Ägypten II Tag 2: Tal der Könige Luxor – Tal der Bakschischkönige
In Tansania schrieb ich: „Ich mag Bestechlichkeit nur, wenn es zu meinen Gunsten ist.“ – jetzt probieren wir das mal in Ägypten
Wieder Tal der Könige, wieder Mammut-Blogpost, wieder 60 Bilder. Daher einen Tag verspätet.

Ich habe einen Halbtagesausflug ins Tal der Könige gebucht, da mir das vor drei Jahren gut gefallen hat. Damals habe ich die sehr schönen KV2 (Ramses IV.), KV8 (Merenptah), KV16 (Ramses I.) und KV62 (Tutanchamun) gemacht. Außerdem benutze ich den Ausflug, da er privat (nur für mich) ist, als Transfer zum Nilkreuzfahrtschiff – ich hätte aber auch problemlos vom Hotel laufen können.
Dieser Standort für das Tal der Könige wurde gewählt, weil der Berg hinten auf dem folgenden Bild vom Modell wie eine Pyramide aussieht, die jeweils als Sonnenstrahlen gedeutet wurde. Die Sonne widerum steht für die Macht, gewinnt sie doch jede Nacht den Kampf gegen die Finsternis (ein Tier/Monster) und kommt wieder. Auch der Mond kommen jeden Monat wieder. Und die Nilflut jedes Jahr. Daher müssen doch auch die Menschen wiederkommen, oder?

Da die Führerin nicht mehr als das obenstehende erklärt und mir nicht zu den Gräbern folgt, habe ich auch wenig Mitleid, dass ich fast dreimal länger als von ihr vorgeschlagen im Tal bleibe. Dazu trägt auch bei, dass ich mehr als die fünf geplanten Gräber (3 mit dem Standardticket, Sonderticket für Ramses V./VI. und Sethos I.) besuche.
Alle folgenden Storys zu den Gräbern kommen aus Wikipedia und in wenigen Fällen von den Aufpassern.
Man darf übrigens zum Zeitpunkt meines Besuchs (1. Januar 2026) kostenfrei überall im Tal ohne Blitz fotografieren.

Auf die Plattform darf man eigentlich nicht, aber für etwas Bakschisch (Trinkgeld) dann halt doch.
Die Führerin meinte, ich soll mir das Grab „da ganz hinten“ angucken. Da sind aber drei und ich kann mich nicht entscheiden: KV14 (Tausret und Sethnacht), KV15 (Sethos II.) oder doch KV47 (Siptah). Muss ich auch nicht, denn für 200 LE bleibt der Locher unbenutzt, mit dem man die Anzahl der besuchten Gräber markiert. Zum Vergleich: Das Standardticket mit drei Gräbern kostet 750 LE, Bestechung ist also günstiger.
KV15 (Sethos II., auch Seti II. oder Sety II. genannt)



Falls ihr euch jetzt fragt, was da unten drunter ist: 50 LE (oder wahrscheinlich auch weniger) verraten euch das trotz Absperrung.


Das Grab ist offensichtlich unfertig. Die gesamte Kammer E ist nur hastig koloriert und nicht alle vorgezeichneten Bilder wurden überhaupt begonnen.

Die Wände der Ausbuchtung der Säulenhalle sehen zumeist ähnlich aus, während einige Teile Reliefs ganz ohne Farbe sind.

Im oberen Teil des Grabes sind viele Bilder in rot vorgemalt.
Die Korridore nahe am Eingang sehen einigermaßen fertig aus:


KV47 (Siptah)
Anders als alle anderen Gräber, die ich bisher kenne, sind bei Siptah die Korridore B und C mit Glas geschützt. Das schränkt die Bildqualität ein.
Siptah regierte 5 oder 6 Jahre (ebenso wie Sethos II.), demnach ist auch sein Grab unfertig. Es wirkt aber wesentlich unfertiger als Sethos’, da nur die Korridore B und C überhaupt dekoriert und die Wände der unteren Hälfte gar nicht bearbeitet wurden und es wie ein hastig gegrabener Tunnel aussieht. An dieser Stelle gehen ein paar Grüße nach Gelsenkirchen, wo inzwischen offenbar nach Jahrzehnten der Pause wieder Bergbau betrieben wird! (Für alle, die das in diversen Jahren lesen: Da wurde vor ein paar Tagen eine Sparkasse ausgeraubt, indem von einem nahen Parkhaus ein Tunnel gegraben wurde.)

Links (vom Eingang aus gesehen) in Kammer J gab es beim Bau der ursprünglichen Grabkammer einen versehentlichen Durchbruch zu KV32 (Tiaa). Daher wurde weiter unten eine neue angelegt.

Zum Glück ist eine Glasscheibe kaputt, sodass man ein schönes Bild von den ausgemalten Reliefs machen kann:

Soviel zu Siptah, kommen wir zu seiner Stiefmutter, die ebenfalls maximal 5 Jahre regierte:
KV14 (Tausret und Sethnacht, auch Tawosret und Setnakht genannt, hier im Tal oft falsch Tausert geschrieben)

Warum in der Bildunterschrift nur Tausret steht? Weil das Grab bis Kammer F für Tausret gebaut wurde. Ihr Nachfolger Sethnacht übernahm das Grab und baute es noch ganz erheblich weiter, obwohl er nur 3 Jahre herrschte, von denen sich zwei Jahre wohl mit Tausret überschnitten. Zwischen den beiden wechselte die Dynastie von der 19. und auf die 20.



Die nach außen zeigenden Seiten der Säulen sind nur skizzenhaft bemalt.

Aufgrund der kurzen Herrschaft ist auch in diesem Grab viel unvollendet geblieben. Die Grabkammer J2 ist undekoriert, ebenso die Gänge dorthin.


Das Bild oben ist in Richtung Eingang aufgenommen. Ich befinde mich an der Sperre zum nicht zugänglichen und komplett unbeleuchteten Korridor K2. Der sieht mit mehreren Sekunden Belichtungszeit so aus:

Aufgrund des großen Umfangs ist nur der Teil hierüber taggleich entstanden.
Während die vorgenannten Gräber nahezu besucherleer waren, ist bei den vorderen Gräbern viel mehr los.
KV11 (Ramses III.)
Ramses III. regierte gut 30 Jahre. Sein Grab ist allerdings nicht im gleichen Maße imposanter als die Gräber derer, die nur um die 5 Jahre regiert haben.



Hinter der Grabkammer J ist Schluss. Die Humboldt-Universität führt dort Restaurationen durch. Der Abschnitt wirkt wie ein roher Tunnel, ist laut (deutschem) Schild aber wohl vor allem stark beschädigt.

Eine richtige Grabkammer mit Sarkophag gibt es in KV11 nicht.



Neben dem obigen Bild um die Ecke ist das „High-Five-Relief“ für Selfies, rechts der Ausgang (Korridor C).

Viele laut Schild am Eingang interessante Bilder (von Opfergaben) sind in den acht Nischen von Korridor C, die man durch das Glas nicht fotografieren kann. Als ich mich drüberlehne, kriege ich ärger: Nicht das Glas berühren! Davor gelingen mir aber einige Bilder.

KV17 (Sethos I., auch Seti I. oder Sety II. genannt)
Okay, eine Sache hat die Führerin noch gesagt: Sethos I. wollte mit seinem Grab Hatschepsuts Grab in Sachen Länge bzw. Tiefe übertreffen. Es scheint aber bei weitem nicht alles zugänglich zu sein hier. Sethos I. regierte 11 Jahre (nach anderen Zählungen 14). Dass er dennoch das tiefste Grab hat, wird teils damit begründet, dass er nicht die üblichen 120 Arbeiter hatte sondern wesentlich mehr.
Sethos’ Grab ist das mit Abstand teuerste und kann seit ziemlich genau drei Jahren besucht werden (bei meinem letzten Besuch auch schon, das wusste aber offensichtlich weder der Guide noch ich). KV62 kostet 700 LE (das sind gut 12 Euro, also mehr als die 300 LE vor drei Jahren, die 10 Euro entsprachen), Ramses V./VI. (KV9) kostet 220 LE (und damit weniger als ein Grab im allgemeinen Ticket) und Sethos I. (KV9) kostet 2000 LE (vor drei Jahren waren es 1000 LE, in Euro also etwa gleich geblieben).
Okay, na dann mal ab nach unten:


Obwohl Sethos I. immerhin 11 Jahre regierte, ist sein Grab nicht wirklich fertig. Insbesondere Seitenkammer Fa ist unvollständig, denn sie besteht nur aus SKizzen.


Das Schild draußen nennt die Rechnung links, in der Sethos I. Weihrauch an Osiris opfert, als Beispiel. Die Bilder an den Säulen zeigen allgemein Sethos I. und Götter. Ebenfalls empfohlen werden die Darstellungen aus dem Buch der Tore in der Säulenhalle F beim Übergang zu Korridor G.

Die Hieroglyphen-Reliefs in Korridor G und H sind sehr unvollständig geschrieben. Nur die ersten paar Buchstaben pro Zeile stehen an der Wand, Farbe gibt bei ihnen keine. Die Decke und einige obere Reliefs sind zwar recht fertig, aber von Besuchern im 19. Jahrhundert beschädigt worden.
Von der Nebenkammer Fa existiert ein längliches Loch in den Korridor G.

Grabkammer J besteht aus der Grabkammer und einer Säulenhalle, die ineinander übergehen, sodass sie nur diesen einen Namen haben.


Bei der Grabkammer J nach rund 137 Metern ist das Grab noch nicht zuende. Es gibt in einem Loch (dessen hölzerne Absperrung man zwei Bilder zuvor sieht) hinten in der Grabkammer J noch einen Korridor K weiter nach unten, den man nicht besuchen kann, ebenso wie die Nebenkammer Jc darüber. Ich bezweifle, dass sie dekoriert ist. Eine namenlose größere Nische von Grabkammer J, die man ansehen kann, ist undekoriert und voller Geröll. Die recht hübsche Nebenkammer Jb kann man besuchen – gegen etwas Bakschisch.

Und wieder raus. Eine Besonderheit ist übrigens eine tiefe Grube zwischen Gang D und Säulenhalle F, die als Brunnenraum E bezeichnet wird. Das Merkmal findet sich aber wohl auch in anderen frühen Gräbern. Die Brücke darüber enthält einbetonierte Schienen. Ich vermute mal, die kommen von der Eisenbahn, die bei der Ausgrabung 2007–2010 gebaut wurde.
Ich finde, Sethos’ Grab ist von meinen heute besuchten schon das interessanteste. Aber nicht besser als KV2 (Ramses IV.) im allgemeinen Ticket.
Zum Vergleich: Die Phoenix-Gruppe hat heute KV2, KV6 und KV8 gemacht. Zu KV6 kommen wir gleich noch, die anderen beiden waren 2023 dran.

KV9 – Ramses V./VI.
Jetzt also das Sonderticket, das (pro Grab gerechnet) billiger ist als das Standardticket. Warum zwei Namen? Weil das Grab für Ramses V. begonnen wurde, der auch hier begraben wurde, aber sein Onkel Ramses VI. es weiter ausbaute.

Auf dem obigen Bild ist laut Schild am Eingang die Doppelszene mit Osiris über der Treppe hervorzuheben.


Das Grab wirkt stilistisch relativ einheitlich: Alles ist relativ hell gehalten und „Hieroglyphentexte“ finden sich nicht nur am Eingang. Was dargestellt ist, gehört aber zu den abwechslungsreichsten Gräbern im Tal.

Die Grabkammer J stellt (zweimal, durch Spiegelung) die Himmelsgöttin Nut dar (gestreckt über die komplette Breite des Raumes), die die Sonne abends verzehrt und morgens wieder aus... na ja, ihr wisst schon.



Man vermutet, dass die beiden seitlichen Wände neben dem Sarkophag eigentlich Säulen werden sollten, aber noch nicht abgetrennt wurden.
Falls ihr euch fragt, wie denn die Mitte von Nut aussieht: Die ist auf dem weiter oben vorhandenen Bild der Decke von Säulenhalle F zu sehen, die vergleichbar dekoriert ist.
KV6 – Ramses IX.
Und das letzte Grab für mich am heutigen Tage ist noch ein Ramses! Ich finde es jetzt nicht so spannend und auch hier sind wieder die Wände hinter Glas.

Falls ihr euch fragt, was hinter den Öffnungen links und rechts ist: Undekorierte Nischen. Die regalähnlichen Nischen in Korridor C sind zwar dekoriert, aber wirklich Mühe hat man sich nicht gegeben. Also weiter mit Korridor D.


Bis zur Grabkammer J kommt man nicht – in der nicht dekorierten Kammer F ist Ende. Die Buchstaben G bis I sind aber nicht vergeben. Kammer F ist im vorherigen und folgenden Bild zu erkennen.

Und wie weiß man jetzt, wie’s da aussieht? Gegen etwas Bakschisch macht der Aufpasser ein Foto mit meinem Handy.

Man glaubt, dass das Grab zum Tod des Königs noch nicht fertig war (was die unvollständigen Kammern E und F erklären würde), obwohl er fast zwei Jahrzehnte regierte. Bei einer Länge von 100 Metern hätte man im Vergleich zu Sethos I., der ein längeres und imposanteres Grab in weniger Jahren schaffte.
So, das war’s jetzt mit meinem Wiederholungsbesuch im Tal der Könige.
Ich werde zum Schiff von Phoenix Reisen gebracht. Es heißt Nile Vision und dürfte ein Upgrade (5 Phoenixe, „First-Class-Schiff“) gegenüber der von mir eigentlich gebuchten Kategorie (4 Phoenixe, zufälliges „Komfort-Schiff“) sein. Man hätte auch ein zufälliges First-Class-Schiff für 100 Euro mehr buchen können. Da alle Nilschiffe lokal als 5 Sterne klassifiziert sind, nimmt Phoenix eine eigene Klassifizierung vor.
Ich werde vom Reiseleiter begrüßt. Er ist nicht unser Führer bei den Touren. Einige Minuten nach meiner Ankunft legt das Schiff ab, allerdings mit dem anderen Schiff von Phoenix Reisen daneben, der Crown Vision, die Plätze zu tauschen. Die Crown Vision, durch die ich folglich muss um an Land zu gehen, sieht deutlich moderner aus als die Nile Vision, obwohl sie älter ist (1990 statt 1998) und nur ein Jahr später als die Nile Vision komplett renoviert wurde (2019 statt 2018). Die Crown Vision hat aber eine niedrigere Phoenix-Klassifizierung (4,5 Phoenixe) als die Nile Vision. Hätten wir nicht gedacht. Nachbars Kirschen schmecken am besten.
Ich gehe nochmal in die Stadt. Etwas zu trinken kaufen. In einem Laden (Harry's) kriege ich eine 1,47-Liter-Flasche Diet Pepsi für 50 LE. Ob ich lieber kleines oder großes Rückgeld möchte, fragt er mich. „Klein. Ich muss auf Bakschisch vorbereitet sein.“, er lacht und gibt mir High Five. Danach zeigt er mir noch seinen nahen Laden.
In Luxor werde ich ständig von Leuten angequatscht, die mich mit ihrem „ägyptischen Ferrari“ (Pferdekutsche) durch die Statt fahren wollen. 100 LE wollen sie dafür. Ob es wirklich bei 100 LE (knapp 2 Euro) bleiben wird, weiß man in Ägypten ja auch immer nicht.

Eigentlich wollte ich den Souk (Markt) beim Nefertiti-Hotel mit den durchbrechenden Sonnenstrahlen fotografieren, aber die Sonne steht bereits tiefer, als ich geplant hatte. Also wieder Richtung Schiff.


Auf dem Weg komme ich nochmal bei dem Laden vorbei, wo ich meine Pepsi gekauft habe. Da da gerade viele Leute sind, frage ich beim Laden direkt rechts daneben. Kostet auch 50 LE. Plötzlich kommt ein anderer Verkäufer vorbei und meint Sonderpreis 35 LE. Na dann nehme ich alle zwei, die noch da sind. Die große Flasche Wasser muss ich aber erst von 20 LE auf 10 LE herunterhandeln.

Ich komme um Punkt 18 Uhr zurück aufs Schiff. Rechtzeitig zur Begrüßungsrunde. Es sind auch drei Leute in meinem Alter dabei, die aber ein anderes Programm („Memnon“) machen als ich.
Der Koffer von einem der drei ist verloren gegangen – da da drin sind die Blutdrucktabletten der Mutter. Sie haben zwar neue mit dem gleichen Wirkstoff gekauft, wissen aber die Dosierung nicht. Auf WhatsApp erhält er die Info, dass man einen Koffer ohne Aufkleber gefunden habe, und der Inhalt passt. Wo der Koffer denn sei, fragt er – immer noch in Düsseldorf. Den Aufkleber hatte er übrigens selbst angebracht, was nicht schlecht sein muss – mein Gepäck hat’s damals auch auf die Malediven geschafft.
Wir verpassen fast das Essen. Obwohl das Schiff allgemein schöner ist als die Princess Sarah vom letzten Mal, ist das Essenbüffet doch erkennbar kleiner. Aber alles, was es heute gibt, ist sehr lecker.
Ich glaube, dass in den Buffet deshalb so viel gekocht wird, damit die Leute das nicht alles essen können, und sie hoffen, dass es dann morgen schlechtes (regnerisches) Wetter gibt.

Und zum Schluss noch eine gute Nachricht für alle, die mit der Familie in Kontakt bleiben wollen: auch in Ägypten gibt es inzwischen WhatsApp Call (inkl. Video). Das ist neu. VPN gibt es immer noch nicht.

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geschrieben von Janni