Portugal Tag 3: Porto, Gafanha da Encarnação, Aveiro, Porto, Villa Nova de Gaia, Porto – Costa Nova, Arte Nova, Villa Nova

Alles neu macht der Mai?

geschrieben von Janni Sonnabend, 21. Mai 2022 um 23:42 Uhr

9 Stunden geschlafen. Trotzdem müde...

Gafanha da Encarnação – Costa Nova do Prado

Meine zweite organisierte Tour geht in die Region Centro ist von Living Tours bzw. Gray Line. Die kenne ich, denn mit denen war ich 2020 in der Bay of Islands in Neuseeland. Anders als gestern konnte ich keinen Hoteltransfer (mehr) buchen, daher muss ich eine Viertelstunde durch mittelstarken Regen laufen. Ohne Transfer kostet die Tour inkl. Bootsfahrt 44 Euro. Im Büro von Living Tours treffe ich zufällig die Kanadierin der Tour von gestern, aber sie hat die Tour zum Dourotal im Osten gebucht.

Die teils regnerische Fahrt über die Autobahn ist interessant. Unter anderem stehen an der Autobahn Schilder, die über die Kraftstoffpreise an den nächsten drei Tankstellen informieren, damit man die vergleichen kann. Auch die Entfernung steht da, teils sind es fast 50 Kilometer. Von der Autobahn 1, die die Nord-Süd-Achse bildet, zweigt die Autobahn 25 nach Aveiro ab – alles mit Maut. An einem gewissen Abschnitt der Autobahn 25 wohnen Störche neben der Autobahn. Früher sind die gezogen, meint Carlos, aber heute bleiben sie das ganze Jahr. Höchstgeschwindigkeit auf Autobahnen in Portugal ist übrigens 120.

Die Tour heißt zwar Aveiro & Costa Nova, aber zumindest heute ist letzteres zuerst dran. Dieser Ortsteil von Gafanha da Encarnação ist bekannt für die Fischerhäuschen an der Avenida José Estevão an der Lagune im Ost. Jetzt gegen 10 (Sommerzeit) ist daher die perfekte Zeit, die zu fotografieren (die Tour gibt es auch als Nachmittagsvariante). Kurz vor unserer Ankunft kommt auch die Sonne raus und scheint auf die Häuser, die von den Farben (aber weniger von der Architektur) an die Hummerhütten auf Helgoland (Blogpost enthält aber keine Bilder von denen) erinnern.

Fischerhütte in der traditionellen Farbgebung in Costa Nova do Prado in Gafanha da Encarnação bei Aveiro in Portugal
Fischerhütte von Costa Nova in der ursprünglichen Farbgebung [Tamron 28–75mm F2,8 Di III RXD @ 75mm F2,8, 1/2500 s, ISO 100]

Inzwischen haben sie die Fischerhütten bunt angemalt, mit einer bestimmten Farbe und in weiß gestreift. Ein bisschen wie die neue Farbgebung der Flugzeuge von Condor, über die die Luftfahrtwelt seit Wochen redet.

Fischerhütte an der Avenida José Estevão in Costa Nova do Prado in Gafanha da Encarnação bei Aveiro in Portugal
Fischerhütte von Costa Nova [Sigma 20mm F1,4 Art @ F8, 1/640 s (EV0,3), ISO 100, HDR Auto]
Fischerhütte an der Avenida José Estevão in Costa Nova do Prado in Gafanha da Encarnação bei Aveiro in Portugal
Fischerhütte von Costa Nova [Sigma 20mm F1,4 Art @ F8, 1/800 s, ISO 100, HDR Auto]

Leider sind nicht alle Häuschen so gut erhalten. Einige stehen leer und verfallen langsam. Viele werden auch als Restaurant genutzt – dann werden sie auch gepflegt. An machen Stellen ist auch die Promenade vor hinen nicht so schön gepflastert – warum weiß ich nicht.

Aveiro

Jetzt aber schnell zurück zum Kleinbus (wir sind übrigens 6 Gäste von maximal möglichen 29 – die Tour wird auf Englisch und Spanisch durchgeführt – eine weitere spanischsprachige Person hat den Treffpunkt nicht innerhalb einer halben Stunde gefunden, obwohl sie nicht weit weg war). Wir sind nämlich schon 10 Minuten zu spät. Zum Glück wartet der Moliceiro auf uns – so heißen die bunten Boote, mit denen in Aveiro Fahrten in den Kanälen durchgeführt werden.

Am Anleger der Moliceiros steht eine Statue von João Afonso de Aveiro, der im Auftrag von König Dom João II (Johann II. von Portugal) auf dem Meer unterwegs war. Laut deutscher Wikipedia nach Neufundland, nach portugiesischer Wikipedia nach Kongo und laut Inschrift nach Indien. Da die Inschrift auf alt macht (z.B. verwendet sie wie im Lateinischen V anstelle von U) wäre jetzt zu fragen, ob Indien und Amerika dasselbe ist. Ist auch egal, der Typ war offenbar aber viel mit dem Boot unterwegs. Wir jetzt auch.

Die Moliceiros wurden früher zum Ernten von Seegras genutzt, das nach der Ernte als Dünger genutzt wurde. Moliço ist das portugiesische Wort für den Anbau von Pflanzen im Wasser. So wie Landwirtschaft – nur halt ohne Land. Das Wort ist über lateinisch mollis („weich“) mit dt. mollig verwandt.

Dafür wurden rund 45 Kilometer Kanäle und zahlreiche Brücken angelegt. Wir fahren folgende Strecke:

  1. Canal Central
  2. Canal das Pirâmides
  3. Canal de São Roque
  4. Canal Central
  5. Canal do Côjo
  6. Canal Central
Canal de São Roque in Aveiro in Portugal
Canal de São Roque – er wird auf dem hier hinter uns liegenden Abschnitt von der modernen kreisförmigen Ponte dos Botirões (findet sich auf einem Foto später in diesem Post) von 2006, die ein Fischernetz darstellen soll, sowie der kleinen Ponte dos Carcavelos (auf Google Maps trägt sie noch zwei weitere Namen...) von 1945 überspannt [Sigma 20mm F1,4 Art @ F8, 1/320 s, ISO 100]
Rua do Doutor Barbosa de Magalhães am Canal Central in Aveiro in Portugal
Rua do Doutor Barbosa de Magalhães [Sigma 20mm F1,4 Art @ F8, 1/160 s, ISO 100]
Moliceiro auf dem Canal do Côjo/Canal Central
Gegenverkehr! [Tamron 28–75mm F2,8 Di III RXD @ 28mm F8, 1/250 s (EV0,3), ISO 100]
Schornstein der Antiga Fábrica Jerónimo Pereira Campos in Aveira in Portugal
Am Ende des Canal de Côjo ragt dieser Schornstein der Antiga Fábrica Jerónimo Pereira Campos (heute ein Kultur- und Kongresszentrum) fast aus dem Kanal selbst empor [Tamron 28–75mm F2,8 Di III RXD @ 51mm F8, 1/400 s, ISO 100]

Anschließend haben wir noch eine gute halbe Stunde Zeit, die Stadt selbst zu erkunden. Aveiro ist zwar Zentrum des Jugendstils (pt. arte nova) und das entsprechende Museum direkt am Anleger der Moliceiros, aber ich mache lieber einen Stadtrundgang.

Canal dos Botirões in Aveiro in Portugal
Canal dos Botirões, ganz rechts die zuvor erwähnte Ponte dos Botirões [Sigma 20mm F1,4 Art @ F3,2, 1/2000 s, ISO 100]
Skulptur eines Arbeits in der Fußgängerzone von Aveiro in Portugal
Skulptur in der Fußgängerzone nahe dem Eiscafé Milano – zeigt vermutlich einen Arbeiter im Seegras-Anbau oder den Salinen, für die Aveiro ebenfalls bekannt ist [Sigma 20mm F1,4 Art @ F1,4, 1/8000 s, ISO 100, HDR Auto]

In der Fußgängerzone spielt ein Straßenmusiker Despacito auf dem Schifferklavier. Genau so habe ich mir Portugal vorgestellt. Tradionelle portugisische Musik gibt es kurz darauf auf der Rückfahrt im Bus: Fado. Das bedeutet so viel wie Schicksal und bezeichnet den typischen portugiesischen Tanz und die dazugehörige Musik, die von einer klassischen und einer portugiesischen Gitarre gespielt und mit viel Herzschmerz gesungen wird. Entstanden ist sie an den Docks von Lissabon, ursprünglich von Prostiturierten. (Die Nutten, die sind raffiniert!) Dadurch haftete dem Fado erst ein Schmuddelimage an, das er erst ablegen konnte, als ein Titel zu einem Hit wurde.

An der Autobahn warnen Schilder, dass die Autobahn für Fußgänger, Fahrradfahrer, Karren und Kühe gesperrt ist. Vermutlich sind Kühe in Portugal besonders intelligent und können Straßenschilder lesen – sonst hätte man die ja nicht aufgestellt.

Zurück in Porto

Bei unserer Rückkehr regnet es in Porto nicht mehr. Es ist jetzt wechselnd bewölkt, mit gelegentlichen Sonnenstrahlen.

Blick von der Ponte Dom Luís I in Porto in Portugal auf die Ponte do Infante (Ponte Infante Dom Henrique), mit dem Mosteiro da Serra do Pilar rechts
Ein weiterer Blick von der Ponte Dom Luís I auf die Ponte do Infante (Ponte Infante Dom Henrique), diesmal aber mit dem kompletten Komplex des Mosteiro da Serra do Pilar [Sigma 20mm F1,4 Art @ F8, 1/400 s, ISO 100, HDR Auto]
Ribeira in Porto in Portugal
TEXT [Sigma 20mm F1,4 Art @ F8, 1/200 s (EV0,7), ISO 100, HDR Auto]
Villa Nova de Gaia bei Porto in Portugal
Villa Nova de Gaia [Sigma 20mm F1,4 Art @ F8, 1/320 s (EV0,7), ISO 100, HDR Auto]

Ich möchte mit dem Bus zur Douro-Mündung (pt. Estuário do Douro) fahren. Der erste Bus lässt mich stehen. Offenbar ist es nicht genug, mit Maske an einer Haltestelle zu stehen. Also den nächsten Bus nehmen und dann auffällig winken. Bis dahin schaue ich mir den Mosteiro da Serra do Pilar bei Tag an. Es ist nicht so schön, weil der Platz davor von Autos zugeparkt ist.

An der Douro-Mündung hat die Stadt Gaia ein winziges Vogelschutzgebiet mit zwei Beobachtungshütten aufgebaut. Anders als in s’Albufeira auf Malle sind die hier aber offen, haben keine Sitzmöglichkeit und sind für Menschen über 1,60 können nicht hinausgucken, ohne sich zu bücken oder zu knien. Zu sehen gibt es auch nicht viel, ich sehe lediglich eine Elster. Vogelbeobachtung ist in der Region aber auch eher was für die kältere Jahreszeit.

Feuchtgebiet der Reserva Natural Local do Estuário do Douro an der Douro-Mündung in Villa Nova de Gaia bei Porto in Portugal
Feuchtgebiet der Reserva Natural Local do Estuário do Douro an der Douro-Mündung [Sony FE 70–300mm F4,5–5,6 G OSS @ 70mm F8, 1/200 s, ISO 100, HDR Auto]

Ich laufe noch ein bisschen in der Gegend herum, unter anderem auf eine nahe Anhöhe.

Panorama der Douro-Mündung in Villa Nova de Gaia bei Porto in Portugal
Panorama der Douro-Mündung [Tamron 28–75mm F2,8 Di III RXD @ 28mm F9, 1/200 s, ISO 100]

Dann geht es mit Bus und Metro zurück zum Flughafen.

Auf dem Flughafen verlaufe ich mich zunächst, weil ich die Sicherheitskontrolle nicht finde. Sie ist nirgendwo ausgeschildert. Ich frage an der Information. Das Mädel dort kichert, als sie mir die Antwort nennt: Der Checkin ist direkt hinter dem Block, in dem sich der Infoschalter befindet.

Maske trägt fast keiner. Früh da sein bringt an sich auch nichts, da die Gates erst eine Stunde vor Abflug bekannt gegeben werden. Finde ich immer nervig.

Zurück geht es mit dem BVB-#FanAirbus von Eurowings (Airbus A320-214, D-AEWM) nach Hamburg, der erst seit gut einer Woche wieder in einer neuen Lackierung fliegt, da er vorher Werbung für das eingestellte Eurowings-Vielfliegerprogramm Boomerang Club trug. Er parkt an einer der äußersten Positionen, zu der vom äußersten Gate (21) des Flughafen schon ein kleiner Fußmarsch nötig ist. Das rechte Triebwerk scheppert ganz schön. Mal hoffen, dass das keine Probleme bereitet.

Auch bei Eurowings werden Sitzplätze inzwischen vom System zugeteilt, wenn man nicht bezahlt. Beim Einsteigen sorge ich absichtlich für Verwirrung, sodass jemand anders auf meinem Platz am Fenster sitzt und ich auf dessen Platz am Gang. Das Mädel auf dem Mittelsitz bleibt dort sitzen. Das Flugzeug scheint voll zu sein. EW7547 fliegt eine Viertelstunde zu spät ab, ist aber zehn Minuten zu früh in Hamburg.

Am Nachmittag ist Werder Bremen aufgestiegen. Ich überlege im Hamburger Hauptbahnhof, ob ich wahllos Bremer Fans umarmen soll, lasse es dann aber doch.


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