Kreta VI Tag 3 und 4: Gav́dos – Der südlichste Punkt Europas

Irgendwie ist Gav́dos nicht so ganz einfach zu erschließen. Aber Zeit für den südlichsten Punkt Europas muss sein.

geschrieben von Janni Sonnabend, 25. November 2023 um 13:05 Uhr

Der nächste Morgen. Jetzt lerne ich auch die Vermieterin kennen. Frühstück gibt es auch. Zusammen mit der Übernachtung kostet alles 38 Euro. Meine günstigste Übernachtung. Gegenüber der Buchung bei Booking habe ich so 6 oder 7 Euro geplant.


In 30 Minuten bin ich in Chóra Sfakíon und heute fährt die Fähre sogar! Erster Halt der Samariá I ist Loutró.

Panorama von Loutró auf Kreta

Bevor es auf den langen Abschnitt rüber nach Gav́dos geht, halten wir zudem noch in Agía Rouméli, dem Ende der Samariá-Schlucht.

Die Fähre ist zwar pünktlich abgefahren, Ankunft in Gav́dos ist Griechenland-typisch aber 45 Minuten zu spät.

Anders als sonst auf kleinen Inseln werde ich auch nicht von meiner Unterkunft, Metóchi Gav́dos, abgeholt. Also geht es 45 Minuten bergauf zu Fuß zur Unterkunft. Eigentlich noch 5 Minuten weiter, denn der Marker auf Google Maps ist deutlich falsch. Zufällig kommt mir dort, wo der Marker auf Google Maps ist, der Besitzer entgegen, der mir das erklären kann.

Nach dem Check-in mache ich mich zur wichtigsten Sehenswürdigkeit Gav́dos’ auf, dem Trypití (Felsenbogen). Das ist die bedeutendste Sehenswürdigkeit der Insel, denn dort ist der südlichste Punkt Europas aus geografischer Sicht. Der südlichste Punkt Schengens liegt in La Restinga auf El Hierro, der südlichste Punkt Europas aus politischer Sicht wohl ebenfalls. Und der südlichste Punkt der EU liegt auf La Réunion.

Bis zum Trypití sind es aber auch anderthalb bis zwei Stunden Fußweg. Die Strecke ist größtenteils nicht befestigt, aber gut markiert. Es gibt auch eine Kilometrierung, die in Blickrichtung rückwärts verläuft. Auf Gav́dos ist allgemein nicht so viel asphaltiert.

Weg zum Trypití auf Gav́dos
Weg zum Trypití auf Gav́dos

Kurz nach dem Bild erreiche ich einen kleinen Picknickplatz mit Bänken. Einige Wasserkanister stehen herum. Das kommt mir seltsam vor. Etwas später liegen einige Frauenklamotten am Weg. Ich mache mir Gedanken, dass etwas passiert sein könnte.

Ein Stückchen weiter liegen noch mehr Sachen rum, darunter auch Trinkpäckchen. Ich schaue nach: Traubensaft. Die Packung ist auch arabisch beschriftet. Dann sind hier wohl Flüchtlinge hergekommen. Etwas weiter liegen noch viel mehr Sachen rum. Deutschland sollte aufhören, die Schlepperschiffe im Mittelmeer zu finanzieren, was auch Elon Musk letztens auf Twitter anmerkte. Dann wären auch die Wege auf Gav́dos sauberer.

Der Weg ist dann aber doch weiter als gedacht. Würde ich bis zum Trypití gehen, käme ich nicht mehr im Hellen zurück. Außerdem habe ich mit meiner wertvoll aussehenden (aber größtenteils defekten) Kamera Angst, dass doch noch Flüchtlinge in der Gegend sind. Hier ist auch kein Handynetz mehr.

Wobei, so spät ist es doch gar nicht. Hä? Kann doch nicht sein. Stimmt auch: Mein Handy hat sich in ein fremdes Handynetz eingebucht und die dortige Zeit übernommen: Ägyptische Zeit steht nun da. Und da ist es eine Stunde früher.

Beim Pateridon, einer Ruinensiedlung, entscheide ich mich daher, zurück zu gehen. Von dort gibt es einen anderen Weg zurück. Auf dem gibt es aber nicht viel zu sehen, außer Farmen. An einer Stelle sind Schweine, Gänse und Ziegen ausgebrochen und stehen jetzt auf der Schotterpiste.


Am nächsten Morgen probiere ich das nochmal. Diesmal nehme ich mein Stativ mit. Wenn mir einer blöd kommt, gibt’s damit eins auf den Deckel.

Gestern in der an der Unterkunft angeschlossenen gleichnamigen Taverne habe ich wegen der Erlebnisse mit den Flüchtlingssachen herumgefragt. Das sei schon lange her, meinten die. Ich möchte mir das MHD einer der Trinkpäckchen anschauen, aber da steht sogar ein Produktionsdatum drauf: 03.09.23. Oh. Na dann ist ja gut, dass ich das Stativ dabei habe.

Pateridon auf Gav́dos
Pateridon auf Gav́dos
Weg zum Trypití auf Gav́dos – erinnert ein bisschen an Xylóskalo (Samariá-Schlucht)
Weg zum Trypití auf Gav́dos – erinnert ein bisschen an Xylóskalo (Samariá-Schlucht)

Kurz vorm Trypití am Salzsee (Aliki) stehen auch noch zwei Körbe mit Datteln. Dann dürfte alles klar sein. Ich begegne aber auf meinem Rundgang wie gestern keiner einzigen Menschenseele.

Trypití auf Gav́dos
Trypití auf Gav́dos
Südlichster Punkt Europas auf Gav́dos
Südlichster Punkt Europas auf Gav́dos
Südlichster Punkt Europas auf Gav́dos mit mir!
Südlichster Punkt Europas auf Gav́dos mit mir!
Steilwände am Kap Trypití auf Gav́dos
Steilwände am Kap Trypití auf Gav́dos
Salzsee (Aliki) beim Trypití auf Gav́dos
Salzsee (Aliki) beim Trypití auf Gav́dos

Ich entscheide mich, es nicht auf die letzte Fähre der Saison ankommen zu lassen, die morgen fährt, und fahre heute zurück. Gestern habe ich am Anleger geragt, wann die nächste Fähre nach der morgen geht – wissen sie nicht. Spoiler. Es wurde am übernächsten Tag eine Fahrt für den 31. Oktober angesetzt. Die nächste Fahrt war dann am 17. November, dann aber 3x pro Woche wie jetzt auch.

Auf dem Weg höre ich in der Entfernung einen Autounfall. Und beim Warten am Hafen sehe ich auch, wer daran beteiligt war. Die fühlt sich bestimmt ziemlich blöd, wo jetzt alle gucken.

Chóra Sfakíon auf Kreta am Abend
Chóra Sfakíon auf Kreta am Abend

Mein Hotel ist das Alianthos Garden in Plakiás, dem bedeutendsten Touri-Ort der Südküste Kretas. Ich laufe relativ planlos in ein Hotel. „Kann ich dir helfen?“, fragt eine Frau so etwa in meinem Alter am Rezeptionstresen. Es stellt sich heraus: Ich bin im richtigen Hotel!


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