Kriti (Kreta) II Tag 1 und 2: Die letzte Hoffnung

Auch Kreta ist nur zweimal im Jahr.

geschrieben von Janni Sonnabend, Tag der Deutschen Einheit 2020 um 22:15 Uhr

Nachdem Spanien in Sachen COVID-19 überhaupt kein Land mehr sieht, Frankreich größtenteils in Neuinfektionen versinkt und in Portugal zumindest die Hauptstadtregion ein Risikogebiet ist, sind Italien und Griechenland die letzten Hoffnungen für Reisebranche und Reisewillige. Kürzlich hat die Touristik Union International (kennt glaube ich keiner unter dem ausgeschriebenen Namen) zwar angekündigt, dass man auf ausdrücklichen Wunsch auch in Risikogebiete reisen kann, aber für die Masse ist das natürlich nichts.

Ich habe mich daher spontan entschieden, ein zweites Mal nach Iraklio zu fliegen. Eigentlich ist alles wie beim letzten Mal. Sogar die gleiche Flugnummer. Nur die Schlange an der Sicherheitskontrolle am Flughafen Langenhagen ist länger.

Alles ist so ähnlich, dass ich aus Verwirrung schon mein Ticket vom letzten Mal über den Scanner halte. Die piept sehr laut und schickt mich zum Check-In-Schalter. An der dortigen Schlange angekommen, fällt mir auf, dass die Uhrzeit auf meinem Ticket nicht stimmt – kein Wunder, es ist ja auch das falsche. Also wieder hinten anstellen... Der Scanner hätte ja ruhig schreiben können: „Das Ticket ist seit 2,5 Monaten abgelaufen du Vollidiot!“

Der Flug ist wieder nahezu ausgebucht, diesmal ist es aber nur ein kleinerer Airbus A320-212 (Kennzeichen: D-AICI). Einen Bordfilm gibt es nicht, allerdings etwas mehr Auswahl beim Essen und einen Bordverkauf (wobei man die Artikelliste nur auf Wunsch erhält). Der Sitzabstand scheint etwas größer als beim letzten Mal.

Ausstieg ist immer noch nach Sitzreihen, geht aber sehr schnell. Der vorab von griechischen Staat zu beantragende QR-Code wird immer noch nicht gescannt. Vor den Schaltern der Autovermietungen im Terminal haben sich bereits schlangen gebildet. Alleine zum Hotel ist wohl sicherer. Mache ich auch so. Mich begrüßt eine Mitarbeiterin von eurocreta am Ausgang. Ich habe mich für diese Firma entschieden, da sie eine Einwegmiete vom Flughafen zum Hafen anbietet. Anders als sonst ist überhaupt keine Kreditkarte nötig. Ich zahle einfach in bar.

Nicht nur weil wir 15 Minuten zu spät losgeflogen sind, bin ich nach Ende der Abendessenszeit (diese geht bis 21 Uhr) beim Hotel in Sissi. Kein Problem: Ich bekomme einen Teller mit Salaten, kalten Fisch, zwei abgepackte Brötchen und Auflage – und das, obwohl ich meine Verspätung nicht mal angemeldet habe.


Am Morgen erlebe ich dann, wie sich Hotelverpflegung durch Corona verändert hat. Abgepackte Dinge kann man sich nehmen (z.B. Brötchen, Butter), alles andere muss man bestellen. Der Personalaufwand und Verbrauch an Tellern steigt dadurch.

Es sind gefühlt nur deutschsprachige Gäste hier. Mein Gefühl trügt mich nicht, erzählt mir bei der Abholung zur heutigen Tagestour kurz darauf der Guide Thomas, als wir durch das nächstgrößere Städtchen Malia fahren: Die Briten, die in Malia normalerweise zu tausenden sind, müssen nach Rückkehr in die Quarantäne. Franzosen und Spanier haben genug Probleme im eigenen Land. Da bleiben eigentlich nur noch die Deutschen. Und selbst obwohl es im vollen Flieger so scheint, als sei alles wie immer, ist selbst das nicht so, geschweige denn können die Deutschen die fehlenden anderen Nationalitäten finanziell wettmachen.

Wir holen noch zwei Pärchen aus den beiden Cactus-Hotels im nahen Stalida ab, schon geht die Tour los. Sprache ist Deutsch. Der Guide Thomas war 1989 mal hier und ist 1990 ausgewandert. Aus Mangel an Arbeit in der Wintersaison (was dieses Jahr besonders schwer werden wird) musste er zunächst noch im Winter zurück nach Deutschland reisen. Beschweren will er sich nichr, sagt er, denn dabei hat er 1999 seine Freundin Anna kennengelernt. Die hat er in der Folge 3 Jahre „bearbeitet“, wie er sagt, bis sie ihm zurück nach Kreta gefolgt ist – unter der Bedingung, dass sie heiraten (in Deutschland). Seine Frau arbeitet wie er beim Safari Club Kreta. Sie hat mir Mittwoch die Nachricht mit der genauen Startzeit geschrieben.

Erster Stopp ist eine Olivenölfabrik, was nicht unbedingt zum Programm gehört.

Blick in eine Olivenölfabrik
Blick in eine Olivenölfabrik [Sigma 20mm F1,4 Art @ F4, 1/60 s (EV−1), ISO 100]

Wir bekommen von Thomas eine Erklärung, wie Olivenöl hergestellt wird:

  1. Die Ernte der Oliven erfolgt mit einer Art Kantenschneider, wobei die verwendeten Geräte mehrere Bänder und diese zudem an der Seite haben. Die Früchte und auch Zweige fallen dann in ein um den Baum ausgelegtes Netz. Die Ernte ist Mitte November bis Ende Februar. Man kann relativ gut zeitlich variieren, aber wenn man zu lange wartet, trocknet die Südseite aus. Man erntet normalerweise, wenn etwa die Hälfte der Oliven grün ist (und die andere Hälfte rosa – schwarze Oliven gibt es nicht, die sind gefärbt).
  2. Zweige und Blätter werden ausgeblasen. Diese holen lokale Schäfer oder Ziegenhirten ab.
  3. 1 Stunde lang häckseln.
  4. Zentrifugieren. Was hier an festem Zeug übrig bleibt, wird getrocknet und zum Heizen verwendet.
  5. Trennen von Wasser und Öl. Bestimmung des Säuregehalts. Kreter brauchen 30 Liter Olivenöl pro Kopf und Jahr, sie benutzen das aber sehr vielseitig. Eine solch moderne Firma behält von Privatleuten 15% des Öls als Lohn. Weniger moderne Fabriken behalten 10%, da ihre Zentrifuge nicht so gut ist – so erhält ein Privatmann in etwa gleich viel Öl für sich (vielleicht sogar etwas mehr bei der weniger modernen Fabrik).

Wir bekommen eine Kostprobe: Bröt mit viel Olivenöl, Oregano und Meersalz. Es schmeckt wirklich gut, aber ich darf kein Olivenöl kaufen, da ich nur mit Handgepäck unterwegs bin, wo man nur 100ml-Fläschchen mitnehmen darf.

Olivenölfabrikgebäude
Auf Kreta stehen neben 30 Millionen anderen auch die zwei ältestens Olivenbäume der Welt, einer im Südosten, einer im Südwesten. Einer dieser Bäume ist auf dem Bild am Gebäude der Olivenfabrik abgebildet. [Sigma 20mm F1,4 Art @ F8, 1/400 s (EV−1), ISO 100]

Wir fahren nach Krasi. Dort wohnte Nikos Kazantzakis, Namensgeber des Flughafens in Iraklio. Von ihm stammt der Roman Alexis Sorbas, der von Michael Cacoyannis 1964 verfilmt wurde. Anthony Quinn in der Hauptrolle war angeblich zu unbegabt oder zu betrunken, um den am Ende vorgesehenen Syrtos zu tanzen, also wurden aus den 13 Schritten die 6 einfachsten genommen daraus nur für den Film ein neuer Tanz namens Sirtaki (kleiner Syrtos) erfunden. Traditionell griechisch ist dieser Tanz somit nicht, wird aber oft dafür gehalten.

Bekannt ist Krasi aber für die 1.800 bis 2.000 Jahre alte Platane.

Große Platane von Krasi
Im Sägewerk Bad Segeberg zersägen wir Platanen
Das Sägewerk Bad Segeberg erbauten unsere Ahnen.
[Sigma 20mm F1,4 Art @ F8, 1/125 s (EV−1), ISO 100, HDR Auto]

Die Ahnen haben hier in Krasi zwar kein Sägewerk erbaut, dafür aber vor 3.000 Jahren eine Quelle direkt neben der Platane auf der Straßenseite gegenüber. 1890 wurden dort Waschbretter in den Stein geschlagen. Dies gab Männern, die unter dem Baum saßen, die Möglichkeit, sich eine Frau auszusuchen, die gut waschen konnte.

Aquädukt
Gespeist wurde die Quelle durch ein 21km langes Aquädukt – hier dessen längstes erhaltenes Stück [Tamron 28–75mm F2,8 Di III RXD @ 32mm F8, 1/320 s (EV−0,3), ISO 100]
Junge Katze, ganz schwarz, mit rotem Perlenhalsband
Eine Frau aus der Gruppe hat es total mit Katzen. Das erinnert mich sehr an meine Marokko-Reise, wo ich jede Katze fotografiert habe, die mir über den Weg lief. [Sony FE 70–300mm F4,5–5,6 G OSS @ 300mm F5,6, 1/200 s (EV−0,7), ISO 400]
Aposelemi-Stausee
Aposelemi-Stausee – einige Orte mussten dafür weichen, wovon einige jetzt sichtbar sind, da der Stausee 2 Meter unter Höchststand steht [Sigma 20mm F1,4 Art @ F11, 1/250 s (EV−0,3), ISO 100]
Neben der Straße findet man auf Kreta oft Glaskästen und Modelle von Kapellen. Beide werden aufgestellt, wenn dort jemand verstorben ist, letztere aber auch als Hinweis für Pilger auf eine nahe Kirche oder Kapelle. Und ich dachte bei meinem ersten Besuch, man sollte da Spenden rein tun. [Tamron 28–75mm F2,8 Di III RXD @ 52mm F2,8, 1/8000 s (EV−0,3), ISO 100]

Wir besuchen Kastamonitsa. Dort gibt es auch wieder Brot mit Olivenöl, Oregano und Meersalz sowie Brot mit Thymianhonig, Raki und Rakiliköre zum Kosten.

Orthodoxer Friedhof von Kastamonitsa
Orthodoxer Friedhof von Kastamonitsa [Sigma 20mm F1,4 Art @ F6,3, 1/1250 s (EV−1,3), ISO 100, HDR Auto]
Holzbiene
Holzbiene (Xylocopa iris?) [Tamron 28–75mm F2,8 Di III RXD @ 75mm F5,6, +10mm Zwischenring, 1/800 s, ISO 100]

Als wir dann die befestigte Straße verlassen, macht Thomas Highway to Hell von AC/DC an. Für sanftere Gemüter folgt anschließend Dieser Weg. Das ist von Xavier Naidoo und so langsam ereilt mich die Überzeugung, dass diese Pandemie eine einzige Verschwörung ist. Ich habe das Verlangen, meine Maske abzusetzen und halte überhaupt Gesetze gegen Corona für unnötig, da ich noch nie Corona hatte. Nur folgerichtig halte ich kurz darauf auch Gesetze gegen Mord für unnötig, da ich noch nie ermordet wurde.

Blick aufs Ida-Gebirge
Vorne Kastamonitsa, ganz hinten das Gebirge Ida, in der Mitte Kastelli mit dem Militärflugplatz Kastelli, den die Deutschen im zweiten Weltkrieg bauen ließen. Auf der gelben Fläche hinter der bestehenden Landebahn soll eine weitere Landebahn für größere Verkehrsflugzeuge gebaut werden. Dann soll der Flughafen den bestehenden ersetzen, der im Tourismusrekordjahr 2019 auf dem Dreifachen seiner angedachten Kapazität lief. [Tamron 28–75mm F2,8 Di III RXD @ 35mm F8, 1/320 s (EV−0,7), ISO 100]

Wir fahren zu einem Hirten, der oben in den Bergen 500 der 4 Millionen Ziegen und 350 der 2,5 Millionen Schafe auf Kreta hat. Letztere sind ab Ende September im Tal, um Nachwuchs zu bekommen. Hirte Jannis kümmert sich darum, Manolis ist oben auf dem Berg bei den Ziegen.

Ziege steht auf den Hinterbeinen, um Mais zu erhaschen
El Diavolo kann Kunststücke vollführen – vorausgesetzt, man hat Mais [Tamron 28–75mm F2,8 Di III RXD @ 75mm F7,1, 1/200 s, ISO 100]

Sie melken hier 400 Tiere von Hand. In einem alten Kessel wird die Milch (80% Schaf, 20% Ziege) pasteurisiert, dann zwei EL Lab zugegeben. Aus dem oben schwimmenden Teil wird Kopfkäse (40% Fett in Trockenmasse) gemacht, der nach 4 bis 6 Monaten ähnlich wie Parmesan schmeckt. Aus dem unteren Teil macht man Blumenkäse (20% Fett in Trockenmasse).

Wir fahren zur Dikti-Höhle, bekannt als Geburtsstätte Zeus’. Besser gesagt, wir fahren in die Nähe. Von dort müssen wir die letzten 600 Meter selbst laufen – klingt einfach, sind ber immerhin 180 Höhenmeter. „Grüßt mir Zeus!“, sagt Thomas, der unten bleibt. „Sozusagen ‚Grüß Gott!‘“, meine ich. Die Höhle kostet 6 Euro Eintritt.

Blick in die Dikti-Höhle
Dikti-Höhle [Tamron 28–75mm F2,8 Di III RXD @ 28mm F2,8, 1/40 s (EV−3), ISO 400, HDR EV±6]
In der Dikti-Höhle
„Die Miten steigen und die Titen hängen.“ – im Wasser unter dem Weg ist die eigentliche Geburtsstätte Zeus’ [Sigma 20mm F1,4 Art @ F1,4, 1/4 s (EV−1,3), ISO 400]
Stieleichel
Das Sägewerk Bad Segeberg sucht wirklich seinesgleichen
Im Sägewerk Bad Segeberg zersägen wir gern Eichen

Das Zersägen von Stieleichen lohnt sich jedoch nicht. Insbesondere nicht, wenn sie wie manche hier (nicht die abgebildete) von Ziegen zerfressen wurden. [Tamron 28–75mm F2,8 Di III RXD @ 28mm F3,5, +10mm Zwischenring, 1/800 s, ISO 100]

Jetzt haben wir uns ein Mittagessen (im Preis von 89 Euro enthalten) aber auch wirklich verdient. Als Vorspeise gibt es gefüllte Weinblätter (hatte ich im Hotel gestern Abend – aber die hier schmecken sogar) mit Zaziki, gelbes Linsenpüree mit viel Olivenöl, griechischer Salat und Ofengemüse. Hauptgericht ist Schweinefleisch aus dem Holzkohlegrill mit Lasithi-Kartoffel. Wäre dunkle Soße dabei, würde das als original deutscher Schweinebraten durchgehen. Zum Nachtisch gibt es Apfelscheiben mit Zimt, sowie Trauben.

Aber auch sonst gibt es jede Menge zu Essen auf der Tour, denn viele Pflanzen auf Kreta sind Nutzpflanzen. Zum Probieren gab es unterwegs Weintrauben, Mandeln, Walnüsse sowie folgende Kräuter: Bergsalbei, Mönchspfeffer (der heißt so, weil er das Sexualverlangen senkt), weiß blühender Oregano, Wildes Berg-Bohnenkraut (Thryba) und Bergthymian.

Nach dem Mittag kommen noch einige Fotostopps, wo man vom Gebirge ins Tal blicken kann. Letzter Stopp ist oberhalb der Roza-Schlucht. Hier stehen kaputte Windmühlen, die die Deutsche zerstört haben, weil sie sie für Artillerie hielten. An dem Punkt, an dem wir stehen, lag im Januar 2015 2,5 Meter Schnee. Damit war man auf Kreta natürlich komplett überfordert. Normalerweise ist es dann aber noch warm genug, dass man zumindest im Tiefland Touristen empfangen könnte. Reiseveranstalter bewerben das aber nicht. Vielleicht wird die sonst nur 6 Monate gehende Saison dieses Jahr mangels Alternativzielen ja verlängert? Der Wirtschaft auf Kreta würde es sicher helfen.

Dann fahren wir zurück zu den Hotels. Wir kommen an einem Kloster vorbei. Thomas sagt, es sei ein Nonnenkloster. „Unsere Reiseleitung hat gesagt, es sei ein Mönchskloster“, sagt eine aus der Gruppe. „Ein Mönch und viele Nonnen“, meint Thomas. „Da muss der Mönch aber schon viel Mönchspfeffer nehmen“, meint jemand aus der Gruppe.


Ich fahre mit dem Auto zum Amazonas Park. Das ist ein kleiner Zoo. Man hat vor allem Äffchen und Papageien. Mir gefallen die Papageiengehege nicht, da die Käfige kaum ausgestaltet sind.

Amazonas-Park-Hund
Zoo-Hund [Tamron 28–75mm F2,8 Di III RXD @ 72mm F2,8, 1/250 s (EV−0,7), ISO 100]

Um 17:30 ist Fütterung. Außer mir sind noch ca. 10 Griechen da. Man darf dann die Gehege der Makaken und der Kattas betreten, die man sonst noch nicht einmal von außen ansehen kann. Man kann Popcorn für die Makaken (2 Euro) oder Früchte für die Lemuren (3 Euro) kaufen, mache ich aber nicht.

Makak frisst Popcorn
„Macht mal einer Netflix an?“ [Tamron 28–75mm F2,8 Di III RXD @ 56mm F2,8, 1/250 s, ISO 100]

Man darf die Tiere nicht anfassen, vor allem die Kattas springen aber auch von sich aus auf Besucher, auch solche ohne Futter.

Katta frisst Apfelstück
Ein Katta frisst ein Stück Apfel. [Tamron 28–75mm F2,8 Di III RXD @ 75mm F2,8, 1/250 s, ISO 100]

Zurück nach Sissi zum Maritimo Beach Hotel. Ich parke direkt am Meer und mache noch ein Foto vom Sonnenuntergang.

Sonnenuntergang bei Sissi
Sonnenuntergang [Tamron 28–75mm F2,8 Di III RXD @ 28mm F6,3, 1/160 s, ISO 100, HDR Auto]

Das Essen im Hotel ist wirklich gut und vielfältig. Nachdem ich bei meinem letzten Aufenthalt auf Kreta mit Ausnahme des Mittagessens auf der Bootstour die Kulinarik komplett ignoriert habe, habe ich das heute umfassend nachgeholt.

Aus irgendeinem Grund hat der Reiseveranstalter (Frosch Touristik) mich beim Hotel als zwei Personen angemeldet (weshalb ich dem Rezeptionisten mehrfach bestätigen musste, dass ich wirklich nur eine Person bin). Da ich für diese beiden imaginären Personen zusammen 45 Euro pro Nacht mit Halbpension bezahlt habe, stellt sich für mich als Mathematiker natürlich die Frage: Wie viele Tage in Folge muss ich in Deutschland vorhaben, zum Griechen essen zu gehen, bis ein Griechenlandurlaub günstiger wird? Okay, ich lass das mit der Mathematik – ich hab ja jetzt Urlaub.


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Kykladen Tag 1 – Iraklio, Ormos Athinios, Mykonos: Pläne

Ich mache mich von Kreta aus auf den Weg zum Startpunkt meiner eigentlichen Reise.

geschrieben von Janni Sonntag, 4. Oktober 2020 um 22:26 Uhr

Bilder werden zunächst nicht größerbar sein.


Ich habe schlecht geschlafen, weil ich geträumt habe, dass mein Rückflug abgesagt wurde. Aus irgendeinem Grund war der Flug von Firá (das ist ein Ort auf der Insel Thira, besser bekannt unter dem Namens des Archipels, Santorin oder Santorini) nach Stuttgart (EW2125) am kommenden Sonntag erst ab vergangenem Mittwoch buchbar, der Flug in die Gegenrichtung aber die ganze Zeit. Für die Weiterreise nach Köln war der Flug von Firá auch am 25. Oktober buchbar, ansonsten fanden sich aber für den ganzen Oktober bis zu besagtem Mittwoch keinerlei Anzeichen auf den Flug. Was ergibt das für einen Sinn? Auf jeden Fall habe ich am Mittwoch sofort zugeschlagen und mir den Flug für den 11. Oktober gesichert.

Heute geht es aber erst einmal mit der Fähre des Unternehmens SeaJets.gr nach Mykonos. Da das reguläre Frühstück erst um 7:30 los geht, habe ich mich für ein verfrühtes Frühstück angemeldet. Das ist eigentlich wie verspätetes Abendessen: Nur der Fisch und der Coleslawsalat wurden durch zwei Stücke Kastenkuchen ersetzt und der Aufschnitt verdoppelt. Und es gibt kostenlos Kaffee oder Orangensaft.

Ich komme später los und erreiche die Autovermietung um 7:55 und damit etwa 25 Minuten später als geplant. Der Mitarbeiter fährt mich mit demselben Auto zum Hafen direkt vor die Schnellfähre Power Jet nach Ormos Athinios auf Thira. Mit einer Ankunft um 8:01 habe ich sämtliche geplante Verspätung aufgeholt. Eigentlich muss man 1 Stunde vorher seine Reservierung gegen ein Ticket eintauschen (einchecken), um Gebühren zu vermeiden, wie mir jetzt erst beim Lesen meiner Reservierungsmail auffällt. Dass man sich einchecken muss, darauf hätte man kommen können – schließlich steckt „Jet“ im Namen des Bootes und bei der Buchung verwendet man die Flughafencodes, in meinem Fall HER (Iraklio) nach JTR (Firá). Das Einchecken klappt aber auch jetzt noch kostenlos. Noch kurz einen Fragebogen zu COVID-19-Symptomen ausfüllen und ab geht’s an Bord der Fähre, die pünktlich ablegt. Obwohl derzeit der Scirocco weht und einige der gestrigen Bilder etwas diesig wirken ließ, ist das Meer eigentlich ruhig.

Da mich meine Angst um den Rückflug nicht loslässt, schaue ich schnell bei Idealo und bei Swoodoo vorbei: Die Flüge fehlen tatsächlich. Schnell bei Wikipedia die Fluggastrechte nachgeschaut: Nach Bremen bekommen muss mich die Fluggesellschaft trotzdem. Und da es nur noch 7 Tage sind bis zum Flug, darf die Fluggesellschaft zur Vermeidung der Verdopplung der Entschädigung auf 400 Euro die geplante Ankunft (um 16:35) um höchstens zwei Stunden über- und den geplanten Abflug (um 12:30) um höchstens eine Stunde unterschreiten (bei 1 bis 2 Wochen Vorlauf wären diese Zeiten verdoppelt). Spoiler: Das kann sie nicht, da der nächstbeste (und gerade sechsmal so teure) Flug mit Lufthansa von 12:50 bis 19:55 braucht (3:20 Stunden länger). Aber ich hoffe zunächst mal, dass alles wie geplant stattfindet, wenngleich ich einer Ausgleichszahlung und 20 Minuten späteren Abflugzeit auch etwas abgewinnen könnte.

Wo wir gerade bei „wie geplant“ sind: Obwohl die Fähre nach Thira pünktlich losgefahren ist und immerhin 60 km/h fährt, erreicht sie Thira mit rund 25 Minuten Verspätung.

Der angelaufene Hafen auf Thira, Ormos Athinios, ist nur eine Anhäufung von Cafés für Umsteigetouristen. Von seinem nächstgelegenen Ort Megalochori ist er eine Serpentinenstraße und ich würde mal schätzen 300 Höhenmeter entfernt. Die Straße hat keinen Fußweg und ich denke, man soll da auch nicht hoch laufen. Ich schaffe es auch nicht sondern mache auf etwa der Hälfte des Wegs eine Pause, bevor ich umdrehe.

Santorin
Caldera von Santorin – Die Boote vorne befinden sich an einer Stelle, an der Schwefel und warmes Wasser austritt. Die Insel im Hintergrund heißt Thirasia, der Ort auf Thira ganz rechts heißt Ia (oder Oia) und ist auf vielen Reiseführern zu sehen. [Tamron 28–75mm F2,8 Di III RXD @ 44mm F8, 1/500 s, ISO 100]

Die Reederei setzt eine Ersatzfähre ein. Diese soll 20 Minuten Verspätung haben, fährt aber mit 14 Minuten Verspätung von Thira ab. Mykonos (genauer: den neuen Hafen von Mykonos) erreicht sie knapp 35 Minuten zu spät.


Es sind noch gut 2 Stunden bis zum Willkommenstreffen. Ich setze mich in die Nähe des Ortes auf eine Mauer im Schatten. Da die Matthew Tarverna geschlossen hat, wurde das Treffen in ein anderes Restaurant verlegt. Diees hat gerade einfach mal geschlossen, weil der Besitzer segeln gehen wollte. Dort sind aber bereits die anderen beiden, mit denen ich jetzt die nächste Woche auf der Segeljacht bin. Beide sind deutschsprachig (gut, andere Nationalitäten haben auch viel zu viele Reisebeschränkungen) und auch der Skipper ist zwar Engländer, hat aber sieben Jahre in Österreich gelebt und lebt jetzt aus Angst vorm Brexit in Athen.

Da das Restaurant wie gesagt jetzt zu hat, geht er mit uns sofort zur Jacht im direkt angrenzenden Neuen Hafen von Mykonos (auch Tourlos genannt). Er zeigt uns die wichtigsten Dinge und die geplante Route, dann fahren wir mit dem Sea Bus zum alten Hafen.

Sonne versinkt in Wolken
Kurz vor Sonnenuntergang tauchen die ersten Wolken auf, in denen die Sonne versinkt. [Tamron 28–75mm F2,8 Di III RXD @ 75mm F8, 1/500 s (EV0,7), ISO 100]

Der Ort Mykonos erinnert mich mit seinen vielen engen Gässchen sehr an einige der arabische Städte in Nordafrika, die ich besucht habe.

Gässchen in Alt-Mykonos am Abend
Die Temperaturen sind zwar jetzt im Oktober immer noch angenehm, aber es wird früh dunkel. [Sigma 20mm F1,4 Art @ F8, 1/60 s (EV−2), ISO 320, HDR Auto]

Wir kaufen uns Getränke und genießen sie auf einer nahen Landzunge mit vielen Windmühlen und Blick über den Hafen.

Hafen von Mykonos in der Dämmerung [Sigma 20mm F1,4 Art @ F2,2, 1/15 s (EV−0,3), ISO 400]
Weg durch Alt-Mykonos bei Nacht
Weg durch Mykonos [Sigma 20mm F1,4 Art @ F4, 1/50 s (EV−1), ISO 400, HDR Auto]

Wir essen zu Abend in einem Retaurant. Anschließend machen wir uns zu Fuß auf den Weg zurück zur Jacht. An einem kleinen Strand befinden sich zwei Gänse. An einem anderen Strand steht ein ausgebauter Pferdeanhänger. Sieht irgendwie verwunschen aus, als ob da eine Wahrsagerin drin wohnen würde – von der würde ich mir aber nichts sagen lassen, die erzählt einem doch sicher was vom Pferd.


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Kykladen Tag 2 – Mykonos, Parikia, Kolimpithres, Lefkes, Parikia – Leinen los!

Segel setzen auf Paros

geschrieben von Janni Montag, 5. Oktober 2020 um 22:25 Uhr

Zum Glück waren wir gestern noch im Supermarkt auf der Straßenseite gegenüber des Hafens. Die Gruppe, die vor uns das Boot hatte, hat zwar ein bisschen was dagelassen, allerdings nur veganes und glutenfreies Zeug. Muss total die Hipster-Gruppe gewesen sein. Ich mache mir wie zu Hause Porridge, der Rest macht sich Bacon & Eggs.


Um 9:30 legen wir ab. Wir bekommen noch einige Erklärungen zum Segeln, Begriffen und Knoten. Wir fahren so gut wie ausschließlich mit Motor nach Paros rüber.

Mykonos
Mykonos – die Insel ist vermutlich nach einem griechischen Restaurant benannt worden, zumindest heißen viele Restaurants in Deutschland so [Tamron 28–75mm F2,8 Di III RXD @ 29mm F7,1, Zirkularpolarisationsfilter, 1/200 s, ISO 100]

Aufgrund des Sciroccos ist es derzeit recht diesig und am heutigen Morgen sind auch noch viele Wolken am Himmel. Das legt sich aber größtenteils bis zu unserer Ankunft in Parikia, der Hauptstadt von Paros (manchmal wird auch die Stadt so genannt), um 13:55.

Das Restaurant am Anleger bietet Pita für 2,90 das Stück mit diversen Füllungen an. Griechenland kann auch günstig. Und bis auf die kalten Pommes in der Füllung schmeckt das auch ganz gut. Der nahe Supermarkt ist übrigens auch sehr brauchbar, recht günstig (teilweise 60% günstiger als der am Hafen von Mykonos) und entgegen der Beschreibung bei Google sogar bis 22 Uhr geöffnet.

Zwischen dem Restaurant und dem Supermarkt befindet sich eine Autovermietung. Wir mieten uns einen Fiat Panda. Besser gesagt ich miete ihn. Der Fiat Panda scheint hier der Mietwagen schlechthin zu sein. Ich frage mich, wieso ein Fiat Panda so klein ist, schließlich sind Pandas ja doch sehr große Tiere. Behäbig wie in Panda ist die Karre auf jeden Fall.

Erster Halt ist der Strand von Kolimpithres. Dort kann man schnorcheln. Es gibt die Ringelbrassen zu sehen, die ich auch auf Mallorca schon gesehen habe. Sie interessieren sich für das Skelett eines ca. 60 bis 70 Zentimeter langen Fisches, das am Meeresboden liegt. Das Skelett ist nahezu vollständig, nur der Kopf liegt etwas abseits, ebenso die Haut. Außerdem gibt es hier Streifenbarben:

Streifenbarbe
Streifenbarbe, Exemplar ohne Kinnbarteln [Tamron 28–75mm F2,8 Di III RXD @ 42mm F2,8, 1/1000 s, ISO 100]

Danach setzen wir uns in ein strandnahes Restaurant. Ich esse ein Eis, die anderen trinken ein Bier (Mythos). Wir sind die einzigen während unserer Anwesenheit. Ich finde es traurig, dass hier wegen Corona alles zugrunde geht.

Unser nächster Halt ist Lefkes, das wir gegen 18 Uhr erreichen. Also schnell noch versuchen, kurz vorm Sonnenuntergang noch ein paar Sonnenstrahlen mit der Kamera einzufangen, die es bis in die schmalen Gassen des Ortes schaffen.

Gasse in Lefkes
Gasse in Lefkes [Tamron 28–75mm F2,8 Di III RXD @ 33mm F7,1, 1/60 s (EV−1,3), ISO 250, HDR Auto]

Kurz darauf erreichen wir die Kirche Agia Triada.

Kirche Agia Triada
Agia Triada („Heilige Dreifaltigkeit“) [Sigma 20mm F1,4 Art @ F2,8, 1/400 s (EV−1), ISO 100, HDR Auto]

Auf dem Rückweg zum Auto bleiben wir im Restaurant Agnadio hängen. Von dort aus hat man einen tollen Ausblick auf Lefkes, das kurz darauf in der Dunkelheit versinkt.

Levkes im Dunkeln
Lefkes nach Sonnenuntergang [Sigma 20mm F1,4 Art @ F3,5, 4/5 s (EV−2,7), ISO 400, HDR Auto]

Nachdem ich mich nach der Rückfahrt zum Hafen noch mit koffeinhaltigen Erfrischungsgetränken eingedeckt habe, gehe ich mit einem der anderen beiden durch die Gassen der Marina von Parikia. Während hafennahe Restaurants teils recht gut von – offenbar wieder überwiegend deutschen Gästen – besucht sind, findet man weiter drinnen im Gassendschungel vergleichsweise wenig Laufkundschaft.

Gasse in Parikia am späten Abend
Gässchen in Parikia [Tamron 28–75mm F2,8 Di III RXD @ 28mm F3,5, 1/40 s, ISO 400]


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Kykladen Tag 3 – Parikia, Monastiri Beach, Naxos: Sehen und gesehen werden

Was hat Naxos, die wichtigste Kykladeninsel, so für uns zu bieten?

geschrieben von Janni Dienstag, 6. Oktober 2020 um 23:59 Uhr

Eigentlich wollen wir um 8:50 los. Aber die Herren auf dem Boot neben uns haben sich mit ihrem Anker mit unserem verhakt. Daher müssen die erst einmal ausparken. Einen der Herren, die an Deck stehen, haben wir offenbar beim Rasieren überrascht. Er steht während der ganzen Aktion mit Rasierschaum im ganzen Gesicht auf dem Boot und kurz darauf auf dem Anleger. Um 9:15 ist der Spuk vorbei und wir können Kurs auf Naxos setzen.

Vorher machen wir aber noch einen Schwimmstopp nahe des Ortes, wo wir gestern auch geschwommen sind. Mir gelingt hier kein einziges annährend gutes Unterwasserfoto, für die ich zudem eine ganze Ecke bis ans Ufer schwimmen muss. Auf meinem Rückweg zum Boot sehe ich in der Ferne ein bemerkenswert hässliches, großes Schiff in die Bucht einlaufen. Ich halte es für ein Militärschiff.

Tatsächlich ist es aber ein Privatschiff, wie sich herausstellt, als es wenig später ziemlich nah an unserem anhält. Es hat mindestens drei Beiboote, von dem ihm eines folgt. Das Schiff heißt Bold, was diverse Bedeutungen hat, u.a. frech. Oder klobig. Auf jeden Fall ist das Schiff mit seiner grauen Farbe vor allem eins: hässlich.

Bold [Tamron 28–75mm F2,8 Di III RXD @ 75mm F5, Zirkularpolarisationsfilter, 1/2000 s, ISO 100]

Ich packe mein Teleobjektiv aus. Offenbar haben sie da gerade dieses Snowboard-Video auf YouTube auf einer LED-Wand geschaut. Anhand des Basketballkorbs gehen wir von Amerikanern aus. Sachdienliche Hinweise werden entgegen genommen. Wir haben uns aber sowieso eher für das Mädel auf dem Beiboot interessiert.

Als wir die Bucht nach dem einstündigen Stopp wieder verlassen, verlässt auch ein anderes Schiff, etwas kleiner als das obige, die Bucht. Es verursacht eine Welle, die unseres ganz schön durchschüttelt. Ein Glas fällt auf den Boden und geht zu bruch. Mein Standardzoom fällt ebenfalls auf den Boden, bleibt aber ganz.

Um 13:30 erreichen wir Naxos-Stadt (auch Chora genannt). Die Insel Naxos ist zwar nicht bekannt für Nachos, aber für Kartoffeln und Käse. Bei unserem Mittagessen bei Restaurant Pikantiko können wir das mal probieren, bevor wir uns auf eigenes Faust im Ort umsehen können. In der Mitte der Stadt thront auf dem höchsten Punkt das Kastro, eine Burg. In deren Mauern (9. oder 10. Jahrhundert?) befindet sich eine katholische(!) Kirche (Mitropolitikos Naos Ypapantis tou Kyriou) und ein geschlossenes archäologisches Museum. Wirklich was zum Fotografieren gibt es leider nicht.

Katze mit sehr flauschigem Schwanz schaut wachsam
„Flauscheschwanz“ bewacht das Kastro [Tamron 28–75mm F2,8 Di III RXD @ 28mm F2,8, Zirkularpolarisationsfilter, 1/160 s, ISO 100]
Hafenpromenade von Naxos-Stadt mit Kastro
Das Kastro ist vom Hafen aus gut zu sehen [Tamron 28–75mm F2,8 Di III RXD @ 43mm F5, Zirkularpolarisationsfilter, 1/1000 s, ISO 100, HDR Auto]
Orthodoxe Kirche auf künstlicher Insel im Hafen von Naxos
„Die Kirche hat sich von den Menschen entfernt“ – stimmt, diese liegt auf einer winzigen künstlichen Insel im Hafen. Da es keine Treppe gibt, ist die Insel nur per Boot zu erreichen und nicht durch Schwimmen. [Tamron 28–75mm F2,8 Di III RXD @ 75mm F5, Zirkularpolarisationsfilter, 1/1000 s, ISO 100, HDR Auto]

Das Kastro ist aber nicht die einzige historische Städte in Naxos-Stadt. Es gibt auch das Portara (eine Art überdimensionaler Bilderrahmen) und die versunkene minoischen Gebäude am Strand von Grotta. Die Gebäude sind zu einem Riff geworden. Als muss es da Fische geben, oder? Insbesondere, da da gerade ein Mann ist, der Seeigel aufschneidet, um Teile zu Essen und den Rest auf den Meeresboden sinken zu lassen. Nachdem aber seit Kreta I die Latte für Unterwasserfotos sehr hoch liegt, sind die Fotos nicht so gut geworden.

Meerpfau
Meerpfau [Tamron 28–75mm F2,8 Di III RXD @ 42mm F2,8, 1/250 s, ISO 100]
Farbenspiele am Meeresboden
Das Wasser scheint gerade gegen Abend interessante Farbenspiele hervorzurufen. [Tamron 28–75mm F2,8 Di III RXD @ 42mm F2,8, 1/400 s, ISO 100]

Gegen 17:30 wird es zunehmend kalt im Wasser. Also zurück zum Boot. An einem Dünenweg steht ein Schild, auf dem auf Englisch steht: „ACHTUNG! GEFAHR! PRIVATEIGENTUM!“ Fidel Castro hätte zugestimmt, dass Privateigentum gefährlich ist, aber ansonsten ergibt das für mich keinen Sinn.

Hole mein Kameraequipment vom Boot, um die Portara. Als ich das Boot verlassen will, liegt auf der Leiter eine Katze. Sie kommt kurz aufs Boot. Katzen streunen in Griechenland herum und haben oft keine festen Besitzer. Es gibt aber Menschen, die sich um sie kümmern. So hat auch diese Katze einen Napf bekommen (rotes Gefäß im Hintergrund), in das unserer Bootsführer James später etwas Schinken tut, um die Katze vom Boot runter zu kriegen.

Katze blockiert den Weg
Katze blockiert den Weg – Pokéflöte benutzen? Oder doch lieber Schinken? [Tamron 28–75mm F2,8 Di III RXD @ 58mm F2,8, Zirkularpolarisationsfilter, 1/80 s, ISO 100]
Portara kurz vor Sonnenuntergang mit Naxos-Stadt im Hintergrund
Portara kurz vor Sonnenuntergang mit Naxos-Stadt im Hintergrund [Sigma 20mm F1,4 Art @ F5,6, 1/125 s, ISO 100]
Hafenpromenade von Naxos kurz nach Sonnenuntergang
Hafenpromenade von Naxos-Stadt bei Abenddämmerung [Sigma 20mm F1,4 Art @ F4, 1/8 s (EV−0,7), ISO 400]

Wir treffen uns auf dem Boot und gehen zu einem Restaurant. Das hat aber zu. Deshalb gehen wir einem anderen. Das hat WLAN. Der Name des Restarants ist nicht das Passwort. „Häng 2020 an und geh rückswärts“, meint der Reiseleiter, „die ändern das nicht so oft“. 2020 geht nicht, 2019 auch nicht. Wir fragen. 1991 ist die Antwort. Waren wohl sehr früh dran mit ihrem WLAN.

Im Hafen gibt es übrigens diesmal auch (zumindet an unserem Liegeplatz langsames, schwaches und instabiles) WLAN. Offenbar ein Premium-Hafen. Dabei kosten Häfen hier in der Region nur 3 oder 4 Euro pro Nacht. In Frankreich kann man da schnell mal zwei Nullen anhängen.

Jachten im Hafen, unsere ist die zweite von vorne (Philictetes) [Tamron 28–75mm F2,8 Di III RXD @ 70mm F8, Zirkularpolarisationsfilter, 5/1 s (EV−2,7), ISO 400, HDR EV±6]

Die Bilder von Kykladen Tag 1 sind jetzt vergrößerbar.


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Kykladen Tag 4 – Naxos-Stadt, Berg Zas, Drimalia, Koronos, Kinidaros, Naxos-Stadt: Kleine Inselrundfahrt

Auf Naxos gibt es viel zu sehen. Daher lohnt sich eine kleine Inselrundfahrt mit dem Mietwagen.

geschrieben von Janni Mittwoch, 7. Oktober 2020 um 23:02 Uhr

Heute steht ein Ausflug an. Der ist so mehr oder weniger durch den Tourleiter organisiert und kostet mit Mittagessen und allem drum und dran 45 Euro. Da er aber nicht fahren darf, müssen wir fahren, das heißt einer bis zum Mittag, ich zurück. Geklärt, wer fährt! Check!

Erster Halt ist der Berg Zas. Man kann bis zu einer bestimmten Stelle mit dem Auto fahren. Direkt beim Parkplatzes, nur einen großen Abhang hinunter in der Schlucht, liegt ein blaues Auto. „Das war die vorherige G-Adventures-Gruppe“, meint der Tourleiter, und dass er aus dem Grund nicht fahren darf. Ich finde, dass seine Argumentation viel besser käme, wenn das Auto lila wäre und G Adventures drauf stehen würde. So etwa:

Gefälschtes Bild eines Autounfalls
Photoshop-Philipp war auf Naxos unterwegs [Tamron 28–75mm F2,8 Di III RXD @ 30mm F8, Zirkularpolarisationsfilter, 1/60 s (EV−0,7), ISO 160]

Es gibt kurz nach dem Parkplatz ein Quelle. Während man sonst oft einen Aufkleber „Kein Trinkwasser“ findet, steht hier ein Schild, dass nur die Verwendung als Trinkwasser zulässt (Drinking water, Any other use is forbidden). Kurz in den Kalender geguckt: Okay, ist wohl Gegenteiltag. Das Wasser aus der Quelle läuft dann über Rinnen in einen Goldfischteich.

Zweiter Stopp ist dann die Zas-Berg-Zas-Höhle. Das klingt wie die Candy-Mountain-Candy-Höhle. Nur ohne hyperaktive, singende Buchstaben. Und meine Niere habe ich auch immer noch. Glaube ich zumindest.

Höhle am Berg Zas
Zas-Berg-Zas-Höhle [Sigma 20mm F1,4 Art @ F1,4, 1/20 s (EV−3), ISO 400]

Es gibt hier oben – neben einem tollen Ausblick – Ziegen, Grasmücken (vermutlich Samtkopf-Grasmücke), Grün- und Buchfinken, Schleuderschwanzagamen und Mauereidechsen (vermutlich Kykladen-Mauereidechse).

Aussicht vom Berg Zas
Aussicht vom Berg Zas (nicht vom Gipfel, der ist mir mit 1.001 Metern dann doch zu hoch, aber einer aus unserer Gruppe macht sich da oben mit einer Bergsteigerin ein Date klar) [Sigma 20mm F1,4 Art @ F8, 1/400 s, ISO 100, HDR Auto]
Grasmücke
Eine Grasmücke [Sony FE 70–300mm F4,5–5,6 G OSS @ 300mm F5,6, 1/320 s, ISO 125]
Kykladen-Mauereidechse
Kykladen-Mauereidechse [Sony FE 70–300mm F4,5–5,6 G OSS @ 300mm F8, 1/640 s, ISO 100]
Grünfink
Grünfink im Grünen [Sony FE 70–300mm F4,5–5,6 G OSS @ 300mm F8, 1/160 s, ISO 400]
Hardun
Hardun (Schleuderschwanzagame) [Sony FE 70–300mm F4,5–5,6 G OSS @ 300mm F8, 1/500 s, ISO 100]

Wir fahren – auf einem recht großen Umweg – zur Panagia Drosiani, einer Kirche. Der vordere Teil wurde im 12. Jahrhundert gebaut, der linke im 7. und der rechts hinten im 4. Jahrhundert. Finde ich seltsam, da der neueste Teil die beiden älteren Teile erstmals verbunden hat. Auf jeden Fall finden hier immer noch Gottesdienste statt, fotografieren darf man drinnen die Fresken aber nicht.

Panagia Drosiani
Panagia Drosiani [Sigma 20mm F1,4 Art @ F7,1, 1/640 s (EV−0,3), ISO 100, HDR Auto]

Zum Mittagessen fahren wir zu Matina & Stavros’ Taverne in Koronos. Klingt in dieser Zeit zwar gefährlich, ist aber sehr lecker.

Skado
Skado [Tamron 28–75mm F2,8 Di III RXD @ 75mm F8, 1/200 s (EV−0,3), ISO 100, HDR Auto]

Auf dem Rückweg halten wir noch kurz bei Kinidaros, um ein Foto vom ausgegebenenn Marmorsteinbruch zu machen. Ein Einsiedler haust hier offenbar mit einem Hund und vielen Katzen in einer Hütte. Die Tiere sehen wir, Menschen aber nicht.

Marmorsteinbruch von Naxos
Marmorsteinbruch von Naxos [Tamron 28–75mm F2,8 Di III RXD @ 37mm F8, Zirkularpolarisationsfilter, 1/200 s (EV−0,3), ISO 100, HDR Auto]

Wir bringen den Tourleiter zum Hafen. Dort ist inzwischen die Gruppe der Tour in die Gegenrichtung eingetroffen. Die Tour ist fast ausgebucht (mit überwiegend Mädels) und deren Boot älter. Es soll versucht werden, dass die unseres nicht sehen, allerdings liegen sie nur zwei Plätze weiter.

Ein anderer aus der Gruppe kommt mit mir noch zum Strand Agia Anna. Die Sonne ist zwar hinter Wolken und die Kamera lässt sich dazu verleiten, mit fix 1/60-Sekunde Belichtung zu fotografieren, was zwar der Kehrwert-Regel entspricht (die höchtmögliche Belichtungszeit bei handgehaltener Kamera ist etwa der Kehrwert der Brennweite), unterwasser aber nicht funktioniert. Aber man erkennt zumindest was:

Schleimfisch?
Ein Schleimfisch? [Tamron 28–75mm F2,8 Di III RXD @ 42mm F2,8, 1/60 s, ISO 100]
Fische am Strand Agia Anna
Brassen? [Tamron 28–75mm F2,8 Di III RXD @ 42mm F2,8, 1/60 s, ISO 100]

Abendessen ist heute nicht gemeinsam. Ich esse im Restaurant an der Strandpromenade, wo wir nach der Ankunft gegessen haben. Dadurch bezahle ich auch nur ein drittel so viel wie gestern. Danach gehen wir gemeinsam zum Portara für ein Nachtfoto.

Portara und Naxos-Stadt bei Nacht
Portara und Naxos-Stadt bei Nacht [Sigma 20mm F1,4 Art @ F1,4, 1/6 s (EV−0,3), ISO 1600, HDR Auto]
Grotta-Strand bei Nacht
Grotta-Strand bei Nacht, einige Sparfüchse liegen hier mit ihren Jachten, da es nichts kostet [Sigma 20mm F1,4 Art @ F1,7, 1/4 s (EV−1,7), ISO 1600, HDR Auto]


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Kykladen Tag 5 – Naxos-Stadt, Lavadi Beach, Agios Georgios, Lavadi, Agios Georgios: Zu den Kleinen Kykladen

Es kommt nicht immer auf die Größe an

geschrieben von Janni Donnerstag, 8. Oktober 2020 um 22:49 Uhr

Bisher waren wir ja auf den großen Inseln der Kykladen. Die haben jeweils eine Hauptstadt und zumindest einen regionalen Flughafen. Darüber kann Iraklia (Herakleia) nur lachen. Sie ist die flächenmäßig größte der Kleinen Kykladen und mit 141 Einwohnern von der bewohnten Inseln die mit der geringsten Einwohnerzahl:

Das Wetter heute Morgen auf Naxos ist grau mit immer wieder einigen Tropfen von oben. Ich spreche mit der anderen Gruppe (bestehend aus einem Typen und 6 Mädels, die aus Kanada, Belgien, Deutschland und der Schweiz kommen), die waren ebenfalls auf Iraklia, und davor waren sie auf Ios. Anders als unser Tourleiter hat ihrer (Dean) noch keinen festen Plan, dem er zu folgen versucht.

Um 10:45 legen wir mit mit 45 Minuten Verspätung ab. Ich finde diese Verzögerungen nervig. Nachdem wir den Hafen verlassen haben, setzen wir die Segel und fahren nur mit dem Wind zur Bucht von Lavadi nahe der Inselhauptstadt. Mir ist übel, da ich heute Morgen viel zu viel Porridge für mich gekocht habe. Daher beteilige ich mich auch nicht am Mittagessen, das der Tourleiter nach Ankunft in der Bucht gegen 13:45 kocht (Rührei). Stattdessen schwimme ich Richtung Strand.

Die Fische hier sind weniger scheu und – sagen wir mal – interessiert. Während ich Fotos mache, knabbert einer an meinem rechten Fuß. Die haben ganz schön spitze Zähnchen, die kleinen.

Ringelbrasse
Ringelbrasse [Tamron 28–75mm F2,8 Di III RXD @ 41mm F2,8, 1/400 s, ISO 100]
Zweibindenbrasse
Zweibindenbrasse [Tamron 28–75mm F2,8 Di III RXD @ 41mm F2,8, 1/400 s, ISO 100]
Gewöhnlicher Krake steckt in einer Ritze
Gewöhnlicher Krake [Tamron 28–75mm F2,8 Di III RXD @ 41mm F2,8, 1/400 s, ISO 100]
Glatter Flötenfisch
Glatter Flötenfisch [Tamron 28–75mm F2,8 Di III RXD @ 41mm F2,8, 1/500 s, ISO 100]

Um 16:30 fahren wir mit dem Boot mal eben kurz um die Ecke zum Hauptort und Hafen der Insel, Agios Georgios. Da der Hafen voll ist und ein Teil für die Fähre reserviert, halten wir in zweiter Reihe an einem „Transportkutter“. Das Boot sieht aus wie ein Fischkutter, dient aber nur zum Transport von Dingen auf die Insel hier.

Wir laufen über die gut ausgebaute (aber kaum befahrene) Hauptstraße der Insel zur Burg oberhalb des Lavadi-Strands, wo wir eben waren.

Lavadi-Strand
Lavadi-Strand [Tamron 28–75mm F2,8 Di III RXD @ 53mm F2,8, Zirkularpolarisationsfilter, 1/500 s, ISO 100, HDR Auto]

Was es genau mit der Burg auf sich hat, konnten wir nicht herausfinden. Sie wird wohl jetzt von Hirten genutzt oder so.

Lavadi-Burg-Ruinen mit diversen Inseln im Hintergrund
Blick von den Lavadi-Burg-Ruinen auf ebendiese, im Hintergrund links Naxos, rechts ganz hinten Schinoussa, davor die unbewohnte Insel Venetiko [Sigma 20mm F1,4 Art @ F8, 1/320 s (EV−0,3), ISO 100, HDR EV±6]

Der Sonnenuntergang ist recht brauchbar und die Sonne geht vom Boot aus gesehen direkt hinter Agios Georgios unter:

Sonnenuntergang auf Iraklia
Sonnenuntergang auf Iraklia [Sigma 20mm F1,4 Art @ F1,4, 1/8 s (EV−0,7), ISO 400]

Wir gehen zu einem Restaurant zum Abendessen. Ich gehe zwischendurch durch den Ort und mache Fotos wie dieses:

Straße in Agios Georgios bei Nacht
Straße in Agios Georgios bei Nacht [Sigma 20mm F1,4 Art @ F1,4, 10/25 s (EV−1,7), ISO 400, HDR Auto]

Als wir kurz nach 22 Uhr wieder zurück zum Boot gehen, kaufen wir noch kurz Bier (bzw. ich ein Eis) in einem Laden. Wirklich genießen können wir das nicht, da kurz nach unserer Ankunft am Boot ein Sturm aufkommt. Eigentlich wollte ich heute draußen schlafen, aber so wird das nichts.

Dann ist draußen Aufregung. Ein Boot hat in der Nähe einen Motorschaden erlitten und droht aufs Land zuzutreiben und auf Grund zu laufen. James hat unsere Hilfe angeboten, aber irgendwie hilft jetzt doch ein lokaler Fischer.


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Kykladen Nacht 5 - Agios Georgios: Der Abschleppdienst kommt

Wie 'ne Nacht-und-Nebel-Aktion nur ohne Nebel

geschrieben von Janni Freitag, 9. Oktober 2020 um 20:56 Uhr

Nachdem ich den gestrigen Blogpost hochgeladen habe, ist draußen immer noch Aufregung. Die Rettungsaktion beginnt gerade.

Fischerboot zieht Jacht
Das Fischerboot zieht die Jacht von der Küste weg... [Sigma 20mm F1,4 Art @ F1,4, 10/16 s (EV−2,3), ISO 400]
Fischerboot zieht Jacht
...und dann in Richtung des Hafens von Agios Georgios. [Sigma 20mm F1,4 Art @ F1,4, 1/8 s (EV−2,3), ISO 400]

In der Nähe des obigen Punktes wird dann der Anker geworfen. Die Jacht treibt auf den Strand zu, wird aber vom Anker aufgehalten. Da es aber gefährlich ist, falls sich der Anker löst, bei Wind auf die Küste zuzutreiben, holt ein Stand-up-Paddler noch eine Leine von der Jacht und befestigt sie am Anleger.

Ein Stand-up-Paddler legt von einer Jacht ab
Der Stand-up-Paddler (auf dem gelben Brett) holt die Leine von der Jacht ab. Die Position, die die Jacht auf dem Bild hat, ist mehr oder weniger auch die finale. [Sigma 20mm F1,4 Art @ F1,4, 1/3 s (EV−2,3), ISO 400]

Sollte es jetzt jedoch zu einem Wechsel der Windrichtung kommen, könnte die Jacht auf die Jacht links im Bild oder die Boote links davon zutreiben, u.a. unseres. Dies wird jedoch von den anwesenden Seeleuten ausgeschlossen.


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Kykladen Tag 6 – Agios Georgios, Rina-Bucht, Koufonisi, Finikas, Kourfonisi: Ist ’n hübsches Städtchen, das nehm ich

Einige der schönsten Bilder auf meinem Blog überhaupt – alle in nur einem einzigen Blogpost

geschrieben von Janni Freitag, 9. Oktober 2020 um 22:22 Uhr

Der nächste Morgen. Die defekte Jacht mit den französischsprachigen Schweizern drauf ist immer noch an Ort und stelle. Die Leine zum Anleger ist nicht straff. Woher ich letzteres weiß? Ich habe direkt nach dem Aufstehen eine Runde durch den Hafen von Agios Georgios gedreht.

Fischchen
Große Haie, kleine Fische. Hier eher letzteres. [Tamron 28–75mm F2,8 Di III RXD @ 42mm F2,8, 1/640 s, ISO 100]
Agios Georgios, Hauptort von Iraklio, nahezu komplett auf einem Bild
Agios Georgios, Hauptort von Iraklio, nahezu komplett auf einem Bild. [Tamron 28–75mm F2,8 Di III RXD @ 45mm F8, Zirkularpolarisationsfilter, 1/100 s, ISO 100]

Um 10:50 legen wir ab und erreichen eine Stunde später die Rina-Bucht von Naxos, wo wir baden. Fotos machen kann man fast nicht, weil es mehrere unterschiedlich warme Strömungen gibt.

Goldstriemen-Schwarm
Goldstriemen-Schwarm [Tamron 28–75mm F2,8 Di III RXD @ 41mm F2,8, 1/500 s, ISO 100]

Um 13:20 legen wir ab und fahren eine Stunde lang nach Pano Koufonisi (auch Ano Koufonisi genannt, Hauptort heißt Koufonisi). Der Seegang ist ziemlich stark, aber Koufonisi belohnt mit einem schönen Blick auf den Ort:

Koufonisi-Hauptort [Tamron 28–75mm F2,8 Di III RXD @ 41mm F8, Zirkularpolarisationsfilter, 1/320 s, ISO 100, HDR Auto]

Ich laufe einmal zum Nordostende der Insel (Finikas) und dann nördlich des Hauptortes an die Westküste. Da die Wellen dort alles aufwirbeln, kann man da nicht vernünftig schnorcheln. Von dort geht es zur Ruine der Prophet-Elias-Kirche. Geschichten zufolge sollte mehrfach versucht worden sein, die Ruine wiederaufzubauen, aber es sei jedes Mal zu einem Unglück gekommen. Die Ruinenstätte selbst, die aus weißen und blauen angemalten Blöcken besteht, ist nicht mehr zugänglich, da ein Zaun davor ist. Ich finde die Stätte auch nicht wirklich zeigenswert hier.

Ich treffe mich mit den anderen am Boot und wir gehen gemeinsam zum Abendessen zu Kapitän Nikolas. Von dort hat man eine tolle Aussicht auf die Karnagio-Windmühle:

Karnagio-Windmühle
Karnagio-Windmühle – da wird Holland neidisch! (Bei den griechischen Windmühlen werden die Tücher an den Flügeln bei Nichtbenutzung oder bei Sturm zusammengerollt.) [Sony FE 70–300mm F4,5–5,6 G OSS @ 105mm F5, 13/10 s (EV−0,7), ISO 400, HDR Auto]

Auf dem Rückweg fällt mir auf, dass offenbar gerade die Milchstraße am Himmel sein muss. Den milchigen Streifen kann man ja mit bloßem Auge problemlos sehen. Und tatsächlich geht die Milchstraße über Naxos auf:

Milchstraße über Naxos
Blick von Ludiko Beach (Strand auf Pano Koufonisi, vorne im Bild) auf die Milchstraße über Naxos. Links: Kato Koufonisi. [Sigma 20mm F1,4 Art @ F1,4, 10/1 s (EV−1), ISO 800]

Wir quatschen noch kurz auf der Jacht, bevor wir ins Bett gehen. Von der Jacht aus kann man den Ort Koufonisi sehen:

Koufonisi-Hauptort bei Nacht
Koufonisi-Hauptort bei Nacht [Sigma 20mm F1,4 Art @ F1,4, 5/1 s (EV−3), ISO 400, HDR Auto]


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Kykladen Tag 7 – Koufonisi, Vlichada, Ia, Vlichada: Die lange Fahrt

Heute fahren wir zum Santorini-Archipel, wo unsere Reise morgen gegen 9 Uhr endet.

geschrieben von Janni Sonnabend, 10. Oktober 2020 um 22:47 Uhr

Auf unserer heutigen Fahrt benutzen wir, wie bereits auf dem Weg von Mykonos nach Paros, Motor und Segel gleichzeitig. Wir wollen ja schnell nach Santorini, um später noch Ia zu besichtigen. Deshalb fahren wir auch schon um 8:30 von Koufonisi aus los.

Segel der G-Adventures-Jacht Philoctetes
Segel [Sigma 20mm F1,4 Art @ F8, 1/1250 s, ISO 100]

Wir fahren einmal durch die Caldera, so heißt das Innere des Vulkans. Darin befinden sich zwei Inselchen. Am Rand liegen zum einen die Hauptinsel Thira (meist als Santorin oder Santorini bezeichnet) und das kleinere Thirasia. Die Orte auf Thirasia sind nur über eine lange Treppe vom Hafen aus zu erreichen. Warentransport findet somit per Esel statt.

Kurz vor unserem Ziel, dem Hafen von Vlichada, machen wir um 14 Uhr noch einen anderthalbstündigen Schwimmstopp. James hat einen Termin zum Anlegen um 16 Uhr, sodass wir auch nicht früher sein können.

Der Schwimmstopp findet an einem Felsenstrand statt. Es gibt hier aufällig viele Petermännchen, die aber mangels Sand einfach auf den Felsen unter Wasser sitzen. Wieder beim Boot füttern wir die Fische mit Brot. Dadurch kommen sehr viele Fische zum Boot, leider hauptsächlich die sonst auch allgegenwärtigen Ringelbrassen.

Pünktlich um 16 Uhr kommen wir in Vlichada an. Der Hafen ist recht eng, deshalb müssen wir quer parken.

Ich habe mich damit durchgesetzt, dass wir nicht mit dem Bus zur Inselhauptstadt Fira fahren, sondern uns einen Mietwagen nehmen, um damit zum anderen Ende der Insel nach Ia zu fahren. Das ist die Stadt, die auf allen Griechenland-Reiseführern zu sehen ist. Für alle, die sich fragen, was ich meine:

Typische Architektur von Ia
Ia [Sigma 20mm F1,4 Art @ F8, 1/400 s, ISO 100]

Auf Reiseführern wird meist eine Ansicht gewählt, bei denen die blauen Kuppeln der Kirchen sichtbar sind. Dies ist aufgrund der Uhrzeit nicht mehr möglich. Die Sonne geht nämlich schon unter:

Kleines Segelboot vorm Sonnenuntergang
Kleines Segelboot vorm Sonnenuntergang, von Ia aus gesehen [Tamron 28–75mm F2,8 Di III RXD @ 75mm F8, 1/3200 s, ISO 100]
Byzantinische Ruine in Ia
Die byzantinische Ruine links ist auch nach Sonnenuntergang noch ein beliebter Treffpunkt für Fotografen [Sigma 20mm F1,4 Art @ F3,5, 1/10 s (EV−0,7), ISO 400]
Ia nach Sonnenuntergang
Ia nach Sonnenuntergang [Sigma 20mm F1,4 Art @ F1,7, 1/8 s (EV−0,7), ISO 400]
Ia nach Sonnenuntergang
Ia nach Sonnenuntergang [Sigma 20mm F1,4 Art @ F1,7, 1/6 s (EV−0,7), ISO 200]

Außerdem können wir morgen mit dem Mietwagen mich zum Flughafen und die anderen beiden zu ihren Hotels für die Anschlussverlängerung fahren. Dazu haben wir den Zuschlag für die Einwegmiete bezahlt. Auf den Inseln in Griechenland läuft die Rückgabe eines Mietwagens mit Einwegmiete so: Man lässt die Karre irgendwo stehen und den Schlüssel stecken. Den Ort teilt man dem Vermieter mit, der holt die Karre ab. Abhandenkommen kann die Karre nicht, weil man sie nichr auf die Fähre kriegt. Ein Franzosenpärchen hat mal auf den Kykladen ein Bild aus einem Museum geklaut, da haben sie die Fährverbindung geschlossen.

Bei unserer Ankunft in Ia haben wir bei einem Restaurant nach Bier gefragt. Uns wurde empfphlen, es doch für deutlich weniger Geld einfach 100 Meter weiter beim Minimarkt zu kaufen. Haben wir dann auch gemacht. Wir entschließen uns, nach dem Fotografieren in dem Restaurant zu Abend zu essen. Ich schlage vor, dass wir vorher noch Bier im Minimarkt kaufen und mit ins Restaurant nehmen.

Noch eine Randnotiz: Während unserer Aufenthalts in Ia durchfährt die Mein Schiff 6 die Caldera (auf dem Bild mit der byzantinischen Ruine das pinke Licht im Hintergrund). Ich zähle einige hundert Leute an Bord. Auch bei meiner Abreise aus Iraklio stand ein TUI-Kreuzfahrtschriff dort im Hafen. Es finden also tatsächlich wieder Kreuzfahrten statt. In Griechenland ist Urlaub derzeit sehr normal. Fast schon zu normal, denn beim Beobachten des Sonnenuntergangs auf der byzantinischen Ruine (wo die Bilder oben entstanden sind) trägt kaum einer eine Maske...


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Kykladen Tag 8 – Vlichada, Fira, Monolithos, Stuttgart, Bremen: Willkommen in der Kälte

Aber bevor es in die Kälte geht, schaue ich mir noch kurz die Inselhauptstadt Fira an

geschrieben von Janni Sonntag, 11. Oktober 2020 um 22:45 Uhr

Heute müssen wir früh aufstehen. Wir müssen noch unsere Sachen packen und ein bisschen aufräumen. Um 9 Uhr sollen wir das Boot verlassen. Offiziell soll man übrigens nicht vor 14 Uhr fliegen. Weil der Flug mit Eurowings um 12:30 aber so gut (und günstig) war, habe ich den trotzdem gebucht. Leben am Limit eben.

G-Adventures Doppelkabine
Hier habe ich geschlafen. Das Boot (übrigens dasselbe Modell wie auf dem Ausflug nach Dia) hat zwei solcher Kabinen im Bug; in der anderen hat James übernachtet. Die beiden gelten als Doppelkabinen. Wie da zwei Leute reinpassen sollen, kann ich mir nicht vorstellen. Außerdem gibt es im Bug ein von uns nicht genutztes Zimmer mit einem Stockbett (Twinkabine – es sind aber nur ausdrücklich als Doppelkabinen bezeichnete Kabinen buchbar) und zwei Zimmer mit einem deutlich breiteren Bett im Heck. (Handyfoto, Mi 9T Pro, Ultra-Weitwinkel-Kamera)

Tatsächlich verlassen wir das Boot gegen 9:30 und damit 1 Stunde vor Plan. Wir fahren mit dem Mietwagen noch kurz in die Inselhauptstadt Fira. Ja, der Grieche ist echt gut darin, möglichst verwirrende Ortsnamen zu finden:

Caldera des Santorini-Archipels
Neben Thira (links ins Bild hineinragend) und Thirasia (rechts ins Bild hineinragend) gehören zum Santorini-Archipel noch die unbewohnten Inseln Nea Kameni und Palia Kameni (nicht als einzelne Inseln erkennbar) sowie Aspronisi (direkt dahinter mit dem hellen Plateau). Ebenfalls dazu gehören die drei Christiana-Inseln, wobei die dritte nur als dunkler Fleck in der Vergrößerung sichtbar ist. [Tamron 28–75mm F2,8 Di III RXD @ 44mm F8, 1/80 s, ISO 100]

Eigentlich haben wir es falsch gemacht und hätten Ia am Vormittag und Fira am Nachmittag besuchen sollen. Dadurch wäre das Licht an diversen Stellen besser gewesen, wobei Ia auch am Nachmittag einen Reiz hat. Vormittags ist Fira auf jeden Fall fotografisch eine Herausforderung, da man oft gegen das Licht fotografiert.

Fira mit weiteren Dörfern auf Thira im Hintergrund
Das im Vorderung ist Fira, aber Häuser oder Hausansammlungen/Dörfer sind über die ganze Insel verstreut [Tamron 28–75mm F2,8 Di III RXD @ 45mm F8, 1/200 s, ISO 100, HDR Auto]

45 Minuten sind rum. Ich habe Fotos gemacht, die anderen gefrühstückt. Also ab zum Flughafen. Ach verdammt: Wir wurden zugeparkt. Der Fahrer des zuparkenden Autos sieht mich und parkt sein Fahrzeug woanders hin. Zum Glück. So komme ich rechtzeitig zum Flughafen (die anderen beiden fahren weiter zu ihren Hotels nördlich von Fira). Der heißt übrigens Santorini, Thira oder Fira. Je nachdem, wo man guckt. Tatsächlich steht er in Monólithos. Häuser aus diesem Ort (sowie das Hotel DL Santorini) stehen weniger als 100 Meter von der Landebahn entfernt direkt am Flughafengelände. Noch ist am Flughafen vergleichsweise wenig los, aber er wird gerade ausgebaut. Aus Verzweiflung über die nur 4 Gates geht mein Flug aus dem Nicht-Schengen-Bereich (Gate 4) des Flughafens, obwohl es ein Schengenflug ist.

Das Flugzeug ist nahezu voll, obwohl man den Flug nur ganz kurz buchen konnte. Es wäre wohl ganz voll gewesen, hätte Eurowings wie angekündigt einen A319 und nicht einen A320-214 (D-AEWU) eingesetzt. Außer mir dürften alle anderen Passagiere Pauschaltouristen sein.

Wir erreichen Stuttgart über eine halbe Stunde zu früh. Die gewonnene Zeit bringt mir nichts, denn auf dem Flug mit der österreichischen Eurowings Europe (OE-LYY) nach Bremen stürzt kurz vorm Abflug ein Computer im Flugzeug ab, der erst wieder hochfahren muss. Statt 10 Minuten zu früh starten wie somit 15 Minuten zu spät.

Immerhin bin ich mit einem Airbus von Santorini abgeflogen. Sonst fliegen hier oft Regionalflugzeuge mit Turboprop-Antrieb wie die ATR 72 oder die DHC-8. Vor nicht mal drei Monaten gab es einen Totalverlust des letzteren Flugzeugtyps in Beledweyne in Somalia: Bei der Landung wurde ein Esel erfasst, das Flugzeug kam von der Landebahn ab, ging in Flammen auf und brannte aus, da man statt auf eine Flughafenfeuerwehr lieber auf das das Löschen per Eimerkette setzte. Immerhin: Niemand wurde getötet (außer dem Esel).

Ich schweife ab.


Auf meiner allgemeinen Reisebewertungsskala kriegt die Reise eine 7/10. Diese Wertung ist absichtlich stark subjektiv, da hierzu beispielsweise auch beiträgt, wie gut ich es selbst auf die Reihe gekriegt habe, mir eine interessante Reise zu buchen, die Kultur, Tiere, Landschaft usw. bietet. Kultur und Tiere kamen zu kurz, daher die 7/10.

Bewertet man die Reise anhand dessen, was sie sein möchte und sein kann, schneidet sie deutlich besser ab. Das liegt daran, dass sie Tiere und Kultur gar nicht haben wollte. Hauptkritikpunkt bleibt aber das Rumgetrödel, was auch an der Gruppe liegt. Jetzt kann man meinen, man solle nicht so’n Stress machen, aber die Tagundnachtgleiche ist schon vorbei und die Tage werden rapide kürzer. Derselbe Zeitplan im Juni/Juli wäre kein Problem gewesen, wenn man noch zwei Stunden mehr Tageslicht auf den Inseln gehabt hätte.

Auf jeden Fall eine tolle Reise auch für die Umstände. Ob überhaupt eine von meinen Planungen im nächsten Jahr stattfindet? Ich glaube nicht, aber man wird es sehen. Da das dann aber alles Pauschalreisen sind, hält sich immerhin das Risiko in Grenzen. Diese Reise war wie alles ab Mitte 2017 von mir selbst aus verschiedenen Komponenten zusammengestellt. Das hat erstaunlich gut funktioniert und ich war insbesondere vom Maritimo Beach Hotel auf Kreta sehr positiv überrascht.


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