Kreta VI Tag 9: Mýrtos, Górtyna, Triópetra, Alatsogremní, Apoplýstra Ágios Pávlos, Maravel Garden Spíli: Aller guten Dinge sind drei

Drei Sehenswürdigkeiten in Górtyna, drei Strände, drei Felsen und drei musizierende Pflanzen

geschrieben von Janni Sonnabend, 2. Dezember 2023 um 06:11 Uhr

Dieser Beitrag behandelt den 1. November und entstand einen Tag danach.

Frühstück im Hotel für die ganzen 7 Gäste ist relativ spät, erst um acht. Dadurch verzögert sich auch bei mir einiges.

Während ich warte, schaue ich mir an, was es jetzt noch für Flüge gibt: Die Anzahl ist von 620 Bewegungen pro Woche vor gut einer Woche auf nur noch 260 gesunken. Es gibt noch einige Flüge bis Sonntag, dann wird es zappenduster. Der von mir gebuchte Rückflug nach Athen ist nicht mehr buchbar, aber es gibt einen späteren, der viermal so viel kostet wie meiner. Der Weiterflug nach Berlin kostet das Zehnfache.

Das Frühstück ist dennoch gut. Eine der diversen Hotelkatzen ist aber sehr aufdringlich.

In Ierápetra noch kurz volltanken – 137 Euro bisher – und dann geht’s los mit dem Programm.

Mýrtos

Mein erster Halt ist Mýrtos. Das war im Glücksmomente-Buch als besonders schön beschrieben worden. Auf einigen Bildern im Internet hat es einen weißen Sandstrand. Der Strand ist aber schwarz. Hübsch ist vor allem das Gebäude des Cafés To Pétrino. Ich mache ein paar Geräusche, damit die Katze auf der Treppe im nächsten Foto auch in die Kamera guckt.

To Pétrino in Mýrtos auf Kreta
To Pétrino in Mýrtos auf Kreta

Mehr wirklich schöne Szenen finde ich nicht.

Górtyna (Ágii Déka)

Nach rund anderthalb Stunden Fahrt erreiche ist Górtyna (auch Górtyn oder Górtys) am Rande des Ortes Ágii Déka („Heilige Zehn“). Es handelt sich um eine historische Stadt. Die Stätte besteht aus drei Teilen: Dem kostenpflichtigen Nordteil, dem unzugänglichen Nordwestteil (westlich des Flusses Mitropolianós) und dem kostenfreien Südteil. Ich beginne hier mit dem kostenpflichtigen Teil. Man kann von außerhalb des Zauns auch recht viel sehen, falls man außerhalb der Öffnungszeiten kommt oder keine drei Euro zur Hand hat.

Der kostenpflichtige Teil besteht im Prinzip aus vier Orten, die auf der offiziellen Karte 6 bis 8 heißen. Nach Bezahlen des Eintritts steht man vor 7, Ágios Títos. Er soll im Jahre 65 vom Apostel Paulus als „Bischof“ von Kreta eingesetzt worden sein und dann die Kreter missioniert haben.

Die Kirche (auch als Basilika bezeichnet) ist aber viel älter (6. Jahrhundert, byzantinische Zeit), wurde aber über eine gleichnamige ältere Kirche drübergebaut. Heute steht nur noch die vom Eingang der Kirche aus hintere Wand und ein bisschen was drum herum. Es wird von Dohlen bewohnt.

Ágios Títos in Górtyna bei Ágii Déka auf Kreta
Ágios Títos in Górtyna bei Ágii Déka auf Kreta

Nördlich steht die 6, das Odeíon, ein Theater aus dem 1. Jahrhundert, auf der Karte die 6.

Odeíon von Górtyna bei Ágii Déka auf Kreta
Odeíon von Górtyna bei Ágii Déka auf Kreta

Das Gebäude mit Dach hinten beherbert an seiner vom Bild aus gesehen hinteren Wand einen 10 Meter langen und 2 Meter hohen Kodex aus rund 17.000 Buchstaben. Er thematisiert Alltagsfragen und Gesetze aus dem 5. Jahrhundert. Scheidung, Erbrecht, Vergewaltigung – alles drin. Auffällt ist die Schreibrichtung, denn es handelt sich um ein Boustrofedón, „wie der Ochse pflügt“, also von links nach rechts und dann die nächste Zeile von rechts nach links – mit spiegelverkehrten Buchstaben.

Noch ein Stückchen weiter hinten steht die „Immergrüne Platane“ (fehlt auf der offiziellen Karte). Hier sollen laut dem Mythos Zeus und Europa Minos gezeugt haben.

Der Baum soll angeblich anders als alle anderen Bäume auch im Winter Blätter tragen. Heute ist der 1. November und damit nach kretischer Definition Winter. Es hängen noch ein paar Bäume dran. Passt also.

„Immergrüne Platane“ von Górtyna bei Ágii Déka auf Kreta
„Immergrüne Platane“ von Górtyna bei Ágii Déka auf Kreta

Zwischen Odeíon und Ágios Títos befindet sich die Agorá, der Marktplatz. Es ist eigentlich nur ein Schotterplatz mit einigen Olivenbäumen.

So, genau vom kostenpflichtigen Bereich. Zwischen Kassenhäuschen und Café, in dem es auch ein Poker-Kartenspiel mit Sexszenen von antiker Töpferwaren gibt,

(dramaturgische Lachpause)

befindet sich ein Statue von Antonius Pius.

Statue von Antonius Pius in Górtyna bei Ágii Déka auf Kreta
Statue von Antonius Pius in Górtyna bei Ágii Déka auf Kreta

Ich besuche noch das nordwestliche Górtyna, aber man kann nicht viel sehen, weil es an einem Hang liegt und man nur am Fuße des Hangs gehen kann.

Kommen wir daher nun zum südlichen Górtyna. Auf halber Strecke steht noch ein alter Olivenbaum, der aber bei weitem nicht so groß ist wie der gestern. Ich würde ihn auf vier Meter Höhe schätzen.

Der südliche Bereich ist umzäunt, aber man kann von außen was sehen – und soll auch, denn Schilder stehen so, dass man sie von dort lesen kann. Die beiden Schilder benennen die größten Teile.

Eines der beiden ist der Apollontempel, der größe Tempel der Stadt:

Apollontempel von Górtyna bei Ágii Déka auf Kreta
Apollontempel von Górtyna bei Ágii Déka auf Kreta

Das zweite ist das Prätorium. Von dem Stadthalterpalast stehen beeindruckend hohe Mauern.

Prätorium von Górtyna bei Ágii Déka auf Kreta
Prätorium von Górtyna bei Ágii Déka auf Kreta

Einige Archäologen sind im eingezäunten Bereich zugegen, aber auch vereinzelte Touristen schleichen im unwegsamen Gelände zwischen Olivenbäumen umher. Obwohl der Bereich nicht offiziell ist, gibt es am Eingang der Umzäunung sogar kostenloses WLAN (Wifi 4 EU).

Anschließend möchte ich die Eselrettung Agía Marína (benannt nach einem nahen Kirchlein) besuchen, aber die hat wegen dem Winter geschlossen. Ebenfalls geschlossen ist die Agía Triáda (da kein zeitgenössischer Name bekannt ist, wurde es nach einer nahen Kirche benannt) bei Festós. In beiden Fällen höre ich, dass Beschäftigte dort sind...

Triópetra, Alatsogremní und Ágios Pávlos

Triópetra sind zwei Strände zwischen Agía Galíni und Plakiás. Es gibt einen kleinen und einen großen Strand. Dazwischen befinden sich die drei namensgebenden Felsen.

Kleiner Triópetra-Strand (Mikrí Triópetra) auf Kreta
Kleiner Triópetra-Strand (Mikrí Triópetra) auf Kreta

Der große oder lange Strand von Triópetra hat keinen Aussichtspunkt und ist einfach nur ein langer Sandstrand. Man kann aber auf die namensgebenden Felsen schauen. Auf dem äußersten sitzen einige Kormorane.

Triópetra-Felsen am gleichnamigen Strand auf Kreta
Triópetra-Felsen am gleichnamigen Strand auf Kreta

Eine Sache ist in Triópetra dann aber doch auffällig: die Strandbar. Sie befindet sich in einem nachgebauten Schiffswrack und macht dadurch einiges her. Und: Sie hat noch geöffnet.

Strandbar am Triópetra-Strand auf Kreta
Strandbar am Triópetra-Strand auf Kreta

Zwischen dem Kleinen Triópetra-Strand und dem Ort Ágios Pávlos südlich davon befindet sich der Strand Alatsogremní. Er ist unbebaut, aber Leute haben aus Steinen eine Spirale gelegt. Er ist auch nicht direkt befahrbar, aber man kann vom Kleinen Triópetra rüber- und vom Kap Melissa bei Ágios Pávlos herunterlaufen.

Alatsogremní bei Ágios Pávlos auf Kreta
Alatsogremní bei Ágios Pávlos auf Kreta

Auf dem Kap Melissa gibt es eine Gesteinsformation, die Apoplýstra heißt (im Glücksmomente-Buch heißt sie Diplono Petris).

Apoplýstra auf dem Kap Melissa bei Ágios Pávlos auf Kreta
Apoplýstra auf dem Kap Melissa bei Ágios Pávlos auf Kreta
Blick vom Kap Melissa auf Ágios Pávlos auf Kreta
Blick vom Kap Melissa auf Ágios Pávlos auf Kreta

Maravel Garden

Nächster Halt ist der Ort Spíli. Ich bin da schon ein paar mal durchgefahren letzte Woche. Es schien mir immer so ziemlich der einzige Touri-Ort auf Kreta zu sein, der nicht am Meer liegt.

Am Rand des Ortes liegt auf über 60.000 m² der Maravel Garden, die Hauptsehenswürdigkeit für Touristen. Das ist ein bisschen wie Cretan Aroma, wo ich im Mai war, aber in XXXXL. Ich hatte die Befürchtung, dass der eventuell schon für den Winter geschlossen sein könnte, aber der kleine Parkplatz ist voll.

Am Eingang stehen viele Leute, die gerade eine Führung bekommen sollen. Sie scheinen zu einer Reisegruppe zu gehören und zumindest teilweise deutschsprachig zu sein. Und ein noch ein Deutscher: Ein Deutscher Schäferhund ist auch dabei. Ich frage, ob ich mit darf. Darf ich. Es ist jetzt etwa 16 und die Tour geht anderthalb Stunden, also bis Sonnenuntergang.

Die Führung kann man ganz schlecht beschreiben. Viel kriegt man auch nicht mit, da die Gruppe einfach zu groß ist. Und der Führer, der die Tour auf Englisch macht, hat schon so ein kleines Ding, das seine Stimme verstärkt. Für gute Fotos ist es auch eher schon zu dunkel, zudem ist es stark bewölkt und zwiscshendurch regnet es sogar.

Kernaussage: Gegen jedes Wehwehchen ist ein Kraut gewachsen. Mitten im Garten steht ein Kirchlein, Ágios Kýrillos A’ Alexandrías (das „A’“ liest man als „der Erste“) aus dem 14. oder 15. Jahrhundert. „Wogegen hilft die?“, frage ich. „Die nutzt man, wenn man Depressionen kriegen will.“, meint einer aus der Gruppe. Später kommen wir auch noch zu einer Wassermühle als weiterem Gebäude.

Ich versuche herauszufinden, was die Gruppe ist. Zwischendurch habe ich schon was von Yoga gehört. Bildungsurlaub? Irgendwo hatte ich mal das Beispiel Yoga auf Teneriffa gelesen, also warum nicht Kreta? Stimmt! Die 23-köpfige Gruppe und ihre Leiterin Astrid, die mit ihrem Schäferhund Attila („sozusagen Attila der Hund statt Attila der Hunne“, meine ich später) sind eine Woche am Kleinen Triópetra zum Bildungsurlaub unterwegs. Nach dem Rundgang gibt es eine Runde Yoga. Ich darf mitmachen, sagt Astrid. Sie kommt aus Frankfurt, aber macht das schon seit La Gomera (also fast Teneriffa) in der nur vom Meer aus zugänglichen Bucht El Cabrito zwischen Playa Santiago und San Sebastián. Seit diesem Jahr macht sie es auch auf Kreta, jetzt das dritte Mal. Nächstes Jahr gibt es je zwei Termine im Mai und im Oktober. Sie fragt, wo ich herkomme. Niedersachsen. Auch da sei sie anerkannt, sagt sie. Ein Hoch auf den Förderalismus, denke ich mir.

Die Gruppe macht das hier als „Bergfest“. Es ist der einzige Ausflug. Morgen haben sie aber „frei“ und da sie alle einen Mietwagen haben – anders kommt man nur schlecht nach Triópetra – fahren bestimmt einige weg.

Später gibt es noch eine Überraschung. Ich bin eingeladen. Vorher gibt es noch ein Abendessen hier im Restaurant des Maravel Garden. Um die Gruppe nicht zu stören, gehe ich stattdessen nach Spíli. Und lerne mal wieder: Wenn du Skepastí („bedeckt“, „überdacht“ – Gýros und Beilagen zwischen zwei Fladenbroten) bestellst, bist du danach voll. Also im Sinne von satt. Nicht von besoffen. Auch, wenn ich mich auf der dunklen Straße zurück zum Maravel Garden einmal stolper.


Die Gruppe braucht deutlich länger fürs Abendessen als ich. In der Zeit versuche ich, meinen Mietwagen für morgen auf Kýthira zu organisieren. Gar nicht so einfach. Die Mitarbeiterin von Drakakis sagt mir, dass sie für die Direktverbindung aus Kíssamos kein Auto haben. Ursprünglich hatte ich vor, mit der Seajets Aqua Jewel (sie ist übrigens keine Schnellfähre) bis nach Andikýthira zu fahren und drei Stunden später mit der Porfyroúsa nach Kýthira. Dann hätten sie zwar ein Auto, aber die Frau rät mir davon ab, auf Andikýthira auszusteigen, da bei dem Wetter nicht klar sei, ob die Porfyroúsa fahre. Also brauche ich einen anderen Mietwagenanbieter. Der Inhaber von Active Rent a Car ist schon runter von der Insel und in Athen, aber er empfiehlt seinen Mitbewerber Panayotis. Den rufe ich daraufhin an. Ich erkläre meine Situation, aber mein gegenüber sagt mir nur: Wenn ich mit der Fähre ankomme, steht 20 Meter vom Anleger ein 70-jähriger mit Bart namens Andreas. Ende des Gesprächs. Welche Fähre sagt er nicht, also fahre ich mit der Aqua Jewel durch.

Ich überlege, ob ich meinen Vorgesetzten, den ich manchmal Ágios Nikólaos nenne und der meine Vorliegen für Kreta kennt, fragen sollte, ob er meinen Bildungsurlaubantrag für Yoga auf Kreta nicht schon selbst ausfüllen will.

Wie es zu meiner Vorliebe für Kreta kam:

2020 war ich durch Corona und Probleme mit Outlook in der Firma ziemlich gereizt. Mir wurde „nahegelegt“, mal einen Tag Urlaub zu nehmen. Bei der Recherche, was man an einem verlängerten Wochenende machen könnte, stieß ich auf die Blind-Booking-Seite von Eurowings. Dort gab es die Möglichkeit, bei Eingabe von Abflughafen und An- und Abreisetag eine Flugreise (Hin- und Rückflug, ohne Hotel, aber mit – glaube ich – mindestens 27 Stunden Aufenthalt) zum Festpreis zu erhalten. Das Ziel war zufällig (und das während Corona im Juli 2020!), aber man musste eine Kategorie auswählen, aus der sich der Festpreis ergab (in diesem Fall waren das glaube ich 99,98). Nach Überprüfung des Flugplans stellte sich heraus, dass es nur zu vier „Strand“-Zielen überhaupt den Flugtagen Samstag bis Montag Flüge ab Hamburg gab, ich glaube Malle, Kreta und zwei Ziele auf dem spanischen Festland. Davon fand ich Kreta am interessantesten, da ich noch nie in Griechenland war. Da man einige Ziele abwählen konnte (kostete jeweils 10 Euro) konnte man Kreta erzwingen.

Nach Rücksprache mit der Firma am nächsten Tag, ob der besagte Montag (in 5 Tagen) passt, wählte ich die Kategorie und Ausschlussorte und klickte auf Buchen. Hätte ich mal vorher machen sollen, denn direkt darauf erschien die Meldung, dass kein Kontingent für Blind Booking bestehe (auch ohne die Ausschlussziele). Jetzt hatte ich mich aber schon auf Kreta eingestellt. Aus Gründen, die ich nicht mehr nachvollziehen kann, buchte ich nur den anvisierten Eurowings-Rückflug (84,99) und einen Hinflug mit Condor von Hannover (154,98) am Freitagnachmittag – das war in knapp 43 Stunden.

Das gefiel mir so gut, dass ich seitdem ständig von Kreta rede. Ähnlich gut gefiel mir nur Gran Canaria 2022 – Teil einer 23-teiligen Serie, die „aus Gründen“ auf dem Blog ausgeblendet ist, aber wohl demnächst eingeblendet wird.


Inzwischen hat die Gruppe fertig gegessen. Jetzt gibt’s die Überraschung, die wieder draußen an dem Platz ist, wo wir vorhin Yoga gemacht haben: Der Führer der Tour vorhin (auf dem folgenden Bild rechts zu sehen) verbindet ein Gerät mit einer Krokodilklemme an einem Blatt und mit einem Kontakt in der Erde nacheinander mit drei Topf-/Kübelpflanzen (Mastixstrauch, Olivenbaum, Lorbeer) verbunden. Das Gerät setze die elektrischen Impulse der Pflanzen in Noten um.

Pflanzenmusikshow (Music of the Plants) im Maravel Garden in Spíli auf Kreta
Pflanzenmusikshow (Music of the Plants) im Maravel Garden in Spíli auf Kreta

(Wenn ich dran denke, gibt es irgendwann ein Video hier.)

Alles klar, genug für heute. Ab nach Kíssamos. Nach fünf Kilometern fällt mir ein: Verdammt, wo ist meine Sonnenbrille? Ich fahre die etwa 5 Kilometer wieder zurück, suche die Straße ab (immerhin ohne mich erneut lang zu machen), finde aber nichts. Es stellt sich heraus: Sie liegt auf dem Armaturenbrett mittig über dem Radio. Toll.


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