Ägypten (Nilkreuzfahrt) II Tag 4: Felsengräber von el-Kab – Tal der Könige light

Entfernte Ähnlichkeit will ich nicht abstreiten – der Umfang und der Erhaltungszustand el-Kabs sind dem Tal der Könige weit hinterher (und die Besucherzahlen erst recht)

geschrieben von Janni Montag, 5. Januar 2026 um 20:39 Uhr

Dieser Post entstand taggleich.


Diese Nacht habe ich besser geschlafen, obwohl wir die ganze Nacht gefahren sind. Ich habe nämlich nicht nur die Steuerung der sehr lauten Klimaanlage gefunden (yay!) sondern auch darum gebeten, dass meine Kabine nach vorne verlegt wird. Jetzt ist sie 4 Zimmer weiter vorne. Der Reiseleiter meinte, es gäbe 221 (links) und 218 (rechts), beide liegen gegenüber (die Kabinennummerierung ist dämlich, wie man sieht). Ich könnte mir eins aussuchen, er würde aber 218 empfehlen. Dem bin ich gefolgt, auch wenn er es nicht begründen wollte. Ich vermute, dass er das empfohlen hat, weil man dadurch, wenn Schiff angelegt hat, das andere Ufer sieht, da das Schiff gegen die Strömung anlegt und alle Anlegestellen rechts sind.


Gestern Abend hat der Kapitän unseren Ausflug in Edfu von 7:30 auf 7:00 Uhr vorverlegt. Da unsere Passage der Esna-Schleuse erst um 0:20 statt wie erwartet gegen 23 stattfand, sind wir um 7 aber noch gar nicht in Edfu. Auch um 7:30 legen wir gerade erst an. Mit ca. 9 bis 10 km/h (flussaufwärts) kommt man auch echt nicht voran. Jetzt verstehe ich, warum ich damals bei der Suche nach relativ kurzen Nilkreuzfahrten nur welche flussabwärts gefunden habe. Wir sind eines der langsamsten Schiffe auf dem Nil und werden ständig überholt, wobei das auch eher ein Elefantenrennen ist.


Wir sind zwar sowieso nicht viele bei Seth, irgendwie so 7 verglichen mit zig Leuten bei Memnon (die auf zwei Gruppen aufgeteilt werden), aber die anderen aus der Seth-Gruppe möchten heute lieber das Memnon-Programm machen. Nicht das erste Mal, dass ich alleine das Programm mache.

Also bringt nur ein einfaches Auto mich meinen Guide zu den Felsengräbern von el-Kab. Bis zum Ort, der in der Antike Necheb (bei den Römern Eileithyia) hieß sind zwar nur gut 20 Kilometer, dauert aber wegen der extrem schlechten Straße und den vielen Temposchwellen über eine Dreiviertelstunde. Zu Beginn müssen wir über die einzige Nil-Brücke in Edfu. Im Sommer, wenn der Nil 3 Meter höher ist, müssen die Dächer des Sonnendecks nach unten geklappt werden. Jetzt kommen wir aber so durch.

Stadtmauer von Necheb, etwa 4000 Jahre alt
Stadtmauer von Necheb, etwa 4000 Jahre alt

Es gibt über 40 Gräber in el-Kab, die wie die Gräber im Tal der Könige durchnummeriert sind, wobei neuere Funde etwa 10 Kilometer entfernt sind. Von rund einem Dutzend hat man ein bisschen mehr Informationen herausbekommen können. Für den Tourismus geöffnet sind (v.r.n.l.) die Gräber EK3, EK4, EK5 und – ihr habt es erraten – EK7. Das Material hier ist härter als das im Tal der Könige.

Felsengräber von el-Kab
Felsengräber von el-Kab

Ich bin der erste heute Morgen. Also müssen sie erstmal aufschließen. Bei meiner Abfahrt ist noch mindestens ein französischer Besucher da. El-Kab ist also nicht gerade das Top-Ziel zwischen Luxor und Assuan.

EK3 (Paheri)

Paheri war zur Zeit von Thutmosis III., also Mitte des 15. Jh. v.Chr., Bürgermeister von Necheb, Junyt (und laut meinem Führer auch Assuan). Zudem war er Schreiber und Oberarbeiter (Wesir).

Grab des Paheri (EK3) in el-Kab
Grab des Paheri (EK3) in el-Kab

Sein Grab ist das auswändigste in el-Kab. Leider ist es auch sehr stark beschädigt. Die ägyptischen Christen haben sich hier vor den Römern versteckt. Und wie Christen aus der Zeit so sind, haben sie fast alle Gesichter abgemeißelt. Später haben Besucher etliche Graffitis hinterlassen, insbesondere im beginnenden 19. Jh.

Als Schreiber war Paheri für die Verteilung des Getreides zuständig. Demnach handelt ein großer der Teil der Reliefs davon.

Darstellungen der Ernte vorne links im Grab des Paheri (EK3) in el-Kab
Darstellungen der Ernte vorne links im Grab des Paheri (EK3) in el-Kab

In der mittleren Zeile wird links Leinen/Flachs geerntet und rechts Getreide. In der Mitte der Zeile wird dargestellt, wie Frauen und Kinder heruntergefallene Reste aufheben und behaltet dürfen.

In der Zeile darüber wird rechts gedroschen, indem Ochsen auf dem Getreide herumtrampeln. Dann wird die Spreu vom Weizen getrennt. Und schließlich notiert Paheri das gelieferte Getreide, während er oben auf dem Haufen sitzt.

Reliefs hinten links im Grab des Paheri (EK3)
Reliefs hinten links im Grab des Paheri (EK3)

Auffällig auf dem obigen Bild ist, wie Paheri sich um den jungen Prinzen Wadjmose kümmert, deren Erzieher er war. Laut meinem Guide war er auch Richter.

Henut-er-neheh und Paheri (links) hinten rechts in dessen Grab (EK3) in el-Kab
Henut-er-neheh und Paheri (links) hinten rechts in dessen Grab (EK3) in el-Kab

Frauen werden grundsätzlich in gelb dargestellt, während Männer rot sind. Damit wird dargestellt, dass letztere durch die Arbeit draußen eine dunklere Hautfarbe haben. Außerdem wird hier dargestellt, dass sich die beiden ein Haustier leisten konnten, nämlich einen Affen.

Rechts sieht man den anderen Sohn (neben Wadjmose), den Thutmosis I. mit Ahmose hatte, nämlich Amunmose. (Keiner von ihnen wurde König, denn Thutmosis II. wurde von Nebenfrau Mutnofret geboren. Danach wird’s kompliziert, weil der Stammbaum ein Kreis ist.)

Darstellung einer Feier vorne rechts im Grab des Paheri (EK3) in el-Kab
Darstellung einer Feier vorne rechts im Grab des Paheri (EK3) in el-Kab

Jetzt noch drei Reliefs-Details.

Relief mit spielenden Hunden im Grab des Paheri (EK3) in el-Kab
Relief mit spielenden Hunden im Grab des Paheri (EK3) in el-Kab
Relief mit dem Wiegen einer Baby-Ziege im Grab des Paheri (EK3) in el-Kab
Relief mit dem Wiegen einer Baby-Ziege im Grab des Paheri (EK3) in el-Kab
Relief mit dem Entschuppen eines Fischs im Grab des Paheri (EK3) in el-Kab
Relief mit dem Entschuppen eines Fischs im Grab des Paheri (EK3) in el-Kab

EK4 (Setau)

Setau war Hohepriester der Nechbet unter Ramses III. und VI., also zum Ende der ersten Hälfte des 12. Jh. v.Chr. Sein Grab ist deutlich stärker beschädigt als Paheris. Zudem ist die Decke gar nicht dekoriert. Allerdings sind einige Gesicher erkennbar.

Grab des Setau (EK4) in el-Kab
Grab des Setau (EK4) in el-Kab

Ein Merkmal, das man hier oft findet, ist die hellblaue Leiste aus Säulen (unter dem roten Band). Dies soll einen Palast darstellen.

Mein Guide meint, dass die Sarkophage in den Nischen/Nebenkammern waren, während sie laut Wikipedia nachträglich eingefügt wurden.

Setaus Frau in Setaus Grab (EK4) in el-Kab
Setaus Frau in Setaus Grab (EK4) in el-Kab
Darstellung einer Feier bei Setau seiner Frau in Setaus Grab (EK4) in el-Kab
Darstellung einer Feier bei Setau seiner Frau in Setaus Grab (EK4) in el-Kab

EK5 (Ahmose, Sohn der Ibana)

Ahmose ist ein General, der in der zweiten Hälfte des 16. Jh. v.Chr. für seine Erfolge gegen die Hyksos („Fremdherrscher“).

Grab des Ahmose (EK5) in el-Kab
Grab des Ahmose (EK5) in el-Kab

Seine Biografie, geschrieben von Paheri in der Ich-Form, nimmt fast die gesamte rechte Wand ein:

Biografie des Ahmose in seinem Grab (EK5) in el-Kab
Biografie des Ahmose in seinem Grab (EK5) in el-Kab

Links daneben befindet sich ein Durchgang mit einer etwa anderthalb Meter tiefen Grube, die von der Größe her durchaus das Begräbnis gewesen sein könnte. Der Durchbruch dorthin wurde wohl nachträglich gehauen und ist mit über 1,6 Meter Höhe ungewöhnlich groß.

EK7 (Renni)

Jetzt kommen wir wieder zu einem besser erhaltenen Grab, dem von Renni, wie Setau ein Hohepriester der Nechbet, allerdings im letzten Viertel des 16. Jh. v.Chr.

Grab von Renni (EK7) in el-Kab
Grab von Renni (EK7) in el-Kab

Hinten an der rechten Wand vermutet man eine Nebenkammer. Das folgende Bild zeigt den Bereich rechts davon.

Beerdigungsriten im Grab von Renni (EK7) in el-Kab
Beerdigungsriten im Grab von Renni (EK7) in el-Kab

Rennis Grab ist zudem das einzige mit erkennbar erhaltener Deckendekoration, also wo eine existierte und nicht durch Bewohnung durch Kopten verrußt ist.

Deckendekoration im Grab von Renni (EK7) in el-Kab
Deckendekoration im Grab von Renni (EK7) in el-Kab

Alles klar. Dann zurück zum Schiff.

Ich bin als letzter wieder auf dem Schiff. Es ist jetzt etwa 10 nach 10. Dann können wir ja weiter nach Kom Ombo. Fahrzeit: 8 Stunden oder so.


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