisikoländer und Drittstaaten, eine dunkelblaue für weniger betroffene wie Deutschland. Der Flugbegleiter weiß nicht, dass die meisten die Formulare in bunt erhalten haben und nennt spricht von der „dunklen Seite“ (der Macht?). Das Feld „Landline“ erklärt er als Landesvorwahl, gemeint ist aber Festnetz. Beim Jahr der Ankunft sind zwei Ziffern vorgegeben, man denkt wohl, dass das noch länger dauert. Das Papierformular sammelt die Fluggesellschaft ein.

Landung in Iraklion

Beim Aufsetzen wird geklatscht. So'n bisschen Ferienflieger ist die Condor eben doch noch.

Der Flughafen in Iraklion hat keine Fluggastbrücken, muss also Busse einsetzen. Es werden laut Durchsage jeweils 50 Passagiere reihenweise abgearbeitet von vorne und hinten. Jeweils 5 Reihen vorne und hinten je Bus, das macht aber bis zu 60 Leute in einem zwar etwas breiteren, aber nicht mal Gelenkbus.

Bei der Einreise wird nur geschaut, dass man einen QR-Code hat. Gescannt wird er nicht. Ist wohl alles noch ein bisschen provisorisch.

Google Maps lotst mich zielsicher zu einem anderen als dem mir gewünschten Hotel. Das hatte auch ein anderer Gast in den Bewertungen bemängelt und den Tipp gegeben, einfach Kourna-See statt Pinelope Apartments einzugeben. Damit erreiche ich das Hotel mit rund einer halben Stunde Verspätung. Aber ich denke, das kennen sie schon.


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