Slowenien Tag 9 und 10: Pirian/Piran, Wippach-Zwergenburg/Vipava-Slap, Adelsberg/Postojna, Laibach/Ljubljana – Tropfen und Tropfsteine

Wir machen eine Weinprobe und besuchen die Adelsberger Grotte. Anschließend noch was zur Rückreise.

geschrieben von Janni Sonntag, 22. August 2021 um 22:48 Uhr

Als ich um 7:22 aufwache, mache ich mir einen Plan bis zur Abfahrt um 9:30:

  1. Schwimmen gehen in der Adria. War ich noch nicht. Eigentlich soll man hier nur mit Badelatschen schwimmen. Nachdem ich mich einmal auf der Treppe ins Meer langgemacht habe, ist mir aber auch klar, dass es mindestens noch einen Grund gibt. Fahrstuhl nehmen ist im Barbara Beach Hotel übrigens keine gute Idee – es ist der mit Abstand langsamste, den ich in meinem ganzen Leben gesehen habe.
  2. Frühstück.
  3. Zähne putzen, Sachen packen.
  4. Auschecken. Die Fahrradleihgebühr bekomme ich geschenkt.
  5. Bild von Piran am Morgen machen. Gestaltet sich kompliziert, denn die Festungsanlage, von der man den besten Blick hat, soll zwar um 9:00 Uhr aufmachen, aber als sie um 9:08 immer noch nicht auf hat, suche ich in der Nähe nach einem guten Aussichtspunkt, den ich irgendwo in einer Seitenstraße finde.
Piran
Piran am Morgen

Dann gehe ich zum Hotel. Die anderen sind schon weg, nur noch meine Sachen da. Ich erreiche den Bus um 9:29. Hat also alles gepasst.

Diese Reise ist übrigens das erste Mal, dass ich jemanden von einer früheren Tour wiedersehe. Florian und ich haben gemeinsam unsere jeweils erste Young-Line-Reise in Süd-Afrika bestritten. Im Unterschied zu mir hat er aber sechs Reisen in der Zwischenzeit gemacht, ich nur zwei.

Unser erster Halt heute ist die Gemeinde Vipava. Im kleinen Ortsteil Slap haben wir eine Weinprobe. Da wir zu früh sind, zeigt uns Robert die Kirche. Dann kommt auf dem mit EU-Mitteln neu gemachten Dorfplatz noch ein kleiner Rant über Subventionsverschwendung (unabhängig vom Land) und dann ist es auch schon Zeit für die Weinprobe bei Žorž (das soll man wohl „George“ aussprechen).

Die Weinprobe in dem 1696 errichteten Weingut dauert knapp zweieinhalb Stunden. Für mich dann halt nur Traubensaft. Aber es gibt auch leckeres Brot, Rohschinken, Parmaschinken, Käse und überdimensional große Oliven. Alles lecker, auch wenn ich mich an die Oliven nicht traue. Die kommen doch bestimmt als Tschernobyl oder so!

Essen zur Weinprobe
Ich kann überhaupt nicht verstehen, warum Marco Polo den heutigen Tag nicht als „mit Mittagessen“ führt

Nach der Weinprobe an sich dürfen wir noch in den Weinkeller. Wir dürfen auf die 2500-Liter-Fässer steigen und dort sitzen. Zeit für Selfies und sonstige Fotos.


Für die Adelsberger Grotte (Höhlen von Postojna) gebe ich Laura mein Ultraweitwinkel-Objektiv. Sie und noch ein anderer haben jeweils eine kleine NEX-Kamera. Dies sind frühere Vertreter des E-Bajonetts mit kleinerem Sensor. Meine Objektive fürs FE-Bajonett funktionieren damit, die sich durch den kleineren Sensor ergebende KB-äquavalente Brennweite ist jedoch 50% größer, sodass mein 20mm-Objektiv Bilder macht, die dem eines 30mm-Objektivs beim Kleinbild-/Vollformat entsprechen. Die folgenden Bilder mit Exif-Daten sind von Laura. Danke dafür.

„Das nächste Mal machen wir die Höhle vor der Weinprobe“, mein Robert bereits vor unserm Besuch der Höhle. Bevor es in die Höhle selbst geht, kann man sich noch auf einer Promenade umsehen. Es gibt auch ein Vivarium, wo man Grottenolme betrachten kann – vorausgesetzt, man zahlt gegenüber dem eh schon recht hohen Preis für die Grotte allein (27,90) noch 10,90 extra. Ein Grottenolm befindet sich auch auf dem Wappen von Adelsberg. Grottenolme sieht man aber auch in der Tour (es gibt keine Bilder von ihnen in diesem Post).

Die Adelsberger Grotte ist eine überaus touristisch aufgezogene Aktion. Die Anfang des Tourismus war 1818, bis zum Jubiläum im Jahr 2018 hatten knapp 40 Millionen Leute die Höhlen besucht. Eine knapp zwei Kilometer (einfache Länge) lange zweispurige Schmalspurstrecke bringt Touristen zu einem gut einen Kilometer langen, geführten Rundgang.

Schmalspurbahn der Höhle von Postojna
Schmalspurbahn in Aktion

Die Schmalspurbahn wurde 1872 gebaut. Sie ist inzwischen elektrifiziert und Sloweniens einzige „U-Bahn“. 1883 wurde hier das elektrische Licht eingeführt – als erstem Ort in Slowenien.

Die Höhle liegt in 120 bis 60 Metern Tiefe. Wir befinden uns in der mittleren Ebene von dreien. Die Ebene über uns entstand vor 3 Millionen Jahren durch den Fluss Pivka (dt. Poik), der heute durch die unterste Ebene fließt und auch vor der Höhle zu sehen ist. Gelegentlich bekommt man einige Tropfen ab.

In den Höhlen von Postojna
In der Höhle (Bild: Laura) [Sigma 20mm F1,4 Art @ F1,4 30mm KBÄ, 1/60 s, ISO 400]

Wo keine betonierten Wege die Höhle erschließen, entstehen durch das Tropfen 1 Milli- bis Zentimeter Tropfstein pro Jahr. Ihr wisst ja: Die Miten steigen und die Titen hängen.

„Speckschnitten“ in den Höhlen von Postojna
„Speckschnitten“ hängen wie Gardinen von schrägen Decken (Bild: Laura) [Sigma 20mm F1,4 Art @ F1,4 30mm KBÄ, 1/60 s, ISO 2500]

Auch die zweite Ebene gliedert sich in zwei Teile, einen alten „schönen“ Teil und einen neuen. Die Russische Brücke verbindet die beiden Teile. Wie die Russische Straße zwischen Kranjska Gora und Bovec wurde auch die Brücke von russischen Kriegsgefangenen gebaut.

Spaghettisaal der Höhlen von Postojna
Im „Spaghettisaal“ hängen die Stalagtiten wie Nudeln von der Decke (Bild: Laura) [Sigma 20mm F1,4 Art @ F1,4 30mm KBÄ, 1/60 s, ISO 500]

Die Führerin unserer Tour ist Slowenin, spricht aber nahezu akzentfrei Deutsch. Bis auf zwei Tage für einen Arztbesuch war sie noch nie in Deutschland, erklärt sie, als wir sie fragen. Woher sie ihr Deutsch hat? „Bullyparade, Kommissar Rex und Cobra 11“, meint sie.

Die bekanntesten Tropfsteine der Höhle sind die Gotische Säule und der Weiße Riese. Ersterer enthält Eisen und Mangan, was ihn leicht rötlich färbt. Der Weiße Riese besteht größtenteils aus Kalk. „Calgon ist Mord“, meint die Führerin.

Dann kommen wir zu einem Aquarium, in dem einige Grottenolme leben. Es ist sehr dunkel und das Fotografieren ist nicht erwünscht (bzw. mit Blitz verboten). Vor 5 Jahren wurden dort 64 Eier gefunden. 22 sind geschlüpft, von denen 20 überlebt habe. Der Bestand hier wird auf 35.000 bis 40.000 Tiere geschätzt. Die Tiere können über 100 Jahre alt werden und auch 10 Jahre ohne Nahrung auskommen. „Ein ziemlich gutes Haustier“, findet die Führerin.

Wenn man sie aber doch mal füttern muss, war das lange problematisch, da das, was sie natürlicherweise fressen, selbst unter Naturschutz steht. Inzwischen weiß man, dass man sie einfach mit Weißwürmern füttern kann.

Nachdem alle durch einen kleinen unterirdischen Souvenirshop durch sind, geht es mit der Grottenbahn zurück an Tageslicht und weiter zum Hotel in Laibach (demselben, das wir am Anfang schon zwei Nächte hatten).

Wie bereits in Piran essen wir nicht gemeinsam. Meine Gruppe isst mexikanisch.


Inzwischen habe ich auch herausgefunden, warum der öffentliche Bus in den Google-Wegbeschreibungen so unbrauchbar aussieht und scheinbar so lange braucht: Nachdem man den Bus am Flughafen verlassen hat, soll man einen Halbkreis gegen den Uhrzeigersinn um den Flughafen machen und dann aufs Rollfeld laufen, was laut Google zusammen 48 Minuten dauert. Und das, obwohl Google einen bei einer Routenplanung zum Flughafen explizit fragt, wo man hin will (in meinem Fall Abflugbereich).


Es endet, wie es beginnt

Der Bus zum Flughafen stellt sich am nächsten Tag als zuverlässig heraus. Bis auf den Preis: Auf der Website des Busunternehmens kann man Online-Tickets buchen. Diese darf man ausschließlich in gedruckter Form verwenden, also nichts für mich. Der Preis im Internet ist 4,10 Euro. Im Bus kostet die Fahrt nur noch 1 Euro.

Es gibt den Bimmelbus und den Expressbus. Ich fahre mit dem etwas früheren Bimmelbus, der gut 40 Minuten braucht.

Mein Coronatest wird am Check-in akzeptiert.

Der Zug den anderen hat 2 Stunden Verspätung. Mein Flug hat auch Verspätung. Laut Flightradar ist es erst eine gute halbe Stunde zu spät in Frankfurt losgekommen. Ebenfalls laut Flightradar beträgt die Flugzeit von Frankfurt nach Laibach gut 15 Stunden und 15 Minuten. Letztendlich erreiche ich Frankfurt über eine halbe Stunde zu spät – und zwar am äußersten Gate, das der Flughafen hat. Zum Fernbf steht somit noch eine vierte Wanderung an. Meinen Coronatest will wie immer keiner sehen. Während ich am Bahnhof warte, fordert eine Ansage die Leute an Gleis 5 dreimal zum Einsteigen auf – obwohl dort kein Zug steht.

Nachdem der Zug der anderen noch mehr Verspätung aufgebaut hat, gehe ich anhand von Berichten davon aus, dass sie mit etwa 3 Stunden Verspätung in München angekommen sind und der Bus auch irgendwo auf der Autobahn feststeckte. Wer eine Anschlussfahrt mit Sparpreis gebucht hat, ist jetzt aufgeschmissen (da diese Buchung unabhängig von der Bahnverbindung der Reise ist, wodurch man exakt 0 Fahrgastrechte hat) – und später noch mehr, denn nachher beginnt der nächste GDL-Streik.

Das nur für den Fall, dass sich noch irgendjemand fragt, warum ich (als einziger) geflogen bin. Vom gesparten Geld ganz zu schweigen. Eine Bahnfahrt zwischen Laibach und Verden kostet selbst mit Bahncard 170 Euro – pro Richtung! Das kann ich mir einfach nicht leisten. Deswegen hab ich für reiche Politiker, die dem Volk das Fliegen verbieten wollen, auch nichts über, da es kein anderes Verkehrsmittel gibt, das sich Durchschnittsverdiener leisten können.

Nach dem Flug fahre ich (dank Rail'n'Fly, für das ich am vergangenen Dienstag gute 2 Stunden in der Warteschleife der Lufthansa hing) im völlig überfüllten ICE von Frankfurt nach Hannover und möchte betonen, dass ich alle Menschen, die Sitzplätze in Zügen reservieren, abgrundtief hasse. Wirklich. Solche Menschen sind für mich das Allerletzte. Zumeist sind sie auch zu dumm, im richtigen Wagen einzusteigen und laufen dann quer durch den Zug, statt sich auf den ersten freien Platz zu setzen. Auf Platz zwei kommen übrigens Leute, die mit Fahrrad langsamer sind als ich zu Fuß.


Zur Reise: Irgendwie war die Reise recht ähnlich wie Neuseeland. Daher auch die gleiche Bewertung. Ich steh halt mehr auf Shithole Countries, wie meine Kollegen sagen. Ob das demnächst nochmal was wird? Diese Woche wurde die Mindestteilnehmerzahl eines Termins für Costa Rica erreicht – als erste Young-Line-Reise seit Pandemieausbruch in ein Gebiet außerhalb des Wirkungsbereichs des europäischen Fußballverbands (UEFA), wenn man von (abgesagten) Kleingruppenreisen nach Tansania absieht. Am 20. soll auch eine Reise nach Reunion (Teil von Frankreich) stattfinden. Ansonsten ist mit der Einstufung von Kriti, den Kykladen und dem Dodekanes wieder viel abgesagt worden. Die Pandemie macht es Reisenden schwer. Und ich habe noch meinen kompletten Jahresurlaub.


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