Slowenien Tag 2: Laibach/Ljubljana – Geliebte Stadt der Drachen

Wir haben einen Stadtrundgang mit anschließender Bootstour

geschrieben von Janni Sonntag, 15. August 2021 um 01:32 Uhr

Morgens um halb 10 ist Treffen. Ich treffe das erste Mal Robert – im Katalog heißt er Ana. Auch die drei Pechvögel von gestern sehen ihn jetzt das erste Mal. Sie sind an den Augenringen gut zu erkennen, obgleich sie etwa gegen 0 angekommen sind.

Die Slowenien-Reise wird heute erstmalig durchgeführt. Im Zuge von Corona hat MPR-YLT die Europa-Kategorie stark ausgebaut. Malta, Österreich, Deutschland, Frankreich und weitere sind neu – früher gab es bereits Finnland, Estland, Griechenland, Portugal, Spanien, Italien, Schottland, Irland und Island.

Robert lebt in Österreich, hat aber diverse slawische Sprachen gelernt und Slawistik studiert. Über einen Umweg über Prag, den Pott und die Niederlande ist er in Wien gelandet, wo er lebt. Er hatte zwar schon vor einigen Jahren mal eine Slowenien-Tour für Studiosus (Obermarke von MPR-YLT) ausgearbeitet, die wurde aber nicht in den Katalog aufgenommen.

Stadtrundgang

Wir machen eine Stadttour. Dafür bekommen wir Audioguides. Die Technik ist mit den bekannten PMR-Funkgeräten identisch, nur fehlt den ausgeteilten Geräten die Sendefunktion. Man befestigt zum Hören ein einseitiges Teil am Ohr. Ich finde das doof und benutze das Gerät nicht.

Nach wenigen hundert Metern erreichen wir den Fluss, der im Deutschen wie die Stadt auf Slowenisch Ljubljanica heißt. Der slowenische Name der Stadt wird volksetymologisch mit „die geliebte Stadt“ übersetzt. Der deutsche Name ist etwas älter, aber beide stammen aus der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts. Die Stadt ist ziemlich grün.

Da in der Gründungssage ein Drache vorkommt, findet sich dieser hier an etlichen Stellen. Wir gehen über die Drachenbrücke zum Marktplatz.

Drachenstatue auf der Drachenbrücke
Eine der an allen vier Ecken befindlichen Drachenstatuen (Bild wurde zugunsten besseren Sonnenstandes erst am Abend aufgenommen)

Von dort schlendern wir allmählich entlang des Flusses zu den Drei Brücken beim Prešerenplatz.

Drei Brücken
Die Drei Brücken. Davor wurde zunächst nur eine für die 1901 eröffnete elektrische Straßenbahn gebaut (die es nicht mehr gibt). Für die Fußgänger wurden die anderen zwei gebaut, aber heute sind sie alle Fußgängerbrücken, aber auch für Fahrräder (und die Flurbahn) zu befahren
St. Marien und Prešerenplatz
Franziskanerkirche (St. Marien) am Prešerenplatz (nach dem Nationaldichter France Prešeren).
Für alle, die sich fragen, was es mit der nassen Fläche auf sich hat: Da regnet es. Ich vermute, dass der Regenschamane, der Anfang der Woche die Waldbrände in Griechenland gelöscht hat, sich auf den Weg nach Italien machte und auf dem Weg an der Franziskanerkirche seinen Tanz aufgeführt hat.

Wir gehen zum Regierungsviertel. Die Regierungsgebäude sind so unfassbar hässlich, dass ich mich nicht traue, auf diese Seite zu stellen. Es tut in den Augen weh. Finden wir alle – nur Robert scheint dem etwas abgewinnen zu können. Er trauert Erichs Lampenladen (manchmal auch Palast der Republik genannt) in der DDR nach.

In der Stadt befinden sich diverse Denkmäler, die sich mit dem Partisanenkrieg befassen. Auch hier. In der Nähe der Regierungsgebäude befindet sich das Paralament. Ein charakterloser und einigermaßen moderner Klotz.

Die Architektur der Stadt ist ansonsten geprägt durch Bauten, die nach dem Erdbeben 1895 wieder aufgebaut wurden, und die Architektur von Jože Plečnik. Überlebt haben das Erdbeben nur wenige Gebäude, u.a. das ehemalige Rathaus und heutige Stadthaus. Dort betrachten wir einige Modelle von Teilen der Stadt im Atrium betrachten.

Auf dem Weg dorthin kommen wir noch am Illyrischen Platz vorbei, der Napoleon ehrt. Er befreite Slowenien 1805 von den Habsburgern, gab das Gebiet aber bereits 1815 an Österreich zurück. Er brachte dem Land in der kurzen Zeit viel Fortschritt – und hätte ruhig etwas länger bleiben können, fand selbst der österreichische Kaiser Franz I bei einem Besuch nach der Rückgabe.

Wir fahren mit der Standseilbahn 70,15 Meter hoch auf den Burgberg des Laibacher Schlosses. Nach all der Corona-Scheiße wird es auch Zeit, dass es mal wieder aufwärts geht.

Innenhof des Laibacher Schlosses
Innenhof des Laibacher Schlosses
Blick vom Laibacher Schloss runter auf die Stadt
Blick vom Laibacher Schloss runter auf die Stadt
Decke der St.-Georg-Kapelle im Laibacher Schloss
In der St.-Georgs-Kapelle zeigt die Decke die Krainer Herren

Anschließent geht es zu Fuß wieder runter. Dies ist Roberts erste Young-Line-Tour. Bei anderen Marken würde man nicht den Fußweg nach unten nehmen, meint er.

Wir trennen uns gegen halb 13 und besorgen uns etwas zu essen. Auf dem Markt kaufen wir Früchte. Ich stelle mich offensichtlich sehr dumm an, mein Wassermelonenachtel ohne Hilfsmittel zu essen. Eine Frau von einem Marktstand gibt mir aus Mitleid an Messer.

Bootstour

Springbrunnen vor dem Anleger
Springbrunnen vor dem Anleger

Wir fahren um 16 eine Dreiviertelstunde mit einem Holzschiff, das wir der Fluss heißt. Es wurde Anfang der 2010er in Veldes/Bled gebaut, erst auf dem dortigen See eingesetzt (dazu morgen mehr). Jetzt ist es das einzige Holzschiff auf dem Fluss, den wir rauf und wieder runter fahren. Es gibt keinen Kommentar und man sieht jetzt auch nicht so wirklich viel, außer ein biberähnliches Tier in der Ferne, das wir aber nicht identifizieren können, und einen Graureiher. An Vögeln gibt es hier sonst nur Spatzen, Tauben und manchmal Nebelkrähen.

Die Drei Brücken mit Franziskanerkirche
Die Drei Brücken mit Franziskanerkirche

Robert zeigt uns nach der Fahrt sein Reiseführerbuch zur Stadt, das er in Österreich gefunden hat und das ihm gut gefällt. Mit dem Buch von Marco Polo, das sie von Marco Polo Reise bekommen hat, ist eine Mitreisende nicht so zufrieden. Die Zeitleiste endet mit Mai 2020: „Slowenien erklärt die Coronapandemie für beendet.“

Während wir so auf dem Prešerenplatz stehen und über die logistischen Probleme mit Impfungen und Tests sprechen, läuft eine Frau mit einem Regenschirm vorbei. Darauf ist eine Spielzeugpuppe eines Babys befestigt, in dem viele Spritzen stecken. Sie protestiert gegen die Corona-Impfung, vermuten wir.

Die Reise ist ausgebucht, macht 25 Leute. Trotz ausschließlich junger Klientel sind 22 vollständig geimpft. Ich bin als einziger nur zweimal geimpft und zwei nur einmal. Nur die Polizei am Flughafen scheint sich für die Tests zu interessieren. Weder der Reiseleiter noch das Hotel wollte meinen Test haben, obwoh das jeweils angekündigt wurde. Wir spekulieren, dass alle Hotels das nicht sehen wollen, und planen keine weiteren Tests ein. Dass er laut Marco Polo Reisen dazu verpflichtet ist, dafür zu sorgen, dass die Ungeimpften die Tests für die Rückreise machen können, wusste der Reiseleiter nicht, aber er verspricht, sich darum zu kümmern. Oder ich verlänger einfach um 3 Tage, dann brauch ich keinen Test mehr.

Als wir zum Hotel gehen, möchte die Demonstrantin, dass wir ein Foto von ihr vorm Nationalen Institut für Öffentliche Gesundheit (NIJZ) machen. Wir lehnen ab.

Um 18:30 treffen wir uns wieder zum Abendessen. Anschließend gehe ich noch mit einigen anderen zu einem Hof, in dem sich offenbar eine alternative Szene trifft. Einige waren heute Nachmittag dort, aber da schlief hier noch alles und der Dreck von der Nacht zuvor war noch da – in der Szene steht man halt erst spät auf. Allgemein ist es eine komische Ecke. Ohne Corona-Impfung hätte ich hier echt Sorgen. Wie die meisten gehe ich schnell wieder ins Hotel.

Hof, in dem sich die alternative Szene trifft
Hof, in dem sich die alternative Szene trifft

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