Indonesien Morgen 10: Sebatu, Mount Batur, Sebatu – Schwarz zu Grau

Vor sehr tiefer Enttäuschung schützt mich Sarkasmus. Wie das aussieht, sieht man immer wieder an einigen Blogposts, wie der Abrechnung mit meiner Referendariatszeit – oder einfach dem heutigen Beitrag...

geschrieben von Janni Donnerstag, 9. Juni 2022 um 11:55 Uhr

Peter Fox hat 2009 mit Schwarz zu Blau aus dem Album Stadtaffe den Bundesvision Song Contest gewonnen. Auf einer Bergwanderung suchen wir heute das hypothetische balinesische Gegenstück.

Zunächst einmal bräuchte man einen Künstlernamen. Was liegt näher, als den Künstler nach dem Berg zu benennen, den wir besuchen? Klingt eh so ähnlich. Der Unterschied zwischen P und B verschwimmt im Indonesischen sowie. Also ganz klar: Batur. Und als Nachnamen? Lassen wir einfach so. Nur kennt das Indonesische kein X. Also schreiben wir KS.

Für alles weitere muss man wohl schon für 95 Euro eine Wanderung zum Gipfel von Mount Batur buchen, einem aktiven Vulkan, der zuletzt vor 12 Jahren ausgebrochen ist (und bei einem Rhythmus von 10 Jahren eigentlich überfällig wäre). Los geht es um halb 3 mitten in der Nacht. Wir werden von Bali Extreme Adventures abgeholt. Ein Minibus bringt 23 von uns zu unserem Startpunkt, einem Parkplatz, den wir gegen viertel nach 3 erreichen. Jeder noch ein Lunchpaket und eine Flasche Wasser einpacken und los geht’s.

Raus aus dem Bett, nur kurz geschlafen
Ausrüstung gesucht, rein in den Wagen
Sonnenaufgangswanderung auf den Mount Batur auf Bali
Straße? Pah! Wir nehmen die Offroad-Route durch die Kohl- und Zwiebelfelder! [Sigma 20mm F1,4 Art @ F1,4, 1/30 s (EV−1,3), ISO 1600]

Nach einer halben Stunde – Trinkpause an einer Bauernhütte. Ein Hund bellt, als ich mich umsehe. Wenn der das bei allen Touristen macht

Mount Batur bei Nacht, Taschenlampen den Hang hinauf
Irgendwo da hinten, am Ende der Taschenlampen-Kette, ist der Mount Batur [Sigma 20mm F1,4 Art @ F1,4, 1/2 s (EV−1,3), ISO 6400]

20 Minuten später – wieder Trinkpause, diesmal an der Westseite des Tempels Pura Pasar Agung. Ein Typ mit einem Motocrossbike macht sich auf die Strecke bergab. Möglich ist es. Theoretisch kann man auch mit normalen Autos in unmittelbarer Nähe zu diesem Tempel parken.

Halbe Stunde später, wieder Pause. An einem Schild Welcome to Mount Batur. Einige Meter weiter ste

Schild: Welcome to Mount Batur
Welcome to Mount Batur [Sigma 20mm F1,4 Art @ F1,4, 1/6 s (EV−1,3), ISO 400]
Blick von Mount Batur auf den Kratersee (Danau Batur) bei Nacht
Blick auf den Kratersee [Sigma 20mm F1,4 Art @ F1,4, 10/1 s (EV−1,3), ISO 400]

Nur einige Meter weiter steht ein Schild mit dem Gipfelnamen und der Höhe. Wer jetzt glaubt, am Ziel zu sein, irrt gewaltig. Jetzt kommt nämlich der schwere Teil. Zuerst geht es ein Stück bergab, dann auf Geröll und Sand wieder steil bergauf. Vom Schild sind es noch gut 30 Minuten zum Gipfel.

Mount-Batur-Schild
Mount-Batur-Schild [Sigma 20mm F1,4 Art @ F1,6, 1/4 s (EV−2,3), ISO 400]

Also auf zu den letzten der insgesamt 600 Höhenmeter, die wir heute überwinden müssen. Der Gipfel belohnt uns mit einem Blick auf Pinggan im beginnenden Morgenrot. Manchmal gibt es auch Gewitterblitze in den Wolken zu sehen, wobei ich trotz Stativ aufgrund des Windes kein nicht verwackeltes Foto davon zustandebringe. Dabei werde ich ständig von Händlern gestört, die Snacks, Getränke oder Decken verkaufen möchten. Wir haben aber ja Proviant vom Veranstalter gekriegt.

Überall sind Händler; man muss ständig ‚Nein‘ sagen
Weder deren Decken noch die Snacks möcht ich haben

Neben den Händlern gibt es au dem Gipfel unzählige streunde Hunde.

Blick von Mount Batur auf den Ort Pinggan auf Bali, etwa 35 Minuten vor Sonnenaufgang
Blick von Mount Batur auf den Ort Pinggan, etwa 35 Minuten vor Sonnenaufgang [Sigma 20mm F1,4 Art @ F5, 5/1 s (EV−1,3), ISO 200]

Kurz nach dem obigen Foto eine gute halbe Stunde vor Sonnenaufgang versinkt der Gipfel in den Wolken. Man sieht gar nichts mehr außer zunächst ein leicht bläuliches Schwarz, dann ein Grau. Also Schwarz zu Grau – klingt doch wie ein Songtitel! Von Sonnenaufgang keine Spur. Batur Foks hätte damit seinen Refrain fertig und würde wohl singen:

Guten Morgen, Bali, du kannst so furchtbar sein
so langweilig grau
Du kannst so schön öde sein,
denn die Sonne geht nicht auf
Es wär für mich wohl gut gewesen
ich blieb’ im Hotel und schliefe aus.
Doch während ich auf dem Gipfel steh
wird langsam Schwarz zu Grau
24 Minuten um den Sonnenaufgang (übergang zwischen zwei Bildern) – eher so 50 Shades of Grey

Zeit fürs Frühstück im Nebel – man sieht ja eh nichts. In der Pappbox sind ein großer Schokoriegel TOP (Kopie von Lion), zwei Scheiben Toast, Butter, Scheiblettenkäse (übrigens der einzige Käse, den wir bisher gesehen haben), Marmelade, zwei Eier und ein Plastikmesser. Die Eier möchte ich nicht.

Neben mir auf der Bank frühstücken gerade drei deutschsprachige Mädels, die einige Minuten nach uns angekommen sind. Anders als wir haben sie dadurch auf dem Gipfel bisher ausschließlich Wolken gesehen.

„Sorry für die undiskrete[sic!] Frage“, meine ich zu ihnen, „habt ihr Interesse an meinen beiden Eiern?“ – Gelächter. – „Eins würde ich schon mal nehmen“, sagt die eine. Sie bekommen beide.

Die Sonne lässt sich erst eine Viertelstunde nach der offiziellen Sonnenaufgangszeit blicken, als sich die Wolken zeitweise verziehen. Die Magie des Moments ist längst weg. Die Menge quittiert das Ereignis mit einem sarkastischen Applaus.

Panorama vom Gipfel des Mount Batur auf Bali, 30 Minuten nach Sonnenaufgang
Panorama vom Gipfel des Mount Batur, 30 Minuten nach Sonnenaufgang – ganz rechts Gebiet, das beim Vulkanausbruck zerstört wurde [Sigma 20mm F1,4 Art @ F6,3, 1/160 s, ISO 100]

Jetzt fehlt nur noch ein Albumtitel. Egal, erstmal runter. Doch jetzt, wenn die Sonne aufgegangen ist, kommen etliche Affen den Berg hochgeklettert. Anders als ihre Kollegen im Monkey Forest Ubud wollen sie keine Sachen klauen sondern nur Essen.

Javaneraffe auf Mount Batur auf Bali frisst
Javaneraffe auf dem Mount Batur [Tamron 28–75mm F2,8 Di III RXD @ 75mm F8, 1/80 s, ISO 125]

Was liegt also näher, als näher, als das Album Bergaffe zu nennen?

Na dann, Song und Album komplett. Nach Rückkehr zum Parkplatz um 8:55 also ab ins Hotel. Frühstück nachholen. Als Menü ist das etwas seltsam, aber gut. So lernt man mal Armer Ritter auf Indonesisch kennen („Zimttoast“).


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