Vermischtes Kommst du mit und machst ein Bild vom Mond?

In den WWE-Sendungen gibt es immer Videos, die einem sagen möchten, was man probieren sollte, und was nicht. WWE-Kämpfe nachzumachen soll man nicht probieren. Was man hingegen laut Sony nicht probieren sollte: ihre Telekonverter nicht unterstützten Objektiven benutzen. Mache ich aber trotzdem.

geschrieben von Janni Sonntag, 28. Februar 2021 um 19:18 Uhr

Ich hab mir kürzlich den Telekonverter Sony SEL20TC gekauft – ohne auch nur ein kompatibles Objektiv zu besitzen. Was mache ich also damit?

Physische Kompatibilität mit Telekonvertern bedeutet, dass das hinterste Element eines Objektivs nicht verhindert, dass man das aufschraubt. Wenn man eine spiegellose Systemkamera verwendet, müssten das eigentlich alle Objektive erfüllen, die für Spiegelreflexkameras entwickelt wurden. Allerdings kann es sein, dass die „Röhre“ des Objektivs hinten zu klein ist.

Die elektrische Kompatibilität ist noch einmal ein ganz anderes Problem.

Sigma 105mm F1,4 | Art

Ursprünglich gekauft habe ich mir den Telekonverter für das Sigma 105mm F1,4. Dass ein 210mm F2,8 Sinn ergibt, hat auch dieser portugisische YouTuber erkannt. Er beschreibt, dass ein Gummiring vom Telekonverter entfernt werden muss. Wie, wird im Video nicht gezeigt. Man kann den Ring von innen nach außen schieben und dann abziehen. Dieser Vorgang ist reversibel.

Mit der a7RII (ILCE-7RM2) funktioniert der Autofokus wie erwartet nicht mit diesem Objektiv. Die Blende kann ich auch nicht manuell einstellen. Da die Blende des Objektivs im Live-View nicht komplett geöffnet ist (eigentlich ist das bei Springblenden eher andersrum), muss man für die maximale Blende mit nur dem Objektiv einmal sehr lange belichten und dabei das Objektiv entfernen. Die Blende bleibt dann so.

Teilweise kommt aber offenbar doch eine Verbindung mit dem Telekonverter zustande und die Kamera versucht vor dem Auslösen irgendwas zu machen, was sie nicht kann, und löst daher nicht aus. Da manueller Fokus aktiviert ist, kann das eigentlich nur die Springblende sein. Die müsste man irgendwie verhindern. Ich werde dazu wohl später noch einmal das schreiben, wenn ich mir dem Equipment in den Vogelpark gegangen bin.

Tamron 150–600mm F5–6,3

Für diesen Test habe ich die Elektronik und ihre Verkleidung aus der Innenseite des EF-E-Adapters von Andoer entfernt. Der ist sowieso in allen Belangen schlechter als meine anderen beiden. Das Konstrukt ist nicht dauerhaft stabil. Ich weiß nicht wodurch, aber es gibt recht ordenliche Vignettierung bei allen Brennweiten. Das Sigma hat keine erkennbare Vignettierung.

Bei Objektiven, die keine feste Lichtstärke haben, weiß ich nicht, wie sich die Lichtstärke durch Zoomen verändert. Stelle ich also das Tamron auf 150mm F5 und zoome ohne elektronische Verbindung auf 600mm, habe ich dann immer noch F5 (nur mit mehr Abbildungsfehlern)? Letzteres ist auf jeden Fall, wie die folgenden Beispielbilder entstanden sind. Ja, ich hätte vorher den Sensor reinigen sollen. Unten gibt es Bilder vom Mond. Da das Bild mit Telekonverter bei vierfacher ISO immer noch marginal dunkler ist als ohne (F6,3), ergibt sich eine Blende von etwa F14 und nicht etwa F10 oder F12,6.

Blaumeise pickt [Tamron 150–600mm F5–6,3 G2 + SEL20TC @ 1200mm F14, 1/1600 s, ISO 1600]
Spatz [Tamron 150–600mm F5–6,3 G2 + SEL20TC @ 1200mm F14, 1/1000 s, ISO 800]

Also Schärfe ganz OK, dafür dass es unglaublich schwer zu fokussieren ist. Die Bilder stammen von vor genau zwei Wochen. Das war die Zeit, als es noch kalt war. Ich bin diese Woche jeden Tag mit dem Fahrrad zur Arbeit gefahren.

Da die Kamera wegen der fehlenden Elektronik nicht die Brennweite kennt, geht sie offenbar von einem Normalobjektiv aus. Das ist – gerade wenn man bei F10 ist – für die Kehrwertregel wichtig, die die Kamera beim Modus P (Programm Auto) und A (Blendenpriorität) automatisch anwendet. Man muss somit manuell oder im Modus S (Zeitpriorität) fotografieren und diese Regel selbst anwenden, die besagt: Hält man die Kamera frei in der Hand, darf die Belichtungszeit nicht länger als der Kehrwert der Brennweite (KB-Äquivalent, falls nötig) sein. Bei 1200mm deutlich länger als 1/1200 Sekunden zu belichten, führt somit zu Verwacklern, auch wenn optische Stabilisierung des Objektivs und die Stabilisierung des Sensors durch das Gehäuse teilweise ganz gut etwas kompensieren (was sie hier vermutlich nicht können). Zum Vergleich: Sind Sterne und ggf. statische Objektive im Bild erhöht sich die Zeit um das 400- bis 600-Fache.

Da gestern Vollmond war, habe ich den auch noch fotografiert. Da der sehr hell ist, kommt die zuletzt erwähnte Regel für Sterne nicht zur Anwendung, denn man sieht eh keine. Die Bilder wurden mit Stativ gemacht, aber das bringt bei dem Winkel und dem Gewicht wenig, weshalb zusätzlich Selbstauslöser verwendet wurde.

Mond mit Telekonverter [Tamron 150–600mm F5–6,3 G2 + SEL20TC @ 1200mm F14, 1/1000 s, ISO 1600]

Und zum Vergleich nochmal ohne Telekonverter:

Mond ohne Telekonverter [Tamron 150–600mm F5–6,3 G2 (via YongNuo EF-E II) @ 600mm F6,3, 1/1000 s, ISO 400]

Wir geben zu Protokoll: Der Mond hat an seiner Vorderseite nicht genügend Details. Mehr Details hat man, wenn man die Krater an der rechten Seite vergleicht:

Ausschnitt der obigen zwei Bilder. Das Bild ohne Telekonverter (rechts) ist zweifach vergrößert, das Bild links ist in Originalauflösung.

Man sieht sehr gut, dass die Pixel der kleineren Krater etwas unter der mittleren Höhe scharf sind, auf der rechten Seite unter Beachtung der Vergrößerung mit einem absichtlich eher mittelmäßigen Filter. Dem Telekonverter muss man zugutehalten, dass durch die erheblich größere ISO ja sogar noch Details verloren gegangen sind.

Man sieht übrigens gut, dass der Telekonverter genau 2x vergrößert, denn das rechte Bild ist digital 2x vergrößert worden.

Fazit bisher: Kompliziertes Handling, recht brauchbare Ergebnisse, bis auf die Vignettierung beim Tamron.


Kommentare

Luthi (Gast) befand am Montag dem 08. März 2021 um 08:39 Uhr:

Wirklich sehenswert!

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