Griechisches Festland II Tag 4: Thessaloníki, Ouranoúpoli, Thessaloníki – Schon wieder Klöster

Die religiösen Themen reißen nicht ab. Heute gibt’s wieder Klöster.

geschrieben von Janni Dienstag, 31. Mai 2022 um 08:24 Uhr

Bilder sind unter Umständen noch nicht vergrößerbar.


2014 habe ich einer Freundin Haribo-Gummibärchen nach Finnland geschickt. Auf dem DHL-Paketaufkleber stand drauf, dass er für alle EU-Länder gilt, mit einigen Ausnahmen. Die meisten Ausnahmen waren mit bekannt, aber was bitte ist der „Berg Athos“ und warum kann man dorthin kein Paket schicken?

Also schnell auf Wikipedia nachgelesen: Áthos (eigentlich Ágion Óros – Heiliger Berg) ist eine autonome Mönchsrepublik auf dem östlichsten der drei Finger der Chalkidikí. Erinnert erstmal an den Vatikan, allerdings handelt es sich beim Áthos um griechisch-orthodoxe Klöster. Die Kirche von Griechenland (griechisch-orthodoxe Kirche i.e.S.) hat zwar ein Oberhaupt, derzeit Hierónymos II., der ist aber Erzbischof von Athen und daher nicht auf dem Berg ansässig.

Das Staatsgebiet darf nicht von Frauen und weiblichen Nutztieren (außer Katzen, um der Mäuseplage Herr zu werden, sowie Bienen) betreten werden. 100 orthodoxe Laien und 10 sonstige Pilger pro Tag dürfen die Republik auf dem Seeweg besuchen – jeweils nur Männer. Betreten oder Verlassen der Republik auf dem Landweg ist verboten (siehe weiter unten). Tagestourismus ist nicht zulässig, man muss dort für einige Nächte (normalerweise 3) bleiben und den Klöstern übernachten (in der Einreisegebühr von 30 Euro enthalten), von denen es 20 gibt. Außer den Pilgern und Mönchen gibt es noch Arbeiter. Der Haupthafen Dafní besteht z.B. nur aus letzteren, dazu ebenfalls später mehr.

Nun könnte man denken, dass das die nur grob 2.000 Einwohner umfassende Republik keine großen Auswirkungen haben kann. Allerdings führte ein Immobilienskandal um das Kloster Vatopédi 2008 zum Sturz der griechischen Regierung. Kurzum: Das Kloster besaß aufgrund eines Geschenks der byzantinischen Kaiser vor fast 1000 Jahren angeblich den 42 Quadratkilometer großen, aber extrem flachen Vistonída-See 200 Kilometer in Richtung Türkei entfernt an der ägäischen Nordküste. Die Regierung tauschte den wertlosen See gegen 260 wertvolle Immobilien im Gesamtwert von 100 Millionen Euro, die das Kloster aber teils sofort weiterverkaufte. Der See soll jetzt zu einem Biotop im Nationalpark Ostmakedonien und Thrakien werden.

So viel zum Hintergrund – stark verkürzt.


Wer keine Einreiseerlaubnis (Diamonitírion) hat, kann höchstens eine Küstenfahrt im dem Schiff an der Westküste mit Start in Ouranoúpoli buchen. An der Route befinden sich folgende Klöster, Skiten (Skite: sozusagen eine Ansammlung von Mönchsbehausungen, die aber abhängig von einem richtigen Kloster sind) und sonstige Siedlungen:

  1. Kloster Dochiaríou
  2. Kloster Xenofóndos
  3. Kloster Agíou Panteleímonos (Rossikón)
  4. Kloster Xiropotámou
  5. Dafní
  6. Kloster Símonos Pétras
  7. Kloster Osíou Grigoríou
  8. Kloster Dionysíou
  9. Kloster Ágiou Pávlov
  10. Néa Skíti /Skíti Thotókou)
  11. Skíti Agías Ánnis

Neben diesen finden sich diverse (oft verlassen wirkende oder verfallene) Einzelgebäude, vor allem direkt am Wasser.

Mit dem öffentlichen Bus der KTEL Chalkidikí ist eine Tagestour praktisch unmöglich. Der einzige Bus, mit dem man eine der beiden Abfahrten der Küstenfahrt (10:30 oder bei mindestens 25 Buchungen zusätzlich ca. 14:00) erwischt, fährt zum Zeitpunkt des Blogposts um 6 Uhr morgens vom Busdepot östlich von Thessaloníki. Dort muss man mit dem Bus 45 erstmal hinkommen, was kein einfaches Unterfangen ist.

Einfacher ist es da, einen Tagesausflug als Paket zu buchen. Kostet 55 Euro. Im Preis ist die Küstenfahrt enthalten (20 Euro). Los geht es mit dem Minibus um 7 Uhr von Hotels an der Hauptstraße von Thessaloníki. Unterwegs gibt es einen Stop bei der Gavanás-Bäckerei in Anthemoúnda bei Polýgyros. Es ist übrigens weltweit normal, dass bei Ganztagestouren mit Abfahrt vor 9 Uhr ein Café besucht wird, wo man Frühstück kaufen kann.

Der Fahrer hat es eilig, daher sind wir schon um 9:30 in Ouranoúpoli. Dort gibt es im Prinzip drei Sehenswürdigkeiten: Den Prosphoríos-Turm (meist nur Turm von Ouranoúpoli genannt), die Kirche der Heiligen Konstantin und Elena sowie Zygos-Kloster (Frangókastro).

Prosphoríos-Turm (Turm von Ouranoúpoli)
Prosphoríos-Turm (Turm von Ouranoúpoli), Bild vom Nachmittag [Tamron 28–75mm F2,8 Di III RXD @ 75mm F2,8, 1/1000 s, ISO 100, CPL-Filter]

Ich schaue mir den Turm an. Er erzählt – gegen 3 Euro Eintritt – die Geschichte des Ortes. Der Turm stammt zwar aus dem Jahr 1344 (wahrscheinlich ist er jedoch noch älter), wurde aber durch das australische Paar Loch bekannt, das sich nach dem Ersten Weltkrieg um Flüchtlinge aus diesem Krieg kümmerte. Später wurde die Anzahl der Flüchtlinge durch den Griechisch-Türkischen Krieg (nach dessen Ende 1922 Griechenland und die Türkei die Bevölkerung der jeweils anderen Religion zwangsumsiedelte) und einem Erdbeben 1932 erhöht.

Arbeitszimmer der Lochs im Prosphoríos-Turm (Turm von Ouranoúpoli)
Arbeitszimmer der Lochs [Sigma 20mm F1,4 Art @ F2,8, 1/80 s, ISO 100]

Im Turm gibt es außerdem archäologische Funde zu sehen – ich finde da vor allem den Schmuck interessant – und Modelle einiger Athos-Gebäude: Katholikon (Hauptkirche eine orthodoxen Klosters) des Klosters Xiropotámou (in zwei Varianten), das komplette Kloster Xenofóndos im Maßstab 1:200 sowie der Speisesaal des Klosters Megístris Lávras (das wichtigste Kloster auf Áthos).

Eigentliches Highlight des Turms ist eigentlich das Betreten des Daches, aber das ist gesperrt.

Genug bla, jetzt Bilder von der Athos-Küstenfahrt. Wir müssen einen halben Kilometer Abstand halten. Nein, das sind nicht die Corona-Abstandsregeln auf dem Áthos, sondern die Frauen-Abstandsregeln. Jedes Boot mit Frauen an Bord muss 500 Meter Abstand halten.

Möwe mit Brot auf der Áthos-Küstenfahrt
Touristen füttern Möwen (Bild nicht ganz scharf, aber vom Motiv her schön) [Sony FE 70–300mm F4,5–5,6 G OSS @ 300mm F5,6, 1/500 s (EV−0,3), ISO 100]

Erstes Kloster nach etlichen Ruinen an der Küste ist nach einer Dreiviertelstunde das Kloster Dochiaríou. Das Bild ist durch einen Kran verschandelt, der Bildern aus dem Internet zufolge auch schon seit Jahren dort steht.

Kloster Símonos Pétras in Áthos
Kloster Símonos Pétras [Sony FE 70–300mm F4,5–5,6 G OSS @ 91mm F8, 1/320 s (EV−1,3), ISO 100]
Kloster Osíou Grigoríou in Áthos
Kloster Osíou Grigoríou [Sony FE 70–300mm F4,5–5,6 G OSS @ 245mm F5,6, 1/800 s (EV−1), ISO 100]
Berg Áthos
Der namensgebende Berg Áthos an der Südspitze der Áthos-Halbinsel [Tamron 28–75mm F2,8 Di III RXD @ 35mm F7,1, 1/500 s (EV−2,3), ISO 100, HDR Auto, CPL-Filter]
Kloster Dionysíou in Áthos
Kloster Dionysíou [Sony FE 70–300mm F4,5–5,6 G OSS @ 82mm F7,1, 1/400 s (EV−1), ISO 100]
Kloster Ágios Pávlov in Áthos
Kloster Ágios Pávlov, das südlichste Kloster, das man vom Schiff aus sehen kann [Sony FE 70–300mm F4,5–5,6 G OSS @ 234mm F7,1, 1/500 s (EV−1,3), ISO 100]
Agia Anna, ein Áthos-Pilgerboot
Agia Anna – Pilgerboot zwischen einigen der Orte/Klöster an der Küste [Sony FE 70–300mm F4,5–5,6 G OSS @ 188mm F7,1, 1/800 s (EV−1), ISO 100]
Einzeln stehende Gebäude in einem Tal etwas südlich des Klosters Símonos Pétras in Áthos
Einzeln stehende Gebäude in einem Tal etwas südlich des Klosters Símonos Pétras [Sony FE 70–300mm F4,5–5,6 G OSS @ 300mm F5,6, 1/640 s (EV−1), ISO 100]
Kloster Agíou Panteleímonos (Rossikón) in Áthos
Kloster Agíou Panteleímonos (Rossikón) [Sony FE 70–300mm F4,5–5,6 G OSS @ 181mm F5,6, 1/1000 s (EV−1,3), ISO 100]
Kloster Agíou Panteleímonos (Rossikón) in Áthos – Detailausschnitt
Kloster Agíou Panteleímonos (Rossikón) – Detailausschnitt [Sony FE 70–300mm F4,5–5,6 G OSS @ 300mm F5,6, 1/800 s (EV−0,7), ISO 100]
Kloster Xenofóndos in Áthos
Kloster Xenofóndos [Sony FE 70–300mm F4,5–5,6 G OSS @ 70mm F5,6, 1/800 s (EV−0,7), ISO 100]

Ein Kloster liegt hingegen außerhalb der Athos-Halbinsel und ist daher öffentlich zugänglich: Zygos oder Frangokastello genannt. Das ist allerdings nur eine Ruine. Sie ist offizielle Ausgrabungsstätte des griechischen Kulturministeriums – vermutlich eine der am wenigsten besuchten, denn sie liegt 2,5 Kilometer Schotterstraße (die aber mit Auto befahrbar ist) von Ouranoúpoli entfernt.

Zeit zum Besuch habe ich nicht und von außen sieht man nicht viel. Direkt nebenan ist die Grenze zu Athos:

Landgrenze zur Mönchsrepublik Berg Áthos bei Ouranoúpoli
„Strengstens verboten ist
  • der Frauenzugang
  • das Anläufen[sic!] von Wasserfahrzeugen ohne Sondergenehmigung
  • der Aufenhalt[sic!] von Personen ohne Aufenhaltsgenehmigung[sic!]
Verstöße gegen obige Anordnungen werden streng geahndet
Heilige Gemeinde von Athos“ [Sigma 20mm F1,4 Art @ F8, 1/100 s, ISO 100]

Und das mitten in der EU...

Kirche der Heiligen Konstantin und Elena in Ouranoúpoli
Kirche der Heiligen Konstantin und Elena in Ouranoúpoli – neben dem Turm die einzige andere Sehenswürdigkeit im Ort selbst (Bild vom Hinweg zum Frangókastro) [Sigma 20mm F1,4 Art @ F8, 1/400 s, ISO 100, HDR Auto]

Zurück in Thessaloníki lasse ich mich beim Galeriusbogen absetzen. Von dort aus besuche ich einige Sehenswürdigkeiten. Auf dem Aristoteles-Platz präsentiert die Uni gerade ihren Rennwagen, weshalb dort viele Leute zugucken. Hier ein paar sonstige Motive aus der Stadt:

Umbrellas by Zongolopoulos in Thessaloníki
„Regenschirme“ (Umbrellas) von Zongolopoulos [Sigma 20mm F1,4 Art @ F8, 1/125 s (EV−0,7), ISO 100]
Sonnenuntergang in Thessaloníki, rechts Kirche Ágios Pávlov
Sonnenuntergang in Thessaloníki, rechts die Kirche Ágios Pávlov [Tamron 28–75mm F2,8 Di III RXD @ 75mm F8, 25/10 s (EV−1,7), ISO 100, HDR Auto]

Auf die Kirche Ágios Pávlov bin ich durch den Reiseführer von Reise-Know-How aufmerksam geworden. Dort ist sie auf dem Cover – wird aber im gesamten Buch nicht erwähnt und auch das Bild ist nicht beschriftet. Bleibt nur die Google-Bildersuche.


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