Kuba Tag 11 und 12: Varadero, Matanzas, Havanna, Frankfurt – Zurück nach Hause

Jemand hat es eilig – und das bin mal nicht ich

geschrieben von Яedeemer Sonntag, 7. August 2016 um 17:41 Uhr

Hotelbewertung

SterneHotelnameZimmer
5Meliã VaraderoDBA Meerseite Twin, 1506
HotelRiesige Bettenburg in Form eines 7-zackigen Sterns (achter Zacken ist die Zufahrt). Jeder Zacken hat auf der 1. Etage 18 Zimmer, nach obenhin werden sie weniger, da die Suiten am Ende der Zacken eine Terrasse haben.6/10
LageReines Touristengebiet mit mehreren Hotels auf einer Landzunge. Bus zur Stadt 5 CUC. Nichts für mich, mir wäre bei mehreren Tagen Aufenthalt langweilig.3/10
ZimmerAn sich toll. Nicht ganz so groß wie im Tryp, aber gut. Extrem laute Minibar (immerhin inklusive). Springbrunnen der Lobby auch recht laut. Balkon gesperrt, Felsen vorm Balkon zugemüllt mit u.a. mehreren Zigarettenpackungen, Ameisenstrasseautobahn. Deutsche Fernsehsender: DW-Deutsch6/10
BadezimmerOK. Duschen-Typ: Badewanne. Sonstiges: BD.9/10
SauberkeitVorbildlich.9/10
ServiceTeilweise etwas langsam, aber OK und auch freundlich.7/10
AI (Buffet)Sehr, sehr gut.10/10
AI (Snackbar)Sehr einfach gemacht (Hamburger/Cheeseburger/Hotdog nur Brot mit Fleisch, Ketchup und amerikaner (süßer) Senf zum selbst draufmachen, kein Salat) und extrem schwankende Zeiten von der Bestellung bis zur Lieferung (zwischen etwa 3 und 30 Minuten).5/10
FrühstückSehr gut. Grundlegendes Frühstück gibt es übrigens zu jeder Essenszeit im Büffetrestaurant.10/10
GesamtwertungWeiterempfehlung: ja8/10

Ich habe noch 27 Dollar. Damit gehe ich in das ans Hotel angeschlossene Einkaufszentrum. Es gibt da viele Modeläden, ich interessiere mich aber wieder nur für Instrumente. Da gibt es nur einen Laden und ich kaufe Kongas und Afrokubanische Claves – und bekomme sogar 5 Cent zurück.

Ich gehe auf mein Zimmer, verstaue die Instrumente sicher im Koffer und checke pünktlich um 12 aus.

Kolibri
Kolibri, ich glaube wieder Bienenelfe, bin mir aber nicht sicher

Nach einigem Rumgelaufe und Essen an der Snackbar gehe ich noch im Meer baden.

Strand auf der Halbinsel von Varadero
Badestrand, leider sehr felsig und der einzige in unmittelbarer Nähe zum Hotel (mit Ausnahme eines kleinen Strandes in die andere Richtung für die Gäste des Premiumprogramms mit dem wunderbaren Namen „Level: The Level“). Dort, wo ich stehe, kosten die Liegen extra. Zwei Liegen 16 Dollar pro Tag. Nutzt natürlich keiner. Zum Vergleich: Ein Butler kostet 5 Dollar pro Tag.

Während ich mich zum Abtrocknen auf eine Liege am Pool lege, kommen einige Küstenhunde zu mir. Ich bin wohl schon so ein bekannter Tierfotograf, dass die Tiere zu mir kommen.

Glattkopfleguan
Glattkopfleguan („Küstenhund“)
Glattkopfleguan
Glattkopfleguan („Küstenhund“)

Dann geht es auch schon zum Flughafen. Wir müssen 6 Stunden vor unserem Abflug los, um wie vorgeschrieben 3 Stunden vor Abflug da zu sein (21:45). Und so machen sich 13 deutsche Urlauber (Rest hat verlängert), die bisherige deutsche Reiseleitung, eine neue kubanische Reiseleitung, ein neuer Fahrer und ... äh ... ein Hamster auf den Weg zum Flughafen. In Kuba müssen alle Reisen von einem loya... äh ... lokalen Reiseleiter begleitet werden. Einigen deutschen Veranstaltern reicht das. Das sprachliche Niveau schwankt aber stark. Wir hatten laut Reiseleiterin einen der besten kubanischen Reiseleiter. Man konnte ihn meist gut verstehen, aber als er gestern von einer „Lücke“ zwischen Amerika und Kuba sprach, haben wir alle jedes Mal „Lüge“ verstanden, bis es sich nach einigen Minuten aus dem Kontext auflöste. Zurück zum Thema: Unser Veranstalter besteht darauf, dass ein deutscher Reiseleiter die Reise führt, weshalb wir hier zwei Reiseleiter hatten. (Außerdem verlangt der Veranstalter von der lokalen Agentur, dass Fahrer und Reiseleitung im selben Hotel schlafen, was die lokale Agentur aber nicht interessiert hat, die die beiden Kubaner (Fahrer und Reiseleiter) teils in Privatunterkünften unterbrachte.)

Ich habe einen Nordkoreaner gefragt, wie es ihm geht.
Er sagte: „Ich kann mich nicht beschweren.“

Wir machen kurz Halt an der Bacunayagua-Brücke an der Provinzgrenze Matanzas’. Dort befindet sich auch ein Brotfrucht-Baum. Die Früchte werden selten genutzt, schmecken jedoch sehr gut. Geschmack und Verwendung ist denen von Kartoffeln ähnlich.

Bacunayagua-Brücke
Bacunayagua-Brücke.
Die von 1956 bis September 1959 gebaute Brücke ist 110 Meter hoch, 313,5 Meter lang und hat eine Bodenspannweite von 114 Metern.

Dann fahren wir weiter zum Flughafen.

Die Ausreise läuft problemlos. Wir müssen auch keine Zollerklärung ausfüllen. Auf der Hinreise mussten wir ankreuzen, ob wir u.a. Pornos einführen. Bei all der Erderotik (von engl. Earthporn, was letztes Jahr in der engeren Auswahl zum Jugendwort des Jahres war) auf meiner Speicherkarte hätte ich das eventuell ankreuzen müssen.

Boeing 767-300 D-ABUF
Die Boeing 767-300 mit dem Luftfahrtkennzeichen D-ABUF

Wir verlassen Havanna 25 Minuten zu früh. Bahn-Mitarbeiter verstehen nicht. Eine Frau, die auf der anderen Seite des Gangs sitzt, macht ständig sarkastische Kommentare. Ich schließe mich an. Wir fliegen wesentlich schneller als beim letzten Mal. Während wir beim letzten Mal nie über die 900 km/h gekommen sind, fliegen wir die meiste Zeit über 1 Mm/h. Draußen blitzt es zunächst sehr stark. Wahrscheinlich sind wir zu schnell geflogen.

Ich kann vorm Abendessen (was 2 Stunden nach dem Start und damit so gegen 1 Uhr Sommer-Sonnenzeit geliefert wird...) eine Stunde und nach dem Essen wieder drei Stunden schlafen.

Bevor wir landen, gibt der Pilot das Wetter durch. „Weihnachten war’s wärmer“, sgt die sarkastische Frau. Recht hat sie. Ich erinnere mich, wie ich kurz vor Weihnachten bei 18°C Freunde besucht habe.

Wir landen kurz darauf 1:15 Stunden zu früh in Frankfurt. Bahn-Mitarbeiter staunen. Wie auf dem Hinflug wird beim Aufsetzen geklatscht. „Wir haben die Landebahn getroffen.“, sagt der Pilot und bittet die Passagiere sitzen zu bleiben: „Kein Passagier hat es je geschafft, vor uns am Gate zu sein.“ Als wir das Gate erreichen, sagt er: „Stellen Sie sicher, dass Sie nichts an Bord vergessen. Sonst müssen wir es ehrlich unter der Crew aufteilen – und glauben Sie mir, wir haben schon fast alles.“ Und bezüglich der erheblichen Verfrühung fügt er hinzu: „Wenn Sie mal wieder mit Condor fliegen, denken Sie an uns. Wir sind eine Stunde zu früh.“

Mein Koffer ist einer der ersten – bringt mir aber nichts, denn der Ausziehgriff ist kaputt. Der Beschwerdeschalter ist direkt neben dem Band, der Reparaturschalter aber nicht. Und so renne ich in gebückter Haltung mehrere hundert Meter durch den Flughafen. Ich habe schon schlimme Dinge von den Gepäckreparatur-Schaltern gehört. Als ich ankomme sagt der Mitarbeiter: „Dann kriegst du ’nen Neuen. Welche Farbe? Schwarz, pink, türkis? Türkis!“ ... und gibt mir einen schwarzen Koffer. Er scheint minimal größer als meiner. Ich muss nur noch „irgendwo auf dem Zettel“ unterschreiben und fertig. Die Angst, die mir „Wir retten Ihren Urlaub“ („RTL-Urlaubsretter“) gemacht hat, war also völlig unnötig.

Ich renne mit beiden Koffern zum Fernbahnhof. Ich verpasse knapp den Zug einen früher, der mir fahrplanmäßig nichts gebracht hätte ... aber der vorgesehen Zug hat Verspätung. Im Zug packe ich meinen Koffer um. Dem Fahrkartenkontrolleur scheint das Phänomen bekannt. So kann ich den kaputten Koffer tragen, da er fast leer ist, und den neuen ziehen.

Minden erreiche ich gut eine Dreiviertelstunde später als geplant. Na ja, es hätte schlimmer sein können. Auf der Hinfahrt wäre es ärgerlicher gewesen.

Ausbeute

Perkussion-Instrumente
Meine Perkussion-Instrumente

Neben einigen kleinen Geschenken für meine Lieben habe ich für mich selbst folgende Perkussion-Instrumente gekauft:

  1. Güiro (wörtlich „Flaschenkürbis“, Ratsch-Gurke aus Holz) mit Stab (der Typ wollte uns erst erzählen, wir sollten eine Fahrradspeiche nehmen...), 5 Dollar
  2. Maracas (Rumba-Rasseln), 2 Dollar
  3. Dreifache simple Rahmentrommel (10,5, 11,5 und 15 cm Durchmesser) mit Sticks, 15 Dollar (hätte es ohne Sticks und mit schlechterem Klang auch für 10 gegeben)
  4. Bongos (14 und 15 cm Durchmesser), 21,95 Dollar
  5. Afrikanische/Afrokubanische Claves (Klanghölzer; großer Stab 25,3 cm lang und 4 cm Durchmesser, kleiner Stab 22,1 cm lang und 2,5 cm Durchmesser), 5 Dollar

Ich wollte noch eine kleine Version einer kubanischen Tres kaufen (Gitarre mit drei Doppelsaiten). Die in Trinidad (und sonst sowieso nicht) erhältlichen waren jedoch sehr billig gemacht. Als Saiten diente Draht, da kaum dehnbar ist. Zum Stimmen wurde keine Wellenmechanik verwendet sondern einfach direkt auf die Wirbel gewickelt. Der Steg war nicht ganz logarithmisch. So hätte ich keinen Logarithmus im Blut gehabt und „Atemlos durch die Nacht“ wäre noch unerträglicher als von sich aus schon gewesen.


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Kuba Tag 10: Santa Clara, Varadero – Kontrastprogramm

Heute geht es für die letzte Nacht in ein All-Inclusive-Hotel. Um es mit den Worten der Reiseleiterin auszudrücken: „Da gibt es alles, was man sich vorstellen kann – bzw. der Kubaner sich nicht vorstellen kann.“

geschrieben von Яedeemer Donnerstag, 4. August 2016 um 22:21 Uhr

Der Hahn kräht. Bzw. die Hähne. Zeit zum Aufstehen.

Hotelbewertung

SterneHotelnameZimmer
unbekanntCubanacana Los CayenosDBA Twin, Cabiña 13
HotelSehr weitläufig. Es gibt verschiedene Bungalowformen. Einige einzelne Bungalows, teilweise Gebäude mit mehreren Einheiten, einige mehrstöckig.9/10
LageIrgendwo weit draußen.3/10
ZimmerDringend renovierungsbedürftiges sechseckiger Bungalow. Lediglich der Wasserhahn im Bad schien neuer als aus den 70ern zu sein. Deutsche Fernsehsender: keiner2/10
BadezimmerOK.8/10
SauberkeitDiverse kleinere Mängel, vieles ist einfach schon Jahre eingetrocknet.2/10
ServiceGut.7/10
AbendessenViel Auswahl und es schmeckte gut.9/10
FrühstückLeider keine Pfannekuchen. Sehr wenig Getränkeauswahl.6/10
GesamtwertungWeiterempfehlung: nein3/10
Hotelvögel
Im Hotel hält man einige Vögel in Käfigen, ähnlich wie in dem einen Restaurant in Trinidad.
Hotelkatze
Die Hotelkatze schaut gierig auf die Vögel in den Käfigen (und lässt sich auch durch mich nicht wirklich dabei stören), tut aber den unzähligen freilaufenden Hühnern nichts.

Heute fahren wir nach Varadero, wo wir unsere letzte Nacht in Kuba verbringen (ich hoffe doch sehr, dass ich nicht wieder länger bleiben muss).

Auf der Fahrt liest die Reiseleiterin den Abschiedsbrief von Che vor. Anschließend hören wir das allgegenwärtige und allen Kubanern zum Hals raushängende Che-Guevara-Lied und dessen deutsche Übersetzung von Rolf Biermann.

Zum Abschluss der Reise gibt es noch einen Zettel mit Film-, Musik- und Literaturempfehlungen. Das Verfassen von Kurzgeschichten war unter kubanischen Schriftstellern zeitweise sehr beliebt – aus Mangel an Papier. Bücher, die sich nicht an Touristen richten, sind heute hingegen sehr billig, etwa 1/25 von unseren Preisen.

Anschließend gibt es eine Frage-Antwort-Stunde mit Jaime.

Wir machen Rast an einer Rastanlage. Dort gibt es einige Tiere, Bars und Läden.

Kubanisches Roulette
Kubanisches Roulette. Wer mitspielen will, legt eine Dollarmünze vor ein Haus. Das Haus, in das das Meerschweinchen (im Bild oben rechts) von der Mitte aus läuft, gewinnt eine Flasche Rum.
Raupe
Komische Raupe mit dem sehr langen ... Ding am Hinterende...
Schmetterling
Es gibt auch einen kleinen Orchideengarten. Der kostet nichts und ist ziemlich hübsch. Findet auch dieser Schmetterling.

Wir verabschieden uns hier formell von Reiseleitern und Fahrer.

Anschließend fahren wir durch ein großes Zitronenanbaugebiet. Zwischen den Feldern gibt es mehrere – bis auf den Verfall – absolut identische Gebäudekomplexe. Das sind Umerziehungsanstalten für andersdenkende Kinder. Jaime war auch da. Nach der Wende wurden sie geschlossen, und zwar weil der Transport der Kinder nicht mehr möglich war.

Wir erreichen das Hotel. Kofferservice gibt es diesmal keinen, ich habe ihn aber sowieso nicht immer genutzt. Mir fällt in meinem Zimmer sofort das Bügelbrett auf, das unübersehbar an der Wand hängt. Darüber hängt ein Bügeleisen.

Keine kurzen Hosen in den Restaurants erlaubt
Wer dieses Schild aufgehängt hat, war wohl noch nie in Kuba.
...
...
Oh...
Na ja. Vermutlich hofft man einfach nur, Geld zu sparen, wenn Leute auf dem Weg zum Restaurant am Hitzekollaps sterben.
(Die Arroganz dieses Schildes hat mich wirklich geärgert und eigentlich wollte ich – und das meine ich ernst – ganz ohne Hose da hin gegangen. Wenn man mir dann gesagt hätte, dass ich so nicht rein darf, hätte ich gezeigt, dass ich keine kurze Hose anhabe und mich über die folglich völlig gegenstandslose – da ich ja keine kurze Hose trage – Abweisung echauffiert. Allerdings hatte ich kein T-Shirt dabei, was lang genug wäre, um auf dem Weg dorthin keinen Ärger wegen öffentlichen Ärgernisses zu bekommen, worauf ich keine Lust hatte. Aber ansonten hätte ich denen gezeigt, wer die Hosen anhat ... oder eben nicht.)

Wir treffen uns zum Abendessen und nach dem Abendessen auf dem Gras nahe der Cocktailbar.

Pavillon
Pavillon, vielleicht für Hochzeiten oder so

Einige Asiatinnen machen Fotos vom nahen Pavillon unseres All-Inclusive-Hotels, in dem man wohl heiraten kann oder so. „Und man kann die Mädels nicht mal beeindrucken, indem man einen ausgibt...“, sage ich.

Küste vorm Hotel
(Der Strand ist etwas weiter hinten. Die Männer rechts angeln glaube ich. Also was man hier als Angeln bezeichnet. Zumindest verlaufen einige Schnüre von ihnen ins Meer, auf die ich nicht treten soll. Ruten haben sie nicht.)


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Kuba Tag 9: Trinidad, Manaca Iznaga, Sancti Spíritus, Santa Clara – Zug um Zug

Ich mag Züge.

geschrieben von Яedeemer Donnerstag, 4. August 2016 um 02:08 Uhr

Ich spreche Jaime auf die Sache gestern Abend an. Er meint, es sei wenig erfolgversprechend, dass ich ohne Beleg mein Geld zurückerhalte. Er versucht es aber dennoch und hat Erfolg: Ich bekomme 12 Dollar zurück.

Hotelbewertung

SterneHotelnameZimmer
unbekanntCubanacana Las CuevasDBA Twin, H-13
HotelSehr weitläufig. Zumeist Doppelbungalows. Diverses Geröll liegt herum.7/10
LageAn einem Hang in unmittelbarer Nähe zur Stadt.9/10
ZimmerRecht groß. Kleine Terrasse mit „Küstenhunden“. Deutsche Fernsehsender: Fernbedienung defekt.8/10
BadezimmerZu klein. Wer die Toilettentür öffnen oder schließen möchte, muss dafür in die Dusche steigen. Die Klobrille ist eingerissen und schneidet mir in meinen Hintern. Das Waschbecken befindet sich im Hauptzimmer. Immerhin: Brauchbarstes Shampoo bisher (das im ersten Hotel war beispielsweise komplett nutzlos).1/10
SauberkeitGeht OK.7/10
ServiceRecht günstige WLAN-Karten. Kofferdienst auch recht schnell trotz weitläufigem Gelände.8/10
Abendessenwegen Krankheit entfallen
Frühstückwegen Krankheit entfallen
AbendessenVieles sehr exotisch, Stationen um Fisch und Hähnchenfleisch nach Wünschen braten zu lassen, allerdings Chlorspagetti und immerhin akzeptable Schinkenpizza.5/10
FrühstückIch habe nicht so viel probiert. Der Käse gefiel mir nicht.6/10
GesamtwertungWeiterempfehlung: es ist kompliziert6/10

Genug davon.

Anderes Thema: Was ist süß und wird in Kuba per Zug befördert?

Ich!

 Valle-de-los-Ingenios-Bahn
Die Valle-de-los-Ingenios-Bahn (der Name bedeutet „Tal der Zuckermühlen“). (vorgezogenes Bild vom Zielort)
Fahrradtaxis
Fahrradtaxis am Bahnhof Cienfuegos – wahrscheinlich schneller als der Zug.

Als wir am Bahnhof ankommen, fährt der Zug gerade ein. Aufgrund der sehr vagen Formulierung in der Reisebeschreibung sind wir froh, dass der Zug überhaupt fährt. Wir sprinten in die Waggons, denn es gibt meist zu wenig Sitzplätze für alle. Wir bekommen alle einen Platz. Allerdings nur Holzklasse, im wahrsten Sinne des Wortes.

Holzklasse
Holzklasse (gemütlicher als im Flugzeug, von der Beinfreiheit ganz zu schweigen)

Es gibt auch nichts anderes. Insgesamt gibt es eine Lok und drei Wagons. Das obige Bild ist aus dem ersten. Wir sind im dritten, wo auf beiden Seiten die breiteren Bänke aus dem Bild oben stehen. Dazwischen befindet sich die Bar:

Das Boardrestaurant befindet sich zwischen 4. und 4. Klasse. Sänk ju for trävelling wis Valle de los Ingenios today.
So wie der Zug ruckelt, müssen die Drinks auch nicht mehr geschüttelt werden.

Für die musikalische Unterhaltung sorgt ein Musiker mit Gitarre. Die meisten beschreiben ihn als ziemlich schlecht. Ich finde ihn immer noch besser als das Zeug am Abend von Tag 3. Na ja, Geschmackssache.

Der Zug fährt um 9:36 los. Ich messe die Geschwindigkeit. Wir fahren maximal 19 km/h, in einigen Abschnitten aber nur 14 km/h, teils noch langsamer.

Landschaft während der Zugfahrt
Landschaft während der Zugfahrt

Leider werden die Wolken immer dichter, sodass die Bilder vom Rest des Tages eher nicht so schön werden. Von der Zugfahrt selbst hat mich auch kein Landschaftsbild wirklich überzeugt.

Lok der Valle-de-los-Ingenios-Eisenbahn
Diesellok. Sie qualt nicht schlecht. Diese Abgaswerte bekämen selbst VW-Mitarbeiter nicht manipuliert.

Wir erreichen Manaca Iznaga (auch Manacas-Iznaga) um 10:27. Der Ort liegt in der Mitte eines ehemaligen Zuckeranbaugebiets und ist nach seinem Besitzer, Herrn Iznaga, benannt.

Markt in Manaca Iznaga
Vom Bahnhof bis zu einem etwa 300 Meter entfernten und genau 200 Jahre alten Turm ist ein Markt aufgebaut (die Straße geht oben scharf nach rechts um die Ecke, deshalb sieht man den Turm nicht). Es gibt ausschließlich Tischdecken im Trinidad-Stil, bei dem aus einer einfachen Tischdecke zunächst bestimmte Fäden entfernt und dann in anderen Farben und Mustern wieder eingewebt werden.

Wir gehen zunächst durch ein Café in einen Hinterhof. Dort befindet sich ein Pavillon. Früher haben hier Ochsen die Zuckerpresse angetrieben, heute verwendet man lieber Touristenkraft.

Zuckerpresse
Zuckerpresse
Zwischenebene im Turm von Manaca Iznago
Zwischenebene: Nichts für Leute mit Raumangst.

Das Getränk wird mit Zitronensaft vermischt, damit es nicht zu süß schmeckt. Man kann es dann kaufen. Es schmeckt mir aber nicht.

Zuckerrohr kommt in Kuba nicht natürlich vor, sondern wurde von Kolumbus aus Neuguinea mitgebracht. Man schneidet es zur Ernte möglichst weit unten ab, presst es und kocht die Flüssigkeit. Heute verwendet man auch die ausgepressten Reste und zwar ähnlich wie Holz: Heizmaterial zum Kochen (sein Haus muss hier niemand heizen), Papier oder für Spanplatten. Ein Problem ist jedoch ein gelb blühender Strauch. Der wurde als Zierpflanze eingeführt und überwuchert jetzt alles. Auch auf der Fahrt nach Trinidad gab es ihn überall. Er heißt hier Marabú, auf Deutsch Farbkätzchenstrauch oder Kalahari-Weihnachtsbaum. Man versucht inzwischen die jüngeren Sträucher zu Kohle zu verarbeiten. Dort gab es übrigens noch eine weitere Bedrohung: So wie es bei uns Krötenwanderung gibt, gibt es auf Kuba Krebswanderung. Das funktioniert allerdings nicht organisiert wie bei uns, sondern unkontrolliert und vor allem nachts. Die Krebse stellen bei Gefahr ihre Scheren auf – auch wenn ein Auto auf sie zukommt. Sie ritzen dann die Reifen auf. Für dickere Reifen wie die von Bussen reicht es zwar nicht, aber die Krebsinnereien sind sehr rutschig.

Wer will, kann auf den Turm. Die Treppen sind sehr steil und schmal und es gibt ein paar niedrige Zwischenebenen. Für Kubaner sicherlich kein Problem, schließlich kennt man sich hier auch mit Zwischendecken sehr gut aus: Viele Häuser haben hohe Decken und wenn man mehr Platz brauchte, hat man einfach Zwischendecken eingezogen. Die Zwischenebene hier ist allerdings sehr niedrig. Bündnis 1,90/Die Hünen würde dagegen protestieren (aber erst, nachdem sie das Problem mit den Sitzabständen in der Economy Class korrigiert haben).

Der Ausblick ist ganz cool. Man kann den Markt mit den Tischdecken gut erkennen.

Markt in Manaca Iznaga
Übersicht über den Markt von oben
(Der Bahnhof befindet sich unmittelbar links vom Bildrand, oben links ist auch ein Teil des Zuges zu sehen.)
Umgebung von Manaca Iznaga
Blick in die Ferne
Sasha Grey
Loch

Auf der anschließenden Fahrt erzählt Jaime etwas über das Gesundheitssystem.

Nach der Revolution hatte man ein Problem, da nur wenige Ärzte auf Kuba blieben. Die verbliebenen sollten daher weitere ausbilden. Heute gibt es ein Drei-Schienen-System:

  1. Familienarzt: Nach dem Studium ist man 3 bis 5 Jahre Familienarzt. Das ist ein Allgemeinmediziner. Er ist auch für Prävention zuständig und behandelt 120 Familien in seiner Nähe. Danach kann er eine Fachrichtung wählen. Da man keine Medikamente kaufen kann, sondern sie nur kostenlos verschrieben werden, muss sich ein Familienarzt auch mit sowas rumschlagen. So kann die Bevölkerung allerdings auch keine Medikamente für Engpässe hamstern. Die gibt es öfter, denn Schiffe, die in Kuba einlaufen, dürften ein halbes Jahr lang nicht in Nordamerika einlaufen.
  2. Krankenhäuser: Krankenhäuser dienen ebenfalls der Allgemeinmedizin.
  3. Fachkliniken: Fachärzte werden 5 Jahre lang im Krankenhaus ausgebildet.

In Kuba sind Abtreibungen möglich (war auch ein Grund für Amerikaner, hierher zu kommen). Auch nach Untersuchung auf Risiken ist das noch der Fall. Das stößt bei Katholiken und Zeugen Jehovas natürlich auf Widerstand. Es gibt 13 Pflichtimpfungen, wovon Kuba 9 selbst herstellt. Seit der Revolution ist die Kindersterblichkeit von 60 auf 4,3 Promille gesunken.

Die häufigste Todesursache ist in Kuba Altersschwäche, dann kommen Unfälle. Anschließend Krebs. Kuba hat ein Mittel gegen Lungenkrebs entwickelt, das bald international erhältlich sein soll. In einem Zigarrenland wie Kuba ist Lungenkrebsforschung sicher sinnvoll. Bei der Qualität des hiesigen Fernsehbildes erschließt sich von selbst, dass in Kuba viel zu Augenkrankheiten geforscht wird. Man hat sogar die Augenkrankheit des Mörders von Che Guevara behandelt.

Kuba ist außerdem führend in der Forschung zu Krebs im Allgemeinen und AIDS. Da AIDS-Patienten zur Zeit, als Nahrung knapp war, sehr gut ernährt wurden, war gab es das Phänomen Barebacking bzw. Bugchasing (absichtliches Anstecken). Der Film Boleto al paraíso („Fahrkarte zum Paradies“) aus dem Jahr 2010, erzählt davon.

Heute sind die kubanischen Kliniken gut ausgestattet, auch wenn einige Geräte noch „Sowjet-Schätzchen aus den 80ern“ sind. Viele neuere Geräte kommen aus Deutschland. Kuba kauft da, wo die Amerikaner gerade nicht ihren Fokus haben.

In Kuba ist das Gesundheitssystem für die Kubaner inklusive. Auch Geschlechtsumwandlungen sind möglich. Eine Tochter von Raúl engagiert sich sehr für die von ihrem Vater zunächst ungeliebte LGBT-Szene (Lesben, Gays (Schwule), Bisexuelle, Transgender).

Wir erreichen Sancti Spíritus. Es ist die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz. Fast alle Provinzen sind nach ihren Hauptstädten benannt, nur die Provinz der mit Abstand größten Insel (Isla de la Juventud) und Mayabeque, beide südlich von Havanna, sowie die Provinz der Ankunft der Granma (die danach benannt ist) nicht.

Anders als andere Provinzhauptstädte ist Sancti Spíritus im Vergleich zu Trinidad (meist nur kurz Tdad) relativ unbekannt. Es gibt jedoch wie in jeder Provinzhauptstadt eine Polyklinik hier. Außerdem die einzige römische Brücke Kubas und die älteste Kirche in auffelligem Blau.

Kirche von Sancti Spíritus
Kirche

Wir machen direkt neben der Kirche Mittagspause. Ich will am Marktplatz zu El Rapido gehen. Der Laden sieht so seltsam aus, und nicht als ob man da irgendwas (warmes) essen könnte, sodass ich ihn so schnell wieder verlasse, dass ich den Namen „El Rapido“ nun für mich beanspruche.

Innenansicht einer El-Rapido-Filiale
El Rapido von innen (ja, das ist ein Fast-Food-Restaurant und kein Indoor-Jahrmarkt)

Ich esse mit den anderen. Ich esse nur eine Kleinigkeit und als ich gerade fertig bin und zur Brücke will, fängt es heftig an zu regnen. Das Bild kommt von einem Mitreisenden:

Brücke von Sancti Spíritus
Brücke (danke an Ino!)

In Sancti Spíritus fahren wir an einigen Sportschulen vorbei. Kuba ist im Boxen ganz gut. Regelmäßig „verschwinden“ Leistungssportler bei Wettkämpfen im Ausland...

Anschließend fahren wir auf die Autobahn. Die Kubaner machen beim Autofahren Gesten für die Entgegenkommenden, um beispielsweise Polizei oder Rinder anzuzeigen. Letztere werden mit der Geste dargestellt, die wir bei uns als Zeichen der Rockmusik kennen („Pommesgabel“).

In Santa Clara fahren wir zum Guevara-Mausoleum.

Mausoleum von Che Guevara
Mausocheum

Ernesto Guevara war ein Kinder eines Arztes und einer Lehrerin, dennoch spielte er mit sozial schwachen. Er schaffte das Medizinstudium in 3 statt 6 Jahren. Streber! Aber gut, damals gab es ja noch keinen Bolognaprozess.

Er schloss sich in Guatemala Rebellen an, musste aber fliehen und traf die kubanischen Rebellen in Mexiko (siehe Tag 3). Die machten sich darüber lustig, dass er als Argentinier ständig das Füllwort „che“ verwendete. Daher bekam er seinen Spitznamen.

Che war unter Castro für die Finanzen zuständig, obwohl das eigentlich gar nicht zu seinem Charakter passte. Man sagt, das liege, dass er bei einer Versammlung abgelenkt war und als Fidel nach einem Economista (Ökonom) fragte, Communista (Kommunist) verstand und sich meldete.

Che kämpfte später aber lieber im Kongo und in Bolivien gegen Diktatoren. Er wurde in Bolivien verraten und einen Tag später von einem betrunkenen Unteroffizier erschossen. Seine Leiche wurde geschändet und mit anderen Rebellen irgendwo begraben. Nach 27 Jahren war ein Bolivier bereit, den Ort zu zeigen, wo inzwischen ein Flughafen stand. Inzwischen sind die Überreste hier in Santa Clara. Zusammen mit ihm erschossen wurde auch die Deutschargentinierin Tamara Bunke, genannt Tania die Kriegerin, die er als seine Übersetzerin in der DDR kennenlernte. Es lief aber wohl nichts zwischen denen, auch wenn die Kubaner das gern so hätten.

Che-Guevara-Statue
Che-Guevara-Statue

Im Museum darf man nicht fotografieren, man darf nicht mal Kameras und Handys mitnehmen. Es besteht aus zwei Räumen: Im Memorial, einem in einer Art Basalt ausgekleidetem Raum, hängen steinerne Porträts der Revolutioniäre. Che hängt in der Mitte, die anderen je nachdem, ob sie Ausländer oder Kubaner waren, links oder rechts von ihm. Im hinteren Teil des Raums ist eine Art Flusslauf nachgebildet. Im Museum hängen vor allem Bilder. Außerdem sind einige Gegenstände ausgestellt (die als einzige auch auf Englisch beschriftet sind), zum Beispiel die letzte Tagebuchseite von Che. Im Tagebuch sind die Seiten mit norddeutschen Wochentagsnamen bedruckt, es stammt sicher aus der DDR. Zwischen den Räumen befinden sich weitere Fotografien.

Caterpillar
Mutmaßlich für die Sabotage verwendeter Bulldozer

Che ist Argentinier und starb in Bolivien. Das Museum ist in Santa Clara, weil die Rebellen hier mit dem obigen Bulldozer einen Zug zum Entgleisen brachten und so den Nachschub der Batista-Truppen abschnitten. Dies wird direkt neben dem Ort des Geschehens in einem Freilichtmuseum dargestellt, wozu auch der obige Bulldozer gehört.

Freilichtmuseum von Santa Clara
Freilichtmuseum

Im Waggon ganz links sind einige Bilder und im zweiten Waggon ein paar Gegenstände ausgestellt. Der dritte Waggon ist gesperrt. Den vierten, den man hier nicht sieht, kann man hingegen wieder betreten. „Was zum Reiher!?“, denke ich mir, als ich ihn betrete, denn er beherbt eine Fotoausstellung über Reiher (ja, die Vögel, von denen es hier auch welche gibt). Kann man mal machen.

Wir laufen zum Marktplatz der Stadt. Das Internet dort ist kaputt. Hier ist das „Haus des Wassers“ des laut eigener Aussage beliebtesten (und darüber hinaus einzigen...) Herstellers nicht alkoholischer Getränke Kubas, Ciego Montero. Man kann hier für 70 Cent Wasser kaufen. Ich kaufe die letzten beiden Flaschen Sprudelwasser.

Wir fahren noch kurz zum Hotel und werden zu unseren Bungalows gebacht. Meiner dürfte dringend mal renoviert werden. Tine Wittler hätte im Rahmen von „Einsatz in vier Wänden“ ihren Spaß ... wenn der Bungalow nicht sechs Ecken und damit Wände hätte. Wird also nichts. Höchstens bei einer Spezialausgabe.

Ein Anzeichen für die Renovierungsbedürftigkeit meiner Bleibe sind die auffälligen Schuhabdrücke an der Wand. „Sogar Spiderman ist schon in diesem Bungalow abgestiegen“, denke ich mir. Nachdem ich aber in 30 Minuten 8 Mücken erlegt habe, fällt mir auf, dass nur rechte Schuhabdrücke zu finden sind – und Spiderman wohl doch nicht hier war.

Die Mücken hier sind echt nervig und das Geräusch, das sie beim Fliegen machen, höher als was ich sonst so kenne. Mich aussagen darf ohnehin nur Vampirzähnchen. (Wer gemeint ist, weiß das.)

Wer gerne unter der Dusche singt und seine Urlaubskosten als Sänger wieder herausholen möchte, hat Glück: Der Telefonanschluss befindet sich unmittelbar neben der Dusche. Fehlt allerdings noch ein Telefon. Dennoch eine äußerst bemerkenswerte Positionierung.

Anderes Thema: Aus Sancti Spíritus kommt übrigens jemand, den in Kuba keiner, aber in Deutschland die meisten Frau... äh ... Meeedchen – oder wie er sagen würde: Chicas! – in meinem Alter: Jorge González. Er war in Osteuropa, als die Sowjetunion zusammenbrach, blieb anschließend dort und ging dann nach Deutschland.

Und auch wenn ihn hier keiner kennt, ist es schon ein interessanter Zufall, dass heute Abend eine Modenschau im Hotel stattfindet. Es gibt eine Tombola. Ich weiß nicht, was es zu gewinnen gibt, ich glaube aber im Nachhinein eine Tasche. Das ist sinnvoll, denn ohne Tasche bekanntlich keine Competition. Die Einnahmen aus der Tombola (ein Ticket kostet 1 Dollar) gehen an Kinder mit Downsyndrom.

Die sechs Models und der Designer sind Studenten der hiesigen Hochschule. Für die Models werden Spenden gesammelt. Das sei sonst nicht so gewesen, meint die Reiseleiterin. Allgemein wird hier sehr viel über Trinkgelder finanziert. Sämtliche Musiker, die in Restaurants (auch in Hotels) und sonstwo auftreten werden nicht bezahlt. Sie müssen eine Lizenz beantragen und Steuern bezahlen. Zurück zur Modenschau:

Modenschau
Wenn sie ohne Handtasche laufen, dann kann die auch nicht lebendig sein!
(Kubaner applaudieren übrigens grundsätzlich für sich selbst. Das ist normal in dem Land.)

Nach der halbstündigen Show kann man die Sachen kaufen. Unser Nesthäkchen macht Großeinkauf.

Modeverkauf
Verkauf, die Models beraten

Später ist noch Disco bis 3 Uhr, aber ich bin zu müde. Da die – rostigen – Deckenlampen auch ausgeschaltet nicht spannungsfrei zu sein scheinen, blinken sie die ganze Zeit. Eine Disco brauche ich also nicht.


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Kuba Tag 8: Trinidad – Mit Rhythmus im Blut

Heute besichtigen wir die Stadt Trinidad.

geschrieben von Яedeemer Sonntag, 31. Juli 2016 um 00:42 Uhr

Fieberthermometer sagt 36,9°C. Ich denke, es war die richtige Entscheidung, gestern nicht ins Krankenhaus zu fahren. Ich hätte gedacht, dass mich jemand weckt, um zu fragen, wie’s mir geht. Macht aber keiner. Daher wache ich auf natürliche Weise auf und es bleibt gerade noch Zeit, um zu duschen. Frühstück fällt auch aus, aber ich habe eh keinen Hunger.

Zerfallene Kirche von Trinidad
Zerfallene Kirche von Trinidad (vorgezogenes Bild vom Nachmittag)

Der Bus fährt uns zur zerfallenen Kirche. Davor liegt dieses Ding herrenlos herum:

Räucherungsgerät
Der Gerät wird nicht müde.
Der Gerät schläft nicht ein.
Der Gerät ist immer vorm Chef im Geschäft.
Der Gerät räuchert die Moskitos schweißfrei.
Babykatze
Flauschität 10/10 *awww*

Wir halten es zunächst für einen Motor oder so. Tatsächlich ist das ein Räucherungsgerät. Leute vom Gesundheitsministerium versuchen damit, Häuser vor Mücken zu schützen.

Trinidad hat eine ungewöhnliche Lage. Es liegt nicht am Meer sondern ein klein wenig im Landesinneren. Das liegt daran, dass man hier auf Gold von einem Fluss hoffte. Weil dem nicht so war, gingen viele Leute nach Mexiko.

Später kam die Stadt durch Zuckerwirtschaft zu Reichtum, man kümmerte sich aber nicht um die Wartung der Maschinen und verfolgte nicht den Bau einer Eisenbahnlinie nach Havanna. Dadurch ging es wieder bergab mit der Stadt, die sich jetzt durch den Tourismus erholt.

An uns trägt jemand einen Käfig vorbei. Darin befindet sich ein Singvogel. Die sind nicht zum Essen da, sondern weil sie so schön singen, erklärt die Reiseleiterin. „Kubanisches Radio“, sage ich.

Straße in Trinidad
Straße in Trinidad (vorgezogenes Bild vom Nachmittag)

Die Häuser in Trinidad sind farbenfroh bemalt. Der Legende nach geht dies auf einen Mexikaner zurück, der fand, dass die Einfarbigkeit der Häuser blende. Daher sollten alle Häuser bunt gestrichen werden. Plot-Twist: Er war der Besitzer der lokalen Farbfabrik.

Markt in Trinidad
Eine (von dreien?) als Markt für Touristen genutzte Straße
Casa de la trova
Fidel Castro versuchte, Musik zu verbieten. Musik sei Vergnügen, so wie es die Amerikaner taten, die hier den Dingen nachgingen, die in Amerika verboten waren. Allerdings ließ sich das kubanische Volk die Musik nicht verbieten und Castro richtete solche Gebäude ein.

In Trinidad wird der 15. Geburtstag groß aufgezogen, vor allem von Mädchen. Dann werden zwei Fotos gemacht, eins in einer Art Brautkleid, eins im Bikini. Die hängt man sich dann in Küche oder so. Heiratsalter ist wie bei uns. Und falls es nicht klappt: Scheidungen sind in Kuba sehr billig.

Wir wollen ein Museum besuchen. Das hat heute zu. Das als Ersatz vorgesehene wird umgebaut. Also gehen wir zum „Museum für den Kampf gegen die Banditen“. „Banditen“ meint die Kontrarevolutionäre, die nach Castros Machtübernahme im Jahre 1959 gegen ihn kämpften. 1965 erklärte Castro das Land für banditenfrei.

Das Museum wurde hier 1984 eingerichtet. Es basiert auf einem Franziskaner-Kloster. Der erste Franziskaner-Konvent war 1730. 1926 wurde der Turm gebaut, wegen dem wir eigentlich nur hier sind. 1928 wurde um den Turm herum gebaut und 1930 bis 1982 war das Gebäude eine Schule.

Wie gesagt, wir sind wegen des Turmes hier. Er ist der höchste Punkt der Stadt und der Ausblick fantastisch.

Blick vom Banditenmuseum aufs Meer
Man kann bis runter aufs Meer...
Blick vom Banditenmuseum ins Gebirge
...und bis hoch ins Escambray-Gebirge gucken. Das Escambray-Gebirge ist übrigens die regenreichste Region Kubas. Ausflüge dahin werden mit umgebauten russischen LKW unternommen. Nichts für Leute mit Bandscheiben- und Hüftprüblemen, meint die Reiseleiterin.

Das Museum ist verglichen mit dem Revolutionsmuseum eher unspektakulär und redundant. Es gibt allerdings ein Boot und einen Geländewagen zu sehen.

„Die Treppe“. Sie kostet abends wohl 1 Dollar Eintritt, wird mir erzählt. Auf den Zwischenebenen gibt es Cafés. Die Stühle sind hier nicht gut erkennbar (etwa bei der stehenden Frau im roten Top und dann noch einmal ganz oben).

Wir gehen über „die Treppe“ in einen Hinterhof mit viel Werbung für das lokale Bucanero-Bier. Hier treffen wir einen Musiker. Er erzählt uns viel über die Perkussion-Instrumente Kubas.

Perkussion-Instrumente
Auf Kuba gebräuchliche Perkussion-Instrumente

Wir trinken dabei was. Ich habe noch einen Dreiviertel-Dollar und sollte mal einen Geldautomaten finden.

Esel zu vermieten
„Apollo 13! Sei nicht so eine Esel stur!“

Neben dem Katholizismus gibt es in Kuba eine weitere verbreitete Religion. Sie kam mit den Naturreligionen der afrikanischen Sklaven auf die Insel. Damals hatten die Spanier innerhalb kurzer Zeit die Urbevölkerung Kubas nahezu ausgerottet. Ein Missionar namens Batholomäus schlug vor, die schlauen und lieben Ureinwohner Kubas zu schonen und afrikanische Sklaven zu nehmen – ein Vorschlag, den er nach der Umsetzung bereute.

Aus diesen Naturreligionen hat sich die Santería-Religion gebildet. Bei ihr werden Heilige wie Götter angebetet. Eine dieser Gottheiten ist die Jungfrau von Regla (hier: Yemayá). Als Tempel fungieren die Häuser der Priester, die sich der jeweiligen Gottheit versprochen haben. Eigentlich sind die Tempel nicht zugänglich, aber dieser hier ist eine Ausnahme.

Altar zur Ehren der Jungfrau von Regla
Altar zur Ehren der Jungfrau von Regla

Es gibt noch mehr Gottheiten. Jede ist mit einem Material (hier: Silber), ein oder zwei Farben (hier: blau und weiß) und einem Zuständigkeitsbereich (hier: Meer) verbunden. Die Jungfrau von Regla wird darüber hinaus mit dem Mond und Muscheln in Verbindung gebracht

Wer Mitglied der Religion werden möchte, muss Katholik sein und ein Jahr lang komplett weiß angezogen rumrennen. In der Zeit soll er nicht arbeiten. Nicht nur deshalb ist die Initation ziemlich teuer, auch wegen der ganzen Feierlichkeiten. In der Zeit finden diese Santeros genannten Leute dann langsam die Heiligen, die zu ihnen passen, und hängen sich Ketten in deren Farben um.

Die Reiseleiterin nimmt uns mit zum Geldautomaten. Es ist nicht so viel los und es klappt diesmal sofort bei mir. Andere mit Mastercard haben Probleme. Anschließend gehe ich zum Restaurant neben dem Tempel, in dem acht von uns Mittag essen. Eine Frau bekommt gerade ihre Pizza. Das will ich auch. Pizza ist jetzt aber ausverkauft. tuKola auch. Also Spagetti und Cola Light. Das ist Kuba.

Vogelkäfig
Im Restaurant ist man gut zu Vögeln.

Anschließend fährt uns der Bus zum Hotel. Wer wollte, konnte einen Ausflug zum Strand buchen. 10 Dollar pro Nase kostet der. Fast alle kommen mit. Der Busfahrer verdient sich dabei eine goldene Nase, denke ich mir. Ich will aber ohnehin lieber in der Stadt Soouvenirs kaufen, weil ich gestern ja keine Gelegenheit hatte.

Ich bringe meine Sachen ins Bungalow und gehe mit einem aus der Gruppe nochmal runter, der ich glaube als einziger auch nicht mit wollte. Wir haben uns verlaufen und wissen nicht, wohin. „Fragen wir doch einfach die hier“, sage ich und zeige auf unsere Reiseleiterin, die ich gerade zufällig auf dem Platz erblickt habe. Wir kaufen uns ein paar Musikinstrumente und ich finde zufällig einen Supermarkt. So super ist der nicht, man kann beispielsweise kein Wasser kaufen. 1,5-Liter-Softdrinks („Refrescos“) kosten wie meistens 1,50. Auf dem Markt gibt es auch diese typischen kubanischen Gitarren mit drei Doppelseiten. Allerdings ist die Qualität nicht sehr gut. Die Bundstege sind offenbar nicht logarithmisch angeiordnet und die Saiten aus Draht, der kaum elastisch ist. Daher bleibe ich bei meinen Perkussion-Instrumenten.

Heute Morgen habe ich gefragt, wie weit es bis zum Hotel ist, da ich auf der Busfahrt nicht aufgepasst habe. 25 bis 40 Minuten wurde mir gesagt. Zwischen dem letzten Foto aus der Stadt und dem ersten Foto aus dem Hotel liegen weniger als 5 Minuten. Vor unseren Bungalows gibt es nämlich Glattkopfleguane, die man hier Küstenhunde nennt, weil ihre Schwänze – insbesondere beim Laufen, wobei man sie wegen ihrer Flinkheit allerdings nicht fotografiert bekommt – wie der eines Mopses gerollt sind. Sie sind sehr scheu und schwer zu fotografieren.

Küstenhund
„Küstenhund“

Abends sind hier die großen kubanischen Rasenmäher unterwegs. Man sollte sie nicht streicheln. Diese Pferde sind Arbeitstiere und Streicheleien nicht gewöhnt. Deshalb beißen sie. Das Gras ist dann zwar immer schön kurz, aber auch alles voller Pferdeäpfel.

Jaime hat mir organisiert, dass ich mein ungenutztes Abendessen von gestern heute nachholen kann.

Das meiste Essen vom Büffet (mein erstes auf dieser Reise) ist mir gerade nach der Übelkeit etwas zu exotisch, daher belasse ich es bei einfachen Dingen. Die Pizzastückchen schmecken ganz gut, die Spagetti wurden dem „Geschmack“ zufolge jedoch im Hotelpool gekocht. Da das Leitungswasser in diesem Hotel nicht chloriert ist, kann ich mir den Geschmack der Spagetti anders nicht erklären. Was mich nur stutzig macht: So chlorhaltig ist normalerweise nicht mal der Hotelpool. Ich übertreibe nicht. Wahrscheinlich haben sie Leitungswasser aus der namibischen Hauptstadt Windhuk eingeflogen, das käme einigermaßen hin. Ich kann jetzt auf jeden Fall diejenigen verstehen, die sich wegen der Chlorhühnchen gegen TTIP engagieren.

Na ja. Die Pizza ist immerhin brauchbar. Und die tuKola schmeckt auch gut. Zum Nachtisch gibt es Kuchen und Eis, das stark nach Banane schmeckt. Zum Eis gibt noch Sirup – mit Bananengeschmack. Toll.

Wie beim Abendessen üblich, muss man sein Getränk selbst bezahlen. Da in diesem Land wie gesagt kein Mensch Englisch spricht, kriege ich den Preis auf Spanisch genannt. Eigentlich sollte mein Latein dafür reichen, aber 13,60 kann ja nicht sein. Ich habe aber eh nur 20-Dollar-Scheine im Portmonee. Als die Bedienung mit 6,50 zurückkommt, fehlen mir die Worte. Eine Cola kostet im Restaurant normal 1 Euro. Wie kommen die auf 13,50?

Ich bin so schockiert, dass ich weder nach einer Rechnung fragen kann (was auch immer das auf Spanisch heißt), noch fragen kann, was da los ist. Denn selbst wenn das mit der Anrechnung des ungenutzten Abendessens nicht geklappt hätte – für Spaghetti Chlorinara zahle ich keine 12,00 Dollar oder so. Aber in diesem Land spricht ja kein Mensch Englisch und niemand hätte irgendwas kapiert. Die Hotelkatzen am Nachbartisch können mich nur kurz beruhigen, aber was soll man machen? Meine nächste Reise sollte also in ein Land gehen, wo die Leute wenigstens ein paar Wörter Englisch können.

*Frankreich und Brasilien von meiner Liste streich*


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Kuba Tag 7: Cienfuegos, Trinidad – Kubanische Klo-Krise

So’n Scheiß!

geschrieben von Яedeemer Sonnabend, 30. Juli 2016 um 01:29 Uhr

Noch kurz zum gestrigen Abend nach Abschicken des Blogposts:

Katzenfütterung
Katzenfütterung

Wir haben Abendessen „a la carte“. Es gibt aber nur fünf Gerichte zur Auswahl. Ich entscheide mich für die Pizza. Es gibt auch nur eine Sorte Pizza (Schinken, doppelt Käse ... aufgrund von Knappheit von Tomatensoße bekommen die meisten anderen wohl stattdessen Butter), wobei es auch im Falle von Spagetti nur eine Sorte (Tomatensoße und Pizzakäse) gegeben hätte... Die Pizza ist mittelmäßig, was auch am sehr seltsamen Schinken liegt. Eine Mitreisende füttert daher mit den Resten drei abgemagerte Katzen. Eine Katze ist sehr scheu und es ist schwer, sie dazu zu bringen, sich ihr Stück zu nehmen.

Nach dem Abendessen gehen wir zu einer kleinen Bar, wo es laut Reiseleiterin den besten Mojito gibt, und die noch hinter unserem Hotel auf der Halbinsel in der Bucht von Cienfuegos liegt.

Halbinsel
Blick auf den Teil der Halbinsel, der noch hinter unserem Hotel liegt. Hinten am rechten Rand jenseits des Meeres ist übrigens das einzige Atomkraftwerk Kubas, das aber nicht fertiggestellt wurde.

Bei dieser Mojito-Bar darf man sogar zugucken, wie der Mojito gemacht wird. Zuerst wird die Minze mit dem Zucker im Glas zerstoßen. Dann kommen Eiswürfen und Limttensaft hinzu und es wird mit Havana Club aufgefüllt.

Der Mojito (bzw. die alkoholfreie Version, die ich trinke) hätte süßer sein können, finde ich.

In der kleinen Strandbar hängt ein Röhrenfernseher. Es läuft eine vermutlich mexikanische Telenovela. Eine Mitreisende übersetzt die Sendung, die mit einem Cliffhanger endet.

Cienfuegos bei Nacht
Cienfuegos bei Nacht

Logbuch des Captains. Sonnabend, 04.12.2526 (laut dem einen Fahrstuhl), bzw. Sonntag, 21.08.0143 (laut dem anderen Fahrstuhl). Es geht mir schlecht. Ich habe Durchfall und Darmkrämpfe, nachdem ich gestern Nachmittag einige Zeit Bauchweh hatte.

Cienfuegos
Cienfuegos am Morgen

Ein Kreuzfahrtschiff liegt vor Anker. Das bedeutet amerikanische Touristen. Die rennen immer hinter so runden schildern mit Griff her, die ihre Führer hochhalten. Die Schilder sehen aus wie Lutscher, weshalb die Kubaner diese Touristen als „Lollipops“ bezeichnen.

Ich nehme was gegen Durchfall. Hoffentlich hilft es.

Hotelbewertung

SterneHotelnameZimmer
4Gran Caribe Hotel JaguaDZA DB, 723
HotelHalb touristisch geprägtes Hotel, ähnlich dem Tryp Habana Libre, aber kleiner.8/10
LageAuf einer Halbinsel unweit des Stadtkerns. Vorm Hotel teilweise auch um 4:45 nachts noch laute Musik.9/10
ZimmerRecht groß, mit kleinem Balkon. Deutsche Fernsehsender: DW-Deutsch8/10
BadezimmerAuch ganz gut.8/10
SauberkeitOK.8/10
ServiceOK.8/10
Abendessensiehe oben5/10
Frühstückwegen Krankheit entfallen
GesamtwertungWeiterempfehlung: ja7/10
Palacio Valle
Palacio Valle

Wir besuchen den Palacio Valle, einen Palast direkt neben dem Hotel. Eine Teile sind von der Alhambra abgeguckt. Ein Spanier ließ ihn bauen, nachdem er durch Zuckerhandel im Ersten Weltkrieg zu Reichtum gelangte. 1917 wurde der Palast fertig, 1919 starb sein Besitzer an Herzinfarkt – wahrscheinlich als er die fallenden Zuckerpreise gesehen hatte, meint die Reiseleiterin. Ein Bruder von Batista hat aus dem Haus ein Kasino gemacht; Jetzt ist es ein Restaurant.

Wir fahren eine kurze Strecke ins Zentrum und machen einen Stadtrundgang.

Benny Moré
Benny Moré lobte in einem Lied Cienfuegos. Der Name der Stadt bedeutet übrigens Hundertfeuer.

Wem meine Blogposts zu niveauvoll sind, der kann jetzt bei YouTube nach „Monatsende Imbiss Bronko“ suchen, um dem folgenden Abschnitt einen passenden Niveaulimbo mit ganz fiesem Sarkasmus hinzuzufügen. Meine Freunde und ich haben das Lied 2009 sehr gefeiert. Da mir das ein bisschen peinlich ist, verlinke ich es nicht.

Bank
Monatsende: Hartz IV Gehalt ist da. Also ab zur Bank. Es ist entsprechend voll.
Laden
Wir besuchen einen Laden, in dem Kubaner Dinge des alltäglichen Bedarfs kaufen können. Die Preise sind in MN (Pesos). Eine Kautschecke kostet 6.000 Pesos, etwa 230 Euro, wobei der Monatslohn etwa 400 bis 700 Pesos beträgt. Die Sofaecke ist somit kaum erreichbar. Eher erreichbar ist Kleidung. Ein Hemd kostet 2,50 bis 4 Pesos, also etwa 9 bis 16 Eurocent, und kann in einem höher gelegenen Teil des Ladens gekauft werden, von wo aus dieses Foto entstanden ist. Vergleichsweise teuer ist hingegen Seife. Viele Touristen nehmen auch Kugelschreiber von zu Hause mit, wofür die Menschen hier sehr dankbar sind. Mir war das nicht bewusst und ich hielt es zuerst für einen Scherz. In diesen Läden könnten auch Touristen etwas kaufen – macht bloß keiner.
Kubaner erhalten Lebensmittelscheine. Dadurch können sie bestimmte Mengen an Lebensmittels und Alltagsgegenständen günstiger erwerben. Die Scheine können nur in eine ganz bestimmten Bodega (Eckladen) eingelöst werden. Die Ersparnis liegt nach kurzem Vergleich zwischen 0 (grüne Seife ganz rechts) und 60%. Wie man sieht (dieses Bild ist als eines der sehr wenigen Nicht-Naturfotos vergrößerbar), sind diese subventionierten Preise für einige Produkte (Seife, Zahnpasta) etwa auf europäischem Niveau. Ohne Lebensmittelscheine kann man hier übrigens nichts kaufen.
Lebensmittelmarkt
Zusätzlich benötigte Lebensmittel können hier gekauft werden. Auch dieser Laden kann von Touristen genutzt werden.
Schlachter
„Bei +35°C zu verbrauchen bis ... äh ... iss es am besten so schnell du kannst!
El-Rapido-Filiale
El Rapido („der Schnelle“) ist die kubanische Version von McDonald’s, was es hier nicht gibt.
Mc Donald
Oh...

Da das Teatro Tomás Terry noch voller Lollipops ist, dürfen wir noch nicht rein und können 45 Minuten durch die Gegend laufen. Die internationale Bank ist zu voll und die Automaten sind weiter weg und will beim Theater auf Toilette gehen.

Aber ich habe nicht mit der Kubanischen Klo-Krise gerechnet. Weder im Theater noch im angeschlossenen Café hat man von „Klopapier“, „Klobrille“ oder „Wasser“ gehört. Wenn einem ziemlich übel ist, ist das doof. Die Klofrau kann mir wenigstens ein kleines Stück Klopapier auftreiben und schüttet mir zum Händewaschen Wasser aus einem Eimerchen über die Hände.

Danach kaufe ich mir im Theatercafé eine Limo. Später im Bus mische ich mir zwei Beutel der WHO-Lösung gegen Cholera an. Sie besteht aus Zucker, diversen Salzen und Aroma und schmeckt wie salziger Zitronen-Krümeleistee.

Tierspuren im Beton
Welcher Hundesohn ist da durch den frischen Beton gelaufen?

Wer sich den Niveaulimbo gegönnt hat, kann die „Musik“ jetzt wieder ausmachen.

Teatro Tomás Terry außen
Teatro Tomás Terry

Im Theater, das ein Venezuelaner irischer Abstammung aus seinem Nachlass erbauen ließ, dürfen wir nicht fotografieren. Zumindest nicht ohne 5 Dollar zu bezahlen. Ich glaub, es hackt.

Teatro Tomás Terry innen
Wie dieses Foto auf meine Speicherkarte gekommen ist, ist deshalb auch völlig unklar.
Teatro Tomás Terry innen
Und dieses auch. #LebenAmLimit

Wir essen in einem Paladar. Uns bedient ein Kellner mit einer Coca-Cola-Schürze. Verkauft wird aber nur die lokale tuKola von Ciego Montero. Dazu nehme ich Reis und Banenenpommes. Reis ist ziemlich typisch auf Kuba. Wenn man Menü ist, bekommt man drei Beilagen: Reis, schwarze Bohnen und ... Reis mit schwarzen Bohnen zusammen gekocht. Bananenpommes werden meist etwas vor der Hauptspeise gereicht. Die sind aber nicht süß. Übrigens: Kola mit Rum heißt ja Cuba Libre, also freies Kuba. Aber Exilkubaner nennen es „die kleine Lüge“, weil Kuba ja gar nicht frei ist.

Eine Mitreisende hat sich die junge Ausgabe der Staatszeitung Rebelde (Juventud Rebelde) gekauft. Sie hat nur acht Seiten und kostet dennoch 20 Cent, obwohl sie staatlich finanziert wird. Darin steht ein Artikel über Unfälle durch Pokémon Go in Amerika und Australien. Ein Teufelszeug also, das es hier zum Glück nicht gibt. *Erleichterung* Es reicht auch schon, wenn einem ständig Hühner, die auf dem Land ausnahmsloser jeder Hält, Schweine und Rinder vors Auto laufen. Berindert genug, wenn man auf der Autobahn bremsen muss, weil eine Kuh auf der Fahrbahn steht.

Orlando, ein Freund der Reiseleiterin, steigt zu. Er hat auch schon mal vergeblich versucht, mit dem Floß nach Amerika zu flüchten.

Wir hören unterwegs Musik von Benny Moré und fahren zum botanischen Garten von Cienfuegos, der allerdings recht weit außerhalb liegt. Meine Darmprobleme haben aufgehört, stattdessen ist mir im Bus kalt.

Kanonenkugelbaum
Den Baum, von dem dies die Frucht ist, nennen sie hier Kanonenkugel-Baum.

Der botanische Garten befasst sich mit Bäume. Vor allem auf die Bambus-Sammlung ist man stolz. Ich finde Bäume nicht so spannend. Aber auch für mich gibt es etwas Schönes. Und damit meine ich nicht unsere dunkelhäutige Führerin, die eine ihrer Hautfarben exakt entsprechende Leggings trägt, durch die ihr weißer Schlüpfer scheint. Nein, ich meine ihn hier:

Echse
Janni ist da, alles steht Kopf
(Dieses Bild wurde gedreht; Eigentlich läuft die Saumfingerechse hier wieder nach oben. Sie kann auch eine rote Kehle machen, aber die Bilder davon sind nicht so schön geworden. Die Art heißt offenbar Anolis allisoni.)

Als wir um 17 Uhr das Hotel erreichen (ich habe natürlich die am weitesten von der Rezeption entfernte Bungalowhälfte gezogen), will ich nur noch schlafen. Allerdings hindert mich ein bis 18:45 andauerndes schweres Gewitter daran, das zu tun. In der Zeit bekomme ich von einer Mitreisenden ein Fieberthermometer (38,3°C) und einige Tabletten. Um kurz nach 20 Uhr klopfen Jaime und die Hotelärztin. Wir diskutieren an der Tür und ich entscheide mich, nicht ins Krankenhaus zu fahren. Durch die Diskussion an der Tür ist eine Mücke reingekommen, die mich ebenso vom Schlafen abhält, wie die laute Musik draußen und ebenso lauter Sex in der anderen Bungalowhälfte (nicht Teil unserer Reisegruppe).


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