Ägypten (Nilkreuzfahrt) II Morgen 7: Chnum-Tempel von Esna, Esna-Schleuse – Auf dem Weg nach unten
Erst geht’s zum Chnum-Tempel 9 Meter runter, dann in der Esna-Schleuse nochmal ca. 6 Meter. Und mit uns unterwegs: Bis zu 5 Boote als Trittbrettfahrer.
Nachts hat unser Schiff in Esna angelegt. Ich bin davon aufgewacht, da ich mein Fenster offengelassen habe. Dies ist jedoch die einzige Anlegestelle links des Nils und zudem halten wir in der zweiten Reihe (hinter der M/S Emilio), sodass die Luft entsprechend schlecht wurde. Also kurz die Klima an und dann weiterschlafen. Die Klima hat leider nur an oder aus (es gibt zwar mehr Stufen, aber 1 ist wie 0, und 2 ist wie 3) und ohne Clima wird es nach etwa 4 Stunden sehr warm in der Kabine, obwohl es draußen nur um die 10 Grad ist.
Chnum-Tempel von Esna
Um 7 Uhr geht es los zum Chnum-Tempel. Das ist nur ein Katzensprung vom Anleger entfernt, nur etwas weiter als in Kom Ombo.

Der Chnum-Tempel liegt etwa 9 Meter unter dem heutigen Straßenniveau im Nilschlamm. Er ist relativ kürzlich restauriert und geöffnet worden, wobei Arbeiten weiterhin anhalten. Große Teile der Innenstadt von Esna liegen über ihm und müssen dann wohl früher oder später weichen (inkl. der hinter dem Tempel liegenden Moschee).

Stolz ist man im Tempel über den Erhaltungszustand der Farben, auch außen.

Auch in der ägyptischen Mythologie gab es eine Art Dreifaltigkeit, bestehend aus dem Vater, dem Sohn und ... der Mutter. Chnum ist jedoch der einzige kinderlose Schutzgott. Dementsprechend fehlt Esna ein Gott.
Der Tempel ist ein relativ neuer Tempel und stammt aus der Römerzeit. Die Bauzeit war mit 250 Jahren schon recht lang.
Nach einer Version (von dreien) der ägytpischen Schöpfungsgeschichte hat Chnum die Menschen getöpfert. Dies wird im Tempel so dargestelt:

Ich hab’s doch immer gesagt: Der Storch bringt gar nicht die Kinder!


Wir bekommen ein bisschen Fotofreizeit. Um 8 Uhr aber wieder auf dem Schiff sein, ja?

Die rechte Seite zeigt exakt dieselben Reliefs, nur spiegelverkehrt, aber die linke kann man von einer Empore mit dem Klo und einer Cafeteria fotografieren, wo sich aber niemand hin verirrt.
Die Führerin einer der Memnon-Gruppen, die gestern auch die Orient-Feier noch (einigermaßen) gerettet hat, hat es nicht eilig und macht noch einen Rundgang durch den nahen Suk.

Wir treffen auf eine deutsche Frau, die 11 Jahre in Hurghada lebte und jetzt seit 4 Monaten den Laden Senet (ein altägyptisches Würfelspiel) in Esna hat. Sie möchte den hiesigen Frauen das traditionelle Nähen beibringen. In Esna gibt es übrigens bereits ein von Frauen betriebenes Restaurant, Okra.

Das Schiff vor uns am Anleger, die M/S Emilio, hat sich zwischenzeitlich aus dem Staub gemacht. Am Ausgang stand, dass sie um 8 Uhr ablegt, es war beim Ablegen aber eher 8:15. Unsere H/S Nile Vision muss daher neu anlegen.

Esna-Schleuse
Diesmal passieren wir die Schleuse bei Tag. Bei der Passage nach Süden haben wir wohl angeeckt, was einige Passagiere aufgeweckt hat.
Bei meiner letzten Passage nach Norden war es ebenfalls Tag, aber heute sind das erste Schiff in der Schleuse. Hinter uns ist die AmaLilia.
Wir ecken dann bei der Ausfahrt an und der Kapitän muss zurücksetzen.
Aber wer ist eigentlich der Kapitän? Am zweiten Abend an Bord war die Vorstellung der Crew angekündigt. Da das Schiff zu dem Zeitpunkt fuhr, meinte ich „Hoffentlich kommt der Kapitän nicht“ – und er kam doch. Wer auch immer das gefahren ist. Jetzt „verlaufe“ ich mich „aus Versehen“ auf dem Sonnendeck (das Schild „Crew only“ ist bei geöffneter Pforte aber auch wirklich schlecht lesbar) und lande bei der Brücke. Dort werde ich sogar freundlich empfangen und darf ein Selfie mit dem Kapitän machen.

Anders als bei meiner letzten Nilkreuzfahrt haben wir diesmal Trittbrettfahrer im Schlepptau. Auf dem Hinweg waren auch schon einzelne dabei. Jetzt haben wir sage und schreibe fünf Boote mit neun Schwarzfahrern, davon ein Boot and einem anderen.

Der Typ im vorderen Boot liegt übrigens drin und spielt am Handy.
Wir kommen vorbei an der JAZ Crown Empress (auch Iberotel Crown Empress) – oder was davon übrig ist. Dort war am 28. Oktober gegen 18:15 Ortszeit ein Feuer im Unterdeck ausgebrochen. Keiner der 220 Passagiere wurde verletzt, aber der drei Crewmitglieder mussten ins Krankenhaus. Der Beschreibung des Ortes des Geschehens im Internet zufolge dürfte das Wrack immer noch da liegen, wo der Kapitän dann aus der Not heraus anlegte.

Etwas südlicher wäre praktischer gewesen, da sind nämlich zwei Nilkreuzfahrtschiffswerften. Zuerst eine für kleinere Dahabiyas:

Die andere nur ein kleines Stück flussabwärts macht solche Schiffe zwar auch, vorwiegend aber die Standard-Nilkreuzfahrtschiffe – 70 lang, 14 breit, 14 hoch, 1,5 tief.

Als ich später wieder auf meinem Zimmer bin, sehe ich an der neuen Anlagestelle einige Kilometer südlich von Luxor die Princess Sarah anlegen, mein Schiff vom letzten Mal. Es gibt sie also immer noch. Es ist nicht wirklich was los da, ich vermute sie kommt von einer Tour und macht jetzt Pause. Allerdings haben wir auch schon in Kom Ombo festgestellt, dass viele Nilkreuzfahrtschiffe mit sehr geringer Auslastung unterwegs sind. Ist jetzt umwelttechnisch und wirtschaftlich nicht so geil. Wobei wir mit Umwelt am besten gar nicht erst anfangen.
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geschrieben von Janni