Ródos (Rhodos) Tag 2: Kolýmbia, Prasonísi, Kloster von Skiádi, Anthony-Quinn-Bucht, Rhodos-Stadt, Kolýmbia – Von Süd nach Nord

Heute geht es vorwiegend an der Ostküste auf und ab

geschrieben von Janni Dienstag, 8. November 2022 um 21:13 Uhr

Süden von Rhodos

Ich habe mir keinen Wecker gestellt. Wird schon passen, habe ich gedacht. Als ich aufwache ist es viertel vor zehn. Keine Ahnung, ob jetzt noch Frühstück ist, aber schnell mal hin. Ja ist noch. Zum Glück.

Das späte Aufstehen macht aber auch nichts, denn es ist eh noch etwas diesig. Selbst dann noch, als ich um kurz vor 12 auf dem Strand von Prasonísi ankomme. Ja, auf dem Strand. Denn der Grieche läuft ungern weit und parkt – wenn möglich – am liebsten direkt auf dem Strand.

Ich schaue mich um. Prasonísi meint zum einen den Strand, zum anderen die Insel davor. Auch die wird zum Teil mit Geländewagen befahren. Auf ihr gibt es neben unzähligen Steinmännchen einen Leuchtturm und zwei zerfallene Hütten, in denen jetzt Ziegen leben.

Eine Ziege liegt auf der Fensterbank einer zerfallenen Hütte auf Prasonísi bei Rhodos
Eine Ziege liegt auf der Fensterbank einer zerfallenen Hütte auf Prasonísi bei Rhodos

Heute ist es nicht nur diesig, sondern außerdem extrem windig. Merkt man sehr gut bei den sehr exponiert liegenden Ziegenhütten – oder einfach daran, dass beide Seiten der Bucht nicht zum Schwimmen freigegebn sind. Stattdessen wird das Meer von Windsurfern genutzt.

Blick von Prasonísi auf den gleichnamigen Strand vor Rhodos
Blick von Prasonísi auf den gleichnamigen Strand vor Rhodos

Ich nehme den längeren Weg zurück. So komme ich am Friedhof in Kattaviá vorbei, der eine hübsche kleine Friedhofskirche hat. Weiter nach Norden nehme ich noch die Stichstraße zum Kloster von Skiádi. Der Kloster ist an sich schön, aber es ist hier stark bewölkt – das Kloster liegt fast schon in den Wolken.

Kloster von Skiádi auf Rhodos
Kloster von Skiádi auf Rhodos

In Apolakkiá wollte ich eigentlich auch noch eine Kirche ansehen, aber sie scheint mir von außen weit weniger hübsch als gedacht. Dann also ab zum Hotel zum Mittagessen. Wieder kurz vor knapp.

Nordosten von Rhodos

Auf dem Weg nach Ródos (Rhodos-Stadt) komme ich an Faliráki vorbei. Bekannt ist der Ort für die „Anthony-Quinn-Bucht“ (oder Ándony Kouín, wie er auf Griechisch heißt). Die heißt eigentlich Vagíes-Bucht, wurde aber von der damaligen Regierung Anthony Quinn geschenkt, weil er mit Die Kanonen von Navarone für einen Tourismusaufschwung auf Rhodos gesorgt hat. Es handelt sich um einen Kriegsfilm, der im Zweiten Weltkrieg auf der namensgebenden fiktiven Insel spielt. Die nächste Regierung hat die Schenkung rückgängig gemacht.

Anthony-Quinn-Bucht (Anthony Quinn Bay) oder Vagíes-Bucht bei Faliráki auf Rhodos
Anthony-Quinn-Bucht (Anthony Quinn Bay) oder Vagíes-Bucht bei Faliráki auf Rhodos

In Faliráki gibt es das Kirchlein Ágios Nikólaos. Es wird gerade für eine Hochzeit geschmückt. Auf einem meiner Fotos des Kirchleins hat sich schon wieder ein Insekt verewigt – das nunmehr dritte auf dieser Reise.

Auf halber Strecke zwischen Faliráki und Ródos sind die Kallithéa-Thermen. Eigentlich hatte ich gedacht, dass es da auch außerhalb etwas zu fotografieren gibt. Gibt es nicht, also weiter nach Ródos.

Ródos (Rhodos-Stadt)

Ródos hat viel Erbe aus den verschiedenen Herrschaftsepochen erhalten. So ist die Altstadt von Wallanlagen umgeben, die im 14. Jh. von den Johannitern errichtet wurden, wobei es einen Vorläufer vom 7. Jh. aus byzantinischer Zeit gab. Man kann durch den Wallgraben laufen.

Wallgraben in Rhodos-Stadt
Wallgraben in Rhodos-Stadt

Durch einen unscheinbaren Gang, der auf Google Maps eingezeichnet ist, kann man von den Wallanlagen in die Altstadt wechseln. Dort sind ebenfalls viele enge Gassen und kleine Brücken über den Burggraben erhalten geblieben. Sie werden rege für den Rollerverkehr genutzt.

Die Parkplatzsituation in Ródos ist relativ gut, sofern man nicht mitten in der Innenstadt parken möchte. Die Situation wäre besser, wenn nicht auf der Straße Filellínon südwestlich des Walls (zwischen dem Kókkini- und dem Ágios-Athenásios-Tor) alles mit kaputten Autos zugeparkt wäre...

Ich gehe durch die Gassen zur Süleyman-Moschee. Sie ist von der Straße nicht wirklich gut zu fotografieren.

Zum Glück fällt mir bei der Moschee aber ein großer Uhrturm auf. Den hatte ich überhaupt nicht auf meinem Plan. Der Eintritt kostet 5 Euro (übrigens seit mindestens 2018 unverändert). Enthalten ist ein Freigetränk (Bier, Rot-/Weißwein, Softdrinks, Saft, Zitroneneistee). Der Turm wurde 1856 errichtet, nachdem sein Vorgänger bei einer Explosion in der nahen St.-Johannis-Kirche zerstört wurde. Man kann von hier den Großmeisterpalast der Johanniter sehen und das osmanische Viertel überblicken.

Blick vom Rolój-Uhrenturm auf den Großmeisterpalast der Johanniter in Rhodos-Stadt, im Hintergrund das türkische Festland
Blick vom Rolój-Uhrenturm auf den Großmeisterpalast der Johanniter in Rhodos-Stadt, im Hintergrund das türkische Festland

Nachdem ich alle Fotos im Hellen gemacht habe, die ich machen wollte, löse ich meinen Getränkegutschein ein. Nach Einbruch der Dunkelheit geht es wieder rauf auf den Turm.

Nachts Fotos vom Rolój-Turm nach unten zu machen, ist gar nicht so einfach. Zum einen muss man für die lange Belichtung einen sicheren Halt finden. Ich klemme meine Kamera daher zwischen die nach unten geschobene Fensterscheibe des Schiebefensters und der obersten Stange des Gitters direkt davor. Der Abstand ist zu dick sowohl für das Kameragehäuse als auch für das Objektiv, aber am Bajonett passt es gerade so. Ich muss das Objektiv für ein stabiles Bild nur mit der Hand nach oben drücken. Zum anderen führt die seitlich einstrahlende Beleuchtung des Turms zu erheblichen Reflexionen im Objektiv. Die muss man mit der anderen Hand verdecken, ohne dass die Hand ins Bild kommt. Mit der dritten Hand muss man dann den Auslöser betätigen. Falls man ohne dritte Hand geboren wurde, tut’s auch der Selbstauslöser. Das Ergebnis diese artistischen Verrenkung sieht dann so aus:

Blick vom Rolój-Uhrenturm auf die Altstadt (osmanisches Viertel) von Ródos-Stadt während der Blauen Stunde, im Vordergrund die Suleiman-Moschee
Blick vom Rolój-Uhrenturm auf die Altstadt (osmanisches Viertel) von Ródos-Stadt während der Blauen Stunde, im Vordergrund die Suleiman-Moschee

Vor meinem Abflug habe ich an den Wiki-Loves-Monuments-Wettbewerben teilgenommen. Wenn man in so vielen Ländern unterwegs war, kann man auch an vielen Wettbewerben teilnehmen: Deutschland (4× Schleswig-Holstein), Spanien (1× Teneriffa, 1× Malle) und Malta (6×). Portugal ist erst im Oktober, in Italien habe ich nur ein offizielles Denkmal fotografiert und das Bild ist nicht besser als das, was die Wikipedia schon hat.

Was das mit Ródos zu tun hat? Wie ich vorgestern erst bemerkt habe, ist mein Lieblingsbild unter den 15 Siegern vom letzten Jahr ein Bild von Ródos in der Blauen Stunde. Deshalb gehe ich dorthin, wo es entstanden ist, nämlich zur Rittergasse. Da ich in den Sonnenuntergang fotografiere, ist sogar noch etwas Restlicht am Himmel, aber die Stimmung vom Original erreiche ich nicht.

Rittergasse/Ritterstraße (Odós Ippotón) von Rhodos-Stadt
Rittergasse/Ritterstraße (Odós Ippotón) von Rhodos-Stadt

Dieses Jahr nimmt Griechenland nicht am Wettbewerb Teil. Dabei hätte ich so gerne mitgemacht! Aber der Zeitraum, aus dem Bilder eingereicht werden können, ist nicht beschränkt – nur das Hochladedatum ist relevant. Also vielleicht nächstes Jahr.

Beim nächtlichen Gang durch Ródos-Stadt bemerkt man so viel Schönes. Vor allem die Atmosphäre ist schön. Einfach genießen. Und dann ab zum Hotel. Gerade noch rechtzeitig zum Abendessen.


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