Ägypten II Tag 1: Hurghada, Luxor – Altes Jahr, neue Maschen
Auf dem Weg nach Luxor an Silvester prüfe ich mal wieder die Tourifallen in Ägypten: Was ist neu und wie kommt man drum rum?7
Anfang 2023 war ich schon mal in Ägypten (die Serie ist ausgeblendet). Jetzt ist es wieder soweit.
Kleine Vorgeschichte:
Als Ausgleich für eine Aktion unseres Mutterkonzerns, die mir insgesamt knapp einen Tag der Tansania-Reise versaut hat, darf ich eine Woche Remote Office ausprobieren (durfte ich auch Ende 2023 auf Kreta schon, hab ich aber nicht gemacht, da das Wetter so gut war). Ich habe mich für Ägypten im Winter entschieden. Rotes Meer, Sonne tanken. Genauer gesagt Marsa Alam, denn Hurghada ist mir zu Mainstream.
Da es mir letztes Mal im Tal der Könige gut gefallen hat, möchte ich da aber wieder hin (also regulärer Urlaub). Damals habe ich eine Nilkreuzfahrt gemacht mit den Standard-Highlights (Abu Simbel, Philae, Assuan-Staudamm und -Staumauer, Kom Ombo, Edfu, Heißluftballon in Theben-West, Totentempel der Hatschepsut, Karnak, Luxor-Tempel und eben das Tal der Könige). Auf eine Art und Weise, die ich nicht mehr nachvollziehen kann, ist mir vor rechtzeitig aufgefallen, dass Phoenix Reisen Bonn eine Nilkreuzfahrt speziell für Wiederholer hat. Kom Ombo und (optional und sehr teuer) Abu Simbel sind auch da drin, der Rest ist komplett anders. Bei Kom Ombo ist das auch nicht schlimm, denn wir waren letztes Mal im Dunkeln da. Hoffentlich ist es diesmal Tag. Die Tour ist aber auch merklich langsamer als damals, denn das genannte umfangreiche Programm waren gut drei Tage (Freitagnachmittag bis Montagnachmittag).
Flüge habe ich mir aus praktischen Gründen selbst gebucht. „Wie viele Fluggesellschaften der Lufthansa möchtest du in einer Buchung haben?“ – Janni: „Ja!“ Lufthansa, Ocean (die wechseln ihren Namen öfter als manche ihre Unterwäsche, daher nenne ich die immer noch bei ihrem ersten Namen), Edelweiss Air und Swiss. Vier Flüge. Die Lufthansa verdient 71 Euro und gibt 195 Euro Gebühren weiter. Es hätte geringfügig günstigere Direktflüge mit Corendon ab Hannover gegeben, aber offiziell zählen deren Flüge als Charterflüge und mit denen darf man offiziell keinen Gabelflug fliegen (Phoenix bietet die aber selbst als Gabelflug für Nilkombinationen mit Marsa Alam an und ihnen ist von den Einschränkungen nichts bekannt). Aber bei 266 Euro für vier Linienflüge kann man auch nicht meckern. Handgepäck ist auch schon mit drin (das war bei einem Segment mit Corendon nicht).
Beim Flug schon mal nicht reingefallen, aber wie es mit den anderen Maschen? 2023 bin ich auf zwei oder drei reingefallen:
- Gefälschte 1-Euro-Münzen: insgesamt hatte ich am Ende 10 Stück davon – alle aus Österreich und ich glaube Frankreich mit jeweils nur einem Jahr
- Beim Taxi in Scharm viel zu viel bezahlt: ca. 15 Euro für eine Strecke von 4 Kilometern. Aber es war dunkel, ich war Hundemüde und ich habe sogar verhandelt. Dem Taxifahrer ist glaube ich auch beim Fahren erst aufgefallen, wie kurz die Strecke ist. Das Hotel hätte aber sogar 20 USD haben wollen.
- Tagesausflug in Scharm: Mir war vorher klar, dass auf der Tour nicht alle der bekannten Orte der Beschreibung besucht werden sondern billiger Ersatz. Ein Ersatz-Ort war meiner Meinung nach sogar mindestens genau so gut wie das Original. Mein Ziel war aber ohnehin nur, das als billigen Transfer nach Dahab zu missbrauchen. Würde ich nicht zählen, obwohl der Preis für die Flossen (die ich nicht mal wirklich gebraucht habe) überteuert war.

Einreise – reingefallen aber gerettet
Der Flug geht nach Hurghada, von da kommt man einigermaßen einfach nach Luxor, wie ich 2023 schon bewiesen habe. Gott sei Dank gibt es von Go Bus inzwischen einen zusätzlichen Bus um 19:00, denn den um 17:31 hätte ich durch Verspätung (Enteisen, Ausladen des Aufgabegepäcks eines No-Shows) nicht erreicht.
Den Flughafen in Hurghada erkenne ich nicht wieder, was auch daran liegen dürfte, dass ich damals an einem ebenerdigen Bus-Gate angekommen bin. Einreise nach Ägypten läuft immer noch gleich: Man kauft sich eine Wertmarke (Aufkleber), die in den Pass geklebt wird. Anschließend wird diese mit dem Einreisestempel versehen.
Aus der Richtung, aus der ich diesmal komme, renne ich zuerst in die Stände von Reiseveranstaltern, die vor der Einreisekontrolle stehen. „Visum?“, fragt man mich am Stand von MTS, auf deren Schild auch Eurowings steht (wie mir erst beim Bloggen auffällt, bin ich dieses Mal gar nicht mit Eurowings geflogen). „Ja.“ – schon klebt die Wertmarke im Pass. „30 Euro. Visum und Flughafengebühr.“ Gebe ich, obwohl auf dem Weg vom Flugzezg überall steht, dass es 25 Dollar sind. Das Pärchen neben mir im Flugzeug hatte aber erzählt, Anfang des Jahres 30 Euro pro Nase beim TUI-Stand gelassen zu haben.
Dann fällt mir auf, dass ein Schalter der Bank, bei der ich letztes Mal die Marke für 25 USD gekauft habe, einfach in die andere Richtung hinter einer Säule steht. Da ist eine längere Schlange und ein Schild: 25 US-Dollar.
Während ich bei der Einreise anstehe, kommt eine Durchsage (nur auf Deutsch): Das Visum koste 25 Euro(sic!). Wer mehr gezahlt hat, soll bei der Information ein Formular ausfüllen, man werde sich dann gemühen, dass Geld zurückzuholen. Später kommt die Durchsage nochmal ohne diese Aufforderung und mit 25 USD.
Glaube ich zwar nicht, aber als ich nach der Einreise am Informationsschalter stehe und der Typ da aufgehört hat zu telefonieren, nimmt der das wirklich ernst. Als er mit mir los will, aber noch nicht verstanden hat, dass ich Flug und Aufenthalt getrennt gebucht habe, läuft zufällig(?) ein Typ von MTS vorbei. Er entschuldigt mich. Ich kann mich entscheiden: 5 Euro in Bar oder wir gehen zur Bank, ich kriege 30 Euro und ztahle 25 USD. Ich nehme die 5 Euro, ich will jetzt nicht päpstlicher sein als der Papst.
Dann noch Gepäckkontrolle. Ich habe etwas Muffe, dass man mir eine Geschäftsreise unterstellen könnte, weil ich einen mobilen Monitor und eine Maus dabei habe, aber sie interessieren wie letztes Mal nur Drohnen. Meine Kameratasche ist ihnen wie damals suspekt, aber ich kann ihnen zeigen, dass meine Kamera keine Flügel hat, dann ist auch OK.
SIM-Karte – nicht reingefallen (glaube ich)
In Ägypten sind/waren VoIP und VPN (8443 TCP) gesperrt – hab ich diesmal noch nicht geprüft. Damals habe ich einen Workaround für VPN gefunden. Zu VoIP habe ich mir nichts notiert, aber WhatsApp Call ging nicht und ich habe damals die SIM-Karte von Vodafone zum ganz normalen Telefonieren genutzt, die 20 internationale Minuten und 200 lokale hatte. SIM-Karten kauft man als Tourist in Ägypten meist in Fremdwährung, auch weil man zu dem Zeitpunkt meist noch keine LE hat.
Letztes Mal hatte ich Vodafone und war damit zufrieden, als ich nach etwa einem halben Tag dann endlich 4G (statt HSPA) hatte. Vodafone hat zwar kein Netz in der Wüste zwischen Hurghada und Luxor (das hat wie damals immer noch nur Etisalat, mit dem Vodafone zwar National Roaming hat, aber immer noch nur für EDGE, obwohl 4G ausgebaut ist). Dafür haben sie aber als einziger Anbieter praktisch die komplette Küste des Roten Meeres abgedeckt und das ist mir wichtig. Ich höre mit, wie der Mitarbeiter am Etisalat-Stand einer anderen Kundin sagt, die Karte würde erst in einer Stunde funktionieren – was sie laut Rezensionen aber oft nicht tut. Außerdem hilft mir das nicht, jetzt einen Uber zu finden. Also wieder zu Vodafone.
Seit Mitte des Jahres gibt es laut einem Facebook-Post am Flughafen Hurghada neue Tarife (nicht nur bei Vodafone), und zwar nur noch solche, die als reine Datentarife beworben werden. Bei Vodafone gibt es beispielsweise 25 GB für 13 USD. Ich möchte aber für den Notfall sowohl meinen Reiseleiter (da ich den letztes Mal mehrfach verloren habe) als auch zu Hause und in der Firma anrufen können, falls es mit dem VoIP immer noch nicht klappt.
Das meist sehr nützliche Prepaid-Data-SIM-Wiki meint, man solle auf den Tarifen auf deren Website bestehen. Davon gibt es zwei und der größere sind 30 GB, 30 internationale Minuten, 200 nationale Minuten für 500 LE, das sind knapp 9 Euro. „Habt ihr auch was mit internationalen Anrufen?“ – „Ja, 15 Euro.“ (die 15 Euro waren undeutlich und ich will nicht die Hand dafür ins Feuer legen, dass er das gesagt hat) – „Was?“ – „10 Euro.“ – „Wie viele Minuten?“ – „30.“ – „Wie viele Gigabyte?“ – „30.“ – „OK.“
Merkste selbst, oder?
(Es kann sein, dass man bei den reinen Datentarifen von Vodafone 600 MB gegen 1 Minute internationales Gespräch tauschen kann, maximal etwa zwei Drittel des Datenvolumens. Das Ergebnis ist aber immer noch sehr viel schlechter und zudem teurer als der Tarif, den ich auf Nachfrage gekriegt habe.)
Übrigens gibt es jetzt am Flughafen Hurghada Stände von allen vier Anbietern, denn auch WE hat jetzt einen.
Diesmal habe ich 4G+ bereits nach 2 Minuten.
Uber – (halb) reingefallen
Ich rufe mir einen Uber. Kostet knapp 2,50 Euro. Ein Typ holt mich zu Fuß ab. Wir gehen zu seinem Auto, einem nicht mehr so wirklich neuen Verbresser von Build Your Dreams. Ich dachte, die bauen nur Elektroautos. Er erklärt mir, ich soll die Buchung in Uber stornieren und um 10 Euro geben, weil er für den Parkplatz bezahlen muss, wo er und alle anderen Uber-Fahrer warten würden. Das möchte ich nicht. Wir einigen uns darauf, dass ich die Uber-Buchung bestehen lasse und ihm 5 Euro gebe. An der Ausfahrt kann ich die Preistafel sehen: Der Maximalpreis für einen Tag hier auf dem Parkplatz sind 200 LE (knapp vier Euro) und er wird hier nicht den ganzen Tag auf mich gewartet haben. Dann bin ich den Schein von dem Typen von MTS auch los, obwohl der Schein die mir bekannten Sicherheitsmerkmale aufweist.
Der Fahrer bringt mich zu Go-Bus. Kurz aufs Handy geguckt. Es ist jetzt kurz vor 18 Uhr. Die Fahrt um 19 Uhr mit dem einstöckigen „Elite Business Class“-Bus ist weg. Stattdessen gibt es eine mit dem zweistöckigen „Elite Business Class“ um 19:05. Kostet 600 LE, das ist knapp über 10 Euro. Eigentlich soll es Snacks und Getränke geben. Ich traue der Sache nicht und suche einen Laden der Kreditkarten nimmt, oder einen Geldautomaten ohne Gebühren. Im Go-Bus-Gebäude ist sogar einer, der ist aber leer, wie er mir erst nach Abbuchung der 4000 L mitteilt: „Unaable to dispense the required denominations.“ Ich gehe mal davon aus, dass das automatisch storniert wurde.
Der Laden im Go-Bus-Gebäude nimmt immer noch keine Kartenzahlung, beim kleinen Supermarkt die Straße runter (nach Norden) streikt das Gerät und auf der anderen Straßenseite gibt es einen Supermarkt, bei dem ich für 70 EGP (ca. 1,25 Euro) zwei große Flaschen Cola zero und zwei kleine Tüten Chips kaufen kann.
Direkt neben dem Laden ist sogar ein Geldautomat meiner bevorzugten Bank Banque du Caire, aber der Kartenschlitz ist geschlossen.
Go Bus
Der Go-Bus fährt pünktlich los, stinkt aber sehr. Ich bin mir unsicher, ob sich das nach einigen Minuten legt oder ich mich dran gewöhnt habe. Dann schalten sie auch das Board-Entertainment an, das bei den Elite-Bussen ähnlich wie im Flugzeug ist. Es stammt von Micro-Star International und heißt funtoro. Snacks und Getränke gibt – zumindest unaufgefordert – keine. Gut, dass ich einkaufen war.
Beim ersten Unterwegshalt kann sich der Busfahrer aber nicht entscheiden: Fahren oder Tür öffnen? Und er entscheidet sich für: beides! Blöd nur, wenn der Bordstein so hoch und so nah ist, dass er die Tür fast abreißt. Irgendwie kriegen sie die dann aber doch zu.
Manche Dinge ändern scih aber nie: Nach zwei Stunden sind fast eine halbe Stunde Aufenthalt in dem überteuerten Laden mitten in der Wüste. Wer EGP hat, ist hier wohl im Vorteil und zahlt für einen Tee 100 EGP – sind uwar immer noch überteuerte 1,80 Euro aber nicht zum Preis in USD, nämlich 5.
Ihr merkt vielleicht: Das Ägyptische Pfund wurde mal wieder stark entwertet. Bei meinem letzten Besuch lag eine massive Geldentwertung nur wenige Tage zurück und für einen Euro gab’s damals gut 30 LE, jetzt gibt’s fast 60 LE. Die letzte Entwertung war am 6. März 2024. Auffällig ist, dass das Geld innerhalb weniger Tage entwertet wurde.
Damals habe ich für den kleineren der zwei Touri-Tarife von Vodafone 8 Euro bezahlt. Die Touri-Tarife haben sich seitdem nicht geändert (nach manchen Quellen ist der kleinere weggefallen und der größere 5 EGP (1%) teurer geworden).
Silvester in Luxor
Ankunft in Luxor. Der Bus ist nur 10 Minuten verspätet, weil wir um Qena herumgefahren sind.
Es sind noch mehr Menschen auf der Straße als sonst. Ich laufe die 9 Minuten von der Bushaltestelle zum Nefertiti-Hotel 35 Minuten vor dem neuen Jahr. Die Dachterrasse ist geöffnet, aber eigentlich nur für Hotelgäste (ich bin einer). Der Luxor-Tempel ist nicht beleuchtet (zu dem gehört die gesamte dunkle Fläche am unteren Rand des folgenden Bildes). Ich halte das für einen Fehler, da er letztes Mal auch nachts beleuchtet war und die Beleuchtung in der vorgelagerten Sphinx-Allee einfach mittendrin aufhört. Die Kirche ist 2 Minuten zu früh dran. Die Böllerei ist nach 2 Minuten durch.

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geschrieben von Janni