Ägypten (Nilkreuzfahrt) II Tag 3: Tempel von Dendera – Der frühe Vogel
Erster Programmpunkt der organisierten Reise und schon früh aufstehen – das kommt mir bekannt vor
Gruppe Seth muss um 7 und damit mit Abstand am frühesten raus. Die anderen beiden Gruppen (Memnon Donnerstagmorgen-Ankommer und Memnon Donnerstagabend-Ankommer) müssen um 9 Uhr bzw. 10:30 Uhr los. Ich habe schlecht geschlafen, weil die Klimaanlage so laut war und ich den Ausschalter nicht gefunden habe. Als ich meine Kabine gerade zum Frühstück verlassen will, sehe ich die Klima-Steuerung: Sie ist direkt neben der Tür auf Augenhöhe.

Warum wir so früh rausmüssen? Unser Ziel Dendera (Betonung auf der zweiten Silbe) liegt in Qena, das sind 1,5 Stunden Fahrt. Auf dem Weg dorthin erfahre ich auch, warum der Go-Bus vorgestern nicht dort gehalten hat und über eine Stunde schneller als vor drei Jahren war: Vor einem Jahr wurde eine neue Schnellstraße gebaut, die auch wir jetzt fahren.
Der Reiseleiter meinte, wir sollten pünktlich sein – wer zehn Minuten zu spät sei, brauche nicht mehr kommen. Los kommen wir aber mit einer Viertelstunde Verspätung.
Die Fahrt dauert über anderthalb Stunden. Wir erreichen Dendera gegen 9. In der Antike hätten wir auch per Boot kommen können, denn in der Antike hatte Dendera einen Hafen, von dem aus jährlich eine Bark nach Luxor bzw. Edfu geschickt wurde.

Die Architektur des Hathor-Tempels ähnelt sehr der Architektur des Horus-Tempels in Edfu, allerdings sind die Umfassungsmauern nicht mehr vorhanden.


Den Erbauungszeitpunkt kann man sofort am Mammisi erkennen, denn ein solches gibt es nur in Tempeln aus der griechischen und römischen Zeit. Die Bauzeit betrug 300 Jahre.


Der Tempel ist der am besten erhaltene in Ägypten, was sich auf die Architektur des Hauptgebäudes bezieht. Im Mittelalter haben die Christen viel Material abgetragen und zum Bauen verwendet. Die Farben waren bis ins 19. Jahrhundert teilweise noch erkennbar, verschwanden dann aber zunehmend. Sie wurden vor einigen Jahren restauriert.

Das große Hypostyl hat 24 Säulen (da man Hathor 24 Stunden am Tag brauche), an denen Hathor jeweils in vier Richtungen schaut (da man sie in allen Richtungen braucht). Die Deckendekoration stellt unter anderem die Sternzeichen dar. Auf der rechten Seite (alle Richtungsangaben dieser Serie sind übrigens vom Eingang aus gesehen) sind das in der zweiten blauen Zeile von unten v.r.n.l. Löwe, Schlange (statt Jungfrau), Waage, Skorpion, Schütze und Steinbock. Die sechs Frauen mit Stern symbolisieren die Nacht. Die 18 Boote stehen für die 10-tägigen Wochen (zzgl. der nicht abgebildeten halben Neujahrswoche). Hinweis: Bild anklicken zum Vergrößern.

Die restlichen 6 Frauen, 6 Sternzeichen und 18 Wochen sind auf der anderen Seite: Wassermann, Fische, Widder, Stier, Zwillinge und Krebs (bei den Füßen).

In der Mitte werden die 14 Tage einer halben Lunation (Mondperiode) als 14 Stufen dargestellt. Sofern man davon ausgeht, dass Seth seinen Bruder Osiris in 14 Teile zerlegt hat (es gibt unterschiedliche Angaben wie 42 oder 100), kann man das auch darauf beziehen.

Wo wir gerade beim Brudermord sind: Nachdem Osiris’ Frau und Schwester (Stammbaum ist ein Kreis) die Teile von Osiris gefunden hat, hat sie ihn mit Hilfe von Anubis (im folgenden Bild unten der zweite von links) und Seths Schwester und Frau wiederbelebt. Das wird im linken Gang in der dritten Kammer dargestellt:

Unten rechts sieht man auch, wie Seth (als Stier dargestellt) blutend am Boden liegt (obwohl er nicht getötet wurde).

Eine Besonderheit des Tempels von Dendera ist, dass man das Dach besteigen kann. Dort befindet sich ein kleiner Kiosk (wird als Kapelle bezeichnet) und ein Raum, in dem mal eine Himmelsscheibe an der Decke war. Die hat die Expedition von Napoleon gemopst, sodass sie jetzt im Louvre ist (das offenbar auch nicht sicherer als die Gelsenkirchener Sparkasse ist) und hier die ist eine Replik.

Der höchste Punkt des Daches, also den Bereich ganz vorne, benötigt eine zusätzliche Eintrittskarte (100 LE). Hat keiner. Also genug gesehen, wieder runter.

Wir gehen einmal um das Gebäude herum. Auffällig ist an der Südwand das riesige Relief, das links Kleopatra (VII.) und ihr uneheliches Kind mit Cäsar, Cäsarion (Ptolemaius XV.) zeigt (beide gleich groß), wie sie die Götter bitten, das Kind als richtiges Kind anzunehmen.

Außer für das Dach braucht man auch für die Krypta ein Extra-Ticket. Es kostet ebenfalls 100 LE (knapp 2 Euro), das ist noch drin.
Über eine steile Holztreppe und einen Gang mit sehr niedriger Deckenhöhe gelangt man in die Krypta. Dort finden sich entlang eines Ganges ohne Abzweigungen viele schöne Reliefs, einige sogar noch mit Farbe.


Alles klar, wieder nach oben. Wir haben nicht so lange Zeit.

Der Geburtstempel der Isis ist zwar verschlossen, gegen etwas Bakschisch darf man aber rein.


Nach unserer Rückkehr um kurz nach 13 legen wir ab nach Edfu.
Es gibt erstmal Mittagessen, um 16 Uhr ist zudem Teestunde angesagt (wie jeden Tag). Heute gibt es Schmalzkuchen (Balah El Sham), wahlweise mit oder ohne Sirupfüllung. Dazu gibt es vier Soßen: Mango und Erdbeer (beide ziemlich künstlich), relativ geschmacksneutrale Vanillasoße und „Lotus-Soße“, die irgendwie so Richtung Nutella mit Karamell schmeckt. Ich muss nochmal rauskriegen, was da wirklich drin ist.

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geschrieben von Janni