9-Euro-Ticket Fehmarn (II) – Déjà-vu
Nachholeffekt
Dieser Beitrag behandelt den 24. Juli 2022.
Die Coronaregeln sind schon lustig gerade. Ich hatte/habe engen Kontakt mit zwei Corona-Infizierten, laut gestern (Sonnabend) gemachter Antigentests. Es gibt jetzt aber weder konsequent PCR-Tests für Infizierte noch Quarantäne für enge Kontakte. Ist auch nicht schlimm. Eltern sagen ihren Kindern immer, wenn man sich etwas ganz fest vornimmt, kann man es schaffen. Ich habe mir daher am Anfang der Pandemie fest vorgenommen, kein Corona zu kriegen – bisher trotz etlicher Reisen mit Erfolg, wie regelmäßige Tests bestätigen (mit dem Watmind-Test, den in meiner Analyse vom 11. Januar sensitivsten Laientest). Aufgrund meiner persönlichen Anti-Corona-Strategie konnte ich 2021 auch nicht verstehen, warum mich das Gesundheitsamt vom 4. bis zum 16. März in Quarantäne gesteckt hat. Jetzt sind zwar wieder exakt dieselben Kontaktpersonen erkrankt – ich aber natürlich nicht. Immerhin muss ich diesmal nicht wieder sinnlos in Quarantäne. Also ab nach Fehmarn!
Bei meinem letzten Besuch habe ich zwar viel vom Teil östlich der Vogelfluglinie gesehen, aber im Westen fehlen mir noch so einige Ecken: Nordküste, Westküste und Orth. Bei Sunny Bike leihe ich mir wieder spontan ein Fahrrad. Das ist auch überhaupt kein Problem. Dann geht es einmal gegen den Uhrzeigersinn die genannten Strecken entlang.
Marienleuchte
Der erste Stopp liegt aber östlich der Vogelfluglinie: Marienleuchte. Der Weg dorthin führt an der Baustelle für den Fehmarnbelttunnel vorbei. Da wird auch am heutigen Sonntag gearbeitet. Muss ja fertig werden das Ding.
Die Fähren, die immer noch fahren, kann man auch vom Strand von Marienleuchte beobachten, meinem ersten Halt. Dennoch ist der Strand eher unspektakulär. Ich interessiere mich für die Schwanenfamilie. Meine Eltern meinen, ich hatte als Kind ein Erlebnis mit einem Schwan auf Fehmarn, der mich von hinten gebissen hat.
NSG Grüner Brink
Der Grüne Brink ist eines von vier Naturschutzgebieten auf der Insel. Die Wallnau war letztes Mal dran, heute außerdem noch die Nördliche Seeniederung etwas weiter westlich. Das vierte Naturschutzgebiet im Bunde, Krummsteert-Sulsdorfer Wiek, ist nicht zugänglich – Fotos gibt’s aber trotzdem nachher.
Im Nordwesten begegnen einem sehr oft Schafe. Und damit die nicht lang laufen, wo sie wollen, gibt es viele selbstschließende Pforten. Ist für Fahrradfahrer etwas blöd, aber da kann man nichts machen. Wer aber den für die Öffentlichkeit freigegebenen Teil des Naturschutzgebiets besucht, findet ein hübsches Heidegebiet. Direkt an der Küste. Das überrascht mich sehr.
Niobe-Denkmal
Direkt westlich des Grünen Brinks am Gammendorfer Strand steht das Niobe-Denkmal. Die Niobe, benannt nach einer Figur der griechischen Mythologie, war ein Segelschulschiff der Reichsmarine, das 1913 vom Stapel lief und am 26. Juli 1932 (übermorgen vor 90 Jahren) vor Fehmarn in einer unvorhergesehenen Gewitterbö sank. 69 Menschen starben, 40 wurden gerettet.
NSG Nördliche Seeniederung Fehmarn
Fährt man durch das Ahoi Camp (was man glaube ich nicht darf, man muss wohl am Strand vorbei, aber das ist mit dem Fahrrad schwer, zumal der im Folgenden beschriebene Weg eine Sackgasse ist), erreicht man eine hölzerne Aussichtsplattform. Von dort hat man Blick
Vor der Plattform stehen zwei Holzbänke. „FREIHET!“ und „MEHR ♥ FÜR ALLE“ hat jemand auf die Bänke gekritzelt. Ich kaufe ein ‚I‘ und möchte lösen.
Da es wie gesagt eine Sackgasse ist, muss ich durch das Ahoi Camp zurück. Erst in diese Richtung sehe ich ein Schild, dass man eigentlich nicht als Besucher durch das Ahoi Camp fahren darf. Wären wir bei meinem ersten Besuch mit der Firma auf die Insel gekommen, hätte ich vorgeschlagen, im Ahoi Camp zu zeltenm, weil das eine schöne Lage und den besten Preis (11 Euro) hatte zu dem Zeitpunkt.
Ich fahre weiter zum Westermarkelsdorfer Leuchtturm. Wobei, eigentlich sind es zwei. Ein alter von 1881 (heutige Höhe seit 1902) und ein neuer aus dem Herbst 2020.
An dieser Stelle muss man aufpassen, denn immer wieder ist der Weg blockiert. Wodurch? Durch die hier:
Die Schafe sie blöken nicht nur an der Nordseeküste wie blöd auf dem Deich – an der Ostseeküste ist es kaum besser.
Ostseestöpsel
Leuchtturm ist ein gutes Stichwort. Es geht nun auch schnell weiter zum nächsten Leuchtturm, nur ist der im äußersten Südwesten, während ich gerade noch im äußersten Norden Fehmarns bin. Dazwischen liegt die Wallnau, die letztes Mal schon dran war, und noch die folgende ulkige Sehenswürdigkeit:
Jimi-Hendrix-Gedenkstein
Ach ja, und eine der bekanntesten Wehenswürdigkeiten liegt hier auch. Oder steht. Nämlich der Gedenkstein für Jimi Hendrix, der am 6. September auf dem Love-and-Peace-Festival auf Fehmarn sein letztes Konzert spielte, bevor er durch übermäßigen Drogenkonsum am 18. September in London ins Gras biss.
Leuchtturm Flügge
Der Leuchtturm Flügge kann besucht werden – „nur mit Eintrittskarte und Anmeldung“ klingt kompliziert. Ist aber ganz einfach: Zur Kasse des kleinen Cafés gehen, 3 Euro bezahlen und die 162 Stufen raufgehen und dann die schöne Aussicht bezahlen.
Ich bin mir unsicher, warum die Kamera so rebelliert. Vielleicht sind es die vielen Schwalben, die ständig durchs Bild fliegen.
Orther Hafen
Auf dem Rückweg mache ich noch kurz Halt am Orther Hafen.
Dann geht es zurück zur Fahrradrückgabe (56 Kilometer heute). Ich beeile mich. Grund ist nicht nur, dass ich den Zug um 17:23 kriegen möchte, sondern auch, dass schon wieder ein komischer Wind weht, dem ich nicht traue. Andere haben es nicht so eilig:
Heute fährt der Zug um 17:23 nach Hamburg durch. Er ist bereits in Fehmarn recht gut gefüllt, ab Scharbeutz richtig voll und ab Timmendorfer Strand (eine Station weiter) platzt er aus allen Nähten. Wie gut, dass Corona endlich vorbei ist!
Verspätung gibt es trotz der vielen Leute nicht und ich kann in Hamburg sogar einen Zug früher nehmen, den mir die Bahn-App wegen nur 4 Minuten Umsteigezeit nicht vorschlägt. Bringt aber nicht so viel, da der Takt eine Stunde davor eine knappe Stunde Verspätung hat. Da der jetzt effektiv Leute für zwei Züge einsammelt, wird die Verspätung immer größer und wir schleichen hinter ihm her.
Nächste Woche: Sylt. Der RE 60 von Hamburg nach Sylt dürfte übrigens der Regionalzug mit der längsten Strecke ohne Halt sein, rund zwei Drittel seines Zuglaufs: 1:35 Stunden fährt er im Normalfall von Altona nach Husum, wobei es in Gegenrichtung einen Sondertakt vormittags gibt, der ohne Halt von Heide nach Hamburg Hbf fährt.
Kommentare
Es gibt noch keine Kommentare zu dieser News.