Ägypten (Nilkreuzfahrt) II Vormittag 6: Deir Anba Hadra (Simeonskloster) Assuan – Kleine Wüstenwanderung

Sonst haben die Kopten immer historisches Erbe zerstört, aber in diesem Fall wurde ihr Kloster von den Arabern zerstört. Wir schauen uns die Ruinen an.

geschrieben von Janni Dienstag, 6. Januar 2026 um 21:32 Uhr

Dieser Post entstand taggleich.


9 Uhr Abfahrt mit dem Boot. 9 Uhr ist Luxus. Die meisten anderen sind heute schon um halb 5 los nach Abu Simbel. Ich nicht, denn ich war 2023 schon da. Die 110 Euro, die Phoenix dafür möchte, sind auch ganz schön heftig. Aus Gruppe Seth fährt auch niemand mit, denn ansonsten hätte man den Ausflug zum Simeonskloster nicht. Memnon hätte ohne Abu Simbel aber heute gar kein Programm.

Unterwegs sagt mir der Guide, der offenbar wegen gestern weiß, dass ich mir gerne viel ansehe, er könne mich auf dem Rückweg bei den Gräbern der Adligen (Qubbet el-Hawa „Kuppel des Windes“) rauslassen. Das passt gut, denn die fehlen mir noch.

Deir Anba Hadra (Simeonskloster)

Simeonskloster
Simeonskloster

Wir steigen direkt rechts neben dem Anwesen von Aga Khan III. aus, in dem nach einem Tod vor einem halben Jahr jetzt seine Frau Brigitte alleine wohnt. Von dort gibt es zwei Optionen: Kamel und zu Fuß. Ich gehe als einziger (außer dem Guide) zu Fuß. Die anderen fünf reiten. Der siebte Teilnehmer ist, wie bisher bei allen Ausflügen außer Kom Ombo, nicht dabei.

Wanderung zum Simeonskloster
Wanderung zum Simeonskloster

Weit ist der Weg nicht – die Gehzeit beträgt lediglich 10 Minuten.

„Simeonskloster“ ist eigentlich falsch. Der offizielle Name lautet Deir Anba Hadra. Anba Hadra war Einsiedler und später Bischof des heutigen Assuan. Die Anlage wure 571 erbaut und der koptische Heilige Simon der Geber/Schuhmacher lebte erst Ende des 10. Jahrhunderts. Das Kloster wurde 1321 von den Arabern zerstört, aufgegeben und nicht wieder aufgebaut. Es befindet sich jedoch ein neues Kloster direkt daneben, das den gleichen Namen trägt, zu dem man aber sehr wenig im Internet findet.

Untere Ebene des Simeonsklosters (Deir Anba Hadra) in Assuan
Untere Ebene des Simeonsklosters (Deir Anba Hadra) in Assuan
Dreischiffige Basilika des Simeonsklosters (Deir Anba Hadra) in Assuan
Dreischiffige Basilika des Simeonsklosters (Deir Anba Hadra) in Assuan

Die Ruine wird, da das Kloster aus ungebrannten Nilschlammziegeln errichtet wurde, bei Regen beschädigt. Die auf dem Bild an den Wänden sichtbaren „Schlammschäden“ an der Basilika stammen von einem starken Regen aus dem Jahr 2021. Es regnet in der Region etwa einmal alle 5 Jahre.

Wir gehen in einen Nebenraum der Basilika, der Grotte genannt wird und zahlreiche Heiligenbilder in sehr schlechtem Zustand enthält. Gemäß einem koptischen Ritus schreiben die Leute Wünsche auf Zettel, falten sie und stecken sie hier in die Ritzen der Wand.

Stark beschädigte Heiligenbilder im Simeonskloster (Deir Anba Hadra) in Assuan
Stark beschädigte Heiligenbilder im Simeonskloster (Deir Anba Hadra) in Assuan

Wir dürfen – wobei, „dürfen“ ist das falsche Wort – uns noch die Beichtkammer hinter dem Naos ansehen. Dann geht es auf die obere Ebene.

Zellengang des Simeonsklosters (Deir Anba Hadra) in Assuan
Zellengang des Simeonsklosters (Deir Anba Hadra) in Assuan

Die Zellen dienten durchziehenden Gästen als Nachtquartier. Entsprechend finden sich dort zahlreiche Graffitis. In der Nähe befindet sich auch die Küche. Anschließend gehen wir noch weiter im oberen Teil herum.

Oberer Teil des Simeonsklosters (Deir Anba Hadra) in Assuan
Oberer Teil des Simeonsklosters (Deir Anba Hadra) in Assuan

Nach nicht mal einer Stunde ziehen wir auch schon wieder vondannen.

Blick vom neuen Kloster Anba Hadra auf Assuan
Blick vom neuen Kloster Anba Hadra auf Assuan

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