Corona Zufallszahlen

Sind Zufallszahlen heilig?

geschrieben von Janni Freitag, 17. September 2021 um 23:42 Uhr

Es gibt einen Gott. Bei uns auf der Arbeit heißt er offenbar Sistrix. Das ist eines von vielen Unternehmen, das behauptet, die Google-Suche verstanden zu haben. Das Ergebnis ihrer Analyse ist eine Zahl, Sichtbarkeit genannt. Sie verändert sich für mein Empfinden willkürlich. Trotzdem wird sie jeden Tag angeschaut. Ich habe daher vorgeschlagen, einen Zufallszahlengenerator mit Display in eine Glaskugel einzubauen und das als Sistrix Stand-Alone Appliance (dt. Eigenständiges Sistrix-Gerät) zu verkaufen. Das spart Abokosten, sieht auf dem Schreibtisch gut aus und muss nicht immer manuell im Browser aufgerufen werden.

Ich schaue mir hingegen täglich eine andere Zahl an: die Inzidenz in Deutschland. Sie verändert sich anscheinend ebenfalls zufällig. Anfang Mai hatte ich mich darüber ausgekotzt, dass das Ende der dritten Welle bereits drei Tage nach Inkrafttreten der „Bundesnotbremse“-Maßnahmen erkennbar wurde – obwohl deren Maßnahmen logisch gesehen mindestens eine, wenn nicht zwei Wochen brauchen würden, bis sie wirken können.

Und warum ist jetzt die vierte Welle (seineszeichens eigentlich eher ein Wellchen) vorbei? Altweibersommer? Impfquote?

Ach ja Impfquote. Noch so ’ne magische Zahl. Irgendwie ist auffällig, dass zur Bundesimpfkampagne #hierwirdgeimpft zwar vorher sehr viel, nach ihrem Start am Montag aber genau gar nichts in den Medien stand. Immerhin gibt es rohe Zahlen: Nachdem die Zahl der Impfungen in den dreizehn Wochen davor jede Woche gesunken ist, wurden diese Woche so viele Menschen wie in der Vorvorwoche geimpft – immerhin.

Weniger bla, mehr blaue Punkte: Es gibt wie schon zu Beginn des vierten Wellchens einen klaren Zusammenhang zwischen Impfquote und Inzidenz: Je höher die Impfquote, desto höher die Inzidenz. Nur gilt das anders als damals jetzt auch für die Zweitimpfungen:

Vergleich zwischen Zweitimpfquote (Y) und Inzidenz (X)
Vergleich zwischen Zweitimpfquote in Prozent (Y) und 7-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohner (X) (Quelle der Daten: Tagesschau.de)
ACHTUNG: Gegenüber der früheren Grafiken sind X- und Y-Achse vertauscht. Der gewünschte Zustand ist jetzt oben links statt unten rechts und wird wieder am ehesten von SH erreicht.

Ich klinge wie ein Impfgegner, bin ich aber nicht. Ich bin zweimal geimpft und finde, andere könnten das auch machen. Es kostet nichts, tut nicht weh und wahrscheinlich hilft es sogar was. Letzteres wird seit dieser Woche bei Johnson bezweifelt. Das war abzusehen, es stand ja bereits im Juli auf meinem Blog – gut, da stand auch, dass man mindestens 42 Tage braucht, bis man mit Moderna als vollständig geimpft gilt – bei mir waren’s 40.

Was passiert, wenn die Inzidenz hoch ist? Hier in Niedersachsen gibt es neben der kreisweitigen Inzidenz noch zwei landesweite Leitindikatoren: Krankenhaus-Inzidenz und Intensivbettenbelegung. Noch zwei sagenumwobene Zahlen. Sind zwei der drei Zahlen in einem bestimmten Bereich, tritt in dem Landkreis eine Warnstufe in Kraft. Liegen in Niedersachsen zu viele Leute mit Corona im Krankenhaus, kann ein Landkreis wohl auch mit Inzidenz 0 z.B. in die höchste Warnstufe 3 wandern.

Was dann passiert? Keine Ahnung. Die Redaktion der Website des Landes war so zuversichtlich (oder einfach faul), nur die Maßnahmen auf Stufe 1 zu erklären. Für Stufe 2 und 3 stehen nur die Kriterien da, nicht die Folgen. Frei nach dem Motto: Fürchtet euch vorm Unbekannten!/

Bei dem Motto muss ich irgendwie an die Bundestagswahl denken. Aber das würde den Rahmen dieses Posts sprengen.


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