Kykladen III Tag 1: Athen, Fira, Ia, Ammoudi, Ia – Der Letzte macht das Licht aus

Noch ist nicht Schluss

geschrieben von Janni Freitag, 22. Oktober 2021 um 22:05 Uhr

Die Rundreise auf dem griechischen Festland ist nun also Geschichte. Die vermutlich letzte von Young Line Travel in diesem Jahr, nur die Young Line 35+ (von uns als Old Line bezeichnet) ist derzeit noch in Jordanien und es gibt ein paar Silvesterreisen in Europa. Wir machen für das Hauptprogramm aber sozusagen das Licht aus.

Die zurückliegende Reise fühlte sich leider eher an wie eine Studienreise als eine Young Line. Klar, Griechenland ohne Kultur geht nicht, aber ich finde, da hätte man mehr Spaß- und Erlebnisaktivitäten machen können als die Insel-Tour an Tag 4 (offiziell Tag 3). Außerdem gibt es Abzüge für die überteuerten Ausflüge.

So gibt es eine 6+1 (Inhalt max. 10 Punkte plus Gruppenbonus max. 3 Punkte).

Irgendwie war ich aber schon seit 3,5 Monaten nicht mehr auf den Kykladen. Das ist ziemlich viel. Also ab nach Fira!

Da auch ich entgegen anderslautenden Gerüchten erheblich weniger Urlaubstage habe als der deutsche Durchschnitt, fahre ich früh zum Flughafen und arbeite von dort. Dabei stört neben zeitweise miesem Internet vor allem die Musik. Im Athener Flughafen läuft nämlich die ganze Zeit irgendwelches Gedudel. Mal bekannte Songs, mal Coverversionen. Wir haben uns auf Sardinien als Gruppe so richtig darüber aufgeregt, dass in allen Restaurants sehr langsame Versionen bekannter aktueller Hits laufen statt der Originale. Und hier im Flughafen läuft dann I kissed a girl (and I liked it) von ursprünglich Katy Petty – gesungen von einem Mann. Orthodoxes Land eben.

Schnell an Bord der ATR 72-500 SX-NIV und dann ab nach Fira. SkyExpress meint es ernst mit dem Zeitpunkt, an dem das Gate schließt. 20 Minuten steht auf dem Ticket, 21 Minuten vor Ablauf fährt der Vorfeldbus zum Flugzeug. Es ist etwa halb voll. Sonst habe ich in Coronazeiten immer nur (fast) ausgebuchte Flieger gesehen, außer dem Rückflug von Kriti im Juli 2020. Dass das Flugzeug nur halb voll ist, ist auch gut, denn viele Leute (mich eingeschlossen) sind vom deutlich geringeren Platz für Handgepäck überrascht.

Das Turboprop-Flugzeug steigt für den 33 Minuten kurzen Flug lediglich auf 13.000 Fuß, Ohrensausen entfällt somit komplett. Ja ja, Kurzstreckenflug. Aber 48 Euro und 33 Minuten mit dem Flugzeug stehen für eine Bootsfahrt mit Seajets knapp 70 Euro und 5:20 Stunden gegenüber.


Auf Thira angekommen steht bereits der Bus am Flughafen. Er fährt entgegen des Fahrplans nicht um 10 nach sondern zur vollen Stunde nach Fira. Von dort fährt der Bus nach Ia aber zur vollen Stunde und halben Stunde wie es im Plan steht. Obwohl die Insel sehr klein ist, fahren sie hier mit Reisebussen statt mit Linienbussen. Das dient wohl der Beförderung von Gepäck. Der Sitzabstand im öffentlichen Bus hier auf Thira ist größer als bei unserem Gruppenbus der vergangenen Rundreise.

Der Bus von Fira nach Ia ist so voll, dass ich nicht da aussteigen kann, wo ich hin möchte, sondern zur Endstation fahren muss und von dort die etwa 1 Kilometer ins Hotel zurücklaufe. Der Rezeptionist ist total Feuer und Flamme für seinen Ort und seine Insel. Er packt eine Karte aus, zeichnet diverse Dinge ein und erzählt ohne Punkt und Komma. Nach 5 Minuten kann ich ihm endlich sagen, dass ich schon zweimal auf Santorini war und für morgen auch schon eine Tour gebucht habe.


Noch mal kurz etwas gearbeitet, dann geht es ins Getummel von Ia. Wie mit im Bus schon aufgefallen ist, ist Thira von lauter anglophonen Touristen überlaufen. Man hört fast nur Englisch in den Gassen. Während Griechen nicht vor 20 Uhr essen gehen, ist hier gegen 18 Uhr bereits alles voll und später gegen 21 Uhr fast alles leer.

Ia
Ia, ein überraschend brauchbares Gegenlichtfoto [Tamron 28–75mm F2,8 Di III RXD @ 28mm F8, 1/640 s, ISO 100, HDR Auto]
St.-Georg-Kirche (Agios Georgios)
Die St.-Georg-Kirche befindet sich direkt bei meinem Hotel [Sigma 20mm F1,4 Art @ F8, 1/500 s, ISO 100, HDR Auto]

Ich kaufe mir ein Eis und schlendere langsam zum Aussichtspunkt.

Als die Sonne verschwunden ist, klatschen die Leute. Haben die Leute übrigens auch im Flugzeug nach Athen gemacht letzten Dienstag. Die Landung war aber auch wirklich butterweich, während der Aufsteig der schlechteste von mir je erlebte war. Turbulenzen, Leute die schreien. War nicht so geil.

Geil ist aber, was passiert, wenn alle Leute weg sind: die Blaue Stunde steht an. Ich suche mir einen leicht anderen Ort als letztes Mal, um Fotos zur zu machen, und nutze den Standardzoom für einen anderen Bildausschnitt.

Ia nach Sonnenuntergang
Ia nach Sonnenuntergang [Tamron 28–75mm F2,8 Di III RXD @ 46mm F8, 16/10 s (EV−1,7), ISO 200, HDR Auto]

Mir fällt die Sphinx auf, die auf dem Bild links unten zu sehen ist. Sie trägt eine Maske. Allerdings tut sie das auch auf den Bildern vom letzten Jahr bereits.

Unterhalb des Aussichtspunktes fällt mir ein kleiner Hafen auf, der ein gewisses Piratenflair ausstrahlt, das durch entsprechende Musik verstärkt wird. Ich laufe daher die Treppen runter nach Ammoundi, wie der Ort heißt.

Blick von Ia auf Ammoundi
Blick von Ia auf Ammoundi [Tamron 28–75mm F2,8 Di III RXD @ 46mm F4, 4/1 s (EV−0,7), ISO 400, HDR Auto]

Ammoudi besteht zum Großteil aus 4 Tavernen. Außerdem gibt es noch einen Yachttourenanbieter und ein Eiscafé namen Cool Cave – das jetzt um 20 Uhr den Besuchern die kalte Schulter zeigt und einfach mal eiskalt geschlossen hat.

Ich laufe auf den Felsen an der Küste entlang bis zum Ende des „Weges“. Von dort kann man ein Bild der St.-Nikolaus-Insel machen, die nach einer Kapelle auf der anderen Seite der Insel benannt ist (die man somit hier nicht sieht). Versuche, die Milchstraße über Thirassia zu fotografieren, scheitern.

St.-Nikolaus-Felsen (Agios Nikolaos Peramataris) bei Nacht
St.-Nikolaus-Felsen (Agios Nikolaos Peramataris) [Sigma 20mm F1,4 Art @ F1,4, 5/1 s, ISO 400]

Auf dem Weg zurück zum Hotel hole ich mir noch ein Pita. Die griechische Antwort auf den Döner kostet hier 4 Euro (zum Vergleich: in Kalavryta war man für 2,50 dabei). Santorini kann also auch günstig (für seine Verhältnisse) – nur halt nicht direkt an der Caldera. Dann noch ein paar Flaschen Pepsi Max und der morgige Tag ist gerettet. Da fahre ich auf die anderen Inseln von Santorini. Wenn der Kapitän nicht wieder abhanden kommt.


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