Kos Tag 1: Andimáchia (Windmühle, Festung), Paleó Pylí, Kos-Stadt – Altes und noch Älteres

Nach dem völlig überlaufenen Thíra geht es mit Kos weiter, das so wirkt, als ob es vom Tourismus nicht komplett überrannt und damit überfordert worden wäre.

geschrieben von Janni Montag, 31. Juli 2023 um 22:14 Uhr

Dieser Beitrag behandelt den 29. Mai 2023. Er entstand teilweise zeitnah.


Auf der Website von Aegean steht, Check-in am Flughafen sei in Griechenland (außer Athen) bis 30 Minuten vor Abflug möglich. Ich hab zwar online eingecheckt, aber dann brauch ich ja auch erst 45 Minuten vorher am Flughafen sein.

Von dort geht es zum Glück pünktlich los nach Athen, denn die Flüge habe ich aus Kostengründen getrennt gebucht: Zusammengebucht wären sie viermal so teuer gewesen. Die Umsteigezeit beträgt etwa anderthalb Stunden.

Athen ist einer der Flüghäfen, bei denen die Gates erst eine Stunde vor Abflug bekanntgegeben werden. Aegean hat mir das Gate allerdings bereits zwei Stunden vor Abflug (also während ich noch mit dem anderen Flug in der Luft war) per E-Mail mitgeteilt, obwohl es auf den Anzeigetafeln erst die besagte Stunde vorher auftaucht. Ist das einfach reine Schikane?

Der Flug OA6222 nach Kos ist überbucht und es werden Freiwillige gesucht. Es gebe 250 Euro Entschädigung nach EU-Regulierung, einen Gutschein für einen Freiflug aus dem Aegean-Netz und natürlich den nächstmöglichen Flug nach Kos, um 16:35 statt 09:50. Die Durchsage wird zweimal gemacht, ich überlege, ob ich mich melden soll, frage mich aber, wie kompliziiert es wäre, an das Geld zu kommen.

Da der Bus, der uns zum Flugzeug bringt, sehr lange wartet, ohne dass weitere Gäste kommen, denke ich, dass gar nicht alle Passagiere am Gate eingetroffen sind. Bei dem vorher abgefertigten Billigflug an dem Gate ist eine Familie durch Verspätung nicht mitgekommen und hat das Personal mehrere Minuten lang angeschrieen, bis dieses einfach gegangen ist. Sie wurden aber auch bestimmt 10 Minuten lang ausgerufen.

Die kleine ATR 72-600 mit mir drin hebt dann mit einer halben Stunde Verspätung nach Kos ab und ich sehe nach der Landung etwas, das ich in Griechenland noch nie gesehen habe: Wir dürfen zu Fuß vom Flugzeug zum Flughafengebäude gehen.

Jetzt nur noch den Mietwagen-Anbieter finden. Wie auf Ándros und Tínos heißt er Avance. Der Marker in Google Maps ist komplett Banane. Alle Mietwagen-Schalter befinden sich auf Kos im Flughafengebäude direkt nach Verlassen des Sicherheitsbereichs.

Andimáchia-Windmühle

Der Flughafen befindet sich in Andimáchia und meine ersten Ziele sind praktischerweise gleich in diesem Ort. Das erste davon ist die Andimáchia-Windmühle.

Andimáchia-Windmühle auf Kos
Andimáchia-Windmühle auf Kos

Die um 1856 gebaute Windmühle wurde 2013 restauriert. Sie vollständig funktionsfähig. Man kann sie besuchen und bekommt eine Führung. Das kostet nichts, aber es wird ausdrücklich erwartet, eine Packung selbstgebackener Kekse aus dem Mehl dieser Mühle zu kaufen. Eine Packung kostet 2,50 und enthält etwa 250 Gramm.

Die Andimáchia-Windmühle auf Kos in Aktion
Die Andimáchia-Windmühle auf Kos in Aktion

Der Führer ist selbst erstaunt, wie das Ding abgeht, nachdem er die Bremsen gelöst hat. Denn draußen ist nicht viel Wind und das Ding steht mitten im Ort beim Busbahnhof auf einem nur 1 Meter hohen Sockel.

Die Mahlsteine wiegen 1,8 Tonnen oben und 2 Tonnen unten. An guten Tagen mahlt die Mühle 100 Kilogramm Mehl pro Stunde. Nach der Führung soll noch der Müller kommen. Einige Gäste gehen bereits, bevor er nach einer halben Minute erscheint. Eine Familie und ich sind geblieben. Der Müller dreht mit dem Vater der Familie den 5 Tonnen schweren Kopf der Mühle.

Das Verstellen des Kopfes der Andimáchia-Windmühle auf Kos ist schweißtreibende Handarbeit
Das Verstellen des Kopfes der Andimáchia-Windmühle auf Kos ist schweißtreibende Handarbeit

Wer will, mit dem macht das Team noch ein Foto mit der Mühle. Danach geht es ins Café. Die Kekse gibt es in 4 deftigen und 7 süßen Geschmacksrichtungen, die man vorher probieren darf. Ich finde, das ist eine ganz tolle Sache.

Festung Andimáchia

Etwas abseits von Andimáchia gibt es eine alte Johanniterfestung, vermutlich aus dem Jahr 1494. Sie ist frei zugänglich. Während die Außenmauern gut erkennbar sind, sind im Inneren nur die beiden Kapellen Ágios Nikólaos (auf dem folgenden Bild zwischen den Bäumen) und Agía Paraskeví erhalten geblieben. Außerdem wurde eine Toilettenanlage errichtet.

In der Andimáchia-Festung auf Kos
In der Andimáchia-Festung auf Kos

Da kaum etwas erhalten ist, vermutet man lediglich, dass aufgrund der Größe wohl ein Dorf darin war.

Paleó Pylí

Zu diesem Ort gibt es Schreibweisen wie Sand am Meer. Palió, Palaió, Paleió oder Paleó? Pylí, Pýli, Píli oder Pilí? Ich halte die von mir verwendete Schreibweise oben für die richtige Transkription.

Paleó bedeutet ‚alt‘. Die Siedlung aus dem 15. Jahrhundert wurde nämlich 1830 während einer Cholera-Epidemie verlassen. Oberhalb der Siedlung befindet sich eine Festung aus vermutlich dem 11. Jahrhundert, aus dem auch die beiden Kirchen stammen sollen, die allerdings verschlossen und von außen wenig schön sind. Pylí (meist falsch Pilí transkribiert) bezeichnet neu gegründete Siedlung in der Nähe.

Um die Festung herum ist ein Rundweg angelegt. An dem befinden sich zwei Parkplätze. Ich verwendete den Parkplatz an der Kapelle Ágios Vasílios, da dieser eine geteerte Zufahrtsstraße hat. Auf einer Schotterpiste erreicht man den anderen Parkplatz, der sich bei einer Quelle befindet. Vom Parkplatz Ágios Vasílios geht man normalerweise links durch eine Schlucht.

Schlucht von Ágios Vasílios nach Paleó Pylí auf Kos
Schlucht von Ágios Vasílios nach Paleó Pylí auf Kos

Ein kleines Stück vor mir sind vier Holländer. Die beiden Typen der Gruppe laufen mit freiem Oberkörper herum. Auf einmal bleiben sie stehen und rufen laut. Als ich ankomme, erklären sie mir, dass sie eine stecken gebliebene Schildkröte gerettet hätten. Nur 100 Meter weiter rette ich dann selbst eine stecken gebliebene Schildkröte aus ihrer misslichen Lage – sie ist auf einem Stück Teppich hängen geblieben, was da natürlich auch nicht liegen sollte. Aber immerhin kommen hier viele Leute vorbei, die die Schildkröten retten können.

Schildkröte in Paleó Pylí auf Kos
Schildkröte in Paleó Pylí auf Kos

Neben den Schildkröten gibt es hier noch eine weitere Tierart: Ziegen.

Ziege in Paleó Pylí auf Kos
Ziege in Paleó Pylí auf Kos
Ziegen auf einem Schrein in Paleó Pylí auf Kos
Ziegen auf einem Schrein in Paleó Pylí auf Kos

Kern von Paleó Pylí ist wie erwähnt die Festung.

Berg mit der Festung oberhalb von Paleó Pylí auf Kos
Berg mit der Festung oberhalb von Paleó Pylí auf Kos
Tor zur Festung von Paleó Pylí auf Kos
Tor zur Festung von Paleó Pylí auf Kos
Ausblick von der Festung von Paleó Pylí auf Kos
Ausblick von der Festung von Paleó Pylí auf Kos

Zeit für den Check-in im Hotel Gaïa Garden. Ich habe All-Inclusive. Mittagessen am Ankunftstag ist aber schon vorbei. Also fahre ich nach kurzem Ausruhen zum Salzsee Alykés (was einfach nur ‚Salinen‘ bedeutet) bei Tingáki (fast immer Tigáki geschrieben). Der ist bekannt für seine Flamingos, aber die sind seit zwei Wochen weg, erzählt mir eine deutsche Familie, die ich bei ihrer erfolglosen Suche treffe.

Gut, Zeit bis zum Abendessen rumgekriegt. Zurück ins Hotel. Anschließend laufe ich nach Kos-Stadt. Offenbar sind gerade die Nebelkrähen flügge worden, aber so richtig fliegen können sie dann doch noch nicht. Man findet immer wieder eine auf dem Boden sitzen.

Richtig überzeugende Fotomotive finde ich nicht und langsam wird es dunkel.

Eingang zur Festung Neratziá in Kos-Stadt
Eingang zur Festung Neratziá in Kos-Stadt

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